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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Hake brummte, schob die Lampe aber doch auf ein Regalbrett. Er zögerte, sah sie an, und Rand war sicher, daß er drauf und dran war, Jak und Strom das Zeichen zum Angriff zu geben. Doch dann blickte er berechnend auf Rands Schwert und wies die beiden großen Männer mit einer schnellen Kopfbewegung zur Tür. Über ihre breiten Gesichter huschte Überraschung, aber sie folgten ihm ohne einen Blick nach hinten aus dem Raum.

Rand wartete, bis das Knarren ihrer Schritte verklungen war, zählte dann bis fünfzig und streckte den Kopf aus der Tür. Die Dunkelheit im Flur wurde nur von einem rechteckigen Lichtstreifen unterbrochen, der ihm so fern wie der Mond erschien: dem Umriß der Tür zum Schankraum. Als er den Kopf wieder einzog, bewegte sich etwas Großes im Dunkel in der Nähe dieser Tür. Jak oder Strom. Einer stand Wache.

Eine kurze Untersuchung sagte ihm alles über die Tür, was er wissen mußte, allerdings nichts Gutes. Die Bretter waren stark und fest, aber es gab kein Schloß und keinen Riegel auf der Innenseite. Wenigstens öffnete sie sich in den Raum hinein.

»Ich dachte, jetzt gehen sie auf uns los«, sagte Mat. »Worauf warten sie noch?« Er hatte den Dolch herausgeholt und hielt ihn in einer Faust. Die Knöchel waren weiß vor Anstrengung. Das Licht der Lampe schimmerte auf der Klinge. Bogen und Köcher lagen vergessen am Boden.

»Daß wir einschlafen.« Rand kramte zwischen den Fässern und Kisten herum. »Hilf mir, etwas zu finden, um die Tür zu verbarrikadieren.«

»Warum? Du willst doch nicht wirklich hier schlafen, oder? Klettern wir aus dem Fenster, und dann nichts wie weg. Ich bin lieber naß als tot.«

»Einer von ihnen ist am Ende des Flurs. Wenn wir irgendein auffälliges Geräusch machen, sind sie innerhalb eines Wimpernschlags hier drinnen. Ich glaube, Hake wird eher riskieren, uns wach gegenüberzustehen, als uns laufenzulassen.«

Leise fluchend machte sich auch Mat auf die Suche, aber in dem Abfall auf dem Boden war nichts Brauchbares zu finden. Die Fässer waren leer, die Kisten zersplittert, und auch wenn sie einfach alles vor die Tür schichteten, würde das keinen daran hindern, sie zu öffnen. Dann entdeckte Rand etwas Bekanntes auf einem Regaclass="underline" zwei Eisenkeile, rostig und mit Staub bedeckt. Er nahm sie grinsend herunter.

Eilig schob er sie unter die Tür, und als der nächste Donnerknall die Schenke erzittern ließ, trieb er sie schnell mit kurzen Fersentritten hinein. Der Donner verhallte, und er hielt die Luft an und lauschte. Er hörte nur das Trommeln des Regens auf dem Dach. Keine Bodenbretter, die unter rennenden Füßen quietschten. »Das Fenster«, sagte er.

Es war, der es umgebenden Schmutzkruste nach zu schließen, seit Jahren nicht mehr geöffnet worden. Sie stemmten sich gemeinsam dagegen und drückten mit aller Kraft. Rands Knie zitterten, bevor der Rahmen endlich nachgab und bei jeder Handbreit Öffnung knirschte. Als die Öffnung groß genug war, um sich hindurchzuzwängen, duckte er sich und hielt dann inne.

»Blut und Asche!« grollte Mat. »Kein Wunder, daß Hake sich keine Gedanken machen mußte, wir könnten hier herausschlüpfen.«

Eisenstäbe in einem eisernen Rahmen glänzten naß im Licht der Lampe. Rand drückte gegen das Gitter. Es war so fest wie ein Felsblock.

»Ich habe etwas gesehen«, sagte Mat. Er kramte hastig in dem Zeug auf den Regalen herum und kam mit einem rostigen Stemmeisen zurück. Er rammte das eine Ende unter den Eisenrahmen, und Rand fuhr zusammen.

»Denk an den Lärm, Mat!«

Mat verzog das Gesicht und fluchte wieder leise, wartete aber ab. Rand legte die Hände um das Stemmeisen und versuchte, mit den Füßen in der sich ständig erweiternden Pfütze auf dem Boden einen sicheren Halt zu finden. Donner grollte und sie stemmten sich wieder gegen das Eisen. Unter dem gequälten Quietschen von Nägeln, das Rand die Haare zu Berge stehen ließ, bewegte sich der Rahmen ein wenig — einen Fingerbreit vielleicht. Also nützten sie jedes Donnergrollen, jeden Blitzschlag, und stemmten sich ein ums andere Mal gegen das Eisen. Nichts. Ein Fingerbreit. Nichts. Eine Haaresbreite. Nichts. Nichts.

Plötzlich rutschte Rand in der Nässe aus, und sie fielen zu Boden. Das Stemmeisen klapperte wie ein Gong gegen das Gitter. Er lag in einer Pfütze, hielt den Atem an und lauschte. Stille — bis auf den Regen.

Mat rieb sich die angeschlagenen Knöchel und sah ihn böse an. »Wenn es so weitergeht, kommen wir nie hier raus.« Der Eisenrahmen war kaum so weit herausgedrückt, daß man zwei Finger drunterklemmen konnte. Und selbst diese Öffnung war von Dutzenden starker Nägel versperrt.

»Wir müssen es eben weiter versuchen«, sagte Rand und stand auf. Doch als er wieder das Stemmeisen unter die Kante des Rahmens schob, quietschte die Tür, als versuche jemand, sie zu öffnen. Die Keile hielten. Er tauschte einen besorgten Blick mit Mat. Mat zog wieder den Dolch heraus. Die Tür knarrte erneut.

Rand atmete tief ein und bemühte sich, seine Stimme fest erscheinen zu lassen. »Geht weg, Hake. Wir versuchen, zu schlafen.«

»Ich fürchte, das ist eine Verwechslung.« Die Stimme klang so aalglatt und von sich eingenommen, daß sie ihren Ursprung verriet: Howal Gode. »Meister Hake und seine... Lakaien werden uns nicht stören. Sie schlafen fest und werden am Morgen höchstens in der Lage sein, sich darüber zu wundern, wohin Ihr verschwunden seid. Laßt mich ein, meine jungen Freunde. Wir müssen miteinander sprechen.«

»Wir haben keinen Grund, mit Euch zu sprechen«, sagte Mat. »Geht und laßt uns schlafen.«

Godes Lachen klang bösartig. »Natürlich müssen wir uns über etwas unterhalten. Das wißt Ihr so gut wie ich. Ich habe es Euren Augen abgelesen. Ich weiß, was Ihr seid, vielleicht sogar besser als Ihr selbst. Ich kann fühlen, wie es in Wellen vor Euch herfließt. Ihr gehört jetzt schon halb meinem Herrn. Hört auf wegzulaufen und findet Euch damit ab. Dann wird alles viel leichter für Euch. Wenn Euch die Weiber von Tar Valon finden, dann werdet Ihr Euch noch wünschen, Ihr könntet Euch selbst die Kehle durchschneiden, und das, bevor sie mit Euch fertig sind. Aber Ihr könnt es nicht mehr. Nur mein Herr kann Euch vor ihnen beschützen.«

Rand hatte schwer zu schlucken. »Wir haben keine Ahnung, wovon Ihr sprecht. Laßt uns in Ruhe.« Der Fußboden im Flur knarrte. Gode war nicht allein. Wie viele Männer konnte er in zwei Kutschen mitgebracht haben?

»Hört auf, Euch wie Narren zu benehmen, meine jungen Freunde! Ihr wißt es doch. Ihr wißt es ganz genau. Der Große Herr der Dunkelheit hat Euch als sein eigen gezeichnet. Es steht geschrieben, wenn er erwacht, dann werden ihn die neuen Schattenlords erwarten, um ihm zu huldigen. Ihr müßt zwei davon sein, sonst wäre ich nicht ausgesandt worden, Euch zu finden. Denkt daran: ewiges Leben und mehr Macht, als Ihr Euch erträumen könnt.« Seine Stimme klang gepreßt, als hungere er selbst nach eben dieser Macht.

Rand sah zum Fenster hinaus, als gerade ein Blitz den Himmel zerriß, und er hätte beinahe laut gestöhnt. Der kurze Moment Helligkeit zeigte ihm, daß draußen Männer standen, die den Regen, der sie durchnäßte, einfach mißachteten und das Fenster beobachteten.

»Ich bin dieses Spiels müde«, verkündete Gode. »Ihr werdet Euch meinem Meister unterwerfen — Eurem Meister -, oder Ihr werdet unterworfen. Das wäre nicht angenehm für Euch. Der Große Herr der Dunkelheit herrscht über den Tod, und er kann Leben im Tod oder Tod im Leben gewähren, wie er es wünscht. Öffnet diese Tür. Auf die eine oder andere Weise ist Euer Wegrennen beendet! Öffnet sie, sage ich!«

Er mußte auch noch etwas anderes gesagt haben, denn plötzlich prallte ein schwerer Körper gegen die Tür. Sie bebte, und die Keile verschoben sich ein ganz klein wenig. Auf dem Holz zeigte sich eine Rostspur. Immer wieder wurde die Tür erschüttert, wenn Körper dagegenprallten. Manchmal hielten die Keile, manchmal gaben sie wieder etwas nach, und so wurde die Tür ganz allmählich, aber unaufhaltsam nach innen gedrückt.

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