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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Mehr ließ sie sich nicht entlocken. Umweht von ihrem grünen Umhang, fuhr sie entschlossen herum und überließ es mir, ihr zu folgen.

Wir ritten weit in die Hügel hinauf – im Galopp, wenn die Straße es zuließ, im Schritt, wenn nicht. Ein gutes Stück jenseits des Dorfes hielt sie an einem kleinen, von Weiden überwucherten Bach.

Wir wateten zu Fuß durch den Bach und sammelten auf der anderen Seite die letzten späten Sommerpflanzen zusammen mit den ersten reifen Herbstbeeren und den dicken gelben Baumpilzen, die in den schattigen Talmulden wuchsen.

Geilies Gestalt verschwand über mir im Farn, während ich stehen blieb, um etwas Espenrinde in meinen Korb zu schaben. Die getrockneten Harzkügelchen auf der papiernen Rinde sahen aus wie erstarrte Blutstropfen, aus denen mir das gefangene Sonnenlicht entgegenglänzte.

Ein Geräusch riss mich aus meinen Gedanken, und ich blickte bergauf in die Richtung, aus der es zu kommen schien.

Wieder hörte ich das Geräusch, ein schrilles, jammerndes Weinen. Es schien von oben zu kommen, aus einer Felsmulde in der Nähe des Gipfels. Ich stellte meinen Korb hin und begann hinaufzuklettern.

»Geilie!«, rief ich. »Komm her! Jemand hat hier ein Baby ausgesetzt!«

Das Scharren ihrer Schritte und leise Verwünschungen eilten ihr voraus, während sie sich durch das dichte Gebüsch bergauf kämpfte. Ihr helles Gesicht war errötet und gereizt, und sie hatte Zweige im Haar.

»Was in Gottes Namen …«, begann sie, und dann schoss sie auf mich zu. »Himmelherrgott! Leg es wieder hin!« Sie riss mir das Baby hastig aus den Armen und legte es wieder an die Stelle, wo ich es gefunden hatte, eine kleine Mulde im Fels. Die glatte Felsenschüssel war weniger als einen Meter groß. Auf der einen Seite stand eine flache Holzschale, die halb mit frischer Milch gefüllt war, und zu Füßen des Babys lag ein kleiner Wildblumenstrauß, der mit einem roten Faden zusammengebunden war.

»Aber es ist doch krank!«, protestierte ich und bückte mich erneut nach dem Baby. »Wer lässt denn ein krankes Kind allein hier oben?«

Es war nicht zu übersehen, dass das Baby krank war; sein kleines, verkniffenes Gesicht war grünlich verfärbt, es hatte dunkle Ringe unter den Augen, und die kleinen Fäuste unter der Decke bewegten sich nur schwach. Das Kind hatte mir schlaff in den Armen gehangen, als ich es aufhob; ein Wunder, dass es überhaupt die Kraft gehabt hatte zu weinen.

»Seine Eltern«, sagte Geillis und legte mir die Hand auf den Arm, um mich zurückzuhalten. »Lass es liegen! Verschwinden wir von hier.«

»Seine Eltern?«, sagte ich bestürzt. »Aber …«

»Es ist ein Wechselbalg«, sagte sie ungeduldig. »Lass es liegen und komm. Schnell!«

Sie zerrte mich hinter sich her und duckte sich wieder ins Unterholz. Ich folgte ihr protestierend, bis wir atemlos mit roten Köpfen am Fuß des Hügels ankamen, wo ich sie zum Anhalten zwang.

»Was soll das?«, wollte ich wissen. »Wir können doch nicht einfach ein krankes Kind so im Freien liegen lassen. Und wie meinst du das, es ist ein Wechselbalg?«

»Ein Wechselbalg«, sagte sie ungeduldig. »Du weißt doch wohl, was ein Wechselbalg ist? Wenn die Elfen ein Menschenkind stehlen, lassen sie eins der ihren an seiner Stelle zurück. Man weiß, dass es ein Wechselbalg ist, weil es unablässig weint und jammert und nicht wächst und gedeiht.«

»Natürlich weiß ich das«, sagte ich. »Aber du glaubst doch diesen Unsinn nicht, oder?«

Sie sah mich plötzlich merkwürdig an, voll Misstrauen und Argwohn. Dann entspannte sich ihr Gesicht und nahm seine normale, halb belustigte und zynische Miene wieder an.

»Nein, ich glaube ihn nicht«, räumte sie ein. »Aber die Leute hier tun es.« Sie blickte nervös bergauf, doch es kam kein Geräusch mehr aus der Felsenmulde. »Die Familie wird irgendwo in der Nähe sein. Gehen wir.«

Widerstrebend ließ ich mich von ihr in Richtung des Dorfes ziehen.

»Warum wurde es denn dort oben hingelegt?«, fragte ich und setzte mich auf einen Felsen, um mir die Strümpfe auszuziehen, ehe wir erneut einen Bach durchwateten. »Hoffen die Eltern, dass das Alte Volk kommt und es gesund macht?« Ich machte mir nach wie vor Gedanken wegen des Kindes; es schien ernsthaft krank zu sein. Ich wusste zwar nicht, was ihm fehlte, aber möglicherweise konnte ich ja helfen.

Vielleicht würde es mir im Dorf gelingen, mich von Geillis zu trennen und noch einmal zu dem Kind zurückzukehren. Doch es würde bald sein müssen; ich blickte nach Osten, wo graue Regenwolken rasch das Violett der Abenddämmerung annahmen. Im Westen leuchtete der Himmel zwar noch rötlich, doch es würde nicht mehr viel länger als eine halbe Stunde hell sein.

Geilie legte sich den Weidengriff ihres Korbes um den Hals, raffte ihren Rock und ging ins Wasser, wo sie vor Kälte erschauerte.

»Nein«, antwortete sie. »Oder besser: ja. Das hier ist ein Feenhügel, und es ist gefährlich, hier zu schlafen. Wenn man ein Wechselbalg an einem solchen Ort zurücklässt, kommt das Volk und nimmt es zurück und legt das gestohlene Menschenkind an seine Stelle.«

»Aber das wird nicht geschehen, weil es kein Wechselbalg ist«, sagte ich und hielt den Atem an, als mich das eisige Wasser berührte. »Es ist einfach nur ein krankes Kind. Und es ist gut möglich, dass es die Nacht im Freien nicht überlebt.«

»Das wird es auch nicht«, sagte sie knapp. »Morgen früh wird es tot sein. Und ich hoffe bei Gott, dass uns niemand in seiner Nähe gesehen hat.«

Ich war gerade dabei, mir die Schuhe wieder anzuziehen, und hielt abrupt inne.

»Tot! Geilie, ich gehe es holen. Ich kann es doch nicht dortlassen.« Ich drehte mich um und stieg zurück in den Bach.

Sie erwischte mich von hinten und schubste mich bäuchlings in das flache Wasser. Keuchend schlug ich um mich und schaffte es, mich spritzend auf die Knie aufzurichten. Geilie stand mit nassen Röcken bis zur Wade im Wasser und funkelte mich an.

»Du verflixte, sturköpfige englische Idiotin!«, schrie sie mich an. »Du kannst nicht das Geringste tun! Hörst du mich? Nichts! Das Kind ist so gut wie tot! Ich werde nicht hier herumstehen und zulassen, dass du mein Leben und deins wegen deiner verrückten Vorstellungen aufs Spiel setzt!« Prustend und schimpfend streckte sie die Hände aus, packte mich unter den Armen und zog mich hoch.

»Claire«, sagte sie eindringlich und schüttelte mich an den Armen. »Hör mir zu. Wenn du in die Nähe dieses Kindes gehst und es stirbt – und es wird sterben, glaub mir, ich sehe das nicht zum ersten Mal –, dann wird die Familie dir die Schuld dafür geben. Siehst du denn nicht, wie gefährlich das ist? Weißt du nicht, was sie sich im Dorf über dich erzählen?«

Ich stand zitternd im kalten Wind des Sonnenuntergangs, hin- und hergerissen zwischen ihrer panischen Sorge um meine Sicherheit und dem Gedanken an ein hilfloses Kind, das langsam allein im Dunkeln starb, mit Blumen zu seinen Füßen.

»Nein«, sagte ich und schüttelte mir die nassen Haare aus dem Gesicht. »Geillis, nein, ich kann es nicht. Ich verspreche dir, dass ich vorsichtig bin, aber ich muss einfach gehen.« Ich riss mich von ihr los, wandte mich dem anderen Ufer zu und stolperte platschend durch die trügerischen Schatten des Bachbetts.

Hinter mir erscholl ein gedämpfter Ausruf der Ungeduld, dann hastiges Platschen in die andere Richtung. Nun, wenigstens würde sie mir nicht mehr im Weg sein.

Es wurde jetzt dunkel, und ich schob mich so schnell wie möglich durch das Gebüsch. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Hügel wiederfinden würde, wenn es dunkel wurde; die ganze Gegend war ja hügelig. Und auch ohne Elfen war mir die Vorstellung, hier allein im Dunkeln umherzustolpern, alles andere als geheuer. Mit der Frage, wie ich es mit einem kranken Baby zurück zur Burg schaffen würde, würde ich mich befassen, wenn es so weit war.

Schließlich erkannte ich ein paar junge Lärchen am Fuß des Hügels wieder. Inzwischen war es fast dunkel, ein mondloser Abend. Immer wieder stolperte ich und fiel hin. Die Lärchen drängten sich umeinander und unterhielten sich leise klappernd und raschelnd im Abendwind.

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