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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Egwene suchte schnell ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, aber sie wollte trotzdem noch eine Erklärung von Perrin. Ihre Stimme klang eindringlich, und je mehr er sich ausschwieg, desto ängstlicher wurde sie. Auch er hatte Angst, doch die Angst ließ sie schneller vorwärtskommen. Er wartete, bis sie in Richtung der untergehenden Sonne unterwegs waren. Er lief vor Bela her und hielt die Axt in beiden Händen vor der Brust. Nun erzählte er ihr in kurzen Zügen über die Schulter hinweg alles, was er wußte, und dabei sah er sich ständig um und suchte nach einem Ort, wo sie sich niederlassen und auf Elyas warten konnten.

»Es kommen eine Menge berittener Männer. Sie sind hinter den Wölfen hergekommen, haben sie aber nicht bemerkt. Sie reiten auf den Teich zu. Vielleicht haben sie gar nichts mit uns zu tun — es ist ja meilenweit die einzige Wasserstelle. Aber Scheckie sagt... « Er blickte sich um. Die Abendsonne warf eigenartige Schattenfiguren auf ihr Gesicht, Schatten, die ihren Gesichtsausdruck verbargen. Was denkt sie jetzt? Sieht sie dich an, als kenne sie dich nicht mehr? Kennt sie dich überhaupt? »Scheckie sagt, sie riechen irgendwie schlecht. So... so wie ein tollwütiger Hund.« Der Teich hinter ihnen war nicht mehr zu sehen. Er konnte immer noch Felsen in der tiefer werdenden Dämmerung erkennen — Fragmente der Statue Artur Falkenflügels -, wußte aber nicht mehr zu sagen, neben welchem Stein sich das Feuer befunden hatte. »Wir werden uns von ihnen fernhalten und einen Ort finden, an dem wir auf Elyas warten können.«

»Warum sollten sie etwas von uns wollen?« fragte sie. »Wir sind doch angeblich hier sicher? Licht, es muß doch wenigstens einen sicheren Ort geben!«

Perrin sah sich noch intensiver nach einem Versteck um. Sie konnten sich noch nicht sehr weit von dem Teich entfernt haben, aber die Dämmerung verdichtete sich. Bald wurde es zu dunkel zum Weitergehen sein. Die Hügelkämme lagen noch unter erblassendem Sonnenschein. In den Niederungen — dort konnte man kaum noch etwas erkennen — erschien es hell. Zur Linken hob sich ein dunkler Umriß scharf vom Himmel ab, ein großer, flacher Felsblock, der aus einem Abhang herausragte und dessen unteren Teil die Dunkelheit einhüllte.

»Dorthin«, sagte er.

Er trabte auf den Hügel zu, wobei er sich umblickte, um zu sehen, ob er die ankommenden Männer entdecken konnte. Es war noch nichts von ihnen zu sehen. Mehr als einmal mußte er stehenbleiben und warten, daß ihm die beiden mühsam nachstolperten. Egwene saß tief über Belas Hals gekauert im Sattel, und die Stute suchte sich vorsichtig einen Weg durch das unebene Gelände. Perrin merkte, daß die beiden noch müder sein mußten, als er geglaubt hatte. Hoffentlich ist das ein gutes Versteck. Ich glaube kaum, daß wir noch mal ein anderes suchen können.

Vom Fuß des Hügels aus betrachtete er den sich vom Himmel deutlich abhebenden, massiven, flachen Felsvorsprung, der knapp unter dem Kamm aus dem Abhang ragte. Es kam ihm irgendwie bekannt vor, wie der obere Teil des großen Brockens unregelmäßige Stufen zu bilden schien — drei hinauf und eine hinunter. Er kletterte hinauf und tastete sich im Gehen an dem Stein entlang. Trotz der jahrhundertelangen Verwitterung konnte er immer noch vier verbundene Säulen ertasten. Er blickte hinauf zu dem stufengleichen Oberteil des Steins, der wie eine riesige Lehne über seinem Kopf aufragte. Finger. Wir machen unser Lager in der Hand Artur Falkenflügels. Vielleicht ist ein wenig von seiner Gerechtigkeit hier übriggeblieben.

Er winkte Egwene zu, sie solle herkommen. Sie rührte sich nicht, also rutschte er den Hügel zu ihr hinunter und sagte ihr, was er herausgefunden hatte. Egwene spähte mit vorgestrecktem Kopf hügelaufwärts. »Wie kannst du denn irgendwas erkennen?« fragte sie ihn.

Perrin öffnete den Mund und schloß ihn wieder. Er leckte sich über die Lippen, während er sich umsah. Zum erstenmal war ihm wirklich klar, was er da sah. Die Sonne war gesunken. Sie war nun vollständig untergegangen, und der Mond wurde von Wolken verdeckt. Trotzdem erschien es ihm, als erhellten die Purpurfransen der Dämmerung die Nacht. »Ich habe den Felsen betastet«, sagte er schließlich. »Das muß es wohl sein. Sie werden nicht in der Lage sein, uns in diesem Schatten zu erkennen, selbst wenn sie hierher kommen.«

Er nahm Bela am Zaumzeug und führte sie in den Schutz der Hand. Er fühlte Egwenes Blick im Rücken.

Als er ihr gerade aus dem Sattel half, hörten sie Schreie vom Teich her. Sie legte eine Hand auf Perrins Arm, und er verstand ihre unausgesprochene Frage.

»Die Männer haben Wind gesehen«, sagte er zögernd. Es war schwierig, die richtige Bedeutung der Wolfsgedanken herauszulesen. Etwas über Feuer. »Sie haben Fackeln.« Er drückte sie am Fuß der Finger zu Boden und kauerte sich neben sie. »Sie teilen sich in Suchtrupps auf. Sehr viele, und die Wölfe sind alle verwundet.« Er bemühte sich, seine Stimme voller klingen zu lassen. »Aber Scheckie und die anderen sollten trotz ihrer Verwundungen in der Lage sein, ihnen zu entgehen, und mit uns rechnen sie sowieso nicht. Die Menschen sehen nicht, womit sie nicht rechnen. Sie werden bald aufgeben und ein Lager errichten.« Elyas war bei den Wölfen, und er würde sie nicht verlassen, solange sie gejagt wurden. So viele Reiter. So hartnäckig. Warum sind sie so hartnäckig?

Er sah, wie Egwene nickte. »Es wird schon alles gutgehen, Perrin.«

Licht, dachte er staunend, sie versucht ja, mich zu beruhigen!

Die Schreie hörten nicht auf. Kleine Gruppen von Fackeln bewegten sich in einiger Entfernung — flackernde Lichtpunkte in der Dunkelheit.

»Perrin«, sagte Egwene sanft. »Wirst du am Sonntag mit mir tanzen? Wenn wir bis dahin zu Hause sind?«

Seine Schultern bebten. Er machte kein Geräusch und war sich selbst nicht klar darüber, ob er lachte oder weinte. »Das werde ich. Versprochen.« Gegen seinen Willen umklammerten seine Hände die Axt kräftiger, was ihn daran erinnerte, daß er sie immer noch festhielt. Seine Stimme sank zu einem Flüstern ab. »Versprochen«, wiederholte er, und er hoffte.

Gruppen von Fackelträgern ritten nun zwischen den Hügeln hindurch; immer zehn oder zwölf Mann. Perrin konnte nicht abschätzen, wie viele Gruppen es waren. Manchmal sah man drei oder vier gleichzeitig, die hin-und zurückritten. Sie verständigten sich weiterhin rufend, und gelegentlich war die Nacht von Schreien erfüllt — vom Wiehern der Pferde und von menschlichen Schreien.

Er sah alles von mehr als einem Standpunkt aus. Er kauerte mit Egwene am Abhang, beobachtete, wie die Fackeln glühwürmchengleich durch die Dunkelheit flimmerten, und in seinem Geist rannte er mit Scheckie und Wind und Springer durch die Nacht. Die Wölfe waren durch die Raben zu schwer verwundet worden, um sehr weit oder sehr schnell zu rennen, also planten sie, die Menschen aus der Dunkelheit in den Schutz ihrer Feuer zurückzutreiben. Menschen suchten schließlich immer am Feuer Zuflucht, wenn Wölfe die Nacht durchstrichen. Einige der Berittenen führten Gruppen reiterloser Pferde hinter sich her. Die Pferde wieherten und bäumten sich mit weit aufgerissenen Augen auf, wenn zwischen ihnen graue Gestalten auftauchten. Sie wieherten und rissen sich von den Leitriemen los und zerstreuten sich in alle Richtungen, so schnell sie galoppieren konnten. Auch die Pferde mit Reitern auf dem Rücken wieherten, wenn graue Schatten mit grauenerregenden Reißzähnen aus der Dunkelheit heranjagten, und manchmal schrien auch die Reiter, bevor ihre Kehlen von den mächtigen Gebissen zerfetzt wurden. Elyas war ebenfalls dort draußen, auch wenn er seine Anwesenheit nicht so deutlich spüren konnte, und schlich mit seinem langen Messer durch die Nacht — ein zweibeiniger Wolf mit einem scharfen Stahlzahn. Meistens wurde aus den Rufen bald Flüche, aber die Jäger gaben nicht auf.

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