Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wer bist du?« Ich konnte nicht sagen, wer von uns die Frage gestellt hatte, doch ich spürte die Bewegung meiner Kehle, als ich antwortete. »Claire.«
»Wer hat dich hierhergeschickt?«
»Ich bin selbst gekommen.«
»Warum bist du gekommen?«
»Das kann ich nicht sagen.«
»Warum kannst du es nicht sagen?«
»Weil mir niemand glauben würde.«
Die Stimme in meinem Kopf wurde noch ruhiger, freundlicher, betörender.
»Ich werde dir glauben. Glaube mir. Wer bist du?«
»Claire.«
Ein plötzliches lautes Geräusch brach den Bann. Geilie fuhr zusammen und stieß mit dem Knie an die Schale, so dass sich mein Spiegelbild verzerrt im Wasser auflöste.
»Geillis? Liebes?«, rief eine Stimme vor der Tür, zurückhaltend und doch gebieterisch. »Wir müssen los, meine Liebe. Die Pferde sind fertig, und du bist noch nicht angezogen.«
Leise fluchend stand Geillis auf und öffnete ein Fenster. Die frische Luft wehte mir ins Gesicht, so dass ich blinzelte und sich ein Teil des Nebels in meinem Kopf auflöste.
Sie stand da und blickte nachdenklich auf mich hinunter, dann half sie mir auf.
»Komm mit«, sagte sie. »Ist dir ein bisschen komisch geworden? Das kommt manchmal vor. Am besten legst du dich auf mein Bett, während ich mich anziehe.«
Unten in ihrem Schlafzimmer legte ich mich flach auf den Bettüberwurf, lauschte Geilies leisem Rascheln in ihrer Toilettenkammer und fragte mich, was das soeben gewesen war. Es hatte jedenfalls nichts mit dem Talisman oder seinem Absender zu tun. Nur mit meiner Person. Während mein Verstand allmählich wieder klar wurde, kam mir der Gedanke, ob Geilie vielleicht für Colum spionierte. Dank ihrer Position bekam sie die Angelegenheiten – und die Geheimnisse – des ganzen Distrikts mit. Und wer außer Colum konnte sich so dafür interessieren, woher ich kam?
Was wäre geschehen, fragte ich mich, hätte Arthur die Beschwörung nicht unterbrochen? Hätte ich irgendwo in dem duftenden Nebel die übliche Formel des Hypnotiseurs gehört – »Wenn du aufwachst, wirst du dich an nichts erinnern«? Aber ich erinnerte mich an alles, und ich war voller Fragen.
Doch ich kam nicht dazu, sie Geilie zu stellen. Die Schlafzimmertür flog auf, und Arthur Duncan kam herein. Er ging zur Tür der Toilettenkammer, klopfte flüchtig und trat ein.
Im Inneren erscholl ein erschrockener Aufschrei, dann Totenstille.
Arthur Duncan erschien wieder in der Tür, die Augen weit aufgerissen und blindlings geradeaus gerichtet, das Gesicht so weiß, dass ich glaubte, er hätte womöglich irgendeinen Anfall. Ich sprang auf und eilte auf ihn zu, während er sich gegen den Türrahmen fallen ließ.
Doch ehe ich ihn erreichte, stieß er sich von der Tür ab und wankte aus dem Zimmer, an mir vorbei, als sähe er mich gar nicht.
Nun klopfte ich meinerseits an die Tür.
»Geilie? Fehlt dir etwas?«
Kurzes Schweigen, dann sagte eine gänzlich gefasste Stimme: »Nein. Ich komme sofort.«
Als wir schließlich die Treppe hinunterstiegen, trafen wir Arthur Duncan anscheinend einigermaßen erholt beim Brandy mit Jamie an. Er machte einen etwas abwesenden Eindruck, als dächte er über etwas nach, doch er begrüßte seine Frau mit einem freundlichen Kompliment über ihr Aussehen und ließ dann die Pferde holen.
Das Bankett begann gerade, als wir eintrafen, und man führte den Fiskalprokurator und seine Frau zu ihren Ehrenplätzen an der Kopfseite. Jamie und ich waren weniger prominent und nahmen an einem Tisch mit Rupert und Ned Gowan Platz.
Mrs. Fitz hatte sich selbst übertroffen und strahlte zufrieden angesichts der Komplimente, mit denen die Speisen und Getränke und die allgemeinen Vorbereitungen bedacht wurden.
Es war tatsächlich köstlich. Ich hatte noch nie mit Honigkastanien gefüllten Fasan gegessen und nahm mir gerade eine dritte Scheibe, als mich Ned Gowan, der meinen Appetit ein wenig belustigt beobachtete, fragte, ob ich das Spanferkel schon probiert hätte.
Meine Erwiderung wurde unterbrochen, weil am anderen Ende des Saals Bewegung aufkam. Colum hatte sich von seinem Tisch erhoben und kam auf mich zu, begleitet von Alec MacMahon.
»Ich sehe, dass Eure Talente kein Ende kennen, Mistress Fraser«, stellte Colum mit einer kleinen Verneigung fest. Ein breites Lächeln überzog sein faszinierendes Gesicht.
»Vom Verbinden von Wunden und Heilen der Kranken zum Entbinden von Fohlen. Demnächst werden wir Euch noch bitten, die Toten zu erwecken.« Allgemeines Glucksen folgte auf diese Worte, obwohl mir auffiel, dass ein oder zwei Männer nervöse Blicke auf Vater Bain warfen, der sich in der Ecke systematisch mit Hammel vollstopfte.
»Jedenfalls«, fuhr Colum fort und griff in seine Rocktasche, »müsst Ihr mir gestatten, Euch ein kleines Zeichen meiner Dankbarkeit zu überreichen.« Er reichte mir eine kleine Holzschatulle, in deren Deckel das Clansymbol der MacKenzies geschnitzt war. Mir war gar nicht klar gewesen, was für ein wertvolles Pferd Losgann war, und ich dankte im Geiste der guten Macht, die über solche Gelegenheiten wachte, dass nichts schiefgegangen war.
»Unsinn«, sagte ich und versuchte, es zurückzugeben. »Ich habe doch nichts Besonderes getan. Es war reines Glück, dass ich kleine Hände habe.«
»Trotzdem«, beharrte Colum mit fester Stimme. »Wenn es Euch lieber ist, betrachtet es als kleines Hochzeitsgeschenk, aber ich möchte, dass Ihr es nehmt.«
Auf Jamies Nicken hin nahm ich die Schatulle zögernd an und öffnete sie. Sie enthielt einen herrlichen Rosenkranz aus Gagat. Jede Perle war fein verziert, und das Kreuz war durch eine silberne Einlegearbeit geschmückt.
»Er ist wunderbar«, sagte ich aufrichtig. Und das stimmte, obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich damit tun sollte. Ich war zwar theoretisch katholisch, doch ich war schließlich von Onkel Lamb großgezogen worden, dem überzeugtesten Agnostiker der Welt, und ich hatte nur eine sehr vage Vorstellung von der Bedeutung eines Rosenkranzes. Dennoch dankte ich Colum herzlich und gab Jamie den Rosenkranz, damit er ihn für mich in seinem Sporran aufbewahrte.
Ich vollführte einen eleganten Hofknicks vor Colum, zufrieden, dass ich diese Kunst inzwischen beherrschte, ohne auf die Nase zu fallen. Er öffnete den Mund, um sich zu verabschieden, wurde aber von einem plötzlichen Krach hinter mir unterbrochen. Ich drehte mich um, sah aber nichts als Rücken und Köpfe, weil alle aufgesprungen waren, um zu sehen, woher der Aufruhr kam. Colum umrundete mühsam den Tisch und schob die Menge mit einer ungeduldigen Handbewegung beiseite. Als ihm die Leute respektvoll Platz machten, konnte ich Arthur Duncans rundliche Gestalt auf dem Boden liegen sehen. Er zuckte krampfhaft mit den Armen und Beinen und schlug alle helfenden Hände beiseite. Seine Frau schob sich durch die raunende Menge, sank neben ihm zu Boden und versuchte vergeblich, seinen Kopf in ihren Schoß zu legen. Der vom Schlag getroffene Mann grub die Fersen in den Boden, bäumte sich auf und stieß ein ersticktes Gurgeln aus.
Geilie blickte auf, und ihre grünen Augen schweiften nervös über die Menge hinweg, als suchten sie jemanden. Da ich vermutete, dass ich es war, die sie suchte, wählte ich den Weg des geringsten Widerstandes. Ich duckte mich unter den Tisch und kroch auf allen vieren zu ihr hinüber.
Bei Geillis angekommen, ergriff ich das Gesicht ihres Mannes und versuchte, ihm den Mund zu öffnen. Den Geräuschen nach, die er ausstieß, vermutete ich, dass er sich an einem Stück Fleisch verschluckt hatte, das ihm womöglich noch in der Luftröhre steckte.
Doch seine verkrampften Kiefer ließen sich nicht bewegen, und seine Lippen waren blau und mit schaumigem Speichel befleckt, der nicht dazu zu passen schien, dass er sich verschluckt hatte. Doch er war auf jeden Fall im Begriff zu ersticken; seine massige Brust hob sich vergeblich, während er gurgelnd nach Luft rang.