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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Aber das Wild, MacKenzie, das Wild!«, rief der Herzog irgendwann aus und verdrehte ekstatisch die Augen. »Ich konnte es kaum glauben. Kein Wunder, dass Euer Tisch so exzellent gedeckt ist.« Er tätschelte sich sacht den ausladenden Bauch. »Ich schwöre, ich würde alles darum geben, mich an einem Hirsch zu versuchen, wie wir ihn vor zwei Tagen gesehen haben; phantastisch, einfach phantastisch. Er kam direkt vor der Kutsche aus dem Gebüsch gesprungen, meine Liebe«, vertraute er mir an. »Hat die Pferde so erschreckt, dass wir um ein Haar wieder von der Straße abgekommen wären!«

Colum hob seine glockenförmige Karaffe und zog fragend die Augenbraue hoch. Während er Wein in die Gläser schenkte, die man ihm entgegenhielt, sagte er: »Nun, vielleicht können wir ja eine Jagd für Euch arrangieren, Durchlaucht. Mein Neffe ist ein guter Jäger.« Er richtete den Blick verstohlen, aber scharf auf Jamie, der ihm mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken antwortete.

Colum stellte die Karaffe wieder hin, lehnte sich zurück und setzte beiläufig hinzu: »Aye, also schön. Sagen wir Anfang nächster Woche. Es ist noch zu früh für Fasane, aber bestens für Rotwild.« Er wandte sich an Dougal, der neben ihm auf einem gepolsterten Sessel saß. »Möglicherweise kann Euch mein Bruder begleiten; wenn Ihr Euch nordwärts wendet, kann er Euch nämlich die Gegend zeigen, über die wir uns vorhin unterhalten haben.«

»Ein kapitaler Vorschlag!« Der Herzog war entzückt. Er klopfte Jamie auf das Bein; ich sah, wie dieser die Muskeln anspannte, doch er regte sich nicht. Er lächelte seelenruhig vor sich hin, und der Herzog ließ seine Hand ein paar Sekunden zu lange liegen. Dann bemerkte Seine Durchlaucht meinen Blick und lächelte mich jovial an, als wollte er sagen: »Den Versuch war’s doch wert, oder?« Unwillkürlich erwiderte ich sein Lächeln. Zu meiner großen Überraschung war mir der Mann sympathisch.

In der Aufregung um die Ankunft des Herzogs hatte ich gar nicht mehr an Geilies Angebot gedacht, mit mir herauszufinden, von wem der Talisman stammte. Aber nach der unerfreulichen Szene mit dem Wechselbalg auf dem Feenhügel war ich mir auch gar nicht mehr sicher, ob ich ihre Methode ausprobieren wollte.

Doch meine Neugier war größer als mein Argwohn, und als Colum Jamie zwei Tage später bat, ins Dorf zu reiten und die Duncans zum Bankett des Herzogs abzuholen, begleitete ich ihn.

So kam es, dass Jamie und ich uns am Donnerstag im Salon der Duncans wiederfanden, wo uns der Prokurator mit einer Art unbeholfener Freundlichkeit bewirtete, während sich seine Frau oben umzog. Arthur hatte sich zwar weitgehend von den Folgen seiner letzten Magenattacke erholt, aber übermäßig gesund sah er immer noch nicht aus. Wie so oft, wenn fette Männer zu schnell abnehmen, hatte nicht sein Bauch an Masse verloren, sondern sein Gesicht. Seine Wampe prangte unverändert stramm unter seiner grünen Seidenweste, während ihm die Haut in wabbeligen Falten im Gesicht hing.

»Vielleicht sollte ich nach oben gehen und sehen, ob ich Geilie bei ihrem Haar helfen kann«, meinte ich. »Ich habe ihr ein neues Haarband mitgebracht.« In weiser Voraussicht hatte ich ein kleines Päckchen dabei, um eine Ausrede zu haben, mich unter vier Augen mit Geilie zu unterhalten. Das zog ich jetzt hervor und war schon zur Tür hinaus und auf der Treppe, ehe Arthur protestieren konnte.

Sie wartete bereits auf mich.

»Komm mit«, sagte sie, »wir gehen dazu in mein privates Zimmer. Wir müssen uns beeilen, aber es wird nicht lange dauern.«

Ich folgte Geilie die schmale, gewundene Treppe hinauf. Die Stufen waren unregelmäßig hoch; einige waren so steil, dass ich meine Röcke raffen musste, um nicht zu stolpern. Ich kam zu dem Schluss, dass die Zimmerleute des siebzehnten Jahrhunderts entweder nicht vernünftig messen konnten oder einen ausgeprägten Sinn für Humor besaßen.

Geilies Allerheiligstes befand sich ganz oben im Haus in einer abgelegenen Dachkammer über den Dienstbotenzimmern. Es wurde von einer verschlossenen Tür behütet, deren wahrhaft beeindruckenden Schlüssel Geillis jetzt aus ihrer Schürzentasche holte; er musste mindestens fünfzehn Zentimeter lang sein und hatte einen großen, mit einem geschmiedeten Pflanzenmuster verzierten Griff. Der Schlüssel musste fast ein Pfund wiegen; wenn man ihn am Bart packte, wäre er auch gut als Waffe zu gebrauchen gewesen. Schloss und Scharniere waren gut geölt, und die dicke Tür schwang lautlos nach innen.

Die Dachkammer war klein, weil die Dachgauben im Weg waren, die sich über die Vorderseite des Hauses zogen. Hier erstreckten sich Regalborde mit Gläsern, Flaschen, Flakons und Bechern über jeden Zentimeter der Wand. Trocknende Kräuter hingen in Reih und Glied an den Dachbalken, sorgsam mit Fäden in unterschiedlichen Farben zusammengebunden. Als ich darunter hinwegging, regnete mir duftender Staub auf das Haar herunter.

Dies hier hatte keinerlei Ähnlichkeit mit der nüchternen Ordnung der Kräuterkammer in der unteren Etage. Diese Kammer war von oben bis unten vollgestopft, und trotz der Gaubenfenster war sie dunkel.

Ich entdeckte ein Regal voller Bücher, zum Großteil alt und brüchig, die Rücken unbeschriftet. Neugierig strich ich mit dem Finger über die Reihe der Lederbände. Die meisten waren in Kalbsleder gebunden, doch zwei oder drei hatten Einbände aus einem anderen Material, weich, aber unangenehm ölig. Und eines schien tatsächlich in die Haut eines Fischs eingebunden zu sein. Ich zog ein Buch heraus und öffnete es vorsichtig. Es war von Hand in einer Mischung aus archaischem Französisch und noch weniger gebräuchlichem Latein verfasst, aber ich konnte den Titel ausmachen. L’Grimoire d’le Comte St. Germain.

Ich schloss das Buch und stellte es etwas erschrocken zurück. Ein Grimoire. Ein Handbuch der Magie. Ich konnte spüren, wie sich Geilies Blick in meinen Rücken bohrte, und als ich mich umdrehte, sah sie mir mit einer Mischung aus Spitzbüberei und argwöhnischer Spekulation entgegen. Was würde ich tun, jetzt, da ich es wusste?

»Dann ist es also mehr als nur ein Gerücht?«, sagte ich. »Du bist tatsächlich eine Hexe.« Ich fragte mich, wie weit ihr Können tatsächlich ging und ob sie es selbst glaubte oder ob dies nur die äußeren Zeichen einer ausgeklügelten Scheinwelt waren, in die sie sich aus der Langeweile ihrer Ehe mit Arthur flüchtete. Außerdem fragte ich mich, welche Art von Magie sie wohl praktizierte – oder zu praktizieren glaubte.

»Oh, weiße«, sagte sie grinsend. »Definitiv weiße Magie.«

Innerlich seufzend dachte ich, dass Jamie anscheinend recht hatte, was mein Gesicht betraf – jeder schien sehen zu können, was ich gerade dachte.

»Dann ist es ja gut«, erwiderte ich. »Ich habe nämlich nicht viel dafür übrig, um Mitternacht um einen Scheiterhaufen zu tanzen oder auf einem Besen zu reiten, ganz zu schweigen davon, dem Teufel in den Hintern zu kriechen.«

Geilie warf ihr Haar zurück und lachte herzhaft.

»Du kriechst überhaupt niemandem in den Hintern, das kann ich sehen«, sagte sie. »Ich auch nicht. Obwohl, wenn ich so einen schönen feurigen Teufel im Bett hätte wie du, wer weiß …«

»Was mich daran erinnert …«, begann ich, doch sie hatte sich schon wieder abgewandt und befasste sich murmelnd mit ihren Vorbereitungen.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die Tür fest hinter uns geschlossen war, ging Geilie zum Fenster und kramte in einer Truhe, die in die Fensterbank eingebaut war. Sie zog eine große flache Schale heraus und eine weiße Kerze in einem Keramikständer. Weiteres Graben brachte eine abgenutzte Decke zum Vorschein, die sie zum Schutz vor Staub und Splittern auf den Boden legte.

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