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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Er entschied sich für rechts. Dicht an der Wand entlang, möglichst fern der Fackeln, die hier und da an den Mauern befestigt waren, schlich er los. Leises Fußgetrappel folgte ihm.

Schweiß benetzte seine Stirn. Durch die Mauern echote ab und zu ein Lachen oder verzerrte Musik.

Er zuckte zusammen, als der Donner abermals grollte. Einen Moment lang kam Scapa die absurde Angst, man könne die Feuchtigkeit ihrer Kleider riechen und sie entdecken. Rasch schüttelte er diese Vorstellung ab. Unsinn!

Der Flur machte eine Biegung. Vor ihnen erschien eine breite, verfallene Steintreppe. Scapa schlich die Stufen empor, ihm folgten grüppchenweise die anderen.

Vor der Treppe erstreckte sich ein wahres Labyrinth von Gängen und Stufen. Drei Flure führten geradeaus, zwei nach links und rechts, und zwei Treppen schraubten sich in die Höhe.

Scapa entschied sich für einen Flur geradeaus.

Hier hingen mehr Fackeln an den Wänden, auch der Regen schien lauter. Ein seltsames Ächzen und Heulen irrte durch die Flure.

Einmal kamen sie an einer Türöffnung vorbei, aus der helles Licht und laute Stimmen drangen. Mit gespannten Muskeln schlich sich Scapa heran und lugte hinein. Da saßen mehrere Männer und speisten. Auf den Tischen tanzten Frauen mit Flöten und Rasseln. Die Luft war erfüllt von Bratenduft, Biergeruch und Schweiß.

Scapa wich zurück. Dann wies er die Jungen und Mädchen an, dicht an der gegenüberliegenden Mauer entlang zu schleichen. Dort war ein schmaler Streifen Dunkelheit außer Reichweite der Fackeln. Einer neben dem anderen drängten sie sich an der Mauer entlang, bis der Speisesaal hinter ihnen zurückblieb.

Der Flur mündete in eine offene Halle, von der aus mehrere Gänge und weitere Kammern abzweigten.

Kaum waren die meisten von ihnen in die Halle getreten, hörten sie schlurfende Schritte, die sich aus einem der Korridore näherten. Dann einen grölenden Ruf. Rasselndes Lachen echote durch die Gemäuer.

»Schnell!«, zischte Scapa und lief in die nächste Raumöffnung. Schützende Finsternis glitt über ihn.

Innerhalb von Sekunden hatten sich alle durch die Öffnung gedrängt und duckten sich gebannt hinter Scapa.

Von hier aus sahen sie, wie zwei Männer aus dem gegenüberliegenden Flur geschritten kamen und in den Gang einbogen, aus dem sie selbst gerade gekommen waren.

Plötzlich klirrte etwas hinter Scapa. Er fuhr herum.

»Tut mir Leid!«, flüsterte jemand.

»Du Idiot!« Scapa ging mit großen Schritten in die Dunkelheit, fest entschlossen, dem Narren eine Ohrfeige zu verpassen, der den Lärm verursacht hatte.

Doch dann flüsterte jemand: »Hier sind die Waffen!«

Scapa blieb stehen. Er trat aus dem blassen Lichtschein, der von der Halle zu ihnen hereinfiel und strengte seine Augen an. Tatsächlich: Lange, schmale Speere glänzten im Licht, nur darauf wartend, von ihnen genommen zu werden.

Ein Junge lief in die Halle hinaus und holte eine Fackel von der Wand. Der Feuerschein ließ die unzähligen Lanzen, Messer und Schwerter erstrahlen.

Ein Raunen ging durch die Reihen der Straßenkinder.

Scapa steckte seinen eigenen Dolch ein, ergriff einen kleinen Knüppel und ein Kurzschwert. »Nehmt euch, was ihr braucht!«

Aufgeregt rüsteten sich die Jungen und Mädchen mit den Waffen. Die meisten wollten ein Schwert haben, andere entschieden sich für eine Lanze, die wesentlich leichter zu handhaben war. Es gab sogar Armbrüste mit schwarzen, spitzen Pfeilen. Eine davon schwang Scapa sich über die Schulter. Extra Pfeile steckte er sich im Gürtel fest. Dann war er bereit, und auch die anderen hatten sich inzwischen genommen, was sie brauchten. Es war nicht viel in der Kammer übrig geblieben. Manche von ihnen hatten sich regelrecht mit Waffen beladen, trugen gleich zwei Speere auf dem Rücken und hatten sich ein zusätzliches Messer in den Stiefel gesteckt. Scapas Augen glühten. Das würde eine Überraschung für Torron und seine Männer geben!

Lautlos und erwartungsvoll erschien der Fuchsbau Scapa, als sie die Waffenkammer verließen. Er drehte sich in jede Richtung. Er atmete tief ein, roch den feuchten, herrlich wilden Modergeruch des Fuchsbaus und spürte, dass dieser Geruch ihm gehören musste. Der Geruch seines Palastes ... Ein dumpfer Donnerschlag erschütterte die alten Mauern, er fuhr Scapa durch jede Zelle seines Körpers, doch es erfüllte ihn nicht mehr mit Furcht, sondern mit Mut, unbändigem Kampfesmut.

Die jungen Krieger teilten sich und eine bewaffnete Gruppe lief in jeden Gang. Auch Scapa begann zu gehen, zu laufen, dann zu rennen. Das Scheppern und Klirren der Waffen wurde zum Takt ihrer Schritte, zum dröhnenden Herzschlag der Nacht. Es verwandelte sich in Scapas Ohren zu einem Namen, schwer wie ein beschwörerischer Sog: Vio, Vio Torron ...

Vio Torron war nie ein Mann großer Gefühle gewesen. Er wuchs in den tiefen Vierteln Kesselstadts auf, auch wenn heute viele behaupteten, er sei erst viel später als erwachsener Mann hergezogen. Seine Mutter war eine Taschendiebin namens Isred gewesen, unter deren Dielenboden man, als Vio sieben Jahre alt war, eine verweste Leiche fand. Es stellte sich heraus, dass der Tote Vios Vater Edor Juness war, ein unehelicher Sohn gehobener Herkunft, der als Kartenspieler und Trinker gelebt und schließlich als versteckte Leiche geendet hatte. Vio Juness’ Mutter wurde vor Gericht gestellt und an einem schneelosen Wintermorgen auf der Brücke von Grejonn, der »Straße der Henker«, wie manche sie wegen den zur Schau gestellten Köpfen ehrloser Verbrecher nannten, enthauptet. Noch bevor Isred Juness’ Kopf über den braunen Kanalwassern baumelte, hatte Vio seine Mutter vergessen.

Vio begann, wie so viele Waisen, sich alleine durchzuschlagen und geriet an den bekannten Ganoven Kaav Volrog. Volrog erkannte große Talente in Vio, und so wurde der Junge zu seiner rechten Hand und stieg mit zwölf Jahren in die finsteren Geschäfte ein. Wie Volrogs ehemaliger Meister, ein legendärer Bandit namens Jakos Torron, es damals für Volrog getan hatte, so nahm nun Volrog Vio unter seine Fittiche und eröffnete ihm den Eintritt in die zwielichtige Welt der Verbrecher. Vio, »der Ring« nannte man ihn bald – wegen des Rings, den er sich durch die Unterlippe stechen ließ, und seiner Angewohnheit, Volrogs Gegnern eine ringförmige Narbe ins Gesicht zu ritzen.

Der Junge, auf dem Weg zu einem gefürchteten Mann, besaß dabei eine Kälte und Gefühllosigkeit, die ihn einzigartig und für Volrog unentbehrlich machten.

Zu dieser Zeit wurde Vio erstmals auf den Fuchsbau aufmerksam. Damals lebte er mit Volrog und dessen Anhängern in verschiedenen Wirtshäusern zweifelhaften Rufes; aber er träumte davon, sein eigenes Reich zu haben, ein Haus, oder noch besser, einen Palast. Der Fuchsbau war in den Händen anderer Banden, die ihre Schmuggelgeschäfte in den alten Ruinen abhielten. Vio bat seinen Meister um einen offenen Kampf. Aber Volrog, der schon zu lange mit den anderen Banden in erträglichem Frieden gelebt hatte, lehnte es ab, Kesselstadts Unterwelt zu beherrschen. In jenen Tagen starb Kaav Volrog auf geheimnisvolle Weise und sein Name verschwand aus den Straßen der Stadt.

Nun war Vio der neue Bandenführer. Weil er sich als den wahren Erben des alten Jakos Torron empfand, übernahm er dessen Namen, ließ den Ring hinter sich und wurde als Vio Torron über Nacht zu einem berühmten Mann. Er eroberte den Fuchsbau für sich und erlangte die Gewalt über die dunklen Geschäfte Kesselstadts. Damals war er knapp zwanzig Jahre alt.

Doch seitdem waren viele Jahre vergangen. Jahre, die sich immer zu wiederholen schienen, ein endlos gleiches Band, das sich abspielte, während die Falten in Torrons Gesicht tiefer, seine Züge härter und seine Wangen hohler wurden. Er war bereits mit zwölf Jahren alt gewesen und zehn Jahre nach seinem Aufstieg zum wahren Herrscher Kesselstadts lastete das Leben so schwer auf ihm wie ein riesiges Gebirge.

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