Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
„Ganz offensichtlich extragalaktisch“, sagt 408b lebhaft. „Das völlige Fehlen von Spuren außer in dieser unbedeutenden Ecke der Galaxis bedeutet, daß sie…“
„Schluß damit!“ donnert Mirrik. „Eines nicht mehr fernen Tages werden wir ihre Heimatwelt finden, ganz in der Nähe, und…“
„Unsinn!“
„Ausgemachter Blödsinn!“
„Unwissenschaftliche Spekulation!“
„Ein Haufen albernen Durcheinanders!“
„Ignoranz!“
„Idiotischer Quatsch!“
„Intellektueller Stuß!“
Und so geht das Herumlamentieren weiter, bis tief in die Nacht hinein. Mirrik und Steen Steen stärken Dr. Horkkk und seiner Theorie vom hiesigen Ursprung den Rücken, ebenso Jan Mortenson, auch wenn sie sich dabei als nicht sonderlich standhaft erweist. 408b und ich unterstützen Dr. Schein und seine Theorie von der extragalaktischen Herkunft. Kelly Wachmann ist neutral, denn es liegt nicht in der Natur von Androiden, sich über Theorien aufzuregen, wenn es ihnen an den Fakten zu einer logischen Schlußfolgerung mangelt. Pilazinool, unser Spezialist in intuitiver Analyse, schweigt sich ebenfalls über dieses Thema aus. Ich bin sicher, es hat seine persönliche Meinung dazu, aber es ist nicht seine Art, sie zu äußern, solange es sich nicht in der Lage wähnt, eine komplette Beurteilung darzulegen. Wenn es eine komplette Beurteilung darlegt, dann kann sie nicht als Diskussionsgegenstand dienen. Dann bedeutet es Die Offenbarung. Deshalb ist Pilazinool so darum bemüht zu versuchen, uns nicht eher Die Offenbarung angedeihen zu lassen, als bis sie ihm selbst zuteil geworden ist.
Warum ich auf der Seite Dr. Scheins bin, möchtest du wissen? Wie ich überhaupt auf der Seite von irgend jemandem sein kann, da wir im Grunde genommen von nichts eine Ahnung haben?
Ganz einfach. Wie du weißt, Lorie, habe ich eine romantische Ader. Sonst wäre ich nicht hier draußen und mit dem beschäftigt, mit dem ich beschäftigt bin, trotz der Ansichten meines Vaters darüber, was ich aus meinem Leben machen sollte. Und deshalb neige ich ganz automatisch zu der Theorie, die in meiner Phantasie am hellsten glänzt.
Wenn die Erhabenen sich auf einer Welt irgendwo diesseits der Hundert-Lichtjahre-Grenze von der Erde entwickelten, dann müssen sie inzwischen ausgestorben sein. Wenn sie nach wie vor existierten, wären wir ihnen bestimmt schon in die Arme gelaufen.
Doch wenn sie von einer anderen Galaxis gekommen sind, dann könnten sie noch leben, irgendwo dort draußen. Mir gefällt die Vorstellung, daß es sie noch gibt. Ein Volk, das einige hundert Millionen Jahre überdauern kann, ohne sich selbst auszulöschen — und wir wissen, daß ihre Kultur zumindest so lange von Bestand war —, kann praktisch als unvergänglich betrachtet werden, die Zivilisation als Ganzes genommen. Wenn Dr. Scheins Vorstellungen also zutreffen, dann liegt es zumindest im Bereich des Möglichen, daß sie noch leben in all ihrer uralten Pracht. Und daß wir eines Tages über sie stolpern, irgendwo. In den Magellanschen Wolken, in M 31 im Sternbild der Andromeda, in der Spiralgalaxie M104, die dem Virgo-Haufen angehört — wo auch immer.
Laß mich noch schnell folgendes hinzufügen: Weder Dr. Schein noch irgendein anderer angesehener Archäologe hat angedeutet, die Erhabenen könnten noch existieren. Selbst für eine Zivilisation von Superwesen ist es sicher schwierig, eine so lange Zeitspanne wie eine Milliarde Jahre zu überdauern. Es ist einfach nur meine begeisterte Vorstellung, daß sie noch leben. Jene Nacht, als ich den Streifzug mit Jan unternahm, erzählte ich ihr vorsichtig von meiner Ansicht, und sie war erschrocken.
„Nichts hat über eine Milliarde Jahre Bestand, Tom!“
„Du beziehst dich auf irdische Normen. Nur weil wir Neulinge auf der kosmischen Bühne sind, bedeutet das nicht…“
„Aber es gibt nirgends irgendeine intelligente Rasse, die auch nur annähernd so alt ist!“ protestierte sie. „Die Shilamakka sind so ziemlich das älteste Volk in der Galaxis, nicht wahr? Und sie entstanden vor nur fünfzig Millionen Jahren. Wohingegen unsere eigene Spezies nur auf eine Vergangenheit von nicht einmal fünfhunderttausend Jahren zurückblicken kann. Und die Calamorianer sind sogar noch jünger, und…“
„Wir haben den Beweis dafür, daß die Erhabenen in der Lage waren, eine Zeitspanne von 250 Millionen Jahren zu überleben, Jan. Wir wissen also, sie waren standfest. Sie könnten sehr wohl noch…“
„Was ist mit den evolutionären Wandlungen? In einer Milliarde Jahre müßten sie sich völlig verändert haben!“
„Glaubst du nicht, sie könnten ihre eigene genetische Instabilität kontrollieren?“ fragte ich. „Ein so konservatives Volk wie sie hätte keine zufälligen Mutationen zugelassen. Es würde dafür sorgen, daß es intakt bleibt und sich nicht verändert.“
„Und was ist mit den natürlichen Ressourcen ihres Heimatplaneten? Wären die nicht schon längst erschöpft?“
„Wer sagt denn, daß sie noch auf ihrer Ursprungswelt leben?“
Jan war nicht überzeugt. Ich muß zugeben, ich war es auch nicht. Den Gedanken, eine Spezies könnte eine Zivilisation über eine so lange Zeitspanne wie eine Million Jahre aufrechterhalten, kann sich ein erdgeborener Mensch wie ich nicht bewußtmachen. Aber davon zu sprechen, mehr als eine Milliarde Jahre zu überleben — der Verstand weigert sich sogar, es sich nur vorzustellen.
Und doch… Lorie, ich möchte, daß es sie noch gibt irgendwo dort draußen. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, solche Größe könnte ein Ende finden und aus dem Universum verschwinden. Der Letzte der Erhabenen, der Tod einer Millionen von Jahren alten Zivilisation, keine Schwungkraft mehr, kulturelle Erschöpfung gewissermaßen — ich weigere mich, es zu glauben. Vielleicht aus diesem Grund: Den Untergang der Erhabenen zu akzeptieren hieße, man hielte es für ebenso unvermeidlich, daß eines Tages die menschliche Kultur untergeht. Niemand von uns rechnet wirklich mit der Möglichkeit des eigenen Todes. Erst recht nicht mit der des Todes der ganzen Spezies, der Zivilisation. Ich glaube an die Unvergänglichkeit der menschlichen Rasse — ich kann nicht anders. Und wie könnte ich dann erst an den Untergang dieses viel größeren Volkes glauben? Nein. Ich rede mir ein, daß sie sich irgendwo in weiter Ferne noch ans Leben klammern, in einer anderen Galaxis, selbst wenn sie vielleicht vergessen haben, daß sie einstmals eine Nachbargalaxis besuchten. Eine Milchstraße, in der sich intelligentes Leben noch nicht entwickelt hatte. Unseres.
Nun gut. Das sagt also dein verrückter Bruder, und er beweist damit die gleiche verklärte Romantik, mit der er immer hausieren gegangen ist. Du würdest mir antworten, ich hätte nicht die richtige wissenschaftliche Einstellung zur Objektivität. Und vielleicht hättest du recht damit.
Ich stelle fest, ich bin noch nicht dazu gekommen, dir einiges darüber zu erzählen, was wir bisher zustande gebracht haben.
Das grundlegende Problem bei der Beschäftigung mit Fundstellen von Hinterlassenschaften der Erhabenen besteht darin, daß ihr ungeheures Alter die Anwendung üblicher Verfahren archäologischer Untersuchungsmethoden unmöglich macht. Wir sind eher Paläoarchäologen als reine Archäologen. Wir können nicht einfach den Sand oder die Erde von einem Fundort schaufeln, so wie es die Jungs bei einer Ausgrabung in Ägypten oder New Mexico handhaben, um danach die Artefakte ans Tageslicht zu fördern. Sand und Erde von mehr als einer Milliarde Jahre verwandeln sich in Stein. Wir müssen alle unsere Funde aus massivem Fels meißeln.
Bis zu einem gewissen Grad können wir dazu auf Standardverfahren zurückgreifen. Wir räumen die Überlagerungen aus verschiedenen Bodenschichten mit Motorschaufeln, Handwerkzeugen und Bulldozern beiseite, einschließlich Dinamonianern wie Mirrik. Doch wenn das Herz der Fundstelle freigelegt ist, müssen wir Unterdruck-Bohrkerne verwenden. Die schälen den Fels buchstäblich Molekül für Molekül ab und enthüllen die Artefakte, die wir suchen. Wenn der Operateur der Unterdruck-Bohrkerne nicht ganz auf Zack ist, wird er wahrscheinlich auch ein paar Moleküle der Artefakte abkratzen, bevor er den Bohrer anhalten kann.