Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
Auch der Boden unter ihren Füßen hatte sich verändert; der Pflanzenwuchs war so reichlich wie überall, aber unterhalb der Stengel lagen Quarzkristalle.
Das Vieh kam weiterhin gut voran, aber die Füße seiner Besitzer waren wesentlich empfindlicher, so daß das Marschtempo sich verringerte.
Die Suche nach einem geeigneten Aufenthaltsort dauerte deshalb weniger lange und wurde vielleicht weniger sorgfältig als sonst vorgenommen. Die Gruppe einigte sich rasch auf eine Halbinsel, die aus einem Hügelrücken bestand, der etwa fünfzehn Meter über die Wasseroberfläche emporragte. Nick war nicht der einzige, der dabei auch an die guten Verteidigungsmöglichkeiten dachte, die eine Halbinsel bot.
Sie trieben das Vieh in die entsprechende Richtung, zerrten den Karren hinüber und begannen sofort mit der Suche nach Holz. Bei Einbruch der Dunkelheit hatten sie bereits einen ziemlich großen Stoß gesammelt und konnten sich zufrieden ausruhen. Nachdem sie die Feuer angezündet und eines der Tiere zum Abendessen verzehrt hatten, ließen sie sich zur Nachtruhe nieder. Erst als die ersten Tropfen fielen, überlegten sie, wie hoch der Wasserspiegel nachts steigen mochte.
5
Aminadabarlee starrte den Bildschirm schweigend an. Raeker empfand ein gewisses Mitgefühl, obwohl der andere gerade unbeherrschte Drohungen ausgestoßen hatte. Er überlegte sich, daß er unter diesen Umständen vermutlich nicht viel anders reagiert hätte. Solange allerdings noch Hoffnung bestand, war Mitleid fehl am Platz; jetzt mußte er vor allem handeln.
„Wellenbach! Wie lautet das Kodesignal für den Bathyskaphen?“ erkundigte er sich hastig.
Der Nachrichtenoffizier kam heran und griff nach der Wählscheibe. „Ich stelle die Verbindung für Sie her, Doktor.“
Raeker stieß seine Hand beiseite. „Augenblick. Wie sieht der Apparat am anderen Ende aus? Ein ganz normaler Handapparat — oder ist er in das Instrumentenbrett eingebaut?“
„Ganz normal. Warum fragen Sie danach?“
„Weil nämlich sonst passieren könnte, daß die Kinder die Luftschleuse öffnen oder etwas anderes anstellen, während sie das Rufzeichen zu beantworten versuchen. Wenn der Apparat sich nicht von den sonst üblichen unterscheidet, kann das Mädchen den Anruf gefahrlos beantworten.“
„Richtig. Sie müßte ohne weiteres dazu in der Lage sein; ich habe selbst gesehen, daß sie mit diesen Apparaten umgehen kann.“
„Gut, stellen Sie die Verbindung her.“ Raeker versuchte gelassen zu erscheinen, während der Offizier die Wählscheibe drehte. Vorläufig stand noch nicht einmal fest, was überhaupt geschehen war; irgend etwas hatte die Verbindung zwischen der Pinasse und dem Bathyskaphen zerstört, aber das mußte sich nicht unbedingt auf den Bathyskaphen ausgewirkt haben. Sonst waren die Kinder vermutlich bereits tot — obwohl die Möglichkeit bestand, daß sie Raumanzüge trugen. Noch blieb eine schwache Hoffnung.
Aminadabarlee hinter ihm glich einer riesigen Statue aus grauem Metall. Raeker wagte nicht daran zu denken, was geschehen würde, wenn schlechte Nachrichten diese Statue in Bewegung setzten; seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich völlig auf das Schicksal der beiden Kinder. Als der Schirm endlich nach einigen Sekunden aufleuchtete, sah er mit Erleichterung, daß seine schlimmsten Befürchtungen ungerechtfertigt gewesen waren.
Ein menschliches Gesicht wurde sichtbar; schmal, sehr blaß und mit einer Mähne aus roten Haaren. Ein Gesicht, auf dem mühsam beherrschte Angst zu erkennen war — aber ein lebendes Gesicht. Das war wichtiger als alles andere.
Im gleichen Augenblick stürzte eine Gestalt in die Nachrichtenzentrale und blieb schweratmend hinter dem bewegungslosen Drommianer stehen.
„Easy! Ist bei dir alles in Ordnung?“ Raeker brauchte sich nicht erst umzudrehen, um festzustellen, daß Councillor Rich hinter ihm stand. Seine Gegenwart schien einen beruhigenden Einfluß auf das Mädchen zu haben, denn es versuchte sogar zu lächeln.
„Ja, Dad. Vorher hatte ich ziemliche Angst, aber jetzt fürchte ich mich gar nicht mehr. Holst du mich bald?“
Einen Augenblick lang entstand eine gewisse Verwirrung, als Rich, Raeker und der Drommianer gleichzeitig sprechen wollten; dann setzte Aminadabarlees physische Überlegenheit sich durch, und er streckte seinen schlanken Kopf in die Nähe des Bildschirms.
„Wo ist der andere — mein Sohn?“ fragte er.
Easy antwortete sofort. „Er ist hier; ihm fehlt nichts.“
„Ich will mit ihm sprechen.“ Das Mädchen verließ seinen Platz; die Männer an Bord der Vindemiatrix hörten ihre Stimme, konnten aber nicht verstehen, was sie sagte. Als sie wieder auf dem Bildschirm erschien, war ihr Haar in Unordnung, und auf der linken Backe zeichnete sich eine blutende Kratzwunde ab.
„Er hat sich in der Ecke versteckt und will nicht wieder heraus. Ich stelle den Apparat lauter, damit Sie mit ihm sprechen können.“ Sie erwähnte den Kratzer nicht, und zu Raekers Überraschung schwieg ihr Vater ebenfalls. Aminadabarlee schien die Wunde nicht bemerkt zu haben. Er wandte sich in seiner schrillen Sprache an den Jungen und sprach einige Minuten lang mit ihm. Dabei machte er nur gelegentlich eine kurze Pause, um auf eine Antwort zu warten.
Zunächst erhielt er keine, aber als er eindringlicher sprach, ertönte schließlich doch ein schwacher Laut aus einer Ecke. Eine Minute später erschien Aminadorneldos Kopf neben Easy auf dem Bildschirm. Raeker konnte nicht beurteilen, ob der Junge sich schämte; aber offenbar hatte sein Vater ihn zu einer Entschuldigung angehalten, denn Aminadorneldo wandte sich an Easy und sprach sie auf Englisch an.
„Tut mir leid, daß ich Sie verletzt habe, Miß Rich.
Ich hatte Angst, weil ich dachte, Sie hätten den Krach gemacht und wollten mich jetzt mit Gewalt aus der Ecke holen. Mein Vater sagt, daß Sie älter als ich sind, und daß ich tun muß, was Sie sagen, bis ich wieder bei ihm bin.“
Das Mädchen lächelte beruhigend. „Du darfst ruhig Easy zu mir sagen, ›Mina‹“, erklärte sie ihm. „Ich bin dir bestimmt nicht böse. Keine Angst, ich sorge für dich, bis wir wieder bei deinem Vater sind…“ Sie runzelte die Stirn und starrte nachdenklich auf den Bildschirm. Raeker erriet sofort, daß das Mädchen etwas zu sagen versuchte, was ihr Begleiter nicht hören sollte. Er schob den Drommianer beiseite und nahm seinen vorherigen Platz wieder ein. Easy nickte ihm zu; sie hatte ihn bereits an Bord der Vindemiatrix kennengelernt.
„Miß Rich“, begann er, „wir wissen noch immer nicht genau, was sich eigentlich bei Ihnen ereignet hat. Können Sie uns erklären, wie alles passiert ist?
Oder kann Ihr Führer Bericht erstatten?“
Bei der letzten Frage schüttelte das Mädchen verneinend den Kopf. „Ich weiß nicht, wo Mister Flanagan im Augenblick steckt. Zuletzt war er noch in der Pinasse — wahrscheinlich wollte er dort eine Zigarette rauchen.
Er hatte uns gesagt, daß wir nichts anfassen dürften, aber wir waren selbst viel zu vorsichtig dazu und betraten den Steuerraum gar nicht. Als wir dann wieder in die Pinasse zurückkehren wollten, schloß sich plötzlich automatisch die Luftschleuse; wir wurden gegen die Wand gedrückt — meiner Schätzung nach mit mindestens vier g. ›Mina‹ konnte sich noch etwas bewegen und versuchte mit Mister Flanagan Verbindung aufzunehmen, aber wir bekamen keine Antwort. Die Beschleunigung dauerte etwa eine halbe Minute und setzte erst Sekunden vor Ihrem Anruf aus.“
Unterdessen waren auch andere Besatzungsmitglieder in die Nachrichtenzentrale gekommen. Einige von ihnen nahmen ihre Rechenschieber zur Hand, und Raeker beobachtete sie schweigend, bis der erste seine Berechnungen abgeschlossen hatte, dann fragte er: „Haben Sie etwas herausbekommen, Saki?“