Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ich habe einen Mann, der Zither spielt«, sagte der Wirt mürrisch.
»Ihr habt einen Säufer, Saml Hake«, sagte eine der Kellnerinnen. Sie kam gerade mit einem Tablett und zwei Krügen vorbei und blieb kurz stehen, um Rand und Mat anzulächeln. »Meistens kann er nicht mal mehr genug sehen, um den Schankraum überhaupt zu finden«, vertraute sie ihnen vernehmlich flüsternd an. »Hab ihn schon zwei Tage lang nicht mehr gesehen.«
Ohne den Blick von Rand und Mat zu wenden, schlug ihr Hake ganz beiläufig mit dem Handrücken ins Gesicht. Sie keuchte überrascht und fiel schwerfällig auf den ungefegten Fußboden. Einer der Krüge zerbrach, und der auslaufende Wein bildete Rinnsale im Schmutz. »Den Wein und das zerbrochene Geschirr ziehe ich dir vom Lohn ab. Hol ihnen neue Getränke. Und beeil dich. Die Männer zahlen nicht fürs Warten, während du dich herumdrückst.« Seine Stimme klang genauso beiläufig, wie es der Schlag gewesen war. Keiner der Gäste blickte von seinem Wein auf, und die anderen Kellnerinnen sahen betont zur Seite.
Die mollige Frau rieb sich die Wange und warf Hake einen mörderischen Blick zu, aber dann sammelte sie die Scherben und den leeren Krug auf und trug sie wortlos auf ihrem Tablett weg. Hake sog nachdenklich die Luft durch die Zähne und beäugte Rand und Mat. Sein Blick ruhte auf dem Schwert mit dem Reiherzeichen. Er riß ihn wieder los und sagte schließlich: »Ich sag euch was. Ihr könnte ein paar Strohsäcke in einem leeren Lagerraum hinten haben. Die Zimmer sind zu teuer zum Verschenken. Ihr eßt, wenn alle weg sind. Es wird schon was übrigbleiben.«
Rand sehnte eine andere Schenke in Vier Könige herbei, bei der sie es noch nicht versucht hätten, aber es gab wohl keine. Seit sie Weißbrücke verlassen hatten, waren sie auf Reserviertheit, Gleichgültigkeit und offene Feindseligkeit getroffen, aber nirgendwo hatte er ein solches Unbehagen empfunden wie bei diesem Mann und an diesem Ort. Er sagte sich, daran seien einfach nur der Schmutz, die Verwahrlosung und der Lärm schuld, aber sein Unbehagen wich deshalb noch nicht. Mat beobachtete Hake, als vermute er irgendwo eine Falle, aber er schien trotzdem den Tanzenden Fahrer nicht aufgeben und ein Bett unter einer Hecke vorziehen zu wollen. Donner rüttelte an den Fenstern. Rand seufzte.
»Die Strohsäcke sind schon in Ordnung, falls sie sauber und genug saubere Decken vorhanden sind. Aber essen werden wir zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit, nicht später, und das Beste, das Ihr habt. Hier. Wir werden Euch zeigen, was wir können.« Er griff nach dem Flötenkasten, aber Hake schüttelte den Kopf.
»Nicht wichtig. Diese Bande hier kann man mit jeder Art von Geräusch zufriedenstellen, solange es nur ein wenig nach Musik klingt.« Sein Blick berührte noch einmal Rands Schwert; sein dürftiges Lächeln umspielte nur kurz die Lippen. »Eßt, wann Ihr wollt, aber wenn Ihr hier keine Menge Leute reinbringt, fliegt Ihr raus.« Er deutete mit einem Nicken nach hinten auf zwei Männer mit harten Gesichtern, die an der Wand saßen. Sie tranken nichts, und ihre Arme waren so stark, daß es auch für Beine gereicht hätte. Als Hake ihnen zunickte, sahen sie Rand und Mat ausdruckslos an.
Rand legte eine Hand auf den Knauf seines Schwertes und hoffte, daß sie das flaue Gefühl in seinem Magen nicht von seinem Gesicht ablesen konnten. »Solange wir bekommen, was wir abgemacht haben«, sagte er mit ruhiger Stimme.
Hake blinzelte und schien selbst einen Moment lang unsicher zu werden. Doch dann nickte er. »Wie ich sagte, ganz klar. Also, dann fangt mal an. Ihr werdet niemanden hereinlocken, wenn ihr bloß da rumsteht.« Er stolzierte mit finsterer Miene weg und schrie die Kellnerinnen an, als würden sie mindestens fünfzig Gäste vernachlässigen.
Am hinteren Ende des Raums, in der Nähe des rückwärtigen Ausgangs, befand sich ein kleines, leicht erhöhtes Podium. Rand schleppte eine Bank hinaus und legte seinen Umhang, die Deckenrolle und Thoms Bündel darauf und schließlich das Schwert obenauf.
Er fragte sich, ob es klug gewesen sei, das Schwert offen zu tragen. Schwerter sah man genug, doch das Reiherzeichen erregte Aufmerksamkeit und ließ Vermutungen aufkommen. Nicht jeder bemerkte es, aber jedes bißchen Aufmerksamkeit machte ihn nervös. Es könnte sein, daß er dem Myrddraal eine eindeutige Spur hinterließ — falls Blasse solche Spuren überhaupt benötigten. Es schien ja nicht so. Andererseits zögerte er, es abzulegen. Tam hatte es ihm gegeben. Sein Vater. Solange er das Schwert trug, bestand noch eine Verbindung zwischen Tam und ihm, eine Nabelschnur, die ihm das Recht gab, Tam immer noch Vater zu nennen. Jetzt ist es zu spät, dachte er. Er war sich nicht einmal sicher, was er damit meinte, aber es war schon wahr. Zu spät.
Beim ersten Ton von ›Hahn des Nordens‹ hob das halbe Dutzend Gäste im Schankraum die Köpfe und stierte nicht mehr in die Weinkrüge. Selbst die beiden Rausschmeißer richteten sich etwas auf. Sie klatschten alle Beifall, als er fertig war — selbst die beiden Schläger -, und dann ließ Mat wieder einen Schwarm farbiger Bälle über seinen Händen tanzen. Draußen grollte der Himmel erneut. Der Regen hielt sich noch zurück, doch der Druck der Feuchtigkeit wuchs fühlbar; je länger es noch dauerte, desto härter würde der Regen herunterprasseln. Es sprach sich herum, und als es draußen dunkel war, war die Schenke voll von lachenden und sich unterhaltenden Menschen. Es war so laut, daß Rand kaum hören konnte, was er spielte. Nur der Donner übertönte noch den Lärm des Schankraums. In den Fenstern sah man Blitze aufzucken, und wenn es mal einen Moment still war, konnte man leise den Regen auf das Dach trommeln hören. Männer, die jetzt noch hereinkamen, hinterließen nasse Spuren auf dem Fußboden.
Wenn er eine Pause einlegte, erhoben sich Stimmen, die durch den Lärm hindurch nach bestimmten Melodien verlangten. Eine ganze Menge der Titel erkannte er nicht. Wenn er allerdings jemanden dazu brachte, einen Teil der Melodie zu summen, fand er häufig heraus, daß er das Lied unter einem anderen Titel kannte. Das war vorher auch schon anderswo so gegangen. ›Der fröhliche Jaim‹ hieß hier ›Rheas Flirt‹, und bei einem früheren Halt hatte er es als ›Die Farben der Sonne‹ kennengelernt. Einige Titel waren gleich geblieben, andere änderten sich alle zehn Meilen. Er lernte auch neue Lieder dabei. ›Der betrunkene Händler‹ war einer davon, den man andernorts auch ›Kesselflicker in der Küche‹ nannte. ›Zwei Könige bei der Jagd‹ wurde zu ›Zwei Pferde im Galopp‹ und führte noch einige weitere Titel. Er spielte, was er so kannte, und die Männer trommelten auf die Tische und verlangten nach mehr.
Andere forderten Mat immer wieder zum Jonglieren auf. Manchmal gab es kleine Raufereien zwischen Männern, die Musik hören wollten, und solchen, denen das Jonglieren besser gefiel. Einmal blitzte ein Messer auf, und eine Frau schrie. Ein Mann taumelte mit blutüberströmtem Gesicht von einem Tisch weg. Jak und Strom, die beiden Rausschmeißer, kamen schnell herüber und warfen total unparteiisch alle Beteiligten mit Beulen am Kopf auf die Straße hinaus. So machten sie es grundsätzlich, wenn Probleme auftauchten. Unterhaltung und Gelächter gingen weiter, als sei nichts geschehen. Niemand sah sich auch nur um, außer denen, die von den Rausschmeißern auf dem Weg zur Tür angerempelt wurden.