Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Perrin hätte stöhnen können, sparte sich aber die Luft fürs Laufen.
Große Felsblöcke lagen hier überall auf den niedrigen Hügeln; unregelmäßige Klumpen grauen, flechtenbewachsenen Steins, zur Hälfte im Boden vergraben — manche von der Größe eines Hauses. Dornbüsche umrankten sie, und niedriges Unterholz verbarg die meisten zum Teil. Hier und da im ausgedörrten Braun von Ranken und Unterholz bewies ein einzelner grüner Schößling, daß dies ein besonderer Ort war. Was auch das Land jenseits der Grenzen dieses Gebiets verwundet hatte, das hatte auch diesen Teil verletzt, doch die Wunden waren nicht so tief. Schließlich mühten sie sich über eine weitere Anhöhe, und am unteren Ende des folgenden Abhangs lag ein Teich. Jeder von ihnen hätte ihn mit zwei langen Schritten durchwaten können, doch das Wasser war klar und sauber genug, um den sandigen Grund wie unter einer Glasscheibe zu zeigen. Selbst Elyas eilte erwartungsvoll den Hang hinunter.
Perrin warf sich der Länge nach zu Boden, als er den Teich erreichte, und steckte den Kopf hinein. Einen Augenblick später prustete er, denn das aus den Tiefen der Erde emporquellende Wasser war kalt. Er schüttelte den Kopf. Aus seinen langen Haaren spritzte das Wasser. Egwene grinste und spritzte ihn naß. Perrins Blick wurde wieder nüchtern. Sie zog die Stirn kraus und öffnete den Mund, doch er steckte das Gesicht wieder unter Wasser. Keine Fragen. Nicht jetzt. Keine Erklärungen. Niemals. Aber eine schwache Stimme ließ ihm keine Ruhe. Aber du hättest es getan, nicht wahr?
Schließlich rief Elyas sie von dem Teich weg. »Falls jemand essen möchte — ich brauche Hilfe.«
Egwene arbeitete fröhlich. Sie lachte und scherzte, während sie ihr spärliches Mahl bereiteten. Es war nur noch Käse und Trockenfleisch übrig; zum Jagen hatten sie keine Gelegenheit gehabt. Wenigstens war noch Tee da. Perrin half mit, schwieg aber dabei. Er fühlte Egwenes Blick auf sich ruhen, sah die wachsende Besorgnis auf ihrem Gesicht, vermied es aber soweit wie möglich, ihr in die Augen zu sehen. Ihr Lachen wurde schwächer, und die Scherze waren seltener und jedesmal mehr an den Haaren herbeigezogen. Elyas sah zu und sagte nichts. Eine düstere Stimmung senkte sich über sie herab, und sie begannen, schweigend zu essen. Die Sonne im Westen färbte sich rot, und ihre Schatten streckten sich lang und dünn.
Keine Stunde mehr bis zur Dunkelheit. Wenn nicht das Stedding gewesen wäre, dann wärt ihr alle jetzt tot. Hättest du sie gerettet? Hättest du sie niedergehackt wie so viele Büsche zuvor? Büsche bluten nicht, oder? Sie schreien auch nicht, sehen dir nicht in die Augen und fragen nicht warum.
Perrin zog sich in sich selbst zurück. Er konnte fühlen, wie ihn etwas aus den Tiefen des eigenen Verstands auslachte. Etwas Grausames. Nicht der Dunkle König. Er wünschte sich fast, es wäre nur das. Nicht der Dunkle König — er selbst war es.
Ausnahmsweise hatte Elyas seine eigene Regel in bezug auf Feuer übertreten. Es gab keine Bäume, aber er hatte abgestorbene Zweige aus dem Unterholz gebrochen und entzündete ein Feuer neben einem riesigen Felsklotz, der aus dem Abhang des Hügels ragte. Den Rußschichten auf dem Stein nach zu schließen, dachte Perrin, war anzunehmen, daß Generationen auf Generationen von Reisenden diesen Fleck für ihre Feuer benutzt hatten.
Was von dem großen Felsen über dem Boden aufragte, war ein wenig abgerundet, und an der einen Seite brach er scharf ab. Dort bedeckte altes, braunes Moos die gezackte Oberfläche. Die vom Wetter geschaffenen Rillen und Aushöhlungen auf dem runden Teil kamen Perrin eigenartig vor, aber er war zu sehr in seiner trüben Stimmung befangen, um sich damit zu beschäftigen. Egwene aber betrachtete sie genau, während sie aß.
»Das«, stellte sie schließlich fest, »sieht wie ein Auge aus.« Perrin blinzelte; es sah wirklich unter all diesem Ruß wie ein Auge aus.
»Das ist es auch«, sagte Elyas. Er kehrte im Sitzen dem Feuer und dem Felsen den Rücken zu und betrachtete ihre Umgebung. Dabei kaute er auf einem Stück Trockenfleisch herum, das so zäh wie Leder war. »Das Auge von Artur Falkenflügel. Das Auge des Hochkönigs selbst. Das ist schließlich aus all der Macht und dem Ruhm geworden«, sagte er gedankenverloren. Sogar beim Kauen wirkte er abwesend; sein Blick und seine Aufmerksamkeit galten den Hügeln.
»Artur Falkenflügel!« rief Egwene. »Du erlaubst dir einen Scherz mit mir. Das ist doch überhaupt kein Auge. Warum sollte jemand Artur Falkenflügels Auge hier draußen in einen Felsen hauen?«
Elyas blickte sie über die Schulter hinweg an und murmelte: »Warum bringen sie euch Dorfwelpen nichts bei?« Er schnaubte und richtete sich wieder auf, um sein Beobachten fortzusetzen, sprach aber weiter: »Artur Paendrag Tanreall, Artur Falkenflügel, der Hochkönig, einte alle die Länder von der Großen Fäule bis zum Meer der Stürme, vom Aryth-Meer bis zur Aiel-Wüste und sogar noch ein paar jenseits der Wüste. Er sandte sogar Heere auf die andere Seite des Aryth-Meeres. Die Geschichten behaupten, er herrschte über die ganze Welt, aber was er wirklich regierte, hätte auch für jeden Menschen außerhalb einer Legende gereicht. Und er brachte Frieden und Gerechtigkeit für das ganze Land.«
»Alle waren vor dem Gesetz gleich«, sagte Egwene, »und niemand erhob die Hand gegen einen anderen.«
»Also habt ihr die Geschichten wenigstens gehört.« Elyas lachte leise. Es klang trocken. »Artur Falkenflügel brachte Frieden und Gerechtigkeit, aber das tat er mit Feuer und Schwert. Ein Kind konnte ganz allein mit einem Beutel voll Gold vom Aryth-Meer zum Rückgrat der Welt reiten und mußte dabei keinen Augenblick lang Angst haben, aber die Gerechtigkeit des Königs war hart wie ein Fels, sobald jemand seine Macht in Frage stellte, selbst wenn sie sich eben nur so gaben, wie sie waren, oder dachten, sie könnten ihn herausfordern. Die einfachen Menschen hatten Frieden und Gerechtigkeit und volle Bäuche, aber er belagerte Tar Valon zwanzig Jahre lang und setzte einen Preis von tausend Goldkronen auf den Kopf jeder Aes Sedai aus.«
»Ich dachte, du magst die Aes Sedai nicht«, sagte Egwene.
Elyas lächelte sie trocken an. »Es spielt keine Rolle, wen ich mag, Mädchen. Artur Falkenflügel war ein stolzer Narr. Eine Aes Sedai-Heilerin hätte ihn retten können, als er krank wurde — oder vergiftet, wie manche behaupten -, aber jede noch lebende Aes Sedai war hinter der Leuchtenden Mauer eingesperrt, und sie mußten all ihre Kräfte gebrauchen, um einem Heer zu widerstehen, dessen Lagerfeuer die Nacht zum Tage machten. Er hätte auch, davon abgesehen, keine in seine Nähe gelassen. Er haßte die Aes Sedai genauso inbrünstig wie den Dunklen König.«
Egwenes Lippen strafften sich, doch als sie sprach, sagte sie lediglich: »Was hat das alles damit zu tun, ob das hier Artur Falkenflügels Auge ist?«
»Nur soviel, Mädchen. Nachdem Friede herrschte, abgesehen von dem, was jenseits des Ozeans vorging, nachdem ihm die Menschen überall zujubelten, wo er auch auftauchte — seht ihr, sie liebten ihn wirklich; er war ein strenger Mann, aber niemals zu den einfachen Leuten -also, in dieser Lage beschloß er, es sei an der Zeit, sich eine Hauptstadt zu erbauen. Eine neue Stadt, die im Geist der Menschen nicht mit irgendeinem alten Zweck oder einem alten Zwist oder einer Rivalität verbunden war. Er wollte sie hier erbauen, im Mittelpunkt des vom Meer und der Wüste und der Fäule begrenzten Landes. Hier, wohin keine Aes Sedai jemals freiwillig kommen oder ihre Macht benützen würde, falls sie doch kam. Eine Hauptstadt, aus der eines Tages die ganze Welt Frieden und Gerechtigkeit empfangen würde. Als sie seine Proklamation vernahmen, sammelten die einfachen Leute genug Geld, um ihm ein Denkmal zu setzen. Die meisten betrachteten ihn mit einer Ehrfurcht, als befinde er sich nur eine Stufe unterhalb des Schöpfers. Eine kleine Stufe unterhalb. Es dauerte fünf Jahre, bis sie aus Stein gehauen und fertig gebaut war. Eine Statue Falkenflügels, hundertmal größer als der Mann selbst. Sie stellten sie genau hier auf, und die Stadt sollte darum herum entstehen.«