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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Ja«, sagte er schlicht.

Am Ende erzählte ich Jamie nur von Colums Plan, ihn mit dem Herzog auf die Jagd zu schicken. Ich war zwar inzwischen überzeugt, dass er nicht mehr als ritterliche Freundschaft gegenüber Laoghaire empfand, doch ich wusste ja nicht, was er tun würde, wenn er erfuhr, dass sein Onkel das Mädchen verführt und geschwängert hatte. Anscheinend hatte Colum nicht vor, in diesem Notfall auf Geillis Duncans Dienste zurückzugreifen; ich fragte mich, ob man das Mädchen mit Dougal verheiraten würde oder ob Colum einen anderen Mann für sie finden würde, ehe man ihren Bauch zu sehen begann. Jedenfalls hielt ich es für besser, Laoghaire außen vor zu halten, wenn Jamie und Dougal tagelang zusammen in einer Jagdhütte hockten.

»Hm«, sagte er nachdenklich. »Den Versuch ist es wert. Es entsteht Kameradschaft, wenn man den ganzen Tag auf der Jagd ist und abends zurückkommt, um am Feuer Whisky zu trinken.« Er verschloss mir das Kleid im Rücken und bückte sich kurz, um mir einen Kuss auf die Schulter zu drücken.

»Ich lasse dich ja nur ungern allein, Sassenach, aber vielleicht ist es wirklich das Beste.«

»Mach dir keine Gedanken um mich.« Mir war gar nicht klar gewesen, dass seine Abreise natürlich bedeutete, dass ich allein in der Burg zurückblieb. Und der Gedanke machte mich mehr als nur ein bisschen nervös. Dennoch war ich fest entschlossen zurechtzukommen, wenn es ihm half.

»Bist du fertig für das Abendessen?«, fragte ich. Seine Hand verweilte auf meiner Taille, und ich drehte mich zu ihm um.

»Mmm«, murmelte er eine Minute später. »Ich wäre auch bereit zu hungern.«

»Nun, ich aber nicht«, sagte ich. »Du wirst eben warten müssen.«

Ich sah mich am Tisch und im Speisesaal um. Inzwischen kannte ich die meisten Gesichter, manche sogar sehr gut. Was für ein zusammengewürfelter Haufen sie waren, dachte ich. Frank wäre fasziniert gewesen – so viele unterschiedliche Gesichtstypen.

An Frank zu denken war, wie einen schmerzenden Zahn anzufassen; ich ließ möglichst die Finger davon. Doch der Zeitpunkt, an dem kein weiterer Aufschub möglich war, rückte näher, und ich zwang mich dazu, malte mir Frank vor meinem inneren Auge aus, zeichnete in Gedanken die langen, feinen Bögen seiner Augenbrauen nach, so, wie ich sie einst mit den Fingern nachgezeichnet hatte – auch wenn meine Finger plötzlich kribbelten, weil sie sich an gröbere, dichtere Augenbrauen erinnerten und an das tiefe Blau der Augen darunter.

Als Gegenmittel gegen solch verstörende Gedanken wandte ich mich dem nächstbesten Gesicht zu. Zufällig war es Murtagh. Nun, zumindest sah er keinem der beiden Männer ähnlich, die mir im Kopf herumspukten.

Kurz und schmal, aber sehnig wie ein Gibbon, mit langen Armen, die die Affenähnlichkeit noch verstärkten. Seine niedrige Stirn und das schmale Kinn erinnerten mich irgendwie an Höhlenbewohner und die Bilder der Frühzeitmenschen in Franks Lehrbüchern. Allerdings kein Neanderthaler. Eine Pikte. Das war es. Der knorrige Schotte hatte etwas Unverwüstliches an sich, das mich an die verwitterten, mit Mustern behauenen Steine erinnerte, die jetzt schon uralt waren und unerbittlich an Wegkreuzungen und Begräbnisstätten wachten.

Weil ich diesen Gedanken unterhaltsam fand, betrachtete ich die anderen Speisenden auf ihre ethnischen Typen hin. Der Mann am Kamin zum Beispiel, John Cameron hieß er, war ein Normanne, wenn ich je einen gesehen hatte – nicht dass ich je einen gesehen hätte; hohe Wangenknochen, hohe, schmale Stirn, breite Oberlippe und die dunkle Haut eines Galliers.

Hier und da ein sächsischer Typ … ah, Laoghaire, das perfekte Beispiel. Hellhäutig, blauäugig und ein bisschen rundlich … diese kleinliche Beobachtung unterdrückte ich allerdings. Sie vermied es sorgsam, sowohl mich als auch Jamie anzusehen, und plauderte an einem der hinteren Tische lebhaft mit ihren Freundinnen.

Ich blickte in die andere Richtung zum Nebentisch, wo Dougal MacKenzie saß, ausnahmsweise getrennt von Colum. Ein verdammter Wikinger. Mit seiner eindrucksvollen Körpergröße und den breiten, flachen Wangenknochen konnte ich ihn mir gut als Kapitän eines Drachenschiffs vorstellen, in dessen tief liegenden Augen Gier und Lust aufglänzten, während er im Nebel ein Dorf an der Felsenküste betrachtete.

Eine große Hand mit Kupferflaum auf dem Handgelenk griff an mir vorbei, um einen kleinen Haferbrotlaib vom Tablett zu nehmen. Auch so ein Nordmann, Jamie. Er erinnerte mich an Mrs. Bairds Legenden von der Riesenrasse, die einst in Schottland wandelte und ihre langen Gebeine im Norden zur Ruhe legte.

Das Tischgespräch war wie immer ganz allgemein gehalten; die Leute plauderten beim Essen in kleinen Grüppchen. Doch auf einmal fingen meine Ohren einen vertrauten Namen auf, der am Nebentisch ausgesprochen wurde. Sandringham. Ich glaubte, dass es Murtaghs Stimme war, und drehte mich um. Er saß neben Ned Gowan und kaute geschäftig.

»Sandringham? Ah, Willie, der alte Arschbandit«, sagte Ned meditativ.

»Was?«, fragte einer der jüngeren Männer und verschluckte sich prompt an seinem Ale.

»Unser geschätzter Herzog hat eine gewisse Vorliebe für Jungen, zumindest soweit ich weiß«, klärte Ned ihn auf.

»Mmm«, bestätigte Rupert mit vollem Mund. Er schluckte und fügte hinzu: »Bei seinem letzten Besuch galt seine Vorliebe vor allem unserem Jamie, wenn ich mich recht erinnere. Das war wann, Dougal? Achtunddreißig? Neununddreißig?«

»Siebenunddreißig«, antwortete Dougal am Nebentisch. Er fixierte seinen Neffen scharf. »Du warst wirklich hübsch mit sechzehn, Jamie.«

Jamie nickte kauend. »Aye. Und schnell.«

Als das Gelächter verstummt war, begann Dougal, Jamie zu hänseln.

»Ich habe gar nicht gewusst, dass er dich im Visier hatte, Jamie. Du wärst nicht der Einzige im Umfeld des Herzogs, der einen wunden Hintern gegen Land oder Ämter eingetauscht hätte.«

»Möglicherweise ist dir ja aufgefallen, dass ich keins von beidem habe«, erwiderte Jamie unter tosendem Gelächter und grinste.

»Was? Nicht einmal dicht dran gewesen?«, sagte Rupert, geräuschvoll kauend.

»Ehrlich gesagt viel dichter, als es mir lieb war.«

»Ah, aber wie dicht wär’s dir denn lieb gewesen, Junge?«, rief eine andere Stimme an unserem Tisch, ein hochgewachsener Mann mit einem braunen Bart, den ich nicht kannte, gefolgt von weiterem Gelächter und derben Sprüchen. Jamie lächelte seelenruhig und streckte den Arm noch einmal nach dem Brot aus, ohne sich von den Hänseleien stören zu lassen.

»Bist du deswegen so plötzlich fort aus der Burg und wieder zu deinem Vater?«, fragte Rupert.

»Aye.«

»Aber Jamie, Junge, du hättest mir doch sagen sollen, dass du solche Schwierigkeiten hattest«, sagte Dougal mit gespielter Betroffenheit. Jamie stieß einen leisen schottischen Kehllaut aus.

»Jaja, und wenn ich es dir gesagt hätte, du alter Schurke, hättest du mir eines Abends einen Schluck Mohnsirup in mein Bier geschmuggelt und mich Seiner Durchlaucht als kleines Geschenk ins Bett gelegt.«

Der ganze Tisch brüllte, und Jamie duckte sich, als Dougal eine Zwiebel nach ihm warf.

Rupert blinzelte Jamie an. »Ich meine aber, Junge, dass ich eines Abends kurz vor deiner Abreise gesehen habe, wie du in die Gemächer des Herzogs gegangen bist. Bist du sicher, dass du uns nichts verschweigst?« Jamie nahm sich ebenfalls eine Zwiebel und warf sie nach Rupert. Sie verfehlte ihr Ziel und rollte in die Binsen davon.

»Nein«, sagte Jamie, immer noch lachend. »Ich bin nach wie vor Jungfrau – zumindest in dieser Hinsicht. Aber wenn du sonst nicht schlafen kannst, Rupert, erzähle ich es dir gern.«

Unter allgemeinen Anfeuerungsrufen schenkte er sich einen Krug Bier ein und nahm die klassische Haltung eines Erzählers an. Ich konnte sehen, wie Colum an der Stirnseite den Kopf vorbeugte, um zuzuhören, genau wie die Stallknechte und Wachmänner an unserem Tisch.

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