Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Hervorragend ausbalanciert, mein Lordhauptmann. Aus einfacher Fertigung, aber von einem sehr guten Waffenschmied, vielleicht sogar einem Meister seines Fachs.« Seine Augen glühten die Gefangenen düster an. »Nicht die Waffe eines Dorfbewohners und schon gar nicht die eines Bauern.«
»Bestimmt nicht.« Der grauhaarige Mann wandte sich mit einem müden, leicht tadelnden Lächeln Perrin und Egwene zu: ein freundlicher Großvater, der wußte, daß seine Enkel etwas angestellt hatten. »Ich heiße Geofram Bornhald«, sagte er zu ihnen. »Du heißt Perrin, wie ich gehört habe. Aber du, junge Frau, wie heißt du?«
Perrin funkelte ihn an, doch Egwene schüttelte den Kopf. »Sei nicht dumm, Perrin. Ich heiße Egwene.«
»Einfach Perrin und einfach Egwene«, murmelte Bornhald. »Aber ich schätze, wenn ihr wirklich Schattenfreunde seid, dann werdet ihr nach Möglichkeit eure wahre Identität verbergen.«
Perrin erhob sich auf die Knie; höher ging es nicht, so wie er gefesselt war. »Wir sind keine Schattenfreunde«, protestierte er wütend.
Die Worte waren noch nicht ganz ausgesprochen, als Byar schon bei ihm war. Der Mann bewegte sich wie eine Schlange. Er sah den Schaft seiner eigenen Axt auf sich zukommen und versuchte, sich zu ducken, aber der dicke Stiel erwischte ihn über dem Ohr. Nur die Tatsache, daß er sich von dem Schlag wegbewegte, bewahrte seinen Schädel davor, gespalten zu werden. Auch so sah er erstmal Sterne. Die Luft blieb ihm weg, als er auf dem Boden aufschlug. Sein Kopf dröhnte, und Blut rann ihm über die Wange.
»Dazu habt Ihr kein Recht«, begann Egwene und schrie auf, als der Schaft der Axt auf sie zuschnellte. Sie warf sich zur Seite, und der Schlag traf nur die leere Luft, während sie auf die Segeltuchunterlage stürzte. »Du wirst dich höflich ausdrücken«, sagte Byar, »wenn du mit einem Gesalbten des Lichts sprichst, oder du hast bald keine Zunge mehr.« Das Schlimmste daran war, daß die Stimme immer noch völlig gefühllos klang. Ihre Zungen herauszuschneiden würde ihm weder Vergnügen bereiten, noch würde er es bedauern; es war eben einfach etwas, was er tun mußte.
»Laßt es gut sein, Kind Byar.« Bornhald sah die Gefangenen wieder an. »Ich denke, ihr wißt nicht viel über die Gesalbten oder über Lordhauptmänner der Kinder des Lichts, oder? Nein, das dachte ich mir. Also, um Kind Byars willen, versucht wenigstens nicht zu streiten oder zu schreien, ja? Ich will nicht mehr, als daß ihr im Licht wandelt, und die Beherrschung zu verlieren, hilft niemandem von uns.«
Perrin blickte zu dem Mann mit dem hageren Gesicht über ihm auf. Um Kind Byars willen? Ihm wurde klar, daß der Lordhauptmann Byar nicht befohlen hatte, sie ungeschoren zu lassen. Byar erwiderte seinen Blick und lächelte. Das Lächeln berührte lediglich seine Mundwinkel, aber die Haut seines Gesichtes spannte sich, bis es wie ein Totenschädel wirkte. Perrin schauderte.
»Ich habe davon gehört, daß Menschen bei den Wölfen leben«, sagte Bornhald nachdenklich, »obwohl ich es noch nicht selbst erlebt habe. Menschen, von denen man annimmt, daß sie mit Wölfen und anderen Kreaturen des Dunklen Königs sprechen. Eine schmutzige Sache. Es läßt mich fürchten, daß wirklich bald die Letzte Schlacht bevorsteht.«
»Wölfe sind keine... « Perrin stockte, als Byar den Fuß hob. Er atmete tief ein und fuhr dann ruhiger fort. Byar senkte den Fuß mit enttäuschter Miene. »Wölfe sind keine Kreaturen des Dunklen Königs. Sie hassen den Dunklen König. Zumindest hassen sie Trollocs und Blasse.« Er war überrascht, als er sah, daß der hagere Mann versonnen nickte.
Bornhald hob die Augenbrauen. »Wer hat euch das erzählt?«
»Ein Behüter«, sagte Egwene. Sie lehnte sich unter Byars glühendem Blick noch weiter zurück. »Er sagte, die Wölfe hassen Trollocs, und Trollocs haben Angst vor den Wölfen.« Perrin war froh, daß sie Elyas nicht erwähnt hatte.
»Ein Behüter«, seufzte der grauhaarige Mann. »Eine Kreatur der Hexen von Tar Valon. Was sonst würde euch einer von der Sorte schon erzählen, wo er doch selbst ein Schattenfreund ist und ein Diener von Schattenfreunden? Wißt ihr nicht, daß Trollocs die Schnauzen und Zähne von Wölfen haben und auch einen Wolfspelz?«
Perrin blinzelte und bemühte sich, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sein Hirn war immer noch eine wabbelige Masse von Schmerzen, aber hier stimmte irgend etwas nicht. Er konnte aber nicht klar genug denken, um darauf zu kommen.
»Nicht alle«, murmelte Egwene. Perrin sah Byar mißtrauisch an, aber der hagere Mann sah nur sie an. »Einige davon haben Hörner wie Widder oder Ziegenböcke oder Falkenschnäbel oder... alle möglichen Sachen.«
Bornhald schüttelte traurig den Kopf. »Ich gebe euch jede erdenkliche Chance, aber ihr verstrickt euch immer mehr.« Er hielt einen Finger hoch. »Ihr lebt bei Wölfen, also Kreaturen des Dunklen Königs.« Ein zweiter Finger. »Ihr gebt zu, einen Behüter zu kennen, eine weitere Kreatur des Dunklen Königs. Ich bezweifle, daß er euch all das gesagt hätte, wenn ihr nur flüchtige Bekannte gewesen wärt.« Ein dritter Finger. »Du, Junge, trägst ein Zeichen Tar Valons in der Tasche. Die meisten Menschen außerhalb Tar Valons versuchen, so was so schnell wie möglich loszuwerden. Außer eben, wenn sie den Hexen von Tar Valon dienen.« Ein vierter. »Du trägst die Waffe eines Kriegers, ziehst dich aber wie ein Bauernjunge an. Eine Verkleidung also.« Der Daumen hob sich. »Du kennst Trollocs und Myrddraal. So weit im Süden glauben nur ein paar Gelehrte und Leute, die die Grenzlande bereist haben, daß das mehr sind als nur Geschichten. Bist du vielleicht in den Grenzlanden gewesen? Falls ja, dann sag mir doch wo! Ich bin ein ganzes Stück weit in den Grenzlanden herumgekommen und kenne sie gut. Du willst nicht? Auch gut.« Er blickte seine gespreizten Finger an und ließ die Hand hart auf den Tisch hinunterfallen. Der großväterliche Gesichtsausdruck zeigte deutlich, daß die Enkel etwas sehr Schlimmes angestellt hatten. »Warum erzählt ihr mir nicht die Wahrheit darüber, wieso ihr mit den Wölfen zusammen die Nacht unsicher gemacht habt?«
Egwene öffnete den Mund, aber Perrin sah bereits an der verbissenen Haltung ihres Kinns, daß sie eine der abgesprochenen Geschichten erzählen wollte. Das wurde nicht ausreichen. Nicht jetzt, nicht hier. Sein Kopf schmerzte, und er wünschte, er hätte mehr Zeit, um sich das gründlich zu überlegen. Wer wußte schon, wo dieser Bornhald überall gewesen war und welche Länder und Städte ihm bekannt waren? Wenn er sie bei einer Lüge ertappte, gäbe es keine Rückkehr zur Wahrheit mehr. Dann wäre Bornhald endgültig überzeugt, daß sie Schattenfreunde waren.
»Wir kommen von den Zwei Flüssen«, sagte er schnell.
Egwene starrte ihn überrascht an, fing sich dann aber wieder. Er machte mit der Wahrheit weiter — zumindest einer abgeänderten Fassung der Wahrheit. Sie beide hatten die Zwei Flüsse verlassen, um Caemlyn zu sehen. Auf dem Weg dorthin hatten sie von den Ruinen einer großen Stadt gehört, doch als sie Shadar Logoth fanden, trafen sie auf Trollocs. Sie brachten es fertig, über den Arinelle zu fliehen, hatten sich von da ab allerdings völlig verirrt. Sie schlossen sich einem Mann an, der ihnen angeboten hatte, sie nach Caemlyn zu führen. Er sagte, sein Name gehe sie nichts an, und er schien auch nicht gerade freundlich, aber sie brauchten eben einen Führer. Das erste Mal bekamen sie Wölfe zu sehen, nachdem die Kinder des Lichts erschienen. Sie hatten lediglich versucht, sich zu verstecken, damit sie weder von Wölfen aufgefressen noch von den Reitern getötet würden.
»... wenn wir gewußt hätten, daß Ihr Kinder des Lichts seid«, beendete er seine Erzählung, »dann hätten wir Euch um Hilfe gebeten.«
Byar schnaubte ungläubig. Das kümmerte Perrin aber kaum; falls der Lordhauptmann überzeugt werden konnte, würde Byar ihnen kein Leid zufügen. Es war klar, daß Byar zu atmen aufhören würde, sollte Lordhauptmann Bornhald es ihm befehlen.