Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Pastor runzelte die Stirn und kratzte sich geistesabwesend den verfilzten Bart. Ich vermutete, dass er sowohl Läuse als auch Flöhe hatte, und ich versuchte, unauffällig ein wenig von ihm fortzurutschen.
»Nun, das ist schwer zu sagen. Niemand weiß, woher Meister Raymond kommt; er spricht mehrere Sprachen, alle ohne merklichen Akzent. Ein äußerst rätselhafter Mensch, Meister Raymond, aber – das würde ich beim Namen meines Gottes schwören – ein guter.«
Ich lächelte ihn an. »Das glaube ich auch.«
Er nickte lächelnd, wurde dann aber ernst und setzte seine Erzählung fort. »Nun denn, Madame. Jedenfalls hat er von Genf aus mit du Carrefours korrespondiert; das weiß ich, weil er mir selbst davon erzählt hat – er hat ihm auf Bestellung diverse Substanzen geliefert; Pflanzen, Elixiere, getrocknete Tierhäute. Sogar eine Art Fisch – ein höchst merkwürdiges, beängstigendes Wesen, das, wie er sagte, aus den finstersten Tiefen des Meeres stammte; ein furchtbares Geschöpf, das nur aus Zähnen bestand, fast keine Muskeln hatte, dafür aber die erschreckendsten kleinen … Lichter … wie kleine Laternen unter den Augen.«
»Tatsächlich«, sagte ich fasziniert.
Pastor Laurent zuckte mit den Schultern. »Es ist natürlich möglich, dass das alles völlig harmlos war, reine Geschäftssache. Doch er ist aus Genf verschwunden, als du Carrefours unter Verdacht geriet – und nur wenige Wochen nach du Carrefours’ Hinrichtung kam mir zu Ohren, dass Meister Raymond sich geschäftlich in Paris niedergelassen hatte und dass er auch eine Reihe von du Carrefours’ fragwürdigen Betätigungsfeldern übernommen hatte.«
»Hmm«, sagte ich und dachte an Raymonds inneren Werkraum und den Schrank mit den kabbalistischen Symbolen. Um jene fernzuhalten, die daran glaubten. »Sonst noch etwas?«
Pastor Laurents Augenbrauen fuhren in die Höhe.
»Nein, Madame«, sagte er ziemlich schwach. »Nicht, dass ich wüsste.«
»Nun, ich selbst halte wirklich nichts von solchen Dingen«, versicherte ich ihm.
»Oh? Gut«, sagte er zögernd. Einen Moment saß er schweigend da, als ränge er mit einem Entschluss, dann neigte er höflich den Kopf in meine Richtung.
»Ihr verzeiht mir doch, wenn ich mich einmische, Madame? Berta und Maurice haben mir von Eurem Verlust erzählt. Es tut mir leid, Madame.«
»Danke«, sagte ich und richtete den Blick auf die Streifen aus Sonnenlicht auf dem Boden.
Eine weitere Pause, dann sagte Pastor Laurent vorsichtig: »Euer Mann, Madame. Er ist nicht hier bei Euch?«
»Nein«, sagte ich, ohne den Blick vom Boden zu heben. Immer wieder landeten Fliegen, um sofort wieder davonzusurren, weil sie keine Nahrung fanden. »Ich weiß nicht, wo er ist.«
Eigentlich wollte ich gar nichts mehr sagen, doch irgendetwas bewog mich, den zerlumpten kleinen Prediger anzusehen.
»Seine Ehre war ihm wichtiger als ich oder das Kind oder ein unschuldiger Mann«, sagte ich bitter. »Es ist mir egal, wo er ist; ich will ihn nie wiedersehen!«
Erschüttert hielt ich inne. Es war das erste Mal, dass ich es in Worte fasste, sogar mir selbst gegenüber. Es hatte tiefes Vertrauen zwischen uns geherrscht, und Jamie hatte es um der Rache willen verletzt. Ich verstand ihn; ich hatte die Macht gesehen, die ihn antrieb, und wusste, dass sie sich nicht ewig unterdrücken ließ. Doch ich hatte ihn nur um ein paar Monate Aufschub gebeten, die er mir auch versprochen hatte. Unfähig zu warten, hatte er dann sein Wort gebrochen und damit alles geopfert, was zwischen ihm und mir existierte. Nicht nur das: Er hatte auch das Vorhaben gefährdet, das wir begonnen hatten. Verstehen konnte ich es, verzeihen würde ich es nicht.
Pastor Laurent legte seine Hand auf die meine. Sie war schmutzverkrustet, und seine Nägel waren abgebrochen und schwarz gerändert, doch ich zog meine Hand nicht fort. Ich erwartete Plattitüden oder einen Sermon, doch auch er sagte nichts, sondern hielt nur lange ganz sanft meine Hand, während die Sonne über den Boden wanderte und die Fliegen langsam und schwerfällig an unseren Köpfen vorübersummten.
»Ihr solltet lieber gehen«, sagte er schließlich und ließ meine Hand los. »Man wird Euch vermissen.«
»Vermutlich.« Ich holte tief Luft und fühlte mich zumindest ruhiger, wenn auch nicht besser. Ich tastete in meiner Rocktasche umher; ich hatte eine kleine Börse dabei.
Ich zögerte, denn ich wollte ihn nicht kränken. Schließlich war ich für ihn ja eine Häretikerin, wenn nicht gar eine Hexe.
»Darf ich Euch ein wenig Geld geben?«, fragte ich vorsichtig.
Er überlegte einen Moment, dann lächelte er, und seine braunen Augen leuchteten.
»Unter einer Bedingung, Madame. Würdet Ihr mir gestatten, für Euch zu beten?«
»Abgemacht«, sagte ich und gab ihm die Börse.
Kapitel 27
Eine Audienz bei Seiner Majestät
Im Lauf der Tage in Fontainebleau kehrte meine Körperkraft allmählich zurück, auch wenn sich mein Verstand nach wie vor treiben ließ, da meine Gedanken vor jeder Erinnerung oder Entscheidung zurückschraken.
Es kamen kaum Besucher; das Landhaus war ein Refugium, von dem aus mir das hektische Gesellschaftsleben von Paris wie einer der unangenehmen Träume erschien, die mich heimsuchten. Daher war ich überrascht, als mich ein Hausmädchen in den Salon rief, um einen Besucher zu empfangen. Mir kam der Gedanke, dass es Jamie sein könnte, und Übelkeit und Schwindel überfielen mich. Doch dann stellte sich die Vernunft wieder ein; Jamie musste sich inzwischen auf dem Weg nach Spanien befinden; es war unmöglich, dass er vor Ende August zurückkehrte. Und wenn es so weit war?
Ich konnte nicht daran denken. Ich verdrängte den Gedanken daran, aber meine Hände zitterten, als ich mein Mieder schnürte, um nach unten zu gehen.
Zu meiner Überraschung war der »Besucher« Magnus, der Butler aus Jareds Haus in Paris.
»Verzeihung, Madame«, sagte er und verbeugte sich tief, als er mich sah. »Ich wollte mich nicht aufdrängen … doch ich konnte nicht sagen, ob es möglicherweise wichtig war … und da der Herr ja nicht da ist …« So gebieterisch der alte Herr in seinem eigenen Einflussbereich war, so sehr brachte es ihn aus der Fassung, sich derart weit davon zu entfernen. Es dauerte eine Weile, ihm eine zusammenhängende Schilderung zu entlocken, doch schließlich zog er eine Note hervor, die zusammengefaltet, versiegelt und an mich adressiert war.
»Es ist Monsieur Murtaghs Handschrift«, sagte Magnus im Ton halb angewiderter Ehrfurcht. Das erklärte wohl sein Zögern. Die Bediensteten des Pariser Hauses betrachteten Murtagh mit einer Art respektvollem Grauen, welches durch die Berichte über die Ereignisse in der Rue du Faubourg St.-Honoré noch verstärkt worden war.
Der Brief war vor zwei Wochen in Paris eingetroffen, erklärte Magnus. Da sie nicht wussten, was sie damit tun sollten, hatten die Dienstboten gezaudert und miteinander beratschlagt, jedoch schließlich entschieden, dass man ihn mir zeigen musste.
»Da der Herr ja nicht da ist«, wiederholte er. Diesmal achtete ich auf das, was er sagte.
»Nicht da?«, sagte ich. Von der Reise zerknittert und fleckig lag der Brief mir federleicht in der Hand. »Ihr meint, Jamie ist abgereist, ehe dieser Brief eingetroffen ist?« Ich konnte mir keinen Reim darauf machen; dies musste Murtaghs Notiz mit dem Namen und dem Abreisetag des Schiffes sein, das Charles Stuarts Wein aus Lissabon abtransportierte. Jamie konnte nicht nach Spanien aufgebrochen sein, ohne im Besitz dieser Information zu sein.
Auf der Suche nach Bestätigung brach ich das Siegel auf und faltete die Note auseinander. Sie war an mich adressiert, weil Jamie gedacht hatte, dass meine Post weniger Gefahr lief, abgefangen zu werden, als die seine. Der Brief kam aus Lissabon, war fast einen Monat zuvor datiert und trug keine Signatur, doch die brauchte er auch nicht.
»Die Scalamandre fährt am 18. Juli in Lissabon ab«, war alles, was darin stand. Ich war überrascht zu sehen, wie klein und ordentlich Murtaghs Handschrift war; irgendwie hatte ich unförmiges Gekrakel erwartet.