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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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›Es ist mein lebhafter Wunsch‹, schreibt der König von Preußen an Bonaparte, ›daß Euer Majestät in meinem Schlosse so aufgenommen und bewirtet werden, wie es Ihnen angenehm ist, und ich habe mich beeilt, zu diesem Zweck alle Maßnahmen zu treffen, soweit mir die Umstände dies erlaubten. Möge es mir gelungen sein!‹ Die preußischen Generäle erschöpfen sich in Höflichkeiten gegen die Franzosen und strecken bei der ersten Aufforderung die Waffen.

Der Kommandant von Glogau fragt bei einer Stärke von zehntausend Mann beim König von Preußen an, was er tun soll, wenn man ihn auffordere, sich zu ergeben … Das sind alles Tatsachen.

Kurz, während wir gehofft hatten, dem Feind nur durch unsere kriegerische Haltung Respekt einzuflößen, hat es sich so gemacht, daß wir nun wohl oder übel doch in den Krieg verwickelt worden sind, und, was noch schlimmer ist, in einen Krieg an unseren Grenzen avec et pour le roi de Prusse. Alles ist zum Losschlagen bereit, es fehlt uns nur noch eine ganze Kleinigkeit: ein Oberbefehlshaber. Da es sich herausgestellt hat, daß der Erfolg bei Austerlitz etwas ausgesprochener hätte sein können, wenn der Oberbefehlshaber minder jung gewesen wäre, so hat man jetzt die Achtzigjährigen einer genaueren Prüfung unterzogen, zwischen Prosorowkij und Kamenskij geschwankt und endlich letzterem den Vorzug gegeben. Der General kommt auf Suworowsche Manier in einer Kibitka bei uns an und wird mit Freuden- und Triumphgeschrei empfangen.

Am 4. langt der erste Kurier aus Petersburg im Hauptquartier an. Man bringt die Postsäcke in das Arbeitszimmer des Feldmarschalls, der am liebsten immer alles selber macht. Ich werde gerufen, um ihm beim Sortieren der Briefe zu helfen und diejenigen auszusuchen, die für uns bestimmt sind. Der Feldmarschall sieht uns zu und wartet auf Stöße an ihn gerichteter Briefe. Wir suchen und suchen – kein einziger ist dabei. Der Feldmarschall verliert die Geduld, macht sich selber ans Werk und findet Briefe vom Kaiser an den Grafen T. an den Prinzen W. und an mehrere andere. Da erfolgt einer seiner bekannten Wutausbrüche. Er speit Feuer und Flamme gegen jedermann, nimmt die Briefe, reißt sie auf und liest, was der Kaiser an andere schreibt! ›So behandelt man mich! Man hat kein Vertrauen zu mir! Ah, es wird befohlen, ein Auge auf mich zu haben, schön, ausgezeichnet! Hinaus mit euch allen!‹ Und er schreibt an den General Bennigsen den denkwürdigen Tagesbefehclass="underline"

›Ich bin verwundet und kann nicht reiten, infolgedessen auch keine Armee kommandieren. Sie haben Ihr Armeekorps, nachdem es geschlagen wurde, nach Putulsk geführt: dort liegt es ohne jede Deckung, hat weder Holz noch Fourage. Dem muß abgeholfen werden. Da Sie sich gestern schon selbst an den Grafen Buxhöwden gewandt haben, müssen Sie auf den Rückzug gegen unsere Grenzen bedacht sein, den Sie heute noch auszuführen haben.‹

Und an den Kaiser schreibt er: ›Vom vielen Sitzen zu Pferde habe ich mich im Sattel ganz wund geritten, was zusammen mit meinen früheren Leiden mich gänzlich daran hindert, zu reiten und eine so große Armee zu kommandieren. Deshalb habe ich den Oberbefehl über diese dem Grafen Buxhöwden übertragen, der nach mir der rangälteste General ist, habe die Sachen vom Tage und alles übrige ihm geschickt und ihm geraten, wenn er kein Brot mehr haben wird, sich mehr ins Innere Preußens zurückzuziehen, denn das Brot reicht nur noch für einen Tag, manche Regimenter haben schon überhaupt keines mehr, wie die Divisionskommandeure Ostermann und Sedmorjezkij gemeldet haben, und auch bei den Bauern ist alles aufgegessen. Ich selber aber bleibe, bis ich gesund sein werde, im Hospital von Ostrolenka, von welchem Hospital ich eine Krankenliste mir untertänigst beizufügen gestatte, indem ich melde, daß, wenn die Armee nur noch vierzehn Tage in dem jetzigen Biwak bleibt, bis zum Frühjahr auch nicht ein Mann mehr gesund sein wird.

Erlauben Sie einem Greise auf seinen Landsitz zurückzukehren, einem Greise, der seinen Namen auch so nicht mit Ruhm bedecken würde, da er die hohe Aufgabe, zu der er auserwählt wurde, nicht zu erfüllen vermag. Ihre allergnädigste Erlaubnis dazu werde ich hier im Hospital erwarten, um nicht bei der Truppe die Rolle eines Schreibers statt der eines Oberkommandierenden zu spielen. Mein Austritt aus dem Heer wird nicht das geringste Aufsehen erregen, weil ja nur ein Erblindeter aus der Armee ausscheidet. Solche Männer, wie ich einer bin, gibt es in Rußland zu Tausenden.‹

Der Feldmarschall ist wütend auf den Kaiser und verhängt über uns alle Strafen. Das ist doch vollkommen logisch, nicht wahr?

Dieses war also der erste Akt. Bei den folgenden erhöht sich naturgemäß die Spannung und der Einschlag ins Komische. Nachdem uns der Feldmarschall verlassen hat, stellt sich heraus, daß der Feind in Sicht ist und wir ihm eine Schlacht liefern müssen. Buxhöwden als Rangältester ist Oberkommandierender, aber General Bennigsen ist anderer Meinung, um so mehr, als er selber und sein eigenes Armeekorps es ist, die vor dem Feind stehen, und er die Gelegenheit nicht verpassen will, ›auf eigene Faust‹, wie der Deutsche sagt, eine Schlacht zu gewinnen. Er liefert also die Schlacht. Es ist dies das Treffen bei Pultusk, das überall für einen großen Sieg gehalten wird, was es aber meiner Ansicht nach durchaus nicht war. Wir traurigen Zivilisten haben, wie Sie wissen, sehr häßliche Gepflogenheiten bei der Beurteilung, ob eine Schlacht gewonnen oder verloren ist. Derjenige, der sich nach einer Schlacht zurückziehen muß, hat sie, unserer Ansicht nach wenigstens, verloren. Demnach hätten also wir die Schlacht bei Pultusk verloren. Kurz und gut, wir ziehen uns also nach der Schlacht zurück, schicken aber einen Kurier nach Petersburg, der unseren Sieg verkündet, und Bennigsen tritt das Kommando nicht an Buxhöwden ab in der Hoffnung, als Belohnung für seinen Sieg von Petersburg aus zum Oberkommandierenden ernannt zu werden. Während dieses Interregnums beginnt man bei uns ein ebenso interessantes wie originelles Manöver. All unser Sinnen und Trachten ist nicht mehr darauf gerichtet, den Feind zu umgehen oder anzugreifen, wie es hätte sein sollen, sondern einzig und allein darauf, dem General Buxhöwden auszuweichen, der dem Dienstalter nach unser Kommandeur hätte sein müssen. Und zwar verfolgen wir dieses Ziel mit solcher Energie, daß wir sogar nach Überschreitung eines Flusses, der nicht passierbar ist, die Brücken hinter uns verbrennen, um von unserem Feind, der augenblicklich Buxhöwden und nicht Bonaparte heißt, getrennt zu sein. Doch während uns diese ergötzlichen Manöver vor Buxhöwden retten, wird dieser dadurch beinahe von überlegenen feindlichen Streitkräften angegriffen und gefangengenommen. Doch Buxhöwden setzt uns unentwegt nach – wir fliehen. Kaum ist er auf unserer Seite des Flusses angekommen, setzen wir auf die andere Seite über. Endlich sitzt uns unser Feind Buxhöwden auf den Fersen und geht zur Attacke über. Die beiden Generäle fahren sich in die Haare. Es kommt sogar zu einer Duellforderung von seiten Buxhöwdens und zu einem epileptischen Anfall auf Seiten Bennigsens. Doch im Augenblick der höchsten Spannung kommt der Kurier, den wir mit der Nachricht von unserem Sieg bei Pultusk nach Petersburg geschickt hatten, von dort zurück und bringt uns die Ernennung zum Oberkommandierenden der ganzen Armee. Unser erster Feind, Buxhöwden, ist somit geschlagen, und wir können nun auch einmal an den anderen denken, an Bonaparte. Doch in diesem Augenblick erhebt sich gegen uns ein dritter Feind, unsere eigenen ›rechtgläubigen‹ Soldaten, die unter großem Geschrei Brot, Fleisch, Zwieback, Heu und was weiß ich alles, von uns fordern. Die Speicher sind leer, die Wege nicht zum Durchkommen. Unsere Rechtgläubigen fangen an zu plündern, aber in einer Weise, wie man sich, wenn man an den vorigen Feldzug denkt, davon überhaupt keine Vorstellung machen kann. Die Hälfte der Regimenter löst sich in wilde Scharen auf, die plündernd die Gegend durchstreifen und überall morden und brennen. Die Einwohner sind in Grund und Boden ruiniert, die Hospitäler können die Kranken nicht mehr fassen, und überall wütet die Hungersnot. Zweimal ist auch das Hauptquartier von marodierenden Truppen angegriffen worden, und der Oberkommandierende selbst hat sich gezwungen gesehen, ein Bataillon zu verlangen, um sie zu verjagen. Bei einem dieser Überfälle hat man mir einen leeren Koffer und meinen Schlafrock entwendet. Der Kaiser will den Divisionskommandeuren das Recht erteilen, jeden Marodeur erschießen zu lassen, aber ich fürchte stark, daß dann die eine Hälfte der Armee gezwungen sein wird, die andere zu erschießen.«

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