Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Wichtiger noch waren jedoch Charles und das Schiff aus Portugal; Monsieur Duverneys Kredit und Murtagh, der im Begriff war, mit dem Schiff von Lissabon nach Oviedo aufzubrechen. Es stand zu viel auf dem Spiel, als dass ich mir Rücksicht auf meine Gefühle gestatten konnte. Um der schottischen Clans willen und der gesamten Highlands, für Jamies Familie und Pächter, für die Tausende, die in Culloden und danach sterben würden – musste es versucht werden. Und um es zu versuchen, musste Jamie frei sein; ich konnte das nicht selber tun.
Nein, es stand außer Frage, dass ich alles tun musste, um seine Entlassung aus der Bastille zu erwirken.
Und was genau konnte ich tun?
Ich sah das Gedränge der Bettler, die auf die Fenster wiesen, als wir in die Rue du Faubourg St.-Honoré einbogen. Im Zweifelsfall, so dachte ich, sollte man eine höhere Autorität um Beistand ersuchen.
Ich klopfte an das Holzbrett neben dem Kutschbock. Es glitt knirschend beiseite, und das schnurrbärtige Gesicht des Kutschers blinzelte zu mir hinunter.
»Madame?«
»Links«, sagte ich. »Zum Hôpital des Anges.«
Mutter Hildegarde tippte nachdenklich mit den Fingern auf ein Stück Notenpapier, als trommelte sie eine schwierige Sequenz nach. Sie saß an dem Mosaiktisch in ihrem privaten Studierzimmer, ihr gegenüber Herr Gerstmann, den sie hatte rufen lassen, um an dieser wichtigen Beratung teilzunehmen.
»Nun ja«, sagte Herr Gerstmann skeptisch. »Ja, ich glaube, ich kann eine Privataudienz bei Seiner Majestät arrangieren, aber … seid Ihr sicher, dass Euer Gemahl … äh …« Es schien dem Chormeister ungewöhnliche Schwierigkeiten zu bereiten, sich auszudrücken, was in mir den Verdacht weckte, dass es etwas komplizierter werden könnte als gedacht, den König um Jamies Entlassung zu bitten. Mutter Hildegardes Reaktion bestätigte diesen Verdacht.
»Johannes!«, rief sie aus, so erregt, dass sie die übliche förmliche Anrede ganz vergaß. »Das kann sie doch nicht tun! Schließlich ist Madame Fraser keine der Damen bei Hofe – sie ist eine tugendhafte Person!«
»Äh, danke«, sagte ich höflich. »Aber mit Verlaub … was genau hat mein tugendhaftes Wesen damit zu tun, dass ich den König aufsuche, um Jamies Entlassung zu erbitten?«
Die Nonne und der Chormeister wechselten einen Blick, in dem sich das Entsetzen über meine Nativität mit allgemeinem Zögern mischte, dieser auf die Sprünge zu helfen. Schließlich fasste sich Mutter Hildegarde, die Mutigere der beiden, ein Herz.
»Wenn Ihr allein zum König geht, um einen solchen Gefallen zu erbitten, wird er erwarten, Euch beizuwohnen«, sagte sie unverblümt. Nach all dem Getue überraschte mich das zwar kaum, doch ich sah Herrn Gerstmann fragend an, und er bestätigte es mir mit einem widerstrebenden Kopfnicken.
»Seine Majestät hat immer ein offenes Ohr für die Bitte einer Dame, die einen gewissen persönlichen Charme besitzt«, sagte er geziert und interessierte sich plötzlich sehr für eines der Ornamente auf dem Schreibtisch.
»Aber diese Bitten haben ihren Preis«, fügte Mutter Hildegarde nicht annähernd so geziert hinzu. »Die meisten Höflinge sind froh, wenn ihre Frauen die Gunst des Königs erlangen; der Vorteil, den sie davon haben, ist ihnen das Opfer der Tugend ihrer Frauen wert.« Ihr breiter Mund verzog sich verächtlich bei diesem Gedanken, dann begradigte er sich wieder zu der üblichen, grimmig humorvollen Linie.
»Aber Euer Gemahl«, sagte sie, »scheint mir nicht die Sorte Mann zu sein, die gleichgültig den Hahnrei spielt.« Ihre dichten, geschwungenen Augenbrauen lieferten das Fragezeichen am Ende des Satzes, und ich schüttelte als Antwort den Kopf.
»Das dachte ich mir.« Eigentlich war es sogar eine der größten Untertreibungen, die mir je zu Ohren gekommen war. »Gleichgültig« war zwar vielleicht nicht das letzte Wort, das mir zu Jamie Fraser einfiel, doch es stand mit Sicherheit ganz weit unten auf der Liste. Ich versuchte, mir auszumalen, was Jamie wohl denken, sagen oder tun würde, wenn er je erfuhr, dass ich mit einem anderen Mann geschlafen hatte, und wenn es der König von Frankreich war.
Dieser Gedanke erinnerte mich an das Vertrauen, das beinahe vom Tag unserer Hochzeit an zwischen uns existiert hatte, und plötzlich übermannte mich die Trostlosigkeit.
»Nun«, sagte ich und holte tief Luft, »gibt es einen anderen Weg?«
Mutter Hildegarde runzelte die Stirn und sah Herrn Gerstmann an, als erwartete sie die Antwort von ihm. Doch der kleine Chormeister zuckte mit den Schultern und runzelte seinerseits die Stirn.
»Wenn es einen Freund von Bedeutung gäbe, der sich bei Seiner Majestät für Euren Mann einsetzen könnte?«, fragte er zögernd.
»Unwahrscheinlich.« Ich hatte unterwegs in der Kutsche über solche Alternativen nachgedacht und mich zu dem Schluss gezwungen gesehen, dass es niemanden gab, den ich bitten konnte, einen solchen Botschafterdienst zu übernehmen. Aufgrund der illegalen, skandalösen Natur des Duells – denn natürlich hatte Marie d’Arbanville ihren Tratsch in ganz Paris verbreitet – konnte es sich keiner der Franzosen in unserer Bekanntschaft leisten, sich in der Sache zu engagieren. Monsieur Duverney, der bereit gewesen war, mich zu sehen, war zwar gütig zu mir gewesen, hatte aber abgewunken. Wartet, war sein Rat gewesen. In ein paar Monaten, wenn sich der Skandal ein wenig gelegt hat, dann kann man an Seine Majestät herantreten. Aber jetzt …
Ebenso wenig war der Herzog von Sandringham imstande, Louis um einen solchen Gefallen zu bitten, war er doch so sehr an die strengen Anstandsregeln der Diplomatie gebunden, dass er seinen eigenen Privatsekretär schon entlassen hatte, als dieser nur in einen Skandal verwickelt gewesen zu sein schien.
Ich senkte den Blick auf die Intarsien der Tischplatte, aber ich nahm die komplexen Kurven aus Email kaum wahr, die sich zu abstrakten Mustern aus Geometrie und Farbe fügten. Doch mein Zeigefinger zeichnete die Kringel nach und bot meinen dahinrasenden Gedanken auf diese Weise einen zerbrechlichen Anker. Wenn Jamies Entlassung aus dem Gefängnis tatsächlich unumgänglich war, um die jakobitische Invasion Schottlands zu verhindern, dann musste anscheinend ich diejenige sein, die diese Entlassung bewerkstelligte, ganz gleich, auf welche Weise und mit welchen Konsequenzen.
Schließlich hob ich den Kopf und sah dem Chormeister in die Augen. »Ich muss es tun«, sagte ich leise. »Es geht nicht anders.«
Es folgte ein Moment des Schweigens. Dann richtete Herr Gerstmann den Blick auf Mutter Hildegarde.
»Sie wird hierbleiben«, erklärte Mutter Hildegarde entschlossen. »Schickt uns jemanden, der ihr den Zeitpunkt der Audienz mitteilt, Johannes, sobald Ihr sie arrangiert habt.«
Sie wandte sich an mich. »Denn wenn Ihr tatsächlich zu diesem Vorgehen entschlossen seid, meine liebe Freundin …« Ihre Lippen pressten sich fest zusammen, dann öffneten sie sich, um zu sagen: »Vielleicht ist es eine Sünde, Euch dabei zu helfen, etwas Unmoralisches zu tun. Dennoch werde ich es tun. Ich weiß, dass Euch Eure Gründe gut erscheinen, wie auch immer sie lauten mögen. Und vielleicht wird die Gnade Eurer Freundschaft ja die Sünde aufwiegen.«
»Oh, Mutter.« Ich dachte, ich würde weinen, wenn ich noch mehr sagte, also begnügte ich mich damit, die kräftige, von der Arbeit rauhe Hand zu drücken, die auf meiner Schulter lag. Plötzlich hätte ich mich am liebsten in ihre Arme geworfen und mein Gesicht an ihrem tröstenden schwarzen Sergebusen vergraben, doch ihre Hand ließ meine Schulter los und senkte sich auf den langen Gagatrosenkranz, der beim Gehen in ihren Rockfalten klickte.
»Ich werde für Euch beten«, sagte sie mit einem Lächeln, das in einem weniger massiv geschnittenen Gesicht zögerlich gewirkt hätte. Plötzlich setzte sie eine zutiefst nachdenkliche Miene auf. »Obwohl ich mich frage«, sagte sie meditativ, »wer genau wohl der richtige Schutzheilige wäre, den man unter diesen Umständen um Beistand bittet?«