Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Die Reiter passierten sie in langsamem Trab, zielbewußt wohl, aber ohne zu große Eile. Staub trieb durch die Hecke.
Rand wartete, bis das Hufegeklapper verstummt war, bevor er den Kopf vorsichtig aus dem Loch hinaussteckte. Die Staubfahne befand sich ein gutes Stück die Straße hinunter in der Richtung, aus der sie gekommen waren. Im Osten war der Himmel klar. Er kletterte hinaus auf die Straße und beobachtete, wie sich die Staubsäule nach Westen bewegte.
»Nicht hinter uns her«, sagte er. Es war Feststellung und Frage zugleich. Mat kletterte ihm nach und sah sich mißtrauisch nach allen Seiten um. »Vielleicht«, sagte er. »Vielleicht.«
Rand wußte nicht, wie er das meinte, nickte aber.
Vielleicht. So hatte ihre Reise die Caemlyn-Straße hinunter nicht angefangen.
Noch lange Zeit, nachdem sie Weißbrücke verlassen hatten, wurde Rand immer wieder bewußt, daß er sich umblickte und die Straße hinter ihnen beobachtete. Manchmal erblickte er jemanden, der ihm den Atem stocken ließ — einen großen, hageren Mann, der die Straße entlangeilte, oder einen schlacksigen, weißhaarigen Burschen oben auf dem Bock eines Wagens neben dem Fahrer -, aber immer war es ein Hausierer oder es waren Bauern auf dem Weg zum Markt; niemals Thom Merrilin. Als die Tage vergingen, verging auch die Hoffnung.
Auf der Straße herrschte beachtlicher Verkehr: Wagen und Karren, Reiter und Fußgänger. Sie kamen einzeln und in Gruppen, ein Wagenzug von Kaufleuten oder ein Dutzend Berittene. Sie verstopften die Straße nicht gerade, und oft sah man nichts außer kahlen Bäumen, die die festgetretene Straßendecke einrahmten, aber sie wurde immerhin von mehr Leuten benützt, als Rand jemals in den Zwei Flüssen gesehen hatte.
Die meisten reisten in der gleichen Richtung wie sie -nach Osten, auf Caemlyn zu. Manchmal wurden sie ein kurzes Stück auf einem Bauernwagen mitgenommen, eine Meile weit oder fünf, aber meistens liefen sie zu Fuß. Sie mieden Reiter; wenn sie in der Entfernung auch nur einen Reiter erspähten, rannten sie von der Straße weg und versteckten sich, bis er vorbei war. Keiner trug jemals einen schwarzen Umhang, und Rand glaubte auch nicht wirklich, daß ein Blasser ihnen gestattet hätte, ihn rechtzeitig auszumachen, aber sie wollten kein Risiko eingehen. Zu Anfang fürchteten sie nur die Halbmenschen.
Das erste Dorf nach Weißbrücke sah Emondsfeld so ähnlich, daß Rand kaum noch weitergehen mochte, als er es sah. Strohgedeckte Häuser mit hohen Giebeln, Hausfrauen in ihren Schürzen, die zwischen den Häusern über den Zaun hinweg mit der Nachbarin klatschten, und Kinder, die auf dem Dorfgrün spielten. Das Haar der Frauen hing offen auf die Schultern herunter, und das Dorf unterschied sich auch in anderen Dingen, aber alles in allem war es wie zu Hause. Kühe weideten auf dem Grün, und Gänse watschelten mit überheblichem Getue über die Straße. Die Kinder tollten lachend im Staub umher, wo das Gras gänzlich verschwunden war. Sie schauten sich noch nicht einmal um, wenn Rand und Mat vorbeikamen. Da lag ein weiterer Unterschied: Fremde waren hier nichts Ungewöhnliches — auch sie beide waren den Leuten keinen zweiten Blick wert. Die Dorfhunde hoben lediglich die Köpfe und nahmen ihre Witterung auf, als sie vorbeikamen, doch ansonsten rührten sie sich nicht.
Es war beinahe schon Abend, als sie durch das Dorf kamen, und ihn packte gewaltiges Heimweh, wenn er so die Lichter in den Fenstern aufleuchten sah. Gleich wie es aussieht, flüsterte eine kleine Stimme in seinem Verstand, es ist nicht wirklich deine Heimat. Auch wenn du in eines der Häuser gehst, wird dort kein Tam auf dich warten. Und wenn, könntest du ihm dann in die Augen sehen? Du weißt doch mittlerweile Bescheid, oder nicht? Außer über solche Kleinigkeiten, wo du herkommst und wer du eigentlich bist. Keine Fieberträume. Er zog die Schultern vor dem spöttischen Gelächter in seinem Kopf ein. Du kannst genausogut hierbleiben, höhnte die Stimme. Ein Ort ist so gut wie der andere, wenn du aus dem Nirgendwo kommst und dich der Dunkle König gezeichnet hat.
Mat zupfte ihn am Ärmel, aber er riß sich los und betrachtete die Häuser. Er wollte nicht dableiben, aber er wollte sie ansehen, um sich später daran erinnern zu können. So ähnlich wie zu Hause, aber so was wirst du wohl nicht mehr wieder zu sehen bekommen, oder?
Mat zupfte noch mal. Sein Gesicht war angespannt; die Haut um seinen Mund und die Augen herum weiß. »Komm weiter«, murmelte Mat. »Komm schon!« Er sah das Dorf an, als befürchte er, daß sich etwas darin verstecke. »Komm jetzt! Wir können noch nicht ausruhen.«
Rand drehte sich um die eigene Achse, um den Anblick des ganzen Dorfes in sich aufzunehmen, und dann seufzte er. Sie waren noch nicht weit von Weißbrücke entfernt. Wenn der Myrddraal schon die Mauern von Weißbrücke passieren konnte, ohne gesehen zu werden, dann hätte er auch keinerlei Schwierigkeiten, dieses kleine Dorf zu durchsuchen. Er ließ sich ins freie Land hinauszerren, bis die strohgedeckten Häuser weit hinter ihnen lagen.
Die Nacht brach herein, und endlich fanden sie im Mondschein einen Schlafplatz unter einigen Büschen, an denen noch die abgestorbenen Blätter hingen. Sie schlugen sich die Bäuche mit kaltem Wasser aus einem kleinen Rinnsal in der Nähe voll und rollten sich am Boden zusammen, ohne Lagerfeuer und nur in ihre Umhänge gewickelt. Ein Feuer könnte gesehen werden — besser, frierend zu schlafen.
Rand wurde von Erinnerungen geplagt und wachte öfters auf. Jedesmal hörte er, wie Mat im Schlaf redete und sich herumwälzte. Er träumte nichts, woran er sich später erinnern konnte, aber er schlief auch nicht gerade gut. Du wirst die Heimat nie wiedersehen.
Es war nicht die einzige Nacht, in der nur ihre Umhänge sie gegen Wind und manchmal auch kalten, durchdringenden Regen schützten. Es war nicht ihre einzige Mahlzeit, die nur aus kaltem Wasser bestand. Zusammen besaßen sie wohl genug Münzen, um damit ein paar Mahlzeiten in einer Schenke zu bezahlen, aber ein Bett für die Nacht war denn doch zu teuer. Außerhalb der Zwei Flüsse war alles teurer, und auf dieser Seite des Arinelle noch mehr als in Baerlon. Das übriggebliebene Geld mußten sie für einen Notfall sparen.
Eines Nachmittags erwähnte Rand den Dolch mit dem Rubingriff, während sie mit schweren Beinen die Straße entlangliefen, die Mägen zu leer, um auch nur Energie zum Knurren aufzubringen. Die blasse Sonne stand tief am Himmel, und ihre einzige Aussicht auf die kommende Nacht waren weitere Büsche. Dunkle Wolken türmten sich über ihnen und versprachen nächtlichen Regen. Er hoffte auf ein wenig Glück: vielleicht nur ein eisiger Nieselregen. Er ging noch ein paar Schritte weiter, bevor ihm klar wurde, daß Mat stehengeblieben war. Also blieb er auch stehen und bewegte die Zehen in den Stiefeln. Wenigstens hatte er warme Füße. Er lockerte die Schulterriemen. Seine Deckenrolle und Thoms gebündelter Umhang waren nicht schwer, aber nach so vielen Meilen mit leerem Magen schienen auch ein paar Pfund schon wie ein schweres Gewicht. »Was ist los, Mat?« fragte er.
»Warum bist du so erpicht darauf, ihn zu verkaufen?« wollte Mat zornig wissen. »Ich habe ihn schließlich gefunden. Hast du je daran gedacht, daß ich ihn vielleicht behalten möchte? Jedenfalls eine Weile lang. Wenn du etwas verkaufen willst, dann verkauf doch dieses verdammte Schwert!«
Rand strich mit der Hand über den Knauf mit dem Reiherzeichen. »Mein Vater hat mir dieses Schwert gegeben. Es gehörte ihm. Ich würde dir nie vorschlagen, etwas zu verkaufen, das dir dein Vater geschenkt hat. Blut und Asche, Mat, gefällt dir vielleicht dieser Hunger? Und außerdem, selbst wenn ich jemanden fände, der es kaufen würde — wieviel würde ein Schwert schon bringen? Was kann ein Bauer mit einem Schwert anfangen? Dieser Rubin würde uns genug einbringen, um mit einer Kutsche bis nach Caemlyn zu fahren! Vielleicht sogar bis Tar Valon. Und wir würden jedesmal in einer Schenke essen und jede Nacht in einem Bett schlafen. Aber vielleicht macht es dir auch Spaß, über die halbe Welt zu marschieren und auf dem Boden zu schlafen?« Er funkelte Mat an, und sein Freund funkelte zurück.