Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian schwieg. Er wußte, daß Cathar recht hatte, was die Grausamkeit der Menschen betraf, aber es gab auch einen logischen Fehler in seinen Überlegungen. Die Herrschsucht der Menschen war kein Grund, andere, noch grausamere Wesen heraufzubeschwören. Vor seinem inneren Auge stieg eine entsetzliche Vision auf: Er sah Länder voller Toter, brennende Städte und kochende Flüsse, Meere, die unter unglaublicher Glut verdampften, und Wolken, aus denen Feuer auf ein verbranntes Land herabregnete…
»Nein«, würgte er hervor. »Niemals!«
Cathar wurde nicht zornig, wie er erwartet hatte. Statt dessen stand er auf, stieg die Stufen hinab und führte sie auf eine Tür im Hintergrund der Halle zu. »Es wundert mich, daß noch niemand von euch ein Wort über den ursprünglichen Grund unserer Reise verloren hat«, sagte er und stieß die Tür auf. Dahinter lag eine weitere Halle, nicht ganz so groß wie die erste, aber immer noch beeindruckend.
Und sie war nicht leer.
Torian schrie auf, als sein Blick auf das grünleuchtende, wabernde Etwas fiel, das hinter der Tür zum Vorschein kam und den hinteren Teil der Halle beinahe von einer Wand zur anderen ausfüllte. Im ersten Moment glaubte er, in einen Tunnel zu blicken, einen Tunnel von unbestimmbarer Form und Länge, der sich auf schier unmögliche Art drehte und wand und wie unter einem unheimlichen inneren Feuer leuchtete. Aber dann bewegte sich der wabernde Schlund; ein schweres, geradezu schluckendes Zusammenziehen und Strecken seiner Wände, ein Teil des vermeintlichen Stollens kippte zur Seite. Wesenlose, grüne Nebel trieben durch das Bild, und etwas Dünnes, Peitschendes griff aus der Decke, ringelte sich wie eine blind tastende Schlange hierhin und dorthin und verschmolz wieder mit dem grünleuchtenden Etwas.
»Es… es lebt! kreischte Torian mit schriller, überkippender Stimme.
»Nein«, widersprach Cathar ruhig. »Aber es ist auch nicht tot.«
Entsetzt starrte Torian den Magier an. »Was… was ist das?« keuchte er, obwohl er die Antwort bereits ahnte.
»Das Tor«, bestätigte Cathar. »Es wütete immer noch in Armar, aber für uns hier ist es mittlerweile harmlos geworden.« Er legte die Hände zusammen, konzentrierte sich einige Sekunden lang und murmelte Worte einer unbekannten Sprache. Die Luft im Raum schien schlagartig kälter zu werden.
Die Bewegungen und das Leuchten des Tores verstärkten sich. Es strahlte in grellem Licht auf – und dann verschwand es von einer Sekunde zur anderen.
»Das wäre diese Sache«, bemerkte Cathar. »Wie ihr seht, halte ich mein Wort.« Seine Miene war völlig ausdruckslos, nur in seinen Augen glühte ein düsterer Triumph. Torian wollte etwas erwidern, aber Shyleen legte rasch die Hand auf seinen Arm und drückte kurz und warnend zu. »Und was mein Angebot betrifft«, fuhr der Magier fort, »so erwarte ich jetzt noch keine Antwort von euch. Ich biete euch bis morgen meine Gastfreundschaft an. Denkt in Ruhe über meine Worte nach. Aber ich kann euch nur raten, wirklich sehr gut darüber nachzudenken.«
Er wartete.
Längst schon wußte er nicht mehr zu sagen, wieviel Zeit verstrichen war. Stunden? Tage? Wochen? Vielleicht sogar Jahre, seit – ja, seit was eigentlich? Seine Gedanken rannen zähflüssig; er war sich bewußt, daß er lebte, und daß es einmal etwas anderes gegeben hatte als dieses regungslose Warten, aber seine Erinnerung lag hinter dem gleichen undurchdringlichen Schleier verborgen wie seine Umgebung. Er wußte weder, wo er sich befand, noch wie er hierhergekommen war, nicht einmal, wer er war.
Manchmal spürte er, wie etwas, das hinter diesem Schleier lag, mit ihm Kontakt aufzunehmen versuchte, und er war sich bewußt, daß es unsagbar fremd war, ohne seine Natur ergründen zu können. Aber das Fremde war da, und es wurde beständig stärker.
Er wartete, während er fühlte, wie die Kerkermauern um seinen Geist langsam brüchig wurden. Das fremde Etwas sprach zu ihm, und wenn er auch unfähig war, die Worte zu verstehen, so begriff er doch ihren Sinn. Er erfuhr Dinge, die so schrecklich und fremd waren, daß sie seinen Geist in den Wahnsinn gestürzt hätten, wenn er nicht immer noch wie betäubt gewesen wäre und die fremde Macht ihn nicht gleichzeitig geschützt hätte.
Und dann, irgendwann, zerbrachen die Mauern seines Kerkers unter ihrem Ansturm endgültig, so daß er sich wieder frei bewegen konnte. Er wußte wieder, wer er war, und er wußte, was er zu tun hatte.
Lautlos erhob sich Garth.
Draußen, vor den unverglasten, aber vergitterten Fenstern war die Sonne längst untergegangen, und bei aller Pracht, mit der die Kammer eingerichtet war, gab es keine Möglichkeit, Licht zu machen.
Torian fand keinen Schlaf. Die bizarre Unterhaltung hatte nicht mehr sehr lange gedauert. Cathar hatte verkündet, daß er ihnen eine Nacht Bedenkzeit geben wolle, um in aller Ruhe über sein Angebot nachzudenken, und sie von vier seiner grauvermummten Diener fortschaffen lassen. Die Schattenkrieger hatten sie sehr höflich behandelt, aber es war jene Art von Höflichkeit gewesen, hinter der sich Unnachgiebigkeit verbarg. Torian hatte protestiert, als er begriff, daß Shyleen und er die Nacht getrennt verbringen sollten, aber natürlich hatte es nichts genutzt; er war hierher gebracht worden, in einen sehr behaglich, ja schon fast verschwenderisch eingerichteten Raum, dessen einziger Schönheitsfehler vielleicht die Tatsache war, daß seine Tür auf der Innenseite keine Klinke aufwies, dafür aber einen sehr massiv aussehenden Riegel auf der anderen.
Und trotzdem war selbst der Zorn, mit dem ihn der Anblick erfüllte, nicht wirklich echt gewesen.
Später, eine Stunde, vielleicht auch zwei, nachdem man ihn hier allein gelassen hatte, waren noch einmal zwei von Cathars Schattenkriegern erschienen und hatten ein Tablett mit Wein und einer sehr großzügig bemessenen Mahlzeit auf dem Tisch abgestellt.
Es stand noch immer dort, und es war noch immer unberührt. Torian hatte Hunger und Durst, und er war müde, aber er fühlte sich wie gelähmt; unfähig, an die profanen Bedürfnisse seines Körpers auch nur zu denken, geschweige denn, sie zu befriedigen. Hinter seiner Stirn tobte ein wahrer Vulkan von Gefühlen.
Garth lebte. Ein Wort von ihm, ein winziges, aus nur zwei Buchstaben bestehendes Wort, und der Dieb wäre frei, aber der Preis war dennoch zu hoch. Er konnte Cathar nicht gehorchen. Es konnte keine Partnerschaft geben. Er würde zu einem Sklaven des Magiers werden. Aber sein Angebot auszuschlagen, würde den Tod für sie alle bedeuten.
Und was, flüsterte eine dünne, boshafte Stimme irgendwo in Torians Gedanken, wenn der Magier recht hatte? Was, wenn er dieses eine Mal nicht log? Cathar war ein Ungeheuer – aber was, wenn er nicht log, sondern die Wahrheit gesagt hatte? Vielleicht war er ja nur das kleinere von zwei Übeln, und vielleicht… Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Verdammt, es waren einfach zu viele Vielleichts, um Hoffnungen darauf zu bauen, und vielleicht war dies auch eine der Situationen, von denen er gehört, die er aber nicht wirklich für möglich gehalten hatte. Eine Lage, in der alles, was man tun konnte, falsch war. Ganz gleich, wie er sich entschied – es würde ein Fehler sein.
Aber vielleicht gab es ja doch noch eine völlig andere Möglichkeit, auf die er bislang nicht gekommen war, die jetzt aber möglicherweise der einzige Ausweg sein mochte. Torian fuhr so heftig hoch, daß er mit dem Kopf gegen die über seinem Bett nur niedrige Decke stieß. Fluchend verdrängte er den Schmerz und spann den Gedanken weiter, der in ihm aufgekeimt war. Das Kribbeln in seiner Schulter dauerte bereits an, seit er die Schattenburg betreten hatte; der Parasit in seinem Körper spürte die magischen Kräfte, die jeden Stein dieses Bauwerks erfüllten. Er war, als er mit Cathars Geist verschmolzen war, unglaublicher Dinge fähig gewesen. Seine Kräfte hatten nichts mehr von der finsteren Macht, die ihn beherrschte, während die Brut der Blutspinne in seinem Körper herangewachsen war, aber mit dem Parasiten war noch ein winziger Rest davon in ihm zurückgeblieben.