Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Else hatte dunkle Haare, große Augen und war hübsch. Wenn ihre Eltern gerade nicht hersahen, grinste sie frech herüber. Während sie arbeiteten — sie wuchteten Fässer und Getreidesäcke in der Scheune herum -, lehnte sie sich über eine niedrige Stalltüre, summte vor sich hin, kaute auf dem Ende eines langen Pferdeschwanzes herum und beobachtete sie. Besonders oft sah sie Rand an. Er bemühte sich, sie nicht zu beachten, aber nach ein paar Minuten zog er sich dann doch das von Meister Grinwell ausgeliehene Hemd an. Es war zu kurz und an den Schultern zu eng, aber besser als gar nichts. Else lachte laut auf, als er es überzog. Ihm kam der Gedanke, daß es diesmal wohl nicht Mats Schuld sein würde, wenn man sie fortjagte.
Perrin wüßte, wie man das macht, dachte er. Er würde ein paar Witze reißen, und bald würde sie sich schieflachen, anstatt ihn anzuhimmeln, wenn ihr Vater zuschaute. Nur fielen ihm halt gerade keine lustigen Geschichten oder gar Witze ein. Wann immer er in ihre Richtung blickte, lächelte sie ihn auf eine Weise an, daß ihr Vater bestimmt die Hunde loslassen würde, wenn er es bemerkte. Einmal sagte sie ihm, daß ihr große Männer gefielen. Alle Burschen auf den Höfen in der Gegend seien klein. Mat grinste schelmisch. Rand wünschte, ihm fiele ein Witz ein, und er versuchte, sich ganz auf die Heugabel zu konzentrieren.
Wenigstens waren die jüngeren Kinder in Rands Augen ein Segen. Mats Mißtrauen ließ immer etwas nach, wenn Kinder in der Nähe waren. Nach dem Abendessen setzten sie sich alle vor den Kamin. Meister Grinwell saß auf seinem Lieblingsplatz, stopfte seine Pfeife, und Frau Grinwell kramte in ihrem Nähkästchen und stopfte Löcher in den Hemden, die sie für ihn und Mat gewaschen hatte. Mat holte Thoms farbige Bälle hervor und begann zu jonglieren. Er tat das nur, wenn Kinder zusahen. Die Kinder lachten, als er so tat, als ließe er die Bälle fallen und sie dann in letzter Sekunde doch auffing, und sie beklatschten die Springbrunnen und Achter und einen Ring mit sechs Bällen, die er wirklich beinahe fallen ließ. Aber es machte ihnen mächtig Spaß, und auch Meister Grinwell und seine Frau klatschten so laut wie ihre Kinder. Als Mat fertig war und sich mit genauso weitschweifigen Verbeugungen wie Thom für den Beifall bedankt hatte, holte Rand Thoms Flöte aus dem Kasten. Er war nie in der Lage, das Instrument zu spielen, ohne dabei traurig zu werden. Wenn er die Gold- und Silberverzierungen berührte, war es ihm, als berühre er Thoms Andenken. Er nahm niemals die Harfe in die Hand, außer um nachzusehen, ob sie sicher und trocken aufbewahrt sei — Thom hatte immer gesagt, die Harfe sei nichts für die ungeschickten Hände eines Bauernjungen -, aber wenn ihnen ein Bauer das Übernachten gestattete, spielte er immer nach dem Essen ein oder zwei Lieder auf der Flöte. Das war immer eine kleine Extrazahlung an den Bauer und vielleicht auch ein Weg, um das Andenken an Thom frischzuhalten.
Aus der lustigen Stimmung heraus, die Mat mit seinem Jonglieren heraufbeschworen hatte, spielte er ›Drei Mädchen auf der Wiese‹. Meister Grinwell und seine Frau klatschten mit, und die kleineren Kinder tanzten durch das Zimmer. Selbst der kleinste Junge, der kaum laufen konnte, stampfte im Rhythmus mit den Füßen. Er wußte, daß er beim Bel Tine noch keinen Preis gewinnen würde, aber nach der guten Lehre bei Thom müßte er sich auch nicht schämen, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Else saß mit übergeschlagenen Beinen vor dem Kamin, und als er nach dem letzten Ton die Flöte senkte, beugte sie sich mit einem langen Seufzer vor und lächelte ihn an. »Du spielst so schön! Ich habe noch nie etwas so Schönes gehört.«
Frau Grinwell unterbrach plötzlich ihr Nähen, hob eine Augenbraue in Richtung ihrer Tochter und sah Rand lang und abschätzend an. Er hatte den Lederbehälter schon in der Hand, um die Flöte wieder einzupacken, aber bei dem Blick ließ er den Behälter fallen und beinahe auch die Flöte. Wenn sie ihn bezichtigte, ihrer Tochter schönzutun... Verzweifelt hob er die Flöte wieder an die Lippen und spielte ein weiteres Lied, und dann noch eines und noch eines. Frau Grinwell beobachtete ihn weiterhin. Er spielte ›Der Wind, der die Weide beugt‹, ›Heimkehr vom Tarwin-Paß‹, ›Frau Aynoras Hahn‹ und ›Der alte Schwarzbär‹. Er spielte alle Lieder, die ihm einfielen, aber sie sah ihn unverwandt an. Sie sagte nichts dabei, aber sie musterte ihn und überlegte.
Es war schon spät, als Meister Grinwell schließlich aufstand. Er lachte und rieb sich die Hände. »Also, das war schon ein seltenes Vergnügen, aber es ist schon viel später, als wir normalerweise zu Bett gehen. Ihr Wanderburschen teilt euch die Zeit anders ein, aber auf einem Bauernhof kommt der Morgen schnell. Ich sage euch, ich habe in der Schenke schon mehr Geld bezahlt und mich schlechter amüsiert als heute abend. Viel schlechter.«
»Ich glaube, sie sollten eine Belohnung dafür bekommen, Vater«, sagte Frau Grinwell, während sie ihren Jüngsten auf die Arme nahm, nachdem er schon lange vor dem Feuer eingeschlafen war. »Die Scheune ist kein guter Schlafplatz. Sie können in Elses Zimmer schlafen, und Else schläft heute nacht bei mir.«
Else verzog das Gesicht. Sie hütete sich aufzublicken, aber Rand bemerkte es. Er glaubte zu sehen, daß auch ihre Mutter es bemerkte.
Meister Grinwell nickte. »Ja, ja, viel besser als in der Scheune. Wenn ihr nichts dagegen habt, zu zweit in einem Bett zu schlafen.« Rand errötete; Frau Grinwell sah ihn immer noch an. »Ich wünschte, ich könnte mehr von dieser Flöte hören. Und von euerem Jonglieren sehen! Wißt ihr, morgen hätte ich eine kleine Arbeit, bei der ihr mir helfen könntet, und... «
»Sie werden früh aufbrechen wollen, Vater«, warf Frau Grinwell ein. »Arien ist das nächste Dorf auf ihrem Weg, und wenn sie dort ihr Glück in der Schenke versuchen wollen, müssen sie den ganzen Tag wandern, damit sie vor Einbruch der Dunkelheit dort ankommen.«
»Ja«, sagte Rand, »das müssen wir. Und ich danke Euch!«
Sie lächelte ihn mit aufeinandergepreßten Lippen an, als wisse sie recht gut, daß sein Dankeschön mehr galt als nur dem guten Rat, dem Essen und einem warmen Bett.
Den ganzen nächsten Tag über neckte ihn Mat wegen Else, während sie die Straße entlangmarschierten. Er bemühte sich, das Thema zu wechseln, und was Grinwell in bezug auf ihr Auftreten in Schenken vorgeschlagen hatte, lieferte ihm einen guten Vorwand. Am Morgen schmollte Else, als sie aufbrachen, und Frau Grinwell sah sie mit einem Blick an, der ihnen sagte: ›Besser so, und sie wird schnell darüber hinwegkommen‹, und Meister Grinwells Vorschlag hielt Mat eine Weile vom Spötteln ab. Als sie schließlich das nächste Dorf erreichten, hatten sie an anderes zu denken.
Als sich die Abenddämmerung herabsenkte, betraten sie die einzige Schenke in Arien, und Rand sprach mit dem Wirt. Er spielte ›Fähr übern Fluß‹ — was der mollige Wirt ›Liebling Sara‹ nannte — und einen Teil von ›Die Straße nach Dun Aren‹, und Mat jonglierte ein wenig, und das Ergebnis war, daß sie diese Nacht in einem Bett schliefen und Bratkartoffeln mit Rindfleisch aßen. Sicher, es war das kleinste Zimmer der Schenke, ganz hinten unter dem Dach, und das Essen kam erst mitten am Abend nach langem Spielen und Jonglieren, aber es war immerhin doch ein Bett unter einem richtigen Dach. Und was daran nach Rands Ansicht noch besser war: Sie hatten jeden Moment des Tageslichts zum Vorwärtskommen ausgenützt. Und die Gäste in der Schenke schienen Mats mißtrauische Blicke nicht zu stören. Einige von ihnen beäugten sogar ihrerseits die anderen mißtrauisch. Mißtrauen Fremden gegenüber war in solchen Zeiten normal, und in einer Schenke traf man eben immer auf Fremde.