Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ein einzelner Rabe flog aus dem Gehölz auf. Er hielt auf sie zu, schrie und wirbelte Richtung Süden. Er wußte, daß er zu spät dran war, aber trotzdem nestelte Perrin irgendwie seine Schleuder aus ihrer Halterung an seiner Hüfte. Er bemühte sich noch, einen Stein aus seiner Tasche in die Schlinge zu legen, als der Rabe plötzlich in der Luft die Flügel anlegte und wie ein Stein zu Boden stürzte. Sein Mund klappte auf, und dann sah er die Schleuder in Egwenes Hand. Sie grinste ihn unsicher an.
»Steht nicht da herum und zählt eure Zehen!« rief Elyas.
Aufschreckend hastete Perrin unter die Bäume und sprang dann schnell aus dem Weg, um nicht von Bela mit Egwene darauf niedergetrampelt zu werden.
Fern im Westen, beinahe außer Sichtweite, erhob sich etwas in die Luft, das wie ein dunkler Dunstschleier wirkte. Perrin fühlte, wie die Wölfe auf dem Weg nach Norden dessen Weg kreuzten. Er fühlte, wie sie zur Rechten und zur Linken Raben bemerkten, ihr Tempo aber nicht verringerten. Der dunkle Schleier schwirrte nach Norden, als wolle er die Wölfe verfolgen, drehte dann aber plötzlich nach Süden ab.
»Glaubst du, sie haben uns gesehen?« fragte Egwene. »Wir waren doch schon unter den Bäumen, oder? Sie konnten uns auf die Entfernung bestimmt nicht sehen. Oder doch?«
»Wir haben sie auf die Entfernung gesehen«, sagte Elyas trocken. Perrin trat unsicher von einem Fuß auf den anderen, und Egwene atmete angstvoll ein. »Wenn sie uns gesehen hätten«, grollte Elyas, »dann wären sie auf uns heruntergestoßen wie auf diesen Fuchs. Ihr müßt euren Verstand gebrauchen, wenn ihr am Leben bleiben wollt. Die Angst wird euch umbringen, wenn ihr sie nicht beherrscht.« Sein durchdringender Blick traf jeden der beiden einen Moment lang. Schließlich nickte er. »Sie sind jetzt weg, und das sollten wir auch sein. Haltet die Schleudern bereit. Könnten wieder nützlich sein.«
Als sie aus dem Wäldchen heraustraten, ließ Elyas sie ein wenig westlich von ihrem bisherigen Kurs weitergehen. Perrin blieb beinahe die Luft weg: Es war, als jagten sie diese letzten Raben, die sie gesehen hatten. Elyas lief unermüdlich weiter, und sie konnten nichts anderes tun, als ihm zu folgen. Schließlich kannte Elyas einen sicheren Ort. Irgendwo. Sagte er.
Sie rannten zur nächsten Erhebung, warteten, bis die Raben weiterflogen, und rannten wieder, warteten und rannten. Die gleichmäßige Gangart von vorher war schon ermüdend genug gewesen, aber bei diesem unregelmäßigen Rennen erlahmten alle außer Elyas schnell. Perrins Brustkorb drohte zu zerspringen, und er sog gierig die Luft ein, als er auf einem Hügelkamm liegend ein paar Minuten Zeit hatte und Elyas die Suche überließ. Bela stand bei jedem Halt mit gesenktem Kopf und geblähten Nüstern da. Die Angst trieb sie voran, und Perrin wußte nicht, ob er sie beherrschte oder nicht. Er wünschte nur, die Wölfe würden ihnen mitteilen, was hinter ihnen her war, falls etwas hinter ihnen her war, was es auch sein mochte.
Voraus befanden sich mehr Raben, als Perrin jemals wieder sehen wollte. Die schwarzen Vögel flogen in Wolken links und rechts und im Süden auf. Dutzendmal erreichten sie das Versteck eines Wäldchens oder den spärlichen Schutz eines Abhangs nur Augenblicke bevor Raben über den Himmel fegten. Einmal — die Sonne sank gerade von ihrer Mittagshöhe herab — standen sie im Freien wie zu Statuen erstarrt, während hundert gefiederte Spione des Dunklen Königs eine knappe Meile von ihnen entfernt nach Osten schossen. Trotz des Windes lief Perrin der Schweiß übers Gesicht, bis der letzte schwarze Umriß zu einem Punkt zusammengeschrumpft und verschwunden war. Er zählte die Einzelgänger nicht mehr, die sie mit ihren Schleudern erlegten.
Er sah auf dem Weg, den die Raben zurückgelegt hatten, genügend Anzeichen dafür, daß ihre Furcht gerechtfertigt war. Mit aufsteigender Übelkeit hatte er ein Kaninchen angestarrt, das zu Fetzen zerrissen worden war. Der augenlose Schädel stand aufrecht, und die anderen Stücke — Läufe, Eingeweide — waren in einem unregelmäßigen Kreis darum herum verstreut. Auch Vögel hatten sie zu formlosen Federklumpen zerhackt. Und noch zwei weitere Füchse.
Er erinnerte sich an etwas, was Lan gesagt hatte. Alle Kreaturen des Dunklen Königs töten aus Lust daran. Die Macht des Dunklen Königs ist der Tod. Und falls die Raben sie fanden? Gnadenlose Augen, die wie schwarze Perlen schimmerten. Hackende Schnäbel überall um sie herum. Nadelspitze Schnäbel, die sie blutig hackten. Hundert? Oder können sie noch mehr von ihrer Sorte herbeirufen? Vielleicht alle, die an der Jagd beteiligt sind? Ein Bild entstand in seinem Geist, das ihn krank machte: ein hügelgroßer Haufen von Raben, wie Würmer durcheinanderkrabbelnd, die sich um ein paar blutige Fetzen rissen.
Plötzlich wurde dieses Bild von anderen verdrängt, jedes zu Beginn einen Moment lang klar, die dann wirbelten und sich neue formten. Die Wölfe hatten im Norden Raben vorgefunden. Kreischende Vögel stießen auf sie herab, flatterten auf und stießen wieder herab. Bei jedem Angriff ließen sie blutige Spuren zurück. Knurrende Wölfe wichen aus, sprangen hoch und drehten sich in der Luft mit schnappenden Kiefern herum. Wieder und wieder spürte Perrin Federn im Mund und den fauligen Geschmack flatternder Raben, die von den kräftigen Kiefern zermalmt wurden. Er spürte den Schmerz von blutenden Rissen am ganzen Körper und wußte — verzweifelt, doch nie auch nur in Gedanken aufgebend -, daß all seine Mühe vergebens war. Plötzlich wirbelten die Raben davon, kreisten mit einem letzten Kreischen der Wut über den Wölfen. Wölfe starben nicht so schnell wie Füchse, und sie hatten eine Aufgabe zu erfüllen. Ein kurzes Schlagen schwarzer Flügel, und sie waren weg. Ein paar schwarze Federn trieben herunter und senkten sich auf ihre Toten. Wind leckte über ein Loch in seinem linken Vorderbein. Mit einem von Springers Beinen stimmte auch etwas nicht. Scheckie ignorierte ihre eigenen Verwundungen und trieb sie mit schmerzerfüllten Sätzen in die Richtung, die die Raben genommen hatten. Ihr Fell war blutverschmiert. Wir kommen. Gefahr kommt noch vor uns.
In taumelndem Trab begriffen, sahen Perrin und Elyas einander an. Die gelben Augen des Mannes waren ausdruckslos, doch er wußte Bescheid. Er sagte nichts, beobachtete lediglich Perrin und wartete, ohne dieses mühelos scheinende Laufen zu unterbrechen.
Er wartet auf mich. Wartet darauf, daß ich zugebe, die Wölfe fühlen zu können.
»Raben«, schnaufte Perrin zögernd. »Hinter uns.«
»Er hatte recht«, hauchte Egwene. »Du kannst mit ihnen sprechen.«
Perrins Füße schienen ihm wie Eisenklumpen an Holzpfosten zu hängen, doch er bemühte sich, sie noch schneller zu bewegen. Wenn er nur schneller als diese Augen rennen könnte, schneller als die Raben, schneller als die Wölfe, aber vor allem schneller als Egwenes Blick! Nun hatte sie ihn durchschaut, wußte, was er war. Was bist du denn? Gezeichnet, Licht noch mal! Verflucht!
Seine Kehle brannte, wie sie selbst in Rauch und der Hitze von Meister Luhhans Schmiede nicht gebrannt hatte. Er taumelte und hängte sich an Egwenes Steigbügel, bis sie herabkletterte und ihn trotz seiner Proteste beinahe in den Sattel hob. Allerdings dauerte es nicht lang, und sie hielt sich mit einer Hand am Steigbügel fest, während sie mit der anderen ihre Röcke hochraffte. Kurze Zeit später stieg er mit wackligen Knien ab. Er mußte sie hochheben, damit sie seinen Platz übernehmen konnte, und sie war zu müde, um sich dagegen zu wehren.
Elyas dachte nicht daran, langsamer zu gehen. Er trieb sie an, schimpfte mit ihnen, und sie hielten sich so nah hinter den suchenden Raben im Süden, daß Perrin glaubte, ein Blick eines der Raben nach hinten würde genügen. »Bewegt euch gefälligst, Licht noch mal! Glaubt ihr, euch wurde es besser gehen als dem Fuchs, wenn sie uns fangen? Dem sie die Eingeweide auf den Schädel geworfen haben?« Egwene wankte aus dem Sattel und übergab sich geräuschvoll. »Ich wußte doch, daß ihr euch daran erinnert. Lauft nur noch ein Stück weiter! Das ist alles. Nur ein bißchen weiter noch. Das Licht versenge euch, aber ich dachte, Bauernkinder seien ausdauernd. Den ganzen Tag arbeiten und die Nacht durchtanzen. Es sieht eher so aus, als hättet ihr den ganzen Tag und die ganze Nacht über geschlafen! Bewegt eure blutigen Füße!«