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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Er wollte das Gespräch der Frauen nicht belauschen, aber einiges von dem, was sie sagten, ließ ihn dann doch die Ohren spitzen.

»Das hört sich verrückt an, finde ich.«

»Verrückt oder nicht, so hat man es mir jedenfalls erzählt. Er hat die Hälfte aller Schenken im Ort durchgemacht, bevor er hierher kam. Ist nur hereingekommen, hat sich umgeschaut und ist dann ohne ein Wort wieder hinausmarschiert, sogar aus der Königlichen Schenke. So, als ob es überhaupt nicht regnen würde.«

»Vielleicht hat er die hier für die bequemste gehalten.« Das rief einen Sturm von Gelächter hervor. »Wie ich gehört habe, ist er überhaupt erst nach Anbruch der Dunkelheit in Vier Könige angekommen, und seine Pferde müssen ganz schön fertig gewesen sein, so hart hat er sie rangenommen.«

»Wo ist der denn hergekommen, wenn er in der Dunkelheit noch draußen war? Nur Narren oder Verrückte verreisen, ohne richtig zu planen.«

»Na ja, vielleicht ist er ja ein Narr, aber ein reicher! Ich habe gehört, daß er noch eine zweite Kutsche hat, für seine Diener und das Gepäck. Da ist Geld zu holen, sage ich euch. Habt ihr seinen Umhang gesehen? Ich hätte nichts dagegen, wenn der mir gehörte.«

»Für meinen Geschmack ist er ein bißchen dick. Aber ich sage immer: Ein Mann kann gar nicht zu dick sein, wenn er dafür genug Gold hat.« Sie bogen sich alle vor Kichern, und die Köchin legte den Kopf in den Nacken und lachte schallend. Rand ließ seine Gabel auf den Teller fallen. In seinem Kopf bohrte ein Gedanke, der ihm gar nicht gefiel. »Ich bin gleich wieder zurück«, sagte er. Mat nickte kaum sichtbar und stopfte sich ein Stück Kartoffel in den Mund.

Rand nahm den Gürtel mit seinem Schwert und den Umhang. Er zog sich an und ging zum Hinterausgang. Niemand beachtete ihn.

Es goß in Strömen. Er legte sich den Umhang um und zog die Kapuze über den Kopf. Mit einer Hand hielt er den Umhang zu, während er über den Stallhof lief. Ein wahrer Wasservorhang verbarg alles, außer wenn es gerade blitzte, aber er fand doch, wonach er gesucht hatte. Man hatte die Pferde in den Stall gebracht, doch die beiden schwarzlackierten Kutschen standen glänzendnaß im Freien. Donner grollte, und ein Blitz zuckte über der Schenke auf. Der kurze Moment der Beleuchtung reichte ihm, um einen Namen in Goldschrift auf den Kutschentüren ausmachen zu können. Howal Gode.

Ohne auf den Regen zu achten, der auf ihn herunterprasselte, starrte er den Namen an, den er nicht einmal mehr sehen konnte. Er erinnerte sich daran, wo er zum letzten Mal schwarzlackierte Kutschen mit den Namen ihrer Eigentümer auf den Türen und dazu aalglatte, übergewichtige Männer in seidenbesetzten Samtumhängen und Samtschuhen gesehen hatte. Weißbrücke. Ein Kaufmann aus Weißbrücke konnte durchaus einen legitimen Grund haben, nach Caemlyn zu fahren. Einen Grund, der ihn dazu führt, die Hälfte aller Schenken im Ort abzuklappern und dann ausgerechnet dort einzukehren, wo du bist? Und dann starrt er dich an, als habe er gefunden, wonach er suchte?

Rand schauderte, und es wurde ihm bewußt, daß ihm Regenwasser den Rücken hinunterrann. Sein Umhang war wohl dicht, aber nicht für einen solch gewaltigen Regenguß geeignet. Er eilte zur Schenke zurück. Die Pfützen, durch die er platschte, wurden immer tiefer. Jak stand in der Tür, als er eintreten wollte.

»Na, na, na! Allein hier draußen im Dunklen. Die Dunkelheit ist gefährlich, Junge.«

Regennasse Haarsträhnen klebten an Rands Stirn. Bis auf sie beide war der Stallhof leer. Er fragte sich, ob Hake Schwert und Flöte unbedingt jetzt schon haben wollte und sogar riskierte, daß ihm die Menge im Schankraum weglaufen würde.

Mit einer Hand wischte er sich die Nässe von der Stirn und aus den Augen, die andere griff nach seinem Schwert. Auch naß war das Noppenleder noch ausgesprochen griffig. »Meint Hake etwa, die Leute blieben alle nur seines Bieres wegen und nicht, weil ihnen Unterhaltung geboten wird? Wenn das so ist, dann nehmen wir eben das Essen als Bezahlung für die geleistete Arbeit und machen uns wieder auf den Weg.«

Der grobschlächtige Mann, der im Trockenen stand, blickte in den Regen hinaus und schnaubte: »Bei dem Wetter?« Sein Blick glitt hinab zu Rands Hand auf dem Schwertgriff. »Weißt du, ich und Strom haben gewettet. Er denkt, du hast das deiner alten Großmutter gestohlen. Ich glaube aber, deine Oma würde dich mit dem Besen um den Schweinestall hetzen und dann zum Trocknen aufhängen.« Er grinste. Seine Zähne standen teilweise schief und waren ganz gelb. Das Grinsen ließ ihn noch bösartiger erscheinen. »Der Abend ist noch lang, Junge.«

Rand schob sich an ihm vorbei, und Jak ließ ihn mit einem häßlichen Auflachen ziehen. Drinnen warf er seinen Umhang zur Seite und ließ sich auf die Bank am Tisch fallen, die er erst Minuten vorher verlassen hatte. Mat hatte seinen zweiten Teller geschafft und ›arbeitete‹ an einem dritten. Er aß jetzt langsamer, aber sehr bewußt, als plane er, jeden Bissen zu verzehren, und wenn er auch platzte.

Jak stellte sich an die Tür zum Stallhof, lehnte sich an die Wand und beobachtete sie. Selbst die Köchin verspürte aber anscheinend kein Bedürfnis, sich mit ihm zu unterhalten.

»Er kommt aus Weißbrücke«, sagte Rand leise. Es war nicht nötig, zu sagen, wen er mit ›er‹ meinte. Mats Kopf drehte sich ihm zu. Ein auf die Gabel gespießtes Stück Rindfleisch hing auf halbem Weg zum Mund bewegungslos in der Luft. Rand war sich der Tatsache nur zu bewußt, daß Jak sie beobachtete, und so rührte er im Essen auf seinem Teller herum. Er hätte jetzt keinen Bissen mehr heruntergebracht, und wenn er am Verhungern gewesen wäre, aber er täuschte großes Interesse an seinen Erbsen vor, während er Mat von den Kutschen berichtete und was die Frauen gesagt hatten, falls Mat das nicht mitbekommen haben sollte.

Offensichtlich hatte er das nicht. Mat zwinkerte überrascht und pfiff durch die Zähne, blickte dann finster das Stück Fleisch an seiner Gabel an und warf es auf den Teller zurück. Rand wünschte, er würde sich wenigstens etwas Mühe geben, sich unverdächtig zu benehmen.

»Er ist hinter uns her«, sagte Mat, als er fertig war. Die Runzeln auf Mats Stirn vertieften sich. »Schattenfreund?«

»Vielleicht. Ich weiß nicht.« Rand sah nach Jak, und der grobschlächtige Mann streckte sich auffällig. Er hatte Schultern wie ein Hufschmied. »Glaubst du, wir kommen an dem vorbei?«

»Nicht, ohne daß er Trubel veranstaltet und uns Hake und den anderen auf den Hals hetzt. Ich wußte, wir hätten nicht hierbleiben sollen.«

Rand blieb vor Verblüffung der Mund offen, aber bevor er etwas herausbringen konnte, schob sich Hake durch die Tür zum Schankraum. Hinter ihm ragte Stroms große Gestalt auf. Jak stellte sich direkt vor die Hintertür. »Wollt ihr die ganze Nacht lang essen?« bellte Hake. »Ich hab euch nichts zu essen gegeben, damit ihr euch hier draußen auf die faule Haut legt!«

Rand sah seinen Freund an. Mat formte mit den Lippen das Wort ›später‹, und so packten sie unter den wachsamen Augen von Hake, Strom und Jak ihre Sachen. Sobald Rand und Mat erschienen, wurden durch den Lärm des Schankraums hindurch Rufe nach weiterem Jonglieren und die Titel neuer Lieder laut. Der Mann im Samtumhang — Howal Gode — schien immer noch alle anderen um sich herum zu ignorieren, aber er saß trotzdem gespannt auf der Stuhlkante. Bei ihrem Anblick lehnte er sich mit einem befriedigten Lächeln auf den Lippen zurück.

Rand war als erster vorn auf dem Podium an der Reihe. Er spielte ›Wasser aus dem Brunnen‹, doch er war nur mit halbem Herzen dabei. Keiner schien die wenigen falschen Töne zu bemerken. Er versuchte zu überlegen, wie sie wohl entkommen könnten, und zu vermeiden, Gode direkt anzusehen. Wenn er wirklich hinter ihnen her war, hatte es keinen Sinn, ihm zu zeigen, daß sie Bescheid wußten. Und was das Entkommen betraf...

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