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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Aber diesmal war es schlimmer als je zuvor. Die Halle war durchzogen von schwarzen, auf entsetzliche Weise pulsierenden Stränge, einem irrsinnigen Spinnennetz gleich, aus Tausenden und Abertausenden einzelner Stränge geflochten, die in den Wänden zerfaserten, mit ihnen verschmolzen und auf diese Art die ganze Festung von den Grundmauern bis zu ihrem höchsten Turm durchdrangen.

Und sie alle endeten in dem gewaltigen schwarzen See zu ihren Füßen.

»Sieh!« gebot Garth.

Gehorsam hob Torian den Blick und starrte den zuckenden dünnen Energietentakel an, auf den die ausgestreckte Hand des Diebes deutete. Der Anblick war so entsetzlich, daß er aufschrie und sich mit aller Gewalt aus Garths Griff losriß. Er taumelte zurück, fiel und wäre um ein Haar in die schwarze Gallertmasse gestürzt. Garth wollte ihm aufhelfen, aber Torian schlug seine Hand beiseite, heulte abermals wie unter Schmerzen auf und krümmte sich am Boden. Inmitten der wabernden Wand erschien ein Gesicht, eine entsetzliche, sinnverdrehende Fratze mit sich ständig verformenden und ineinanderfließenden Konturen, in dem nur die an die Mho’Dhul erinnernden Augen gleichblieben.

Im gleichen Augenblick vernahm Torian die Stimme. Sie dröhnte mit unglaublicher Macht direkt in seinen Gedanken auf; so laut, daß er im ersten Moment glaubte, sein Kopf würde zerspringen. Die Stimme sprach zu ihm, und obwohl er die Sprache nicht verstand, begriff er doch den Sinn der Worte. Er lernte die Geschichte Ch’tuons kennen, spürte die Hilflosigkeit und den Haß der Kreatur gegenüber ihren Peinigern, und begriff, wie sehr er unbemerkt schon die ganze Zeit über ihr Werkzeug gewesen war, aber er war unfähig, noch Zorn darüber zu empfinden.

Dann hatte er plötzlich das Gefühl, als würde sein Blick von dem magischen Strang aufgesogen. Er konnte sich nicht dagegen wehren. Es war wie ein Sturmwind, der ihn packte und mit sich riß, in einer rasenden, unglaublich schnellen Fahrt. Die Halle sackte unter ihm weg, dann war er plötzlich wieder in einem anderen Teil der Burg, durchquerte Räume und Hallen und Gänge – und dann stand Cathar unter ihm. Cathar, der hoch aufgerichtet in einer winzigen Turmkammer neben Shyleen stand, die Hand in einer fast väterlichen Geste auf ihrer Schulter. Auf seinem Gesicht lag ein kaltes Lächeln, als wüßte er genau, daß er beobachtet würde, und in der Hand hielt er einen Dolch, der genau auf Shyleens Kehle zielte.

Die ganze Zeit über hämmerte die Stimme in Torians Gedanken; und erst jetzt, da das Bild des Turmzimmers verblaßte und wieder dem der unterirdischen Höhle Platz machte, wurde sie leiser und verstummte schließlich ganz. Auch die magischen Stränge verblaßten, aber etwas von ihnen blieb in seinem Geist zurück, und das letzte, was Torian noch wahrnahm, bevor er die Umgebung wieder allein durch seine eigenen Augen sah, war der fingerdicke Strang, der an einer Stelle dicht unter dem Herzen in seinen Körper eindrang.

Und er wußte, was er zu tun hatte!

»Das ist die Wahrheit, Torian«, murmelte Garth, aber er sprach die Worte wohl nur aus, um überhaupt etwas zu sagen und so das immer unerträglicher werdende Schweigen zu brechen, denn obwohl er der Auslöser gewesen war, hatte er nicht gesehen, was Torian geschaut hatte, und auch von dem auf geistiger Basis ausgetragenen Gespräch war er ausgeschlossen gewesen. Seine Stimme schien von weit, weit her zu kommen, obgleich sein Mund nur Zentimeter neben Torians rechtem Ohr war, denn er hatte sich neben ihm niedergekniet und den Arm um seine Schulter gelegt. Aber Torian hörte sie kaum. Was er gesehen und gehört hatte, durfte einfach nicht sein. Nicht das.

Mühsam schaute Torian auf, atmete die stinkende Luft der Höhle ein und blickte Garth an. Für einen Moment schien sein Gesicht vor ihm zu verschwimmen, dann erst begriff Torian, daß es seine eigenen Tränen waren, die seinen Blick verschleierten. Für ihn war mehr zusammengebrochen als nur eine Illusion, der er in den letzten Monaten nachgehangen hatte. Er hatte das Gefühl, die Welt, in der er bislang gelebt hatte, wäre eingestürzt, und etwas hätte ihn gepackt und in eine neue, andere Realität hineingeworfen, in der zurechtzufinden ihm unmöglich war. Alles, was sein bisheriges Leben bestimmt hatte; seine Hoffnungen, seine Ängste – alles war bedeutungslos geworden. Vielleicht würde er sterben, wenn alles vorbei war, aber auch das erschien ihm mittlerweile unwichtig. Er war dazu bereit.

Mit einer ungelenken, hölzern wirkenden Bewegung richtete er sich auf. Garth verstärkte seinen Griff noch, doch war die Berührung jetzt nicht mehr als Trost gedacht, sondern entsprang jäh aufgekeimtem Mißtrauen. »Was hast du nun vor?« fragte er.

Torian lächelte kalt. »Kannst du dir das nicht denken?« erwiderte er ohne einen Funken Gefühl in der Stimme. »Das, wofür ich schließlich hergekommen bin. Die Schattenburg zerstören und Cathar umbringen. Was denn sonst?«

Garths Augen weiteten sich. »Du… du bist verrückt«, keuchte er. »Cathars Killer werden dich erwischen, bevor du auch nur die eigentliche Burg erreichst.« Er lachte unecht, griff in seinen Gürtel und zog einen gekrümmten zweischneidigen Dolch hervor, den er Torian mit dem Griff voran hinhielt. Verstört blickte Torian die Waffe an.

»Was soll ich damit?« fragte er.

»Dir die Kehle durchschneiden«, antwortete Garth in vollkommen ernstem Tonfall. »Das geht schneller und ist weitaus weniger unangenehm als das, was dich erwartet, wenn Cathar dich noch einmal in die Finger bekommt. Denkst du, er weiß mittlerweile nicht, daß du geflohen bist? Er weiß sogar, daß du hier bist, zumindest vermutet er es.«

»Na und? Geh mir aus dem Weg, Garth!«

Etwas an der Art, in der er die Worte aussprach, schien den Dieb zu warnen, denn er trat einen halben Schritt zurück, schüttelte dann aber stur den Kopf. »Ich lasse nicht zu, daß du in dein Verderben läufst.«

»So? Läßt du das nicht?« Noch bevor Garth begriff, was die Worte zu bedeuten hatten oder er gar eine Abwehrbewegung machen konnte, holte Torian aus und versetzte ihm einen fast beiläufigen Hieb, der den Zwei-Zentner-Hünen zurückschleuderte und dicht am Ufer des schwarzen Sees zu Boden stürzen ließ. Benommen blieb Garth liegen.

Torian widmete ihm nur noch einen flüchtigen Blick, bevor er die Höhle durch die gleiche Tür wieder verließ, durch die sie hereingekommen waren. So schnell er überhaupt konnte, ohne sich in der beinahe absoluten Finsternis hier unten den Schädel irgendwo einzurennen, stürmte er aus der Höhle und den Gang wieder hinab. Er hatte sich den Weg hier hinunter nicht gemerkt – dazu war er viel zu aufgeregt gewesen –, aber er wandte sich einfach immer nach oben, wenn er an eine Abzweigung oder eine Treppe kam, und nach einer Weile glaubte er, hier und da eine bekannte Stelle zu sehen, eine absonderlich geformte Tür, eine seltsam schräg anmutende Treppe oder Rampe. Die sinnverdrehende Architektur der Schattenburg kam ihm nun zugute, denn es gab praktisch keinen Quadratzentimeter, der einem anderen glich, und vieles war so bizarr, daß man es einfach nicht vergessen konnte. Aber eigentlich wären diese Hilfen nicht einmal nötig gewesen.

Er fand den Weg hinauf in Cathars Kerker erstaunlich schnell – und wäre um ein Haar gegen einen schwarzvermummten Schattenkrieger geprallt, der mit vor der Brust verschränkten Armen vor einer verschlossenen Zellentür Wache stand.

Torian wußte nicht, wer überraschter war – er oder der Krieger. Und er vermochte auch hinterher nicht zu sagen, wieso er die nächste Minute überlebte.

Vielleicht war der Schattenkrieger einfach zu fassungslos, um im Ernst anzunehmen, daß er tatsächlich die Dreistigkeit besitzen würde, ihn anzugreifen.

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