Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was genau hast du eigentlich vor, Geilie?«, fragte ich, während ich sie misstrauisch beobachtete. Eigentlich konnte ich zwar keine finsteren Absichten in einer Schale, einer Kerze und einer Decke erkennen, aber ich war ja auch höchstens ein Zauberlehrling.
»Eine Beschwörung«, antwortete sie und zog so an den Ecken der Decke, dass sie parallel zu den Bodendielen zu liegen kam.
»Wen denn?«, fragte ich. Oder was.
Sie richtete sich auf und strich sich das Haar zurück. Es war babyfein und so glatt, dass es sich aus seiner Befestigung löste. Leise schimpfend riss sie sich die Nadeln aus dem Haar und ließ es wie einen glänzenden, cremefarbigen Vorhang fallen.
»Oh, Gespenster, Geister, Visionen. Was auch immer man gerade braucht«, erklärte sie. »Der Anfang ist jedes Mal derselbe, aber die Kräuter und die Worte sind jeweils anders. Was wir jetzt wollen, ist eine Vision – um zu sehen, wer dich verwünschen wollte. Dann können wir den Talisman gegen diese Person wenden.«
»Äh, nun ja …« Eigentlich sann ich ja gar nicht auf Rache, aber ich war neugierig – darauf, wie diese Beschwörung wohl aussehen mochte, und darauf zu erfahren, wer mich hatte verwünschen wollen.
Sie stellte die Schale in die Mitte der Decke, goss etwas Wasser aus einem Krug hinein und erklärte: »Man kann jedes Gefäß benutzen, das groß genug ist, um ein gutes Spiegelbild zu erzeugen, obwohl das Grimoire sagt, man soll eine Silberschale nehmen. Unter Umständen geht es sogar im Freien mit einem Tümpel oder einer Pfütze, solange sie abgeschieden liegt. Man braucht vollkommene Ruhe dafür.«
Sie schritt schnell von einem Fenster zum nächsten und zog die schweren schwarzen Vorhänge zu, bis so gut wie alles Licht in der Kammer erlosch. Ich konnte Geilies schlanke Gestalt nur noch schemenhaft durch das Zwielicht huschen sehen, bis sie die Kerze anzündete. Die flackernde Flamme erhellte ihr Gesicht, als sie die Kerze zu der Decke trug, und warf keilförmige Schatten unter ihre kühne Nase und das fein gemeißelte Kinn.
Sie stellte die Kerze mir gegenüber neben die Wasserschale. Mit großer Vorsicht füllte sie die Schale ganz, bis das Wasser knapp über den Rand quoll und nur durch seine Oberflächenspannung am Überlaufen gehindert wurde. Als ich mich darüberbeugte, konnte ich sehen, dass das Wasser ein ausgezeichnetes Spiegelbild erzeugte, viel besser als jeder Spiegel in der Burg. Als läse sie auch jetzt meine Gedanken, erklärte Geillis, dass das Wasser nicht nur nützlich war, um Geister heraufzubeschwören, sondern dass es auch ein hervorragendes Hilfsmittel beim Frisieren war.
»Pass auf, dass du nicht dagegenstößt, sonst wirst du noch nass«, warnte sie und runzelte konzentriert die Stirn. Der praktische Ton dieser Bemerkung, so prosaisch inmitten dieser übernatürlichen Vorbereitungen, erinnerte mich an irgendjemanden. Ich richtete den Blick auf ihre schlanke, hellhäutige Gestalt, die sich so elegant über die Decke beugte, doch zunächst fiel mir nicht ein, an wen sie mich erinnerte. Doch … ja, natürlich. Sie hätte der hausbackenen Gestalt neben der Teekanne in Reverend Wakefields Studierzimmer zwar kaum unähnlicher sein können, doch ihr Tonfall war exakt derselbe wie bei Mrs. Graham gewesen.
Vielleicht war es ja eine Einstellung, die ihnen gemeinsam war, ein Pragmatismus, der das Okkulte nur als eine Ansammlung von Phänomenen betrachtete, so wie das Wetter. Etwas, dem man sich natürlich mit vorsichtigem Respekt annäherte – so, wie man ein scharfes Küchenmesser benutzte –, aber gewiss nichts, dem man aus dem Weg gehen oder das man fürchten musste.
Oder vielleicht war es auch der Lavendelwasserduft. Geilies lose, wallende Gewänder dufteten stets nach den Essenzen, die sie gerade destillierte: Ringelblume, Kamille, Lorbeer, Nardenöl, Minze, Majoran. Heute jedoch war es Lavendel, der aus den Falten des weißen Kleids aufstieg. Derselbe Duft, der auch Mrs. Grahams praktischer blauer Baumwolle entströmt und mir von ihrer knöchernen Brust entgegengestiegen war.
Falls auch Geilies Brust von solchen Skelettstützen getragen wurde, war davon trotz ihres tiefen Ausschnitts nichts zu sehen. Es war das erste Mal, dass ich Geillis Duncan en déshabillé sah; normalerweise trug sie die strengen, zugeknöpften, voluminösen Kleider, die sich für die Gemahlin des Fiskalprokurators geziemten. Die Opulenz ihrer Brüste, die sich mir jetzt enthüllte, überraschte mich – eine cremefarbene Fülle, die fast den gleichen Farbton hatte wie ihr Kleid und mir eine Ahnung davon vermittelte, warum ein Mann wie Arthur Duncan ein mittelloses Mädchen von unbedeutender Herkunft geheiratet haben mochte. Mein Blick wanderte unwillkürlich zu den ordentlich beschrifteten Gläsern an der Wand und suchte nach Salpeter.
Geilie wählte drei der Gläser auf dem Wandbord aus und schüttete jeweils ein wenig daraus in die Schale eines kleinen Kohlebeckens aus Metall. Die Holzkohle darunter zündete sie an der Kerze an und blies ermunternd auf die herandämmernde Flamme. Der Funke breitete sich aus, und duftender Rauch begann aufzusteigen.
Die Luft in der Dachkammer war so still, dass der gräuliche Rauch kerzengerade in die Höhe stieg, ohne sich zu verteilen, und eine Säule bildete, deren Form selbst an eine Kerze erinnerte. Geillis saß zwischen den beiden Säulen wie eine Priesterin im Tempel, die Beine elegant verschränkt.
»Das dürfte reichen, glaube ich.« Geillis strich sich energisch ein paar Rosmarinkrümel von den Fingern und ließ den Blick zufrieden über die Szene schweifen. Die schwarzen Vorhänge mit den mystischen Symbolen schlossen jeden aufdringlichen Sonnenstrahl aus, so dass die Kerze die einzige direkte Lichtquelle war. Die Flamme wurde durch das stille Wasser in der Schale nicht nur reflektiert, sondern das Wasser schien von innen zu leuchten, als sei es selbst eine Lichtquelle, nicht nur ein Spiegelbild.
»Und jetzt?«, fragte ich.
Geillis’ große grüne Augen leuchteten wie das Wasser, brennend und erwartungsvoll. Sie bewegte die Hände über die Oberfläche des Wassers hinweg, dann faltete sie sie zwischen ihren Beinen.
»Sitz einfach einen Moment still«, sagte sie. »Hör auf deinen Herzschlag. Hörst du ihn? Atme langsam und tief, ein und wieder aus.« Trotz ihres lebhaften Mienenspiels war ihre Stimme ruhig und gemessen, ganz anders als ihr üblicher fröhlicher Plauderton.
Gehorsam folgte ich ihren Anweisungen und spürte, wie sich mein Herzschlag verlangsamte und meine Atmung einen regelmäßigen Rhythmus annahm. Ich erkannte den Duft von Rosmarin in dem Rauch, war mir aber nicht sicher, was die beiden anderen Kräuter waren; Fingerhut vielleicht – oder Fingerkraut? Ich hatte gedacht, die purpurfarbenen Blüten wären möglicherweise Belladonna, aber das war ja wohl kaum möglich. Was auch immer es war, ich hatte nicht den Eindruck, dass die Langsamkeit meiner Atmung einzig auf Geilies Suggestivkräfte zurückzuführen war. Ich fühlte mich, als drückte ein Gewicht auf mein Brustbein, so dass sich meine Atmung ohne mein Dazutun verlangsamte.
Geilie selbst saß absolut still und beobachtete mich, ohne zu blinzeln. Auf einmal nickte sie, und ich senkte meine Augen gehorsam auf die reglose Oberfläche des Wassers.
Sie begann auf eine gelassene Weise zu reden, die mich erneut an Mrs. Graham erinnerte, als sie die Sonne in den Steinkreis rief.
Die Worte waren kein Englisch, und doch waren sie eigentlich auch nicht kein Englisch. Es war eine fremde Zunge, aber ich hatte das Gefühl, sie kennen zu müssen, als würden die Worte gerade so leise gesprochen, dass ich sie nicht ausmachen konnte.
Ich spürte, wie meine Hände taub wurden, und hätte sie gern von meinem Schoß gehoben, doch ich konnte sie nicht bewegen. Geilies ebenmäßige Stimme fuhr fort, leise und beschwörend. Was sie jetzt sagte, verstand ich, das wusste ich, doch die Worte konnte ich immer noch nicht an die Oberfläche meiner Gedanken holen.
Dumpf begriff ich, dass ich entweder hypnotisiert wurde oder unter dem Einfluss einer Droge stand, und mein Verstand klammerte sich an den Rand meines Bewusstseins und widersetzte sich dem Sog des süßlich duftenden Rauchs. Ich konnte mein Spiegelbild im Wasser sehen, die Pupillen stecknadelkopfgroß, die Augen riesig wie die einer geblendeten Eule. Das Wort »Opium« driftete mir durch die schwindenden Gedanken.