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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Plötzlich wurde Perrin klar, daß die Männer mit den Fackeln einem Muster folgten. Jedesmal, wenn einer der Suchtrupps in Sicht kam, befand sich zumindest einer von ihnen wieder etwas näher an dem Abhang, der ihn und Egwene verbarg. Elyas hatte gesagt, sie sollten sich verstecken, aber... Was geschieht, wenn wir weglaufen? Vielleicht können wir uns in der Dunkelheit verstecken, wenn wir ständig in Bewegung bleiben. Vielleicht. Dazu muß es dunkel genug sein.

Er drehte sich zu Egwene um, doch in dem Moment wurde ihm die Entscheidung abgenommen. Gebündelte Fackeln, vielleicht ein Dutzend, kamen um den Fuß des Hügels herum und schwankten im Schritt der Pferde. Lanzenspitzen schimmerten im Fackelschein. Er erstarrte und hielt die Luft an. Seine Hände umklammerten den Schaft der Axt.

Die Reiter ritten am Hügel vorbei, doch einer der Männer rief etwas, und die Fackeln bewegten sich zurück. Er überlegte krampfhaft; suchte nach einem Ausweg. Aber sobald sie sich bewegten, würde man sie sehen, falls das nicht schon geschehen war. Einmal erkannt, hätten sie keine Chance. Nicht einmal die Dunkelheit könnte ihnen dann helfen.

Die Reiter versammelten sich am Fuß des Hügels. Jeder trug in einer Hand eine Fackel und in der anderen eine lange Lanze. Sie lenkten ihre Pferde durch Schenkeldruck. Im Fackelschein konnte Perrin die weißen Mäntel der Kinder des Lichts erkennen. Sie hielten ihre Fackeln hoch und beugten sich in den Sätteln vor, um besser in die tiefen Schatten unter Artur Falkenflügels Fingern spähen zu können.

»Dort oben ist doch irgendwas«, sagte einer von ihnen. Seine Stimme klang zu laut, als habe er Angst vor dem, was sich außerhalb des Scheins seiner Fackel befinden mochte. »Ich habe euch gesagt, daß sich dort jemand verbergen könnte. Ist das nicht ein Pferd?«

Egwene legte eine Hand auf Perrins Arm. Ihre Augen waren in der Dunkelheit weit aufgerissen. Trotz des Schattens, der ihre Gesichtszüge verbarg, war ihre stumme Frage klar. Was tun? Elyas und die Wölfe schlichen noch immer durch die Nacht. Die Pferde unter ihnen tänzelten nervös. Wenn wir wegrennen, jagen sie uns, bis wir nicht mehr können.

Einer der Weißmäntel ließ sein Pferd vortreten und schrie den Hügel hinauf: »Wenn Ihr die menschliche Sprache verstehen könnt, dann kommt herunter und ergebt Euch. Euch geschieht kein Leid, wenn Ihr im Licht wandelt. Wenn Ihr Euch nicht ergebt, werdet Ihr alle getötet. Ihr habt eine Minute!« Die Lanzen wurden gesenkt, ihre langen Stahlspitzen glänzten im Fackelschein.

»Perrin«, flüsterte Egwene. »Wir können ihnen nicht davonlaufen. Wenn wir nicht aufgeben, töten sie uns. Perrin?«

Elyas und die Wölfe waren noch frei. Ein weiterer röchelnder Aufschrei in der Ferne verriet einen Weißmantel, der Scheckie zu nahe gekommen war. Wenn wir wegrennen... Egwene blickte ihn an und wartete auf seine Entscheidung. Wenn wir rennen... Er schüttelte müde den Kopf und stand auf wie in Trance. Er stolperte den Hügel hinunter auf die Kinder des Lichts zu. Er hörte, wie Egwene seufzte und ihm mit zögernden Schritten folgte. Warum jagen die Weißmäntel die Wölfe so hartnäckig, als haßten sie sie besonders? Warum riechen sie schlecht? Er hatte beinahe das Gefühl, er könne selbst etwas Ungutes, Gefährliches riechen, wenn der Wind von den Reitern herkam. »Laß die Axt fallen!« schnauzte ihn der Anführer an.

Perrin stolperte auf ihn zu und rümpfte die Nase, um den Geruch loszuwerden, den er sich einbildete.

»Laß sie fallen, Bauer!« Die Lanze des Anführers richtete sich auf Perrins Brustkorb.

Einen Augenblick lang starrte er die Lanzenspitze an. Da war genug scharfer Stahl, um ihn vollständig zu durchbohren. Plötzlich schrie er: »Nein!« Der Schrei galt nicht dem Reiter.

Aus der Nacht flog Springer heran, und Perrin war eins mit dem Wolf. Springer, der Welpe, der einst die Adler im Flug bewundert hatte und genauso über den Himmel segeln wollte wie ein Adler. Der Welpe, der gehüpft und gesprungen war, bis er sie höher als jeder andere Wolf springen konnte, und der niemals die Sehnsucht der eigenen Jugend vergessen hatte. Aus der Nacht heraus erschien Springer und sprang in einem fliegenden Satz hoch. Den Weißmänteln blieb nur ein Moment zum Fluchen, dann schloß sich Springers Gebiß um die Kehle des Mannes, der seine Lanze auf Perrin gerichtet hatte. Der Schwung des großen Wolfes ließ sie beide auf der anderen Seite des Pferdes herabstürzen. Perrin spürte, wie der Hals aufgerissen wurde, schmeckte das Blut.

Springer landete leicht auf den Füßen, bereits ein Stück von dem Mann entfernt, den er getötet hatte. Sein Fell war blutverkrustet — mit seinem Blut und dem anderer. Ein Riß an seinem Kopf ging durch die leere Augenhöhle, in der sich sein linkes Auge befunden hatte. Er blickte einen Moment lang Perrin mit dem übriggebliebenen Auge an. Renn, Bruder! Er wirbelte herum, um erneut ein letztes Mal zu springen, und eine Lanze nagelte ihn am Boden fest. Eine zweite Stahlspitze durchdrang seinen Brustkorb und bohrte sich unter ihm in den Boden. Seine Beine zuckten, als er nach den Lanzenschäften schnappte, die ihn am Aufstehen hinderten. Fliegen!

Schmerz erfüllte Perrin, und er schrie auf. Es war ein wortloser Schrei, der etwas vom Heulen eines Wolfs an sich hatte. Ohne zu denken sprang er vor. Er schrie immer noch. Alle Überlegung war dahin. Die Reiter befanden sich zu dicht beieinander, um ihre Lanzen benützen zu können, und die Axt lag wie eine Feder in seiner Hand, der Stahlzahn eines riesigen Wolfs. Etwas krachte auf seinen Kopf herab, und im Fallen wußte er nicht, ob es Springer war oder er selbst, der in dem Moment starb.

»... fliegen wie ein Adler.« Vor sich hinmurmelnd und benebelt öffnete Perrin die Augen. Sein Kopf schmerzte, und er erinnerte sich nicht, warum. Er blinzelte in das Licht und sah sich um. Egwene kniete an seiner Seite und beobachtete ihn. Sie befanden sich in einem quadratischen Zelt von etwa der Größe eines durchschnittlichen Zimmers in einem Bauernhaus. Der Boden war mit Segeltuch ausgelegt. Öllampen auf hohen Ständern in allen vier Ecken warfen helles Licht in den Raum.

»Dem Licht sei Dank, Perrin«, hauchte sie. »Ich hatte gefürchtet, sie hätten dich umgebracht.«

Statt zu antworten, sah er den grauhaarigen Mann an, der auf dem einzigen Stuhl im Zelt saß. Aus einem großväterlichen Gesicht blickten ihn dunkle Augen an. Das Gesicht paßte gar nicht zu dem weiß und goldfarbenen Uniformrock, den der Mann trug, und zu dem glänzenden Brustpanzer, der über sein reinweißes Unterhemd geschnallt war. Es schien ein freundliches Gesicht zu sein, gutmütig und ehrwürdig, und etwas an ihm paßte doch zu der eleganten Strenge der Einrichtungsgegenstände im Zelt: ein Tisch und ein klappbares Feldbett, ein Waschtischchen mit einer einfachen weißen Schüssel und einem Krug, eine einzige Holztruhe, die mit schlichten geometrischen Mustern verziert war. Wo immer Holz verwandt worden war, da hatte man es poliert, bis es matt schimmerte. Auch die Metallgegenstände glänzten, aber nicht zu stark. Nichts davon wirkte protzig. Alles im Zelt sah nach guter handwerklicher Arbeit aus, aber nur jemand, der wirklich erstklassige Handwerker bei der Arbeit beobachtet hatte -Leute wie Meister Luhhan oder Meister Aydaer, den Tischler — konnte das ermessen.

Mit gerunzelter Stirn stocherte der Mann mit einem Finger in zwei kleinen Stapeln von Gegenständen herum, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Perrin erkannte in einem der beiden Häufchen den Inhalt seiner Taschen und sein Messer. Die Silbermünze, die ihm Moiraine gegeben hatte, fiel heraus, und der Mann schob sie in Gedanken zurück. Er schürzte die Lippen und wandte sich von den Häufchen weg Perrins Axt zu. Er hob sie vom Tisch auf und wog sie in der Hand. Dann kehrte seine Aufmerksamkeit zu den Emondsfeldern zurück.

Perrin versuchte, sich aufzusetzen. Die Anstrengung war vergebens — seine Arme und Beine schmerzten höllisch. Nun erst wurde ihm bewußt, daß er an Händen und Füßen gefesselt war. Sein Blick wanderte zu Egwene. Sie zuckte bedauernd die Achseln und drehte sich ein wenig, so daß er ihren Rücken sehen konnte. Ein halbes Dutzend Lederschnüre fesselten ihre Handgelenke und Knöchel. Die Schnüre schnitten ihr tief ins Fleisch. Die Schnüre an ihren Knöcheln und an den Handgelenken waren durch ein Seil verbunden. Es war so kurz, daß sie sich nicht zu mehr als einer gebückten Haltung aufrichten konnte, falls sie auf die Beine kam. Perrin machte große Augen. Es war schon erschreckend genug, daß man sie gefesselt hatte, aber man hatte so viele Stricke benützt, daß sie auch ein Pferd gehalten hätten. Was glauben die denn, wer wir sind?

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