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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Viele Gäste liebten es auch, die Kellnerinnen zu betatschen, wenn eine gerade nicht aufpaßte. Mehr als einmal mußten Jak oder Strom einer der Frauen zur Hilfe kommen. Sie beeilten sich allerdings nicht gerade dabei. Hake schrie die entsprechende Frau dann auch noch an und schüttelte sie. Er gab ihnen grundsätzlich die Schuld daran, und sie fanden sich unter Tränen und gestammelten Entschuldigungen mit seiner Auffassung ab. Die Frauen sprangen schon, wenn Hake nur die Augenbrauen hochzog, selbst wenn er irgendwo anders hinblickte. Rand fragte sich, warum sie sich das gefallen ließen.

Hake lächelte, wenn er Rand und Mat ansah. Nach einer Weile wurde es Rand aber klar, daß Hake nicht sie anlächelte. Das Lächeln bezog sich auf das, was hinter ihnen auf der Bank lag: das Schwert mit dem Reiherzeichen. Einmal, als Rand die mit Gold und Silber verzierte Flöte neben seinen Hocker legte, lächelte er auch die Flöte an.

Beim nächsten Platztausch mit Mat auf dem Podium beugte er sich hinüber und sagte Mat etwas ins Ohr. Sogar auf diese geringe Entfernung hin mußte er laut sprechen, doch bei dem Hintergrundlärm bezweifelte er, daß irgend jemand mithören konnte. »Hake wird versuchen, uns auszurauben.«

Mat nickte, als habe er das schon erwartet. »Wir müssen unsere Tür heute nacht verbarrikadieren.«

»Unsere Tür verbarrikadieren? Jak und Strom könnten eine Tür mit bloßen Fäusten einschlagen. Hauen wir lieber ab!«

»Warte zumindest bis nach dem Essen. Ich habe Hunger. Hier drin können sie uns nichts tun«, fügte Mat hinzu. Der vollgestopfte Schankraum rief ihnen ungeduldig zu, endlich weiterzumachen. Hake sah sie böse an. »Wollt Ihr heute nacht draußen schlafen?« Ein besonders starker Blitz ließ alles andere erblassen. Einen Augenblick lang war das Licht von draußen heller als das der Lampen.

»Ich will hier nur mit heilem Kopf herauskommen«, sagte Rand, doch Mat schlich schon wieder zu seinem Hocker zurück, um eine Pause einzulegen. Rand seufzte und begann mit ›Die Straße nach Dun Aren‹. Das schien einer Menge Leute zu gefallen. Er hatte es schon viermal gespielt, und sie wollten es immer noch hören. Das Dumme war, daß Mat soweit durchaus recht hatte. Er hatte auch Hunger. Und er konnte sich nicht vorstellen, wie Hake ihnen Schwierigkeiten bereiten sollte, solange der Schankraum voll war, und er wurde ja immer noch voller. Für jeden Gast, der die Schenke verließ oder durch Jak und Strom hinausgeworfen wurde, kamen zwei von der Straße herein. Sie verlangten, daß Mat jonglierte, oder riefen nach einem bestimmten Lied, waren aber ansonsten vor allem am Trinken interessiert und daran, die Kellnerinnen zu belästigen. Ein Mann machte allerdings eine Ausnahme.

Er hob sich allenthalben von der Menge im Tanzenden Fahrer ab. Die Kaufleute interessierten sich offensichtlich nicht für die heruntergekommene Schenke. Soweit er das beurteilen konnte, gab es für sie nicht einmal private Speiseräume. Die Gäste trugen alle grobe Kleidung, und ihre Haut ließ darauf schließen, daß sie ständig in Sonnenschein und Wind arbeiteten. Dieser Mann wirkte wohlgenährt, seine Hände sahen weich aus, und um die Schultern trug er einen Samtmantel und darüber einen mit blauer Seide besetzten Umhang aus dunkelgrünem Samt. Alle seine Kleidungsstücke sahen maßgeschneidert aus. Seine Schuhe — keine Stiefel, sondern weiche Samthalbschuhe — waren nicht für die gefurchten Straßen von Vier Könige angefertigt oder, besser gesagt, überhaupt nicht für irgendwelche Straßen.

Er kam eine ganze Weile nach Einbruch der Dunkelheit herein, schüttelte den Regen von seinem Umhang ab, während er sich mit einem vor Abscheu verzogenen Mund umblickte. Er sah sich einmal im Raum um und wandte sich dann wieder zum Gehen, doch plötzlich fuhr er hoch — Rand konnte nicht sehen, warum — und setzte sich an einen Tisch, von dem gerade zuvor Jak und Strom aufgestanden waren. Eine Kellnerin blieb an seinem Tisch stehen und brachte ihm dann einen Krug Wein, den er aber auf die Seite schob und nicht mehr anrührte. Sie schien es sehr eilig zu haben, seinen Tisch wieder zu verlassen, obwohl er keineswegs versuchte, sie zu belästigen — er sah sie nicht einmal an. Was er auch an sich haben mochte, daß sie sich in seiner Nähe nicht wohlfühlte, das bemerkten offensichtlich auch andere, die sich ihm näherten. Obwohl er so sanft wirkte, genügte ein Blick, um jeden Wagenfahrer mit schwieligen Händen zu vertreiben, der sich an seinen Tisch setzen wollte. Er saß da, als gebe es im ganzen Raum niemanden sonst — nur ihn, Rand und Mat. Er beobachtete sie über gefaltete Hände hinweg. An jedem Finger glitzerte ein Ring. Er beobachtete sie mit einem Lächeln, das Wiedererkennen und Selbstzufriedenheit ausdrückte.

Rand murmelte Mat etwas zu, als sie wieder die Plätze tauschten, und Mat nickte. »Ich habe ihn gesehen«, äußerte er sich. »Wer ist das? Ich habe das Gefühl, daß ich ihn kenne.«

Das war auch Rand bereits aufgefallen. Etwas nagte in seinem Gedächtnis, aber er konnte einfach nicht herausfinden, was es war. Und doch war er sicher, daß er gerade dieses Gesicht noch nie zuvor gesehen hatte.

Als sie, soweit Rand das schätzen konnte, etwa zwei Stunden lang aufgetreten waren, steckte er die Flöte in ihren Behälter und Mat und er lasen ihre Besitztümer auf. Als sie von dem niedrigen Podium heruntertraten, kam Hake mit vor Zorn verzerrtem Gesicht angewuselt. »Es wird Zeit, daß wir essen«, kam ihm Rand zuvor, »und wir wollen nicht, daß unsere Sachen gestohlen werden. Würdet Ihr dem Koch Bescheid sagen?« Hake zögerte. Er war noch immer wütend und bemühte sich vergebens, den Blick von dem fernzuhalten, was Rand in den Armen trug. Beiläufig nahm Rand das Bündel in den einen Arm, so daß er eine Hand frei hatte, um sie auf den Griff des Schwerts zu legen. »Ihr könnt ja auch versuchen, uns hinauszuwerfen.« Er betonte das mit voller Absicht und fügte hinzu: »Der Abend ist noch jung, und wir können noch lange auftreten. Wir brauchen Kraft, wenn wir gut genug sein wollen, um diese Menge Leute dazu zu bringen, ihr Geld auszugeben. Was glaubt Ihr, wie lange dieser Raum noch voll bleiben wird, wenn wir vor Hunger umfallen?«

Hakes Blick zuckte über den Raum voller Menschen hinweg, die ihm Geld in die Taschen stopften, und dann drehte er sich um und rief durch die Hintertür: »Gebt ihnen was zu essen!« Er wandte sich wieder Rand und Mat zu und fauchte sie an: »Braucht nicht den ganzen Abend dazu. Ich erwarte von euch, daß ihr dort droben bleibt, bis der letzte Gast weg ist.«

Einige Gäste riefen bereits nach dem Musiker und dem Jongleur, und Hake wandte sich nun ihnen zu, um sie zu beruhigen. Der Mann im Samtumhang gehörte zu den ganz eifrigen. Rand winkte Mat zu, ihm zu folgen.

Eine massive Tür trennte die Küche vom vorderen Teil der Schenke und außer, wenn sie gerade für eine Kellnerin geöffnet wurde, war das Trommeln des Regens in der Küche lauter zu hören als das Geschrei vom Schankraum her. Es war ein großer Raum, heiß und voller Dampf von den Herden und Backöfen, mit einem riesigen Tisch, auf dem halbfertige Gerichte neben bereits fertigen standen, die gleich serviert werden sollten. Ein paar der Kellnerinnen saßen auf einer Bank nahe dem Hinterausgang zusammen. Sie rieben sich die schmerzenden Füße und plauderten mit der fetten Köchin, die ihnen ständig ins Wort fiel und mit einem großen Kochlöffel herumfuchtelte, um ihre Meinung zu unterstreichen. Sie blickten alle auf, als Rand und Mat hereinkamen, unterbrachen aber ihre Unterhaltung keineswegs und massierten sich auch weiterhin die Füße.

»Wir sollten hier raus, solange wir noch eine Gelegenheit haben«, sagte Rand leise, aber Mat schüttelte den Kopf und sah nur auf die beiden Teller, die gerade von der Köchin mit Rindfleisch und Kartoffeln und Erbsen gefüllt wurden. Sie sah die beiden kaum an und unterhielt sich weiter mit den anderen Frauen, während sie mit den Ellenbogen Sachen beiseite schob und die beiden Teller auf den Tisch stellte. Gabeln legte sie auch daneben.

»Nach dem Essen ist noch genug Zeit.« Mat setzte sich auf eine Bank und begann damit, seine Gabel wie eine Schaufel zu benützen. Rand seufzte, tat es Mat aber schnell gleich. Seit dem vergangenen Abend hatte er nur eine Brotkruste gegessen. Sein Magen war so leer wie der Geldbeutel eines Bettlers, und der Geruch nach Essen, der sich durch die Küche zog, trug das seinige dazu bei. Er kaute hastig mit vollem Mund, aber bevor er seinen Teller zur Hälfte leer hatte, ließ Mat seinen bereits von der Köchin neu füllen.

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