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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Nun konzentrierte sich Torian mit aller Kraft darauf. Es war schwer; unendlich schwer. In den ersten Minuten spürte er nichts; nichts außer Kälte und der widerlichen Feuchtigkeit der gemauerten Wand in seinem Rücken, aber beides sehr viel intensiver, als normal gewesen wäre. Dann…

Es war, als erwache er – oder etwas in ihm aus einem tiefen Schlaf und öffnete die Augen, aber wenn, dann tat er es in einem Raum, der vollkommen finster war. Mühelos löste er seinen Geist aus dem Gefängnis seines Körpers, drang durch die massive Mauer hindurch, als wäre diese gar nicht vorhanden, und entdeckte den Wächter seines Kerkers.

Er sah den Schattenkrieger, der auf dem Gang auf- und abging, deutlich vor sich: aber er gewahrte nicht nur ihn, sondern auch die Helfer, die seine Flucht ermöglichen würden, und verstärkte seine Anstrengungen noch. Der Wächter merkte nichts davon, sondern setzte seine ruhelose Wanderung fort. Er war nicht sehr aufmerksam, denn seine Wache hatte mehr symbolische Bedeutung als irgendeinen praktischen Nutzen. Der Gefangene war eingesperrt, sicherer als an irgendeinem anderen Ort auf der Welt. Trotzdem erfüllte der Schattenkrieger seine Aufgabe gewissenhaft, wenn auch mit mäßiger Anteilnahme.

Aber vermutlich wäre ihm der kaum daumengroße Schatten, der hinter ihm über den Boden huschte und auf dürren Beinchen hinter ihm hertrippelte, auch entgangen, wenn er wachsamer gewesen wäre.

Der Skorpion lief mit einer für seine Art vollkommen untypischen Zielsicherheit auf den hochgewachsenen Mann zu, verhielt aber dann plötzlich mitten in der Bewegung, gelenkt von einem Willen, der nicht der seine war. Seine Fühler zuckten nervös hin und her, und vielleicht begriff er auch mit seinem primitiven Verstand, daß er etwas tat, wofür er überhaupt keinen Grund hatte. Aber seine Intelligenz reichte bei weitem nicht aus, sich gegen den Zwang dieses fremden Willens aufzulehnen.

Er hatte auch nicht genug Geist, sich zu wundern, als plötzlich ein zweiter und dritter Schatten neben ihm erschienen, beide kaum größer als er selbst: ein weiterer Skorpion, und neben ihm, in friedlicher Eintracht, eine haarige graue Wüstentarantel, nur halb so groß wie eine Kinderfaust, aber ebenso giftig wie die beiden Skorpione.

Die Tiere warteten, während der Wächter seine Runde beendete, am jenseitigen Ende des Ganges einen Moment stehenblieb und sich dann umwandte, um gemächlich zurückzugehen, bis er vor einer gemauerten Nische in der Wand verharrte und sich setzen wollte.

Als er noch zwei Schritte von den drei winzigen Killern entfernt war, nahm er eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahr. Er hielt inne, runzelte die Stirn und beugte sich vor, um aus zusammengepreßten Augen auf die beiden Käfer herabzublicken, die vor ihm in der Nische aufgetaucht waren.

Es waren ausgesprochen häßliche Biester – zehn Zentimeter lange Miniatur-Ungeheuer mit scharfen Zangen und langen glänzenden Beinen, die sehr selten waren und in diesem Teil der Wüste im Grunde nichts verloren hatten, noch weniger aber in der Schattenburg. Der Mann wußte, daß die Tiere nicht ungefährlich waren: schon der Biß eines einzigen konnte zu schwerem Fieber und Krämpfen führen. Aber er war kein bißchen beunruhigt, sondern allerhöchstem verwundert. Und fast dankbar für die Abwechslung im monotonen Einerlei seiner Wache.

Einen Moment lang betrachtete er die beiden Käfer, dann zog er einen Dolch aus dem Gürtel und stupste eines der Tierchen behutsam mit der Spitze an.

Im gleichen Moment kroch der erste Skorpion in sein rechtes Hosenbein.

Der Mann bemerkte es nicht einmal. Ein dünnes, schadenfrohes Lächeln erschien auf seinen Lippen, während er den Käfer auf den Rücken warf und zusah, wie er hilflos mit den Beinen strampelte.

Der zweite Skorpion kroch in sein linkes Hosenbein, während die Spinne an seinem Umhang emporzuklettern begann und sich lautlos seinem Nacken näherte.

Auch das entging ihm. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, den zweiten Käfer mit dem Dolch auf die Kante der Nische zuzutreiben, wo er in die Tiefe stürzen mußte.

Aber er kam niemals dazu, sein grausames Spiel zu Ende zu bringen. Ein dünner, aber sehr tiefgehender Schmerz schoß plötzlich durch seine rechte Wade. Er keuchte, fuhr herum und schlug instinktiv mit der flachen Hand nach der schmerzenden Stelle. Irgend etwas knackte; sehr leise, aber deutlich, dann rutschte ein winziges hartes Etwas an seinem Bein hinab und kollerte über den Boden.

Die Augen des Mannes weiteten sich entsetzt, als er den zerquetschten Skorpion erkannte. Ein halblauter, krächzender Schrei kam über seine Lippen.

Dann stach der zweite Skorpion zu.

Der Wächter stöhnte auf, machte einen Schritt nach vorne und fiel. Seine Beine hatten mit einem Male nicht mehr die Kraft, das Gewicht seines Körpers zu tragen. Mühsam wälzte er sich herum, versuchte sich auf Hände und Knie hochzustemmen und stürzte abermals nach vorne. Die Decke, der Boden und die Wände begannen sich vor seinen Augen zu drehen. Ihm wurde übel. Hitze und Kälte rasten in rasch aufeinanderfolgenden Wogen durch seinen Körper.

Plötzlich berührte etwas seinen Nacken. Ganz leicht nur, beinahe sanft.

Aber nur für eine Sekunde. Dann schoß ein entsetzlicher Schmerz durch seinen Hals, raste bis in seinen Schädel hinauf und explodierte dort zu grausamer Agonie.

Der Mann bäumte sich auf. Er wollte schreien, aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Dem Schmerz folgte eine Woge betäubender Lähmung. Er konnte nicht mehr atmen. Seine Muskeln verkrampften sich. In einem letzten, verzweifelten Versuch warf er sich herum, griff in seinen Nacken und spürte etwas Kleines, Haariges zwischen den Fingern. Er zerquetschte es.

Aber er war tot, ehe er auch nur begriff, was ihn umgebracht hatte.

Torian ließ sich zurücksinken. Er zitterte am ganzen Körper. Sein Geist und sein Körper waren wieder zu einer Einheit verschmolzen. Trotzdem hatte er das Gefühl, nicht mehr in seiner Zelle zu sein, sondern…

irgendwo

gefangen und doch frei

eingesperrt in einen Kerker aus Unendlichkeit

gefesselt in einem Netz, das aus den Stricken des Wahnsinns gewoben war und in dessen Herzen die Spinne Einsamkeit hockte, lauernd und gierig, und mit gigantischen Fängen

eine Spinne mit Cathars Gesicht

Mit einem Schrei öffnete Torian die Augen, fuhr hoch und krachte erneut gegen die Decke. Diesmal spürte er den Schmerz überdeutlich, und trotzdem genoß er ihn beinahe, denn er holte ihn endgültig in die Wirklichkeit zurück. Stöhnend sank er zusammen, preßte die Hand gegen seinen schmerzenden Schädel und fühlte ein wenig Blut unter den Fingern. Gleichzeitig fuhr er sich mit der anderen Hand immer und immer wieder durch das Gesicht. Er wurde das Gefühl, sich besudelt zu haben, nicht los. Es war, als wäre das widerwärtige Netz Wirklichkeit gewesen, und er glaubte die stinkenden, klebrigen Fäden noch immer auf seiner Haut zu spüren. Und war da nicht ein leises, aber furchtbar widerwärtiges Rascheln und Raunen, dicht neben seinem linken Ohr? Und dann die Berührung von etwas Weichem, Dünnem, Flaumigem…

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