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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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Ich hatte ihm gegeben, was ich ihm angedeutet versprochen hatte; nun konnte er meiner Bitte ehrenvoll nachkommen, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Was mich betraf, so erwiderte ich seine höfliche Verbeugung, indem ich meinerseits den Kopf neigte, entzog ihm meinen Ellbogen, nachdem er mich zuvorkommend zur Tür geführt hatte, und verließ das Audienzgemach nur wenige Minuten nach meinem Eintreten mit der Versicherung des Königs, dass der Befehl für Jamies Entlassung am Morgen erteilt werden würde.

Der Kammerdiener stand im Flur und wartete. Er verneigte sich vor mir, ich erwiderte die Verneigung, und dann folgte ich ihm durch den Spiegelkorridor und spürte bei jedem Schritt meine ölig schlüpfrigen Oberschenkel und roch den kräftigen Rosenduft zwischen meinen Beinen.

Als ich hörte, wie sich die Palastpforte hinter mir schloss, hatte ich die Lider gesenkt und gedacht, dass ich Jamie nie wiedersehen würde. Und falls es zufällig doch geschah, würde ich ihm Rosenduft unter die Nase reiben, bis seine Seele es nicht mehr ertragen konnte und starb.

Doch stattdessen hielt ich jetzt seine Hand auf meinem Oberschenkel und lauschte seiner Atmung, tief und gleichmäßig im Dunkel neben mir. Und ich schloss für immer die Tür hinter der Audienz Seiner Majestät.

Kapitel 29

Die Nessel ist ein sauber Kraut …

Schottland«, seufzte ich und dachte an die kühlen braunen Bäche und die dunklen Kiefern von Lallybroch, Jamies Familiensitz. »Können wir wirklich heimgehen?«

»Das müssen wir wohl«, antwortete er ironisch. »Der König hat seine Begnadigung daran geknüpft, dass ich Frankreich spätestens Mitte September verlasse, sonst bin ich wieder in der Bastille. Vermutlich hat Seine Majestät auch bei der englischen Krone eine Begnadigung erwirkt, so dass man mich nicht hängen wird, sobald ich in Inverness von Bord gehe.«

»Wir könnten doch auch nach Rom gehen oder nach Deutschland«, schlug ich zögernd vor. Nichts, was ich lieber getan hätte, als nach Lallybroch heimzukehren und in der friedlichen Stille der schottischen Highlands zu heilen. Mir sank das Herz, wenn ich an Königshöfe und Intrigen dachte, den unablässigen Druck der Gefahren und Unwägbarkeiten. Doch wenn Jamie meinte, dass wir es mussten …

Er schüttelte den Kopf, so dass ihm das rote Haar ins Gesicht fiel, weil er sich gerade bückte, um sich die Strümpfe anzuziehen.

»Nein, entweder Schottland oder die Bastille«, sagte er. »Unsere Überfahrt ist bereits gebucht, nur um ganz sicherzugehen.« Er richtete sich auf und strich sich mit einem ironischen Lächeln das Haar aus den Augen. »Ich vermute, der Herzog von Sandringham – und womöglich sogar König George – hätte mich gern brav zu Hause, wo sie mich im Auge behalten können, nicht als Spion in Rom oder als Geldbeschaffer in Deutschland. Die drei Wochen Gnadenfrist sind anscheinend eine Höflichkeitsgeste gegenüber Jared, damit er Zeit zur Rückkehr hat, ehe ich gehe.«

Ich saß auf der Fensterbank meines Schlafzimmers und blickte über das Meer der zerzausten grünen Wälder von Fontainebleau hinaus. Die heiße, träge Sommerluft war drückend und raubte uns jede Energie.

»Ich kann nicht sagen, dass ich mich nicht freue.« Ich seufzte und hielt die Wange an die Scheibe, um sie kurz zu kühlen. Der kalte Regen des gestrigen Tages hatte so viel Luftfeuchtigkeit hinterlassen, dass mir Haar und Kleider an der Haut festklebten. Alles war feucht und juckte. »Aber glaubst du, es besteht keine Gefahr mehr? Ich meine, wird Charles aufgeben, jetzt, da der Comte tot und Manzettis Geld verloren ist?«

Jamie runzelte die Stirn und fuhr sich mit der Hand am Kinn entlang, um seinen Bartwuchs zu prüfen.

»Ich wünschte, ich wüsste, ob er in den letzten beiden Wochen Post aus Rom bekommen hat«, sagte er, »und wenn ja, was darin stand. Aber aye, ich glaube, wir haben es geschafft. Kein Bankier in Europa wird einem Träger des Namens Stuart einen blanken Heller leihen, das steht fest. Philip von Spanien hat ganz andere Probleme, und Louis …« Er verzog achselzuckend den Mund. »Gegen Monsieur Duverney und den Herzog von Sandringham stehen Charles’ Aussichten denkbar schlecht, würde ich sagen. Meinst du, ich soll mich rasieren?«

»Meinetwegen nicht«, sagte ich. Die beiläufige Intimität seiner Frage machte mich plötzlich schüchtern. Wir hatten zwar in der vergangenen Nacht ein Bett geteilt, doch wir waren beide erschöpft, und das zarte Netz, das wir in der Laube zwischen uns gesponnen hatten, schien zu empfindlich, um den Versuch auszuhalten, miteinander zu schlafen. Die ganze Nacht war mir zwar seine warme Nähe furchtbar bewusst gewesen, doch unter den Umständen glaubte ich, ihm den ersten Schritt überlassen zu müssen.

Jetzt sah ich, wie das Licht auf seinen Schultern spielte, als er sich nach seinem Hemd umwandte, und ich wurde von dem Verlangen ergriffen, ihn zu berühren; ihn endlich wieder glatt und fest und begierig an mir zu spüren.

Sein Kopf tauchte aus seinem Halsausschnitt auf, und sein Blick traf plötzlich ganz unverhüllt auf den meinen. Er hielt einen Moment inne und sah mich an, sagte aber nichts. Jenseits der Blase aus Stille, die uns umgab, waren die morgendlichen Geräusche des Château deutlich zu hören; das Hin und Her der Dienstboten, Louises hohe, schrille Stimme, die sich zu einem Wortwechsel erhoben hatte.

Nicht hier, sagten Jamies Augen. Nicht inmitten so vieler Menschen.

Er senkte den Blick und schloss sorgfältig sein Hemd. »Hat Louise eigentlich Reitpferde?«, fragte er, ohne den Blick von seiner Beschäftigung zu heben. »Ein paar Meilen weiter gibt es eine Felsenklippe; ich dachte, vielleicht reiten wir dorthin … es könnte dort kühler sein.«

»Ich glaube, sie hat Pferde«, sagte ich. »Ich gehe sie fragen.«

Wir erreichten die Klippen um die Mittagszeit. Eigentlich waren es weniger Klippen als vielmehr eine Ansammlung von Säulen und Mauern aus Kalkstein, die auf dem vergilbenden Gras der Hügel standen wie die Ruinen einer antiken Stadt. Zeit und Wetter hatten den weißlichen Mauern Risse versetzt, und sie waren mit Tausenden seltsamer kleiner Pflanzen übersät, die noch im letzten Körnchen erodierter Erde Halt fanden.

Wir ließen die Pferde im Gras zurück und kletterten zu Fuß auf einen breiten, flachen, mit Grasbüscheln bewachsenen Kalksteinvorsprung just unterhalb der höchsten Felsenansammlung. Das vertrocknete Gebüsch bot nur wenig Schatten, doch hier oben wehte ein kleiner Luftzug.

»Gott, ist das heiß!«, sagte Jamie. Er öffnete die Schnalle seines Kilts, so dass er ihm zu Füßen fiel, und begann, sich aus seinem Hemd zu winden.

»Was machst du, Jamie?«, fragte ich halb lachend.

»Ich ziehe mich aus«, sagte er ganz nüchtern. »Warum tust du das nicht auch, Sassenach? Du bist ja noch nasser als ich, und es ist niemand hier, der es sehen könnte.«

Ich zögerte nur kurz, dann folgte ich seinem Vorschlag. Die Stelle war vollkommen isoliert; zu zerklüftet und steinig für Schafe, so dass es nicht einmal wahrscheinlich war, dass sich ein Schäfer hier hinauf verirrte. Und allein, beide nackt, fern von Louise und ihrem Gewimmel störender Dienstboten … Jamie breitete sein Plaid auf dem unebenen Boden aus, während ich mich aus meinen verschwitzten, klebenden Kleidern schälte.

Er rekelte sich genüsslich und legte sich zurück, die Arme hinter dem Kopf, ohne den neugierigen Ameisen, den Kiesstückchen und den stacheligen Vegetationsstummeln die geringste Beachtung zu schenken.

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