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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»In dieser Geschichte kommt aber kein Behüter vor«, sagte der grauhaarige Mann einen Moment später.

Perrins Erfindergeist verließ ihn; er wußte, er hätte sich zum Ausdenken mehr Zeit nehmen sollen. Egwene sprang für ihn in die Bresche. »Wir trafen ihn in Baerlon. Die Stadt war voll von Männern, die nach dem Ende des Winters aus den Bergwerksdörfern heruntergekommen waren, und wir wurden in der Schenke an den gleichen Tisch gewiesen. Wir haben uns nur während des Essens mit ihm unterhalten.«

Perrin konnte wieder frei atmen. Danke, Egwene!

»Gebt ihnen ihre Habseligkeiten zurück, Kind Byar. Natürlich nicht die Waffen.« Als Byar ihn überrascht anblickte, fügte Bornhald hinzu: »Oder gehört Ihr zu denen, die Unerleuchtete auszuplündern pflegen, Kind Byar? Das ist eine schlimme Sache, nicht wahr? Niemand kann ein Dieb sein und trotzdem im Licht wandeln.« Byar nahm den Hinweis etwas ungläubig entgegen.

»Dann laßt Ihr uns gehen?« Egwene klang überrascht. Perrin hob den Kopf und sah den Lordhauptmann an.

»Natürlich nicht, Kind«, sagte Bornhald traurig. »Du sagst vielleicht die Wahrheit, daß du von den Zwei Flüssen kommst, denn du weißt gut über Baerlon und die Bergwerke Bescheid, aber Shadar Logoth... ? Das ist ein Name, den nur sehr, sehr wenige kennen, die meisten davon Schattenfreunde. Und jeder, der genug weiß, um diesen Namen zu kennen, der geht nicht dorthin. Ich schlage vor, du denkst dir auf dem Weg nach Amador eine bessere Geschichte aus. Du wirst Zeit genug haben, denn wir unterbrechen die Reise in Caemlyn. Möglichst aber die Wahrheit, Kind. In der Wahrheit und dem Licht liegt auch Freiheit.«

Byar vergaß einiges von seiner Unterwürfigkeit dem grauhaarigen Mann gegenüber. Er fuhr herum, weg von den Gefangenen, und in seinen Worten schwang Empörung mit: »Das könnt Ihr nicht! Das ist nicht erlaubt!« Bornhald hob fragend eine Augenbraue, und Byar riß sich zusammen. Er schluckte. »Vergebt mir, mein Lordhauptmann. Ich habe mich vergessen, und ich erbitte untertänigst Eure Vergebung und unterwerfe mich Eurer Gerechtigkeit. Aber, wie mein Lordhauptmann bereits festgestellt hat, müssen wir Caemlyn rechtzeitig erreichen, und da die meisten unserer Ersatzpferde weg sind, werden wir es schwer genug haben, auch ohne noch Gefangene mitzuschleppen.«

»Und was würdet Ihr vorschlagen?« fragte Bornhald ruhig.

»Die Strafe für Schattenfreunde ist der Tod.« Durch die ausdruckslose Stimme klang das noch erschreckender. Er hätte mit der gleichen Ruhe vorschlagen können, einen Käfer zu zertreten. »Es gibt keinen Waffenstillstand mit dem Schatten. Es gibt keine Gnade für Schattenfreunde.«

»Eifer ist begrüßenswert, Kind Byar, aber, wie ich auch oft meinem Sohn Dain sagen muß: Übereifer kann ein ernsthafter Fehler sein. Erinnert Euch daran, was das Dogma auch sagt: Niemand ist so verloren, daß er nicht zum Licht geführt werden könnte. Diese beiden sind jung. Sie können noch nicht so tief im Schatten verwoben sein. Sie können noch zum Licht geführt werden, wenn sie nur gestatten, daß der Schatten von ihren Augen gehoben werde. Wir müssen ihnen Gelegenheit dazu geben.«

Einen Augenblick lang mochte Perrin den großväterlichen Mann, der zwischen ihnen und Byar stand, direkt gut leiden. Dann drehte Bornhald sein Großvaterlächeln Egwene zu.

»Wenn du dich weigerst, zum Licht zu kommen, bis wir Amador erreichen, bin ich gezwungen, dich den Vernehmern zu überstellen, und denen gegenüber wirkt Byars Eifer wie eine Kerze neben der Sonne.« Der Grauhaarige klang wie ein Mensch, der bedauert, was er tun muß, der aber nicht die Absicht hatte, jemals etwas anderes als seine Pflicht zu tun, so, wie er sie sah. »Bereue, entsage dem Dunklen König, komme zum Licht, gestehe Eure Sünden, und sage alles, was du weißt, über diese schmutzige Sache mit den Wölfen, dann erspare ich dir das alles. Du wirst frei sein und im Licht wandeln.« Sein Blick kehrte zu Perrin zurück, und er seufzte traurig. Es lief Perrin eiskalt den Rücken hinunter. »Aber du, Perrin von den Zwei Flüssen. Du hast zwei der Kinder getötet.« Er berührte die immer noch in Byars Hand befindliche Axt. »Auf dich, fürchte ich, wartet in Amador der Galgen.«

31

Verdiene dir dein Essen!

Rand kniff die Augen zusammen und beobachtete die Staubspur, die sich vorn, vielleicht drei oder vier Kurven voraus, auf der Straße erhob. Mat war schon auf dem Weg in die wild neben der Straße wuchernden Hecken. Die immergrünen Blätter und dicht verwobenen Äste wurden sie genausogut verbergen wie eine Steinmauer, falls sie sich einen Weg hindurch zur anderen Seite bahnen konnten. Neben der gegenüberliegenden Straßenseite sah man nur spärliche braune Überreste kopfhoher Büsche und dahinter eine halbe Meile freies Feld bis hin zum Waldrand. Es könnte Teil eines noch nicht allzu lange aufgegebenen Ackers gewesen sein, aber dort bot sich kein schnell erreichbares Versteck. Er versuchte, die Geschwindigkeit der Staubfahne und die des Windes einzuschätzen.

Ein plötzlicher Windstoß wirbelte Straßenstaub um ihn auf und nahm ihm die Sicht. Er blinzelte und verschob den einfachen, dunklen Schal, den er um Nase und Mund gebunden hatte. Er war mittlerweile nicht mehr ganz sauber — sein Gesicht juckte -, doch er verhinderte, daß er mit jedem Atemzug Staub einatmete. Ein Bauer hatte ihm den gegeben, ein Mann mit langem Gesicht und Sorgenfalten in den Wangen.

»Ich weiß nicht, wovor ihr weglauft«, hatte er mit bedenklicher Miene gesagt, »und ich will es auch nicht wissen. Versteht ihr? Meine Familie.« Plötzlich hatte der Bauer zwei lange Schals aus seiner Tasche gezogen und ihnen das wollige Bündel hingehalten. »Es ist nicht viel, aber hier habt ihr etwas. Gehören meinen Jungen. Sie haben noch mehr davon. Ihr kennt mich nicht, verstanden? Es sind schwere Zeiten.«

Für Rand war der Schal viel wert. Sie hatten in den Tagen seit Weißbrücke nicht viel Freundlichkeit erlebt, und er glaubte auch nicht daran, daß sie noch mehr solcher Beispiele finden würden.

Mat, dessen Gesicht bis auf die Augen von dem Schal um seinen Kopf verdeckt wurde, rannte schnell an der hohen Hecke entlang und zog immer wieder an den dicht mit Blättern bewachsenen Zweigen. Rand berührte den Knauf mit dem Reiherzeichen an seinem Gürtel, ließ aber die Hand wieder fallen. Schon einmal hatten sie sich fast selbst verraten, weil sie ein Loch in eine Hecke gehauen hatten. Die Staubfahne bewegte sich auf sie zu und blieb immer dicht geschlossen. Es war nicht der Wind. Wenigstens regnete es nicht. Regen hielt den Staub am Boden. Wie stark es auch regnen mochte, die festgefahrene Straßendecke wurde niemals zu Schlamm verwandelt, aber wenn es regnete, gab es keinen Staub. Staub war das einzige Warnsignal, daß sich irgend jemand näherte. Wenn sie den Ankömmling erst einmal hören konnten, war es manchmal schon zu spät.

»Hier«, rief Mat mit gedämpfter Stimme. Er schien geradewegs durch die Hecke zu gehen.

Rand eilte zu dieser Stelle. Irgendwann einmal hatte dort jemand ein Loch hineingeschnitten. Es war teilweise zugewachsen, und bereits aus drei Fuß Entfernung wirkte es genauso geschlossen wie die übrige Hecke, aber aus der Nähe sah man, daß es nur von einigen wenigen Ästen verschlossen war. Als er sich hindurchschob, hörte er das Getrappel von Pferdehufen. Es war nicht der Wind gewesen.

Er kauerte hinter der kaum bedeckten Öffnung und hielt den Knauf seines Schwertes in der Hand, als die Reiter vorbeikamen. Fünf... sechs... sieben Reiter. Einfach gekleidete Männer, doch an Schwertern und Speeren konnte man sehen, daß es keine Dorfbewohner waren. Ein paar trugen Lederwämse mit Metallbeschlägen, und zwei hatten runde Stahlkappen. Vielleicht Leibwächter von Kaufleuten, die sich gerade einen neuen Dienstherren suchten. Vielleicht.

Einer von ihnen sah im Vorbeireiten die Hecke ohne großes Interesse an, und Rand zog sein Schwert ein Stück aus der Scheide. Mat fauchte leise wie ein in die Enge getriebener Dachs, während er über seinen Schal hinwegschielte. Seine Hand hatte er unter dem Mantel; wenn Gefahr im Verzug war, ergriff er immer den Dolch aus Shadar Logoth. Rand war nicht sicher, ob er das tat, um sich zu schützen oder um den Dolch mit dem Rubingriff zu schützen. In letzter Zeit vergaß Mat manchmal, daß er einen Bogen besaß.

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