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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Was ist passiert, Garth?« fragte er leise. »Ich meine – bevor du mich befreit hast. Wer hat dich geweckt?«

»Geweckt?« Garth lächelte, aber es war ein sehr bitteres Lächeln. »Niemand, Torian. Ich war die ganze Zeit wach.« Er stockte. Sein Adamsapfel bewegte sich ruckartig auf und ab, Torian spürte, daß er mit aller Macht um seine Beherrschung kämpfte, als er weitersprach. »Cathar hat sich einen kleinen Scherz ausgedacht, ganz persönlich für mich. Ich war…« Er machte eine schwer zu deutende Handbewegung »…gelähmt, könnte man es wohl nennen. Mein Körper war gelähmt. Aber ich war wach. Die ganze Zeit über.«

Seine Worte jagten Torian einen eisigen Schauer über den Rücken. »Wie lange… war das?« fragte er.

Garth zuckte mit den Achseln. »Tage… Wochen… ich weiß es nicht. Sehr lange. Seit wir uns in Armar getrennt haben. Es war… nicht besonders schön. Aber ich habe dich nicht hier herunter gebracht, um dir mein Leid zu klagen, Torian. Wir haben Wichtigeres zu tun.« Er kam auf ihn zu, ergriff ihn am Arm und schob ihn mit sanfter Gewalt zur Wand zurück, wo sie sich beide im Schneidersitz niederließen. Erneut fiel Torian auf, daß der Dieb ganz kurz in die Höhle zurücksah. Er war nervös.

Irgendwo hinter der schwarzen Wand aus Schatten schien etwas zu sein, was ihm Angst machte.

»Ich habe jedes Wort gehört, Torian«, begann er. »Als du mit Cathar gesprochen hast. Du hast einen Moment ernsthaft überlegt, sein Angebot anzunehmen, nicht? Obwohl du weißt, daß er dich betrogen hätte.« Es war keine Frage, sondern nur eine Feststellung. Und sie war auch frei von allem Vorwurf.

Torian nickte, und plötzlich hob Garth die Hand und berührte ganz leicht seine linke Schulter. »Es ist dieses Ding, nicht wahr? Deshalb bist du hergekommen. Etwas von der Blutspinne steckt immer noch in dir.«

Jeden anderen Mann, der ihm diese Frage gestellt hätte, würde Torian in diesem Moment belogen haben; allenfalls hätte er gar nicht geantwortet. Bei Garth konnte er es nicht, genau wie Garth eigentlich nichts von dem Parasiten wissen konnte. Etwas war während der Zeit der Gefangenschaft mit dem Dieb vorgegangen, das ihn verändert hatte, so daß er Torian mittlerweile wieder fast ebenso fremd vorkam wie draußen, als Cathar sein Aussehen angenommen hatte. Lange, endlos lange Sekunden starrte er Garth an, dann senkte er den Blick, atmete tief und hörbar aus – und nickte. »Ja«, gab er zu, so leise, daß der Dieb das Wort kaum hörte, obwohl er unmittelbar neben ihm saß. »Es… es frißt mich von innen her auf. Manchmal weiß ich kaum noch, was ich tue, und vor allem, was ich denke.«

»Aber es ist auch dein Schutzengel. Es hat dich sicher hierhergeleitet. Cathar weiß davon, und es flößt ihm mehr Angst ein, als er zugeben will«, fuhr Garth fort und wechselte dann übergangslos das Thema: »Wer, denkst du, hat mich befreit?«

Torian starrte ihn einen Moment lang verständnislos an, dann winkte Garth ab. »Das ist im Augenblick nicht wichtig. Aber es gibt etwas, was wir tun müssen.«

»Ja«, erwiderte Torian. »Hinaufgehen und diesem Ungeheuer endlich den Hals durchschneiden.«

Garth lächelte, aber nur für eine Sekunde, dann wurde er sofort wieder ernst. »Das würde nicht viel nutzen«, bemerkte er.

Diesmal war Torian wirklich sprachlos.

Garth nickte, um seine eigenen Worte zu bestätigen. »Es ist nicht Cathar, gegen den wir kämpfen.«

»Nicht… Cathar?«

»Natürlich ist es Cathar«, stellte Garth klar. »Aber er ist nur eine Marionette, an deren Fäden ein anderer zieht. Ihn zu töten, ja selbst diese ganze Burg zu vernichten – wenn wir es könnten –, würde nicht viel ändern. Glaubst du wirklich, er wäre noch am Leben, wenn alles damit erledigt wäre?« Garth lachte. Es klang böse. »Er ist von diesen seltsamen Kriegern umgeben, und diese Burg ist gespickt mit Fallen, aber wenn ich wirklich gewollt hätte, wäre ich an ihn herangekommen. Vermutlich hätte es mein eigenes Leben gekostet, aber ich hätte ihn erwischt, und du kannst mir glauben, ich hätte es getan. Aber es würde nichts nützen. Wir hätten allenfalls eine Atempause gewonnen, nach der alles nur noch viel schlimmer geworden wäre. Er ist nur eine Marionette. Er weiß es vielleicht nicht einmal selbst, aber an den Fäden, an denen er hängt, zieht längst ein sehr viel Mächtigerer.«

»Und wer?« fragte Torian.

»Diese Burg selbst ist es. Sie benutzt ihn mindestens ebenso sehr wie er sie. Aber das kannst du nicht verstehen, denn du kennst sie nicht.«

»Kennst du sie denn?«

Garth zögerte einen ganz kurzen Moment, dann nickte er. »Jedenfalls besser als du«, behauptete er. »Vergiß nicht, daß ich länger als eine Woche hier gefangen war.« Seine Stimme zitterte bei diesen Worten. Torian fragte sich, was der Dieb erlitten haben mochte in dieser Woche. Was mußte er ausgestanden haben, eingekerkert in seinen eigenen Körper, nichts als ein Geist, abgeschnitten von allen äußeren Eindrücken? Torian versuchte sich vorzustellen, wie es sein mußte: blind, taub, gelähmt, unfähig, irgend etwas zu empfinden oder zu fühlen, eine Ewigkeit lang, zu der sich in dieser Situation jeder Tag dehnen mußte. Der Gedanke war so entsetzlich, daß sich etwas in ihm dagegen sträubte, ihn auch nur zu denken.

Aber er fragte Garth nicht danach, und nach einer Weile redete der Dieb von sich aus weiter.

»Cathar hat mich in diesen magischen Schlaf versetzt«, begann er. »Aber ich habe nicht geschlafen. Etwas hat… ich weiß nicht was, und ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber irgend etwas hat wohl versucht, so etwas wie einen geistigen Kontakt mit mir herzustellen. Vielleicht, um mehr über mich oder dich zu erfahren. Ich glaube, es war die Schattenburg selbst. Aber dabei habe ich auch eine Menge über sie in Erfahrung gebracht. Ich weiß nun, was sie wirklich ist.«

»Was sie wirklich ist?« wiederholte Torian verwirrt. »Was willst du damit sagen?«

»Sie lebt, Torian, und ist alt, uralt.«

»Ich weiß«, antwortete er und begriff noch immer nicht wirklich, worauf Garth hinauswollte. Vielleicht wollte er es auch nicht begreifen. »Sie muß Jahrzehntausende alt sein.«

»Jahrzehntausende?« Garth lachte, aber es klang nicht sehr amüsiert. »Jahrmillionen käme der Sache wohl näher. Und sie lebt. Sie ist älter als jedes andere Lebewesen in Caracon, vielleicht sogar älter als diese Welt selbst.«

Eine Sekunde lang starrte Torian ihn an, unfähig zu begreifen, was der Dieb gerade gesagt hatte. Er rückte ein Stück von ihm weg und sah ihn fassungslos an. »Willst du damit andeuten, daß sie… nicht erbaut wurde?« keuchte er. »Nicht erbaut, sondern geboren?«

»Auch das stimmt nicht ganz, aber es kommt der Wahrheit nahe.«

»Aber wenn… wenn das stimmt«, stammelte Torian, »dann ist alles sinnlos!«

»Nein«, widersprach Garth. »Auch sie kann besiegt werden. Ich weiß nicht, wie, und ich weiß nicht, womit und wann, aber nichts, was irgendwie lebt oder auch nur existiert, kann nicht auch irgendwie zerstört werden. Ein Zeichen dafür sind die Schattenkrieger. Sie leben nicht wirklich, zumindest nicht in unserem Sinne, und doch können sie sterben. Sie sind ein Teil dieser Burg, und wenn Cathar es wollte, könnte er Millionen von ihnen herbeirufen, solange er der Herr der Schattenburg ist. Aber all seine Macht ist nur geliehen. Du wirst es begreifen, schon bald.«

Er stand auf und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Mauer aus dräuenden Schatten vor ihnen.

»Komm mit«, forderte er ihn auf. »Ich werde dir zeigen, was diese Festung ist. Dann wirst du mich besser verstehen.«

Der Weg war nicht sehr weit. Und die Wand aus Schwärze – von der Torian nun sehr sicher war, daß es sich nicht nur um Dunkelheit handelte – wich im gleichen Maße vor ihnen zurück, in der sie sich ihr näherten. Aber schon nach kurzer Zeit tauchte etwas anderes, viel Finstereres vor ihnen auf, etwas, das nicht vor ihnen zurückwich, sondern im Gegenteil immer größer und größer wurde, bis es sich schließlich als eine Art See entpuppte, der den allergrößten Teil der Höhle einzunehmen schien, denn seine Ufer verloren sich rechts und links in wogender Finsternis.

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