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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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So standen sie mitten auf der Straße, bis Mat plötzlich unsicher die Achseln zuckte und zu Boden sah. »Wem könnte ich ihn schon verkaufen, Rand? Ein Bauer würde uns mit Hühnern bezahlen müssen, und damit können wir keine Kutsche kaufen. Und selbst wenn ich ihn in irgendeinem Dorf herumzeigen würde, durch das wir gekommen sind, dächten sie doch wahrscheinlich, wir hätten ihn gestohlen. Das Licht mag wissen, was dann geschähe.«

Nach einer Weile nickte Rand zögernd. »Du hast recht. Ich weiß. Tut mir leid, ich wollte dich nicht so anfahren. Es ist halt nur, daß ich Hunger habe und mir die Füße weh tun.«

»Meine auch.« Sie gingen wieder los, die Straße hinunter, aber nun womöglich noch müder als vorher. Der Wind frischte auf und blies ihnen Staub ins Gesicht. »Meine auch«, keuchte Mat.

Ein paar Mahlzeiten und einige Nächte im Warmen bekamen sie schon auf Bauernhöfen. Ein Heustadel war fast genauso warm wie ein Zimmer mit einem Feuer im Kamin, jedenfalls wenn man ihn mit einem Lager unter Büschen verglich, und ein Heustadel, sogar eine ohne eine schützende Abdeckung, hielt den schlimmsten Regen ab, wenn man sich tief genug hineingrub. Manchmal versuchte sich Mat darin, Eier zu stehlen, und einmal unternahm er einen Versuch, eine Kuh zu melken, die herrenlos herumstand, lediglich an einer langen Leine angebunden, um auf einem Feld zu weiden. Die meisten Bauern hielten allerdings Hunde, und die Hofhunde waren wachsam. Wie Rand die Sache sah, war ein Zwei-Meilen-Wettlauf mit kläffenden Hunden auf den Fersen ein zu hoher Preis für zwei oder drei Eier, besonders wenn es manchmal Stunden dauerte, bis sie die Hunde wieder los waren und sie aus dem Baum herabsteigen konnten, auf dem sie Zuflucht gesucht hatten. Die vergeudeten Stunden reuten ihn.

Es gefiel ihm wohl nicht, aber Rand zog es vor, sich einem Bauernhaus offen und im hellen Tageslicht zu nähern. Gelegentlich hetzte man trotzdem die Hunde auf sie, ohne überhaupt ein Wort mit ihnen zu reden, denn die umlaufenden Gerüchte und die schlechten Zeiten machten jedermann, der allein und von anderen ein Stück entfernt wohnte, Fremden gegenüber mißtrauisch. Aber oft genügte auch eine Stunde Holzhacken oder Wasserschleppen, um ihnen eine Mahlzeit und ein Bett einzubringen, selbst wenn es nur ein Strohsack in der Scheune war. Andererseits bedeuteten ein oder zwei Stunden solcher Arbeiten auch ein oder zwei Stunden Stillstand bei Tageslicht, also ein oder zwei Stunden, in denen der Myrddraal aufholen konnte. Manchmal fragte er sich, wie viele Meilen in der Stunde ein Blasser zurücklegen konnte. Jede versäumte Minute reute ihn -aber zugegebenermaßen nicht so sehr, wenn er dabei die heiße Suppe einer Bauersfrau hinunterlöffeln konnte. Und wenn sie nichts zu beißen hatten, war das Wissen, daß sie sich mit jeder Minute Caemlyn ein bißchen näherten, ein schwacher Trost für einen leeren Magen. Rand konnte sich nicht entscheiden, was schlimmer war: ein leerer Magen oder verlorene Zeit. Nur Mat ging noch ein Stückchen weiter, als sich nur über seinen Bauch oder die Verfolger Gedanken zu machen.

»Was wissen wir denn schon von ihnen?« fragte Mat eines Nachmittags, als sie auf einem kleinen Hof den Stall ausmisteten. »Licht, Mat, was wissen sie denn über uns?« ächzte Rand. Sie arbeiteten mit nacktem Oberkörper und waren beide mit Schweiß und Stroh bedeckt. Die Luft war voll von Strohstaub. »Jedenfalls weiß ich, daß sie uns Lammbraten und ein richtiges Bett zum Schlafen geben.«

Mat stieß seine Mistgabel in den Haufen aus Stroh und Dung und sah den Bauer von der Seite her an. Der war aus dem hinteren Teil des Stalles gekommen, trug einen Eimer in der einen Hand und in der anderen seinen Melkhocker. Es war ein gebeugter alter Mann mit einer Haut wie Leder und dünnem grauen Haar. Der Bauer verlangsamte seinen Schritt, als er bemerkte, daß Mat ihn ansah, blickte dann aber schnell zur Seite und eilte aus der Scheune, wobei Milch über den Eimerrand hinausschwappte.

»Ich sage dir, er führt etwas im Schilde«, sagte Mat. »Hast du gemerkt, daß er mir nicht in die Augen sehen konnte? Warum sind sie so freundlich zu ein paar Wanderern, die sie zuvor noch nie gesehen haben? Sag's mir!«

»Seine Frau sagt, wir erinnern sie an ihre Enkel. Hör schon auf, dir darüber Gedanken zu machen. Was uns Sorgen bereitet, kommt hinter uns nach. Hoffe ich jedenfalls.«

»Er plant irgendwas«, murmelte Mat.

Als sie fertig waren, wuschen sie sich an dem Trog vor der Scheune. Ihre Schatten erstreckten sich lang unter der sinkenden Sonne. Rand trocknete sich mit seinem Hemd ab, während sie zum Haus gingen. Der Bauer erwartete sie an der Tür. Er lehnte sich etwas zu beiläufig auf seinen Stock. Hinter ihm verkrampfte seine Frau die Hände um den Schürzenrand und schaute ihm über die Schulter. Sie kaute unentschlossen auf der Unterlippe. Rand seufzte. Er glaubte nicht, daß Mat und er sie jetzt noch an ihre Enkel erinnerte.

»Unsere Söhne kommen heute abend zu Besuch«, sagte der alte Mann. »Alle vier. Ich hatte es vergessen. Sie kommen alle vier. Große Burschen. Stark. Können jede Minute ankommen. Ich fürchte, wir haben kein Bett mehr frei, auch wenn wir es euch versprochen haben.«

Seine Frau schob ein kleines, in eine Stoffserviette gehülltes Bündel an ihm vorbei. »Hier. Da ist Brot und Käse und Gurke und Lammfleisch. Genug für zwei Mahlzeiten. Hier!« Ihr runzliges Gesicht flehte sie stumm an, es doch bitte anzunehmen und zu verschwinden.

Rand nahm das Bündel. »Danke. Ich verstehe schon. Komm, los, Mat.«

Mat folgte ihm. Er murrte vor sich hin, während er sich das Hemd überzog. Rand hielt es für das Beste, so viele Meilen wie möglich zurückzulegen, bevor sie anhielten und aßen. Der alte Bauer hatte einen Hund.

Es hätte schlimmer kommen können, dachte er. Vor drei Tagen hatte man die Hunde auf sie gehetzt, als sie noch an der Arbeit waren. Die Hunde und der Bauer mit seinen beiden Söhnen hatten sie knüppelschwingend hinaus zur Straße nach Caemlyn und noch eine halbe Meile weiter gejagt, bevor sie aufgaben. Sie hatten kaum Zeit genug gehabt, ihre Habseligkeiten zusammenzuraffen und loszurennen. Der Bauer hatte einen Bogen getragen und einen Pfeil mit breiter Spitze aufgelegt gehabt.

»Kommt ja nicht zurück!« hatte er ihnen nachgeschrien. »Ich weiß nicht, was ihr wollt, aber ich will eure Wieselaugen nicht mehr sehen!«

Mat hatte sich umdrehen wollen, fummelte bereits an seinem Köcher herum, aber Rand zog ihn weiter. »Bist du verrückt?« Mat warf ihm einen mürrischen Blick zu, aber wenigstens rannte er weiter.

Rand fragte sich manchmal, ob es sich wirklich lohnte, zu Bauernhöfen zu gehen. Je weiter sie kamen, desto mißtrauischer wurde Mat Fremden gegenüber und desto weniger konnte er es verbergen. Er gab sich auch kaum Mühe dabei. Die Mahlzeiten wurden immer kleiner, bei gleicher Arbeit, versteht sich, und manchmal bot man ihnen noch nicht einmal die Scheune zum Schlafen an. Doch dann fiel Rand eine Lösung für all ihre Probleme ein — zumindest schien es eine zu sein -, und das geschah an Grinwells Hof.

Meister Grinwell und seine Frau hatten neun Kinder. Das älteste davon war eine Tochter, die kaum mehr als ein Jahr jünger war als Rand und Mat. Meister Grinwell war ein kräftiger Mann, und bei all den Kindern brauchte er wahrscheinlich keine weitere Hilfe, aber er musterte sie von oben bis unten, betrachtete ihre verschmutzten Kleider und staubigen Stiefel und gab zu, daß er immer noch Arbeit für weitere Hände finden könne. Frau Grinwell meinte, wenn sie an ihrem Tisch essen sollten, dann nicht in diesen dreckigen Sachen. Sie sei gerade bei der Wäsche, und bei der Arbeit würden ihnen auch ein paar alte Sachen ihres Mannes genügen. Sie lächelte, als sie das sagte, und in dem Augenblick sah sie für Rand genauso aus wie Frau al'Vere, obwohl ihr Haar gelb war. Diese Farbe hatte er noch nie zuvor gesehen. Selbst aus Mat schien etwas von der Anspannung zu weichen, als ihr Lächeln ihn berührte. Mit der ältesten Tochter war das auch so eine Sache.

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