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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Sie marschierten hügelabwärts, sobald der letzte Rabe über dem nächsten Hügelkamm verschwunden war, und später sogar dann schon, wenn noch die letzten Nachzügler über dem Hügel flatterten. Wenn ein Vogel zurückschaut! Die Raben suchten im Osten und Westen, während sie über die deckungslosen Landstriche dazwischen hasteten. Es ist nur ein einziger Vogel nötig.

Die Raben hinter ihnen holten schnell auf. Scheckie und die anderen Wölfe umgingen sie und rannten weiter, ohne anzuhalten und ihre Wunden zu lecken, aber sie hatten ihre Lektion in bezug auf das Beobachten des Himmels gelernt. Wie nah? Wie lange noch? Die Wölfe verstanden Zeit nicht so wie die Menschen. Sie hatten keinen Grund, den Tag in Stunden zu unterteilen. Ihnen genügten die Jahreszeiten und Helligkeit und Dunkelheit. Mehr brauchten sie nicht. Schließlich formte Perrin ein Bild in seinem Geist, wo die Sonne am Himmel stehen würde, wenn die Raben sie von hinten erreichten. Er blickte zurück zur sinkenden Sonne und leckte sich mit trockener Zunge über die Lippen. In einer Stunde, vielleicht sogar weniger, würden die Raben sie finden. Eine Stunde, und bis zum Sonnenuntergang waren es noch gut zwei Stunden; mindestens zwei bis zur völligen Dunkelheit.

Wir werden mit dem Sonnenuntergang sterben, dachte er. Er rannte taumelnd voran. Wie der Fuchs gemetzelt. Er fühlte nach seiner Axt und dann nach der Schleuder. Die wurde nützlicher sein. Aber es reicht trotzdem nicht. Nicht gegen hundert Raben, hundert pfeilschnelle Ziele, hundert hackende Schnäbel.

»Du bist mit Reiten dran«, sagte Egwene müde.

»Wart noch ein bißchen«, schnaufte er. »Ich kann noch ein paar Meilen rennen.« Sie nickte und blieb im Sattel. Sie ist müde. Soll ich es ihr sagen? Oder lasse ich sie im Glauben, wir hätten noch eine Chance zu entkommen? Eine Stunde Hoffnung, wenn auch verzweifelt, oder eine Stunde nur noch voller Verzweiflung?

Elyas beobachtete ihn wieder, sagte aber nichts. Er mußte es wissen, doch er sprach nicht darüber. Perrin sah Egwene wieder an und blinzelte sich heiße Tränen aus den Augen. Er berührte seine Axt und fragte sich, ob er den Mut aufbringen könne. Während der letzten Minuten, wenn die Raben sich auf sie herabsenkten, wenn alle Hoffnung dahin war, würde er den Mut aufbringen, ihr das gleiche Ende zu ersparen, wie es der Fuchs erlebt hatte? Licht, gib mir Kraft!

Die Raben vor ihnen schienen plötzlich zu verschwinden. Perrin konnte aber immer noch die dunklen Schleierwolken weit im Osten und im Westen ausmachen, doch vor ihnen... nichts. Wo sind sie hin? Licht, wenn wir sie überholt haben...

Plötzlich überlief ihn ein Schauder, ein kaltes, sauberes Prickeln, als sei er mitten im Winter in den Weinquellenbach gesprungen. Es durchfuhr ihn und schien ihm etwas von der Erschöpfung zu nehmen, ein wenig von den Schmerzen in seinen Beinen und dem Brennen seiner Lunge. Es hinterließ... irgend etwas. Er konnte nicht sagen, was, er fühlte sich einfach nur anders. Er blieb stolpernd stehen und blickte sich angsterfüllt um.

Elyas beobachtete ihn, beobachtete sie beide mit einem gewissen Glitzern in den Augen. Er wußte, was es bedeutete, da war Perrin sicher, aber er beobachtete sie nur.

Egwene brachte Bela zum Stehen und sah sich unsicher um, halb staunend und halb ängstlich. »Es ist... eigenartig«, flüsterte sie. »Ich fühle mich, als hätte ich etwas verloren.« Sogar die Stute hielt den Kopf erwartungsvoll erhoben. Ihre Nüstern blähten sich, als wittere sie den schwachen Geruch frischgemähten Heus.

»Was... was war das?« fragte Perrin.

Elyas lachte plötzlich meckernd los. Er beugte sich mit zitternden Schultern vor und stützte die Hände auf die Knie. »Sicherheit — das war es. Wir haben es geschafft, ihr blutigen Anfänger. Kein Rabe wird diese Linie überqueren... keiner, der die Augen des Dunklen Königs trägt! Einen Trolloc müßte man herübertreiben, und es wäre schon etwas Gewaltiges nötig, um einen Myrddraal dazu zu bringen, ihn herüberzutreiben. Auch keine Aes Sedai. Die Eine Macht wirkt hier nicht — sie können die Wahre Quelle nicht erreichen. Können sie nicht mal fühlen, so, als sei sie verschwunden. Das muß sie innerlich ganz schön jucken, sage ich euch. Läßt sie zittern wie einen, der sieben Tage lang besoffen war. Wir sind in Sicherheit.«

Zuerst erschien Perrin das Land unverändert — die gleichen welligen Hügel und Höhenzüge, die sie den ganzen Tag lang überquert hatten. Dann bemerkte er grüne Triebe im Gras, nicht viele, aber sie schienen sich durchzusetzen, mehr als er sonst irgendwo gesehen hatte. Es war auch weniger Unkraut zwischen den Gräsern. Er konnte sich nicht vorstellen, was es war, aber... irgend etwas war hier anders. Und etwas von dem, was Elyas gesagt hatte, nagte in seinem Gedächtnis.

»Was ist das?« fragte Egwene. »Ich fühle... Was ist das für ein Ort? Ich glaube nicht, daß er mir gefällt.«

»Ein Stedding«, grölte Elyas. »Hört ihr bei den Geschichten nie richtig zu? Klar, seit ungefähr dreitausend Jahren war kein Ogier mehr bei Euch, seit der Zerstörung der Welt, aber das Stedding bringt die Ogier hervor, und nicht die Ogier das Stedding.«

»Nur eine Legende«, stammelte Perrin. In den Geschichten waren Steddings immer eine sichere Zuflucht, ein Ort, wo man sich verstecken konnte, ob es vor den Aes Sedai war oder vor den Kreaturen des Vaters der Lügen.

Elyas richtete sich auf. Wenn er auch nicht unbedingt frisch wirkte, so zeigte er auch kein Anzeichen, daß er den größten Teil des Tages über gerannt war. »Kommt schon! Wir wollten noch tiefer in diese Legende hineingehen. Die Raben können nicht folgen, aber so nahe am Rand können sie uns immer noch sehen, und es könnten genug vorhanden sein, um die gesamte Grenze zu überwachen. Lassen wir sie daran vorbeijagen.«

Perrin wollte am liebsten da bleiben, wo er sich befand, nachdem er nun einmal stehengeblieben war. Seine Beine zitterten und sagten ihm, er solle sich eine Woche lang hinlegen. Alle Erfrischung hatte nur kurze Zeit angehalten; Erschöpfung und Muskelkater waren zurückgekehrt. Er zwang sich zu einem Schritt, dann einem weiteren. Es wurde nicht leichter, doch er gab nicht auf. Egwene schüttelte die Zügel, um Bela wieder in Bewegung zu setzen. Elyas sprang mühelos vorwärts und ging erst langsamer, als ihm klar wurde, daß die anderen nicht mithalten konnten. Ein schnelles Gehen.

»Warum — bleiben wir nicht hier?« keuchte Perrin. Er atmete durch den Mund und zwang die Worte zwischen tiefen, schmerzenden Atemzügen heraus. »Wenn das wirklich ein — Stedding ist. Dann sind wir doch in Sicherheit. Keine Trollocs. Keine Aes Sedai. Warum bleiben wir — bleiben wir nicht hier — bis alles vorbei ist?« Vielleicht kommen auch die Wölfe nicht hierher?

»Wie lange denn?« Elyas blickte sie über die Schulter hinweg mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Was würdet ihr essen? Gras, wie die Pferde? Außerdem gibt es andere, die diesen Ort kennen, und nichts hält Menschen davon ab, ihn zu betreten, nicht einmal die schlimmsten unter ihnen. Und es gibt nur einen Ort hier, wo man immer noch Wasser finden kann.« Er zog unsicher die Stirn in Falten und drehte sich einmal um die eigene Achse, wobei er das umliegende Land betrachtete. Als er fertig war, schüttelte er den Kopf und murmelte etwas in seinen Bart hinein. Perrin fühlte, wie er nach den Wölfen rief. Schnell! Schnell! »Wir müssen zwischen zwei Übeln wählen. Die Raben sind uns sicher. Kommt mit. Es ist nur noch ungefähr eine Meile, vielleicht auch zwei.«

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