Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es spukt tatsächlich hier, dachte ich, während ich den Gesprächen im Geäst lauschte und mich zwischen den schlanken Stämmen hindurchwand. Es hätte mich nicht überrascht, hinter dem nächsten Baum ein Gespenst zu sehen.
Und dann überraschte es mich doch. Ich erschrak fast zu Tode, als die finstere Gestalt hervortrat und mich packte. Ich stieß einen durchdringenden Schrei aus und schlug danach.
»Lieber Himmel«, keuchte ich dann, »was machst du denn hier?« Ich ließ mich einen Moment an Jamies Brust sinken, erleichtert, ihn zu sehen, trotz des Schreckens, den er mir eingejagt hatte.
Er nahm mich beim Arm und drehte mich, um mich aus dem Wald zu führen.
»Wollte dich holen«, sagte er leise. »Ich wollte dir entgegenreiten, weil es anfing, dunkel zu werden; dann bin ich Geillis Duncan am Bach begegnet, und sie hat mir erzählt, wo du bist.«
»Aber das Baby …«, begann ich und wandte mich erneut dem Hügel zu.
»Das Kind ist tot«, sagte er knapp und zog mich wieder zurück. »Ich bin zuerst oben gewesen, um nachzusehen.«
Jetzt folgte ich ihm ohne Widerrede, zwar bestürzt über den Tod des Kindes, jedoch erleichtert, dass ich weder den Feenhügel erklimmen noch den langen Heimweg allein bewältigen musste. Von der Dunkelheit und den flüsternden Bäumen bedrückt, blieb ich stumm, bis wir den Bach wieder überquert hatten. Da meine Kleidung ohnehin noch feucht war, machte ich mir erst gar nicht die Mühe, mir die Strümpfe auszuziehen, sondern watete achtlos hindurch. Jamie, der noch trocken war, sprang vom Ufer auf einen Felsen in der Mitte der Strömung und setzte dann wie ein Weitspringer zu mir über.
»Hast du eigentlich eine Vorstellung davon, wie gefährlich es ist, in einer solchen Nacht allein im Freien zu sein, Sassenach?«, erkundigte er sich. Er klang nicht wütend, nur neugierig.
»Nein … ich meine, doch. Es tut mir leid, wenn du dir meinetwegen Sorgen gemacht hast. Aber ich konnte doch ein Kind nicht dortlassen; ich konnte es einfach nicht.«
»Aye, ich weiß.« Er drückte mich kurz an sich. »Du hast ein gutes Herz, Sassenach. Aber du hast keine Ahnung, womit du es hier zu tun hast.«
»Elfen, hm?« Ich war müde, und der Zwischenfall hatte mich verstört, doch ich überspielte beides mit Ironie. »Ich fürchte mich nicht vor abergläubischen Hirngespinsten.« Da kam mir ein Gedanke. »Glaubst du etwa an Feen und Wechselbälger und all das?«
Er zögerte einen Moment, ehe er antwortete.
»Nein. Nein, ich glaube nicht an solche Dinge, obwohl ich trotzdem die Nacht nur verdammt ungern auf einem Feenhügel verbringen würde. Aber ich bin ein gebildeter Mensch, Sassenach. Ich hatte bei Dougal einen deutschen Hauslehrer, der mich Latein und Griechisch und all das gelehrt hat, und als ich mit achtzehn in Frankreich war … nun, ich habe Geschichte und Philosophie studiert und gelernt, dass es mehr auf der Welt gibt als die Täler und Moore und die Wasserpferde in den Seen. Aber diese Leute …« Er wies mit einer Handbewegung hinter uns in die Dunkelheit.
»Sie sind noch nie mehr als einen Tagesritt von ihrem Geburtsort entfernt gewesen, außer zu einem Ereignis wie einem Gathering ihres Clans, und das kommt vielleicht zweimal im Leben vor. Sie leben in den Tälern und an den Seen, und sie erfahren nicht mehr von der Welt als das, was ihnen Vater Bain sonntags in der Kirche erzählt. Das und die alten Geschichten.«
Er hielt einen Erlenzweig beiseite, und ich duckte mich darunter hindurch. Wir befanden uns jetzt auf dem Wildwechsel, dem auch Geilie und ich vorhin gefolgt waren, und ich fühlte mich ermutigt durch diesen erneuten Beweis, dass er den Weg auch im Dunkeln finden konnte. Jetzt, da wir den Feenhügel hinter uns gelassen hatten, sprach er wieder mit normaler Stimme und hielt nur hin und wieder inne, um hinderliches Gestrüpp aus dem Weg zu schieben.
»Aus Gwyllyns Mund sind diese Geschichten nichts als gute Unterhaltung, wenn man im großen Saal sitzt und Rheinwein trinkt.« Er ging vor mir her, und seine Stimme schwebte leise und voller Verständnis in der kühlen Nachtluft zu mir zurück.
»Aber hier draußen und sogar im Dorf – nein, das ist etwas völlig anderes. Die Leute richten ihr Leben danach aus. Vermutlich haben manche dieser Sagen ja einen wahren Kern.«
Ich dachte an die Bernsteinaugen des Wasserpferds und fragte mich, was wohl sonst noch wahr war.
»Und andere … nun ja.« Seine Stimme wurde leiser, und ich musste mich anstrengen, um ihn zu verstehen. »Vielleicht hilft es den Eltern des Kindes ja ein bisschen, wenn sie glauben, dass es das Wechselbalg ist, das gestorben ist, und sie sich vorstellen, dass ihr eigenes Kind es sich für immer bei den Elfen gutgehen lässt.«
Dann gelangten wir zu den Pferden, und nach einer halben Stunde schimmerten uns die Lichter von Leoch einladend durch die Dunkelheit entgegen. Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses finstere Gemäuer einmal als Außenposten der Zivilisation betrachten würde, doch in diesem Moment kamen mir die Lichter wie regelrechte Leuchtfeuer der Aufklärung vor.
Erst als wir näher kamen, begriff ich, dass das Licht von einer Laternenreihe kam, die an der Brüstung der Brücke brannte.
»Es ist etwas passiert«, sagte ich an Jamie gewandt. Und jetzt, da ich ihn zum ersten Mal bei Licht sah, erkannte ich, dass er nicht sein übliches abgenutztes Hemd und den schmutzigen Kilt trug. Sein Leinenhemd leuchtete schneeweiß im Laternenschein, und er hatte seinen besten – seinen einzigen – Samtrock quer über dem Sattel liegen.
»Aye«, nickte er. »Deshalb bin ich dich holen gekommen. Der Herzog ist endlich da.«
Der Herzog überraschte mich außerordentlich. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber es war nicht der zwar kräftige, herzliche Sportsmann mit dem roten Gesicht, den ich in der Halle von Leoch kennenlernte. Er hatte ein angenehm offenes, vom Wetter gegerbtes Gesicht mit hellblauen Augen, die ständig leicht zusammengekniffen waren, als spähte er im Gegenlicht einem auffliegenden Fasan nach.
Einen Moment fragte ich mich, ob das Drama, von dem Jamie erzählt hatte, vielleicht übertrieben gewesen war. Doch als ich den Blick aufmerksam durch den Saal schweifen ließ, stellte ich fest, dass jeder Junge unter achtzehn eine leicht argwöhnische Miene trug und den Herzog nicht aus den Augen ließ, während sich dieser lachend und lebhaft mit Colum und Dougal unterhielt. Also doch mehr als nur übertriebene Theatralik; man hatte die Jungen gewarnt.
Als man mich dem Herzog vorstellte, fiel es mir schwer, ein ernstes Gesicht zu wahren. Er war ein massiger, vor Gesundheit strotzender Mann von der Sorte, wie man sie oft als Meinungsmacher in der Kneipe findet, wo sie die Opposition durch ihre Lautstärke und Hartnäckigkeit zermürben. Ich war zwar durch Jamies Erzählungen vorbereitet gewesen, doch die körperliche Präsenz des Mannes war so überwältigend, dass ich mir auf die Innenseite der Wange beißen musste, um mich nicht in aller Öffentlichkeit zu blamieren, als sich der Herzog tief über meine Hand beugte und mit der Stimmlage einer überreizten Maus sagte: »Ach, wie schön, in dieser entlegenen Gegend eine Landsmännin anzutreffen, Mistress.«
Erschöpft von der Reise, zogen sich der Herzog und seine Begleiter früh zum Schlafen zurück. Doch am nächsten Abend gab es nach dem Essen ein geselliges Beisammensein mit Musik, und Jamie und ich setzten uns zu Colum, Dougal und dem Herzog. Colums Rheinwein machte den Herzog gesprächig, und er ließ sich gleichermaßen über die Schrecknisse des Reisens in den Highlands als auch über die Schönheit der Landschaft aus. Wir hörten ihm höflich zu, und ich gab mir Mühe, Jamie nicht anzusehen, während der Herzog quiekend von seinen Reisestrapazen berichtete.
»Wir hatten bei Stirling einen Achsbruch und mussten drei Tage – natürlich im strömenden Regen – warten, ehe mein Bediensteter einen Schmied finden konnte, der das verdammte Ding reparieren konnte. Und keine halbe Stunde später sind wir in das größte Schlagloch gerumst, das ich je gesehen habe, und die vermaledeite Achse ist wieder gebrochen. Und dann hat ein Pferd ein Eisen verloren, und wir mussten die Kutsche abladen und zu Fuß nebenhergehen – durch den Schlamm – und den lahmen Gaul führen. Und dann …« Je weiter die Geschichte von Missgeschick zu Missgeschick fortfuhr, desto größer wurde mein Bedürfnis zu kichern, und ich versuchte, es mit Wein zu ertränken – was möglicherweise ein Fehler war.