Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
Nick sah ihnen nur kurze Zeit nach und überlegte dann, was er jetzt zu tun hatte. Seiner Meinung nach war es am besten, wenn sie das Dorf so rasch wie möglich verließen. Falls sie sich dazu entschlossen, bestand allerdings das Problem, wie Fagin wieder mit ihnen in Verbindung treten konnte. Selbstverständlich war Fagin theoretisch in der Lage, sie überall wiederzufinden, aber Nick war alt genug, um zu bezweifeln, daß jemand allwissend sein könne — nicht einmal ein Roboter. Da Nick aber keinen Ehrgeiz hatte, ein zweiter Swift zu werden, verschob er die Entscheidung darüber auf einen späteren Zeitpunkt; er entschloß sich, zu warten, bis die anderen aufgewacht waren, damit sie darüber abstimmen konnten.
Am nächsten Morgen hatte sich ihre Lage keineswegs verbessert. Unter normalen Umständen hätten sie zunächst die Herde bewachen müssen, die nachts in einer Mulde schlief. In dieser Senke blieb das Wasser immer etwas länger stehen, so daß das „Vieh“ vor Raubtieren sicher war, bis die Hirten kamen; aber diesmal reichten die Kräfte der Gruppe nicht aus, um das Dorf und die Herde gleichzeitig zu bewachen. Sie verloren mehrere Tiere, bevor Nick die Herde in das Dorf treiben konnte.
Dann mußten sie Holz für die nächste Nacht holen.
Nick hatte Swift gegenüber die Wahrheit gesagt. Irgend jemand mußte den weiten Weg auf sich nehmen. Schließlich gingen Jim und Nancy und zogen mit vereinten Kräften den Holzkarren hinter sich her.
Leider hatten ihre Versuche mit Tieren nie Erfolg gehabt; das Vieh ließ sich auf keine Weise dazu bringen, unter einem Joch zu gehen und eine Last zu ziehen.
Am zweiten Tag hatten sie sich jedoch alle bereits wieder so gut erholt, daß alles wesentlich einfacher war. An diesem Morgen wurde eine Besprechung abgehalten, in der Nick seinen Vorschlag zur Debatte stellte, daß sie sich in das unwegsame Gelände zurückziehen sollten, das er auf der Flucht vor den Höhlenbewohnern durchquert hatte. Er wies vor allem darauf hin, daß sich dort zahlreiche natürliche Verstecke anboten, die mit geringen Kräften wirksam verteidigt werden konnten. Nancy äußerte sich zuerst zu diesem Vorschlag.
„Ich bin nicht völlig überzeugt, daß die Idee gut ist“, meinte sie zweifelnd. „Wir wissen nicht einmal, ob die Verstecke noch vorhanden sind, wenn wir dort ankommen.“ Ein kurzer Erdbebenstoß bestätigte das Gesagte.
„Was macht das schon aus?“ erwiderte Nick. „Wir finden immer wieder andere. Ich habe nicht von einem bestimmten Versteck gesprochen, sondern gesagt, daß ich das ganze Gebiet für ideal halte.“
„Aber wie soll Fagin uns dort finden? Wie können wir ihm den Weg beschreiben, selbst wenn einer von uns bis zu ihm vordringt, wo er gefangengehalten wird? Wir müßten ihn führen, was vielleicht seinen eigenen Plänen widerspricht — du hast vorher ganz richtig vermutet, daß er wahrscheinlich die Tatsache ausnützen will, daß er nachts ohne Feuer marschieren kann.“
Nick fühlte eine gewisse Verstimmung, als er auf diesen Widerspruch stieß, aber er erinnerte sich deutlich genug an Swift, um ihr nicht nachzugeben. Er wollte sich nicht auf die gleiche Stufe mit diesem Wilden stellen; außerdem hatte Nancy vielleicht gar nicht unrecht, wenn man darüber nachdachte.
„Wohin sollten wir deiner Meinung nach gehen?“
erkundigte er sich. „Du hast recht, daß Fagin nur schwer mit uns in Verbindung treten kann, aber ich kann mir keine andere Stelle denken, die sich leichter verteidigen ließe.“
„Ich glaube, daß Fagin recht hatte, als er sagte, wir sollten uns gar nicht auf einen Kampf mit Swifts Leuten einlassen“, erwiderte Nancy ruhig. „Deshalb denke ich nicht unbedingt an eine Verteidigung; wenn es dazu kommt, haben wir ohnehin bereits verloren, fürchte ich. Nein, ich finde, wir sollten uns an das Meer zurückziehen.“
„Wohin?“
„Du weißt, was ich meine, denn du warst selbst dabei, als es in die Karte aufgenommen wurde. Im Osten liegt ein Meer, das nicht aus Wasser besteht — zumindest trocknet es tagsüber nicht völlig aus. Ich weiß allerdings nicht mehr, was Fagin dazu gesagt hat, als wir davon berichteten…“
„Er sagte, die Flüssigkeit sei Schwefelsäure — aber er wußte nicht, wie er sich davon überzeugen sollte“, warf Dorothy ein.
„Jedenfalls trocknet das Zeug nicht aus“, fuhr Nancy fort, „und wenn Fagin uns finden will, braucht er sich nur an das Ufer zu halten. Vielleicht kann er sich sogar darin bewegen, damit die Höhlenbewohner seine Spur verlieren.“ Die anderen nickten beifällig, und Nick äußerte sich ebenfalls zustimmend.
„Einverstanden“, sagte er. „Wenn niemand einen besseren Vorschlag machen kann, ziehen wir uns an das Meer zurück. Über die beste Stelle müssen wir uns einigen, wenn wir erst einmal dort sind; die Karten sind bereits zwei Jahre alt, und ich glaube nicht, daß sie noch zuverlässig genug sind.
Wir müssen uns aber auch überlegen, wie wir dorthin marschieren können, was wir mitnehmen wollen und was zurückbleiben muß. Natürlich laden wir den Karren voll, aber ich möchte wetten, daß wir auf Gelände stoßen, in dem wir ihn nicht mehr bewegen können. Jedenfalls müssen wir uns damit abfinden, daß viel zurückbleibt.
Dann bleibt noch das Problem, wie wir uns mit Fagin in Verbindung setzen. Darüber können wir uns Sorgen machen, wenn wir unser Ziel erreicht haben; vorher sind solche Überlegungen zwecklos.
Ich hoffe, daß wir schon morgen früh aufbrechen können; deshalb müssen wir uns in der Zwischenzeit mit dem zweiten Problem beschäftigen. Wenn jemand eine gute Idee hat, kann er jederzeit damit zu mir kommen.“ Die Gruppe ging auseinander, als jeder die Aufgabe in Angriff nahm, der er sich gewachsen fühlte.
Jim und Nancy, die sich wieder völlig erholt hatten, hüteten die Herde. Seitdem sie ihre Arbeit aufgenommen hatten, war kein Tier mehr verlorengegangen. Dorothy stand neben dem Karren und versuchte alles aufzuladen, was die anderen heranschleppten.
Trotz aller Mühe konnte sie nicht alles unterbringen und mußte die anderen mühsam davon überzeugen, daß nicht jeder alles mitnehmen konnte, was er für wertvoll hielt.
Der Streit darüber dauerte noch an, als die Gruppe abmarschierte. Nick begann eine gewisse Sympathie für Swift zu empfinden; er hatte entdeckt, daß jede Gruppe einen Führer brauchte, und daß dieser Führer sich nicht immer nach den Wünschen der anderen richten konnte. Nick hatte selbst einige Befehle erteilen müssen und befürchtete jetzt, daß seine Freunde ihn bereits mit Swift verglichen.
Der Karren war völlig überladen, so daß alle — bis auf die beiden Viehtreiber — daran ziehen und schieben mußten. Wenn ein Raubtier auftauchte, ließ die Gruppe den Karren stehen und griff zu den Waffen.
Allerdings war das kaum notwendig, denn die meisten Tiere waren vorsichtig genug, um einer so großen Gruppe auszuweichen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bildeten die Schweber, die ohnehin mehr Pflanzen als Tiere waren. Ihr Angriff war nicht übermäßig gefährlich, wenn man einen Speer zur Verfügung hatte, der länger als die Fangarme war, mit denen sie ihre Opfer zu umschlingen versuchten.
Nicks Pessimismus erwies sich als voreilig, denn sie legten den ganzen Weg bis zum Meer mit dem Karren zurück. Am Nachmittag des zweiten Tages erreichten sie ihr Ziel, nachdem sie zuvor an immer größeren Teichen vorübergezogen waren, die mit einer öligen Flüssigkeit gefüllt waren.
Selbstverständlich hatten sie solche Teiche bereits früher gesehen; in ihrem eigenen Tal entstanden welche gegen Abend — Löcher, in denen nach Sonnenaufgang Wasser stand, die aber gegen Mittag nur Schwefelsäurepfützen waren. Diese Teiche hier waren jedoch größer und schienen sehr viel tiefer zu sein.