Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Tote, Herr! Zwei meiner Brüder. Sie sind erschlagen worden.«
»Garth!« knirschte der Magier. »Es kann nur Garth gewesen sein. Aber er wird dafür büßen. Ihr alle drei werdet bezahlen!« Er machte eine herrische Geste. »Bringt sie in ihre Zellen zurück. Aber diesmal werdet ihr sie nicht nur einsperren, sondern bei ihnen bleiben und sie bewachen.«
Torian wurde von harten Händen gepackt, aber wenigstens verzichteten seine vier Bewacher diesmal darauf, ihn mit Gewalt zwischen sich herzuschleifen. Sie erreichten die Treppe, gingen durch einen schier endlosen Gang und stiegen eine weitere, sehr steile Steintreppe hinauf, an deren oberen Ende eine Tür geöffnet wurde, als sie auf halber Höhe waren. Für einen Moment sah er helles Kerzenlicht hinter der Öffnung, vor der sich der Umriß eines Schattenkriegers wie ein drohender Schemen abzeichnete; dann schloß sich die Tür wieder, der Mann kam mit raschen Schritten auf sie zu und hob die Hand zum Gruß, als er zwei Stufen über ihnen war. Einer von Torians Begleitern erwiderte die Geste.
Vielleicht hätte er es besser nicht getan, denn der Schattenkrieger packte seinen grüßend erhobenen Arm, verdrehte ihn mit einem ungeheuer schnellen, harten Ruck und versetzte seinem Besitzer einen Stoß, der ihn zuerst gegen die Wand schleuderte und ihn dann kopfüber die Treppe hinunterstürzen ließ. Noch bevor er ihn richtig losgelassen hatte, fuhr er herum, trat einem anderen wuchtig in den Leib und riß das Knie hoch, als der Mann sich krümmte. Der Krieger keuchte, prallte rücklings gegen die Wand, verharrte jedoch nur einen Sekundenbruchteil in dieser Stellung, ehe er vollends hinter dem ersten herflog und dabei noch einen weiteren Krieger mit sich riß, während sich der vierte mit einem zornigen Knurren auf den so plötzlich aufgetauchten Angreifer stürzte.
Das hieß – eigentlich stürzte er wohl mehr über Torians plötzlich ausgestreckten Fuß.
Auch er fiel, fand zwar mit erstaunlicher Behendigkeit auf den steil abfallenden Stufen Halt, aber der Angreifer gab ihm keine zweite Chance. Blitzschnell war er neben ihm, riß seinen Kopf in den Nacken und versetzte ihm einen Handkantenschlag gegen die Kehle. Ohne einen weiteren Laut stürzte der Mann nach hinten, kollerte ein Stück weit die Treppe hinab und blieb mit ausgebreiteten Armen liegen. In seinem grauen Gewand sah er aus wie eine vom Himmel gefallene Fledermaus.
Langsam wandte Torian sich um. Er wußte, wen er vor sich hatte. Es gab nur einen Mann in dieser Festung, der sich die Kleidung eines Schattenkriegers hatte besorgen können und auf seiner Seite stand. Und trotzdem gelang es Torian nur mit Mühe, einen erfreuten Ausruf zu unterdrücken, als der Schwarzgekleidete die Hand hob und das Tuch fortnahm, unter dem sich sein Gesicht verbarg.
»Wir müssen hier weg«, stieß Garth hervor und deutete auf die Toten. »Jeden Moment kann Verstärkung eintreffen. Wenn Cathar uns erwischt, wirst du dir wünschen, niemals geboren zu sein.«
Er drehte sich um, um die Treppe wieder hinaufzusteigen, und zog Torian dabei am Arm mit sich, aber Torian blieb stehen und deutete in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. »Shyleen«, sagte er. »Wir müssen zurück und sie befreien. Cathar wird sich an ihr rächen, wenn er meine Flucht bemerkt.«
Garth hielt tatsächlich inne, aber in seinem Blick war plötzlich etwas, das Torian gar nicht gefiel. »Cathar hat im Moment anderes zu tun«, erklärte er ausweichend. »Und Shyleen ist ohnehin… nicht mehr dort unten.«
Das unmerkliche Zögern in seinen Worten entging Torian keineswegs. Er hatte plötzlich das sichere Gefühl, daß Garth in Wahrheit etwas ganz anderes hatte sagen wollen. »Was soll das heißen?« fragte er scharf.
Garth sog hörbar die Luft ein. »Das soll heißen, daß sie nicht mehr dort unten ist«, antwortete er unwillig. »Wir können uns später um sie kümmern, im Augenblick können wir ihr nicht helfen. Und nun komm, verdammt noch mal. Ich kenne ein paar Verstecke, in denen wir sicher sind. Aber nur, wenn wir sie auch lebend erreichen.«
Diesmal widersprach Torian nicht mehr, sondern schloß sich dem Dieb hastig an. Schweigend eilten sie nebeneinander durch einen schier endlosen, nur schwach erhellten Gang; einen von zahllosen gleichförmigen Gängen, welche die Schattenburg durchzogen. Sie bildete in ihrem Innern ein Labyrinth aus buchstäblich Hunderten von Räumen und Sälen, unzähligen Korridoren und Treppenfluchten. Und dieses Labyrinth setzte sich tief in den Berg hinein fort. Torian begriff kaum, wie endlos tief sich die enggewundene steinerne Treppe in die Erde bohrte, die Garth ihn hinabführte. Eine Stufe folgte der anderen, ein Absatz dem nächsten, bis sie sich endlich in einem winzigen, halbrunden Raum mit kuppelförmiger Decke befanden.
Verwirrt sah sich Torian um. Diese finsteren Gewölbe, die von Schatten und drückender Schwüle und dem Geruch nach faulendem Wasser erfüllt waren und deren von Schimmel überzogene Wände das Licht der Fackel in sich aufzusaugen schienen, erfüllten ihn mit Furcht. Falls Garth die unheimliche Atmosphäre ebenfalls wahrnahm, dann ließ er sich zumindest nichts anmerken. Ungerührt öffnete er die einzige Tür der Kammer und schritt hindurch.
Sie mußten eine halbe Meile und mehr durch einen niedrigen Stollen gelaufen sein, bis Garth abermals stehenblieb und auf eine Tür deutete, die ihnen den weiteren Weg versperrte. Torian fiel auf, wie überaus massiv sie war: Aus oberschenkelstarken Bohlen gefertigt und mit gewaltigen Nägeln zusammengehalten, erschien sie ihm stabil genug, selbst einem wütenden Drachen zu widerstehen. Aber sie war nicht verschlossen, und sie war nur eine von vielen, ebenso starken Türen, welche die Wände des nach Moder und Fäulnis riechenden Ganges durchbrachen.
»Das reicht«, flüsterte Garth nach einer Weile. »Wenn wir hier nicht sicher sind, dann nirgends.« Er drehte sich herum, sah Torian einen Moment lang an – wieder mit seinem unvergleichlichen, spöttisch-freundschaftlichen Lächeln –, wurde aber sofort wieder ernst und deutete auf den niedrigen Eingang, durch den sie die Höhle betreten hatten. Es war eine Höhle, keine Halle, so wie der Gang, durch den sie die letzte Viertelstunde ihrer Flucht geführt hatte, eher einem Bergwerksstollen glich als einem gemauerten Korridor. Wäre nicht ab und zu eine Tür oder eine roh aus dem Boden geschlagene Treppe dagewesen, hätte Torian kaum mehr geglaubt, sich noch im Inneren eines künstlich geschaffenen Bauwerkes zu befinden. Aber auch so war er sich nicht sicher, ob sie wirklich noch im Inneren der Schattenburg waren. Der Weg, den sie während der letzten halben Stunde genommen hatten, hatte fast ununterbrochen nach unten geführt. Sie mußten sich tief – sehr tief – unter den Grundmauern der bizarren Burg aufhalten.
»Was ist das hier?« fragte er. Seine Stimme zitterte vor Anstrengung, und er hatte nur noch die Kraft, zu flüstern. Er war noch immer nicht unbedingt im Vollbesitz seiner Kräfte, trotzdem registrierte er, daß das Geräusch seiner Stimme nicht verklang, sondern als leises, lang nachhallendes Echo zurückgeworfen wurde. Jenseits der Mauer aus finsteren Schatten, die wenige Schritte hinter Garth lag, mußte der Raum noch sehr viel größer sein, als er ohnehin bisher angenommen hatte.
»Ein Teil der Anlage, von deren Existenz selbst Cathar nichts weiß«, antwortete Garth und fügte hinzu: »Wenigstens hoffe ich es.«
Die Art, in der er das Wort Anlage aussprach, ließ irgendwo tief in Torians Innerem eine Alarmglocke anschlagen, aber er war viel zu erschöpft, um den Gedanken weiterzuverfolgen. »Und wenn nicht?« fragte er.
»Dann ändert es auch nichts«, erwiderte Garth ernst. »Er würde niemals hierher kommen.«
»Warum nicht?«
Garth seufzte; auf jene ganz bestimmte Art, auf die man jemandem sagt, daß er einem gehörig auf die Nerven zu gehen beginnt. Aber er antwortete trotzdem, und wieder tat er es mit jenem sonderbaren Ernst, der Torian schaudern ließ, ohne daß er wußte, warum. »Weil er Angst davor hätte, deshalb.« Er hob rasch die Hand, um weitere Fragen abzuwürgen, bewegte sich ein paar Schritte zurück und blieb wieder stehen. Erst jetzt fiel Torian auf, wie abgehackt und fahrig seine Bewegungen waren: müde. Ja, das war es – Garth bewegte sich wie ein Mann, der am Ende seiner Kräfte angelangt war, und es handelte sich weder um eine normale Müdigkeit noch um Erschöpfung.