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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Du könntest ja Wache halten, wenn wir in den Fuchsbau gehen«, schlug Scapa vor. »Ja – halte doch Wache!«

Arane sah ihn lange an. Es schien, als glänzten Tränen in ihren Augen. Tränen der Angst, vielleicht, aber gewiss Tränen des Stolzes. Langsam nickte sie.

»In Ordnung. Ja, in Ordnung ...«

Aus allen Straßen strömten sie zusammen. Links und rechts schlossen sich Scapa neue Gruppen an. Bemalungen aus Schlamm und Asche verbargen die ängstlichen Gesichter wie Totenmasken. Immer mehr Gestalten lösten sich aus der Dunkelheit, schleichend, geduckt, und vereinten sich zu einer Armee.

Aus jeder Gasse, jedem Winkel der Stadt schlüpften neue Schatten, und das Heer wuchs hinter Scapa.

Hinter Scapa und Arane.

Sie drehte sich zu den Jungen und Mädchen um, die ihnen durch die Regennacht folgten, verbissen und auf eine Weise gehorsam, die ihr Herz zum Springen brachte. Sie warf Scapa einen Blick zu. Die Kleider klebten ihm nass auf dem Körper, er hatte die Schultern hochgezogen und den Kopf geduckt.

Für Sekunden übergoss ihn der Schein einer Straßenlampe wie mit flüssigem Silber, dann tauchte er wieder in Schwärze. Arane fasste nach seinem Handgelenk und drückte es fest. Er erwiderte ihren glühenden Blick. Kämpfe, sagten ihre Augen. Kämpfe für uns beide und mit unser beider Kraft.

Die Jungen und Mädchen gingen schnell, ihre Füße brachten die Pfützen zum Schäumen. Wie viele waren es? Wie viele würden es am Ende dieser Nacht noch sein?

Ein Donnerbeben grollte durch die Finsternis und blieb hier, in den Tiefen der Stadt, als unheilvolles Echo gefangen.

Scapa blieb stehen.

Drummmmm ...

Unter ihnen lag der Fuchsbau, wie ein Ungeheuer in einem Erdgraben. Vereinzelt spähten Lichter zu ihnen herauf, sie lugten aus den Ruinen hervor wie wachsame Augen und erinnerten daran, dass das Ungeheuer aus Steinen und Schutt noch nicht ganz tot war.

Einst war der Fuchsbau ein Palast mit unzähligen Zimmern und langen Korridoren gewesen, mit Türmen, Terrassen und Baikonen. Ein reicher Verbrecher hatte ihn vor Jahrzehnten errichten lassen. Eine Flut, vielleicht auch ein Brand – manche munkelten, ein Bandenkrieg – hatte das imposante Haus zerstört. Zurückgeblieben war der größte Trümmerhaufen von Kesselstadt.

Niemand hatte versucht, die Ruine wieder aufzubauen oder neue Häuser darauf zu errichten, denn die Gegend gehörte den Dieben und Verbrechern. Sie blieben selbst nach dem Verfall des Hauses, blieben wie die Ratten und verbargen sich in den tiefen Ruinen, die ihnen mehr Sicherheit boten als jedes ordentliche Zimmer. Später hatten Torron und seine Männer das verfallene Schloss bezogen und gaben ihm den Namen Fuchsbau.

Der Donner ließ die Erde erzittern. Die Regentropfen sprangen immer schneller, immer höher auf den Pfützen. In dieser Nacht war Kesselstadt ein schwarzer Brunnen, tief in die Erde geschraubt, in dem sich das Regenwasser sammelte wie eine Flut.

»Los«, flüsterte Scapa. Laut wiederholte er: »Los, an die Arbeit!«

Manche von ihnen hatten eine Schaufel oder eine Hacke mitgebracht. Die Jungen und Mädchen brachen ein Straßengitter auf, durch das der Regen in die Kanalisation abfließen konnte. Dann zündeten sie ihre Laternen an und kletterten einer nach dem anderen in den nassen Abgrund.

Das schäumende Wasser griff nach Scapa und stieg ihm augenblicklich bis zu den Hüften. Er spürte, wie der eisige Strom ihn voranzog, beinahe sackten ihm die Knie ein. Arane sprang neben ihn. Sie hielt eine Laterne in der Hand, aber selbst der Lichtschein verriet keine Regung in ihrem Gesicht. Eine Zeit wateten die Jungen und Mädchen durch die Kanalwege. Das stinkende Wasser spritzte ihnen um die Beine. Von den Steinen über ihnen tropfte es unablässig herab – an manchen Stellen drang der Regen ganz hindurch und zog Wasservorhänge durch den Tunnel.

Drummmmm. Der Donner füllte die Kanalwege mit einem dichten, tiefen Vibrieren und jeder Stein schien aufzustöhnen.

Scapa wusste nicht mehr, wie lange sie schon durch das brackige Wasser gingen, als er rechts von sich etwas entdeckte: eine Abzweigung, etwa einen halben Meter über dem Wasser, die in die Richtung führte, in der er den Fuchsbau vermutete. Ein Gitter versperrte aber den Weg.

Mit ihren Hacken war das verrostete Schloss leicht aufzubrechen. Die ganze Gittertür fiel aus den Angeln und versank in den Wasserfluten. Scapa stemmte sich an den Steinen hinauf und trat als Erster in den trockenen Gang. Danach half er Arane, dann den anderen zu sich hoch.

Der Tunnelgang war so schmal, dass man kaum nebeneinander Platz hatte, und die Decke war gerade hoch genug, dass sie aufrecht stehen konnten. Auf dem Boden lagen verfaulte Dreckklumpen. Aufgeschreckte Ratten kamen ihnen entgegen, ergriffen aber angesichts des Laternenlichts wieder die Flucht.

Als der Kanalweg endete, versperrten ihnen schwere Mauerbrocken den Durchgang. Mit ihren Hacken und Schaufeln ließen sich die Steine aber so leicht durchschlagen wie das Gerippe eines verwesten Tieres. Nach einer Weile war ein schmaler Riss zu erkennen, gerade breit genug, dass ein schmaler Mensch hindurchpasste. Nun herrschte Schweigen.

Scapa nahm Arane die Laterne ab. Niemand regte sich, als er durch den Riss schlüpfte. Nur das Rumoren des Regens war zu hören.

Endlich erschien Scapa wieder. Er trat zurück und verkündete leise, sodass nur die nahe stehenden Kameraden ihn hörten: »Der Weg ist frei. Löscht eure Laternen!«

Er machte Platz, damit einer nach dem anderen durch den Spalt schlüpfen konnte. Sie ließen ihre Schaufeln an die Wand gelehnt zurück und pusteten gehorsam die Lichter aus. Arane leuchtete ihnen mit ihrer Laterne, die als einzige anblieb, den Weg durch den Riss.

Bald waren fast alle durch den Spalt getreten. Scapa wandte sich an Arane. Sie sah, dass er zitterte. Im Laternenschein glänzte sein Gesicht wie Wachs.

»Wenn wir fliehen müssen«, sagte er, »dann musst du uns rausführen. Warte hier und ... warte hier.«

Sie umarmte ihn fest. Scapa drückte sie an sich, als wäre es das letzte Mal; er vergrub das Gesicht in ihren nassen Haaren und merkte, dass nicht nur er, sondern auch sie Angst hatte. Ihr Herz schlug wild.

»Wenn alles gut geht, hole ich dich nach.«

Sie nickte kaum merklich. Der letzte Junge schlüpfte hinter ihnen durch den Spalt in der Wand.

Arane beugte sich vor. Zitternd öffnete sie den Mund, brachte aber doch kein Wort hervor. Dann schloss sie die Hand um seinen Nacken und küsste Scapa. Er spürte ihre kalten Lippen wie einen Hauch auf den seinen.

Auch er verschwand hinter der zerfallenen Mauer und Arane blieb allein im Licht ihrer Laterne zurück.

Das Unwetter grollte über ihr.

Torron

Sie tauchten in vollkommene Dunkelheit ein. Scapa drehte sich um. In der Ferne schimmerte blasses Licht.

»Voran jetzt«, flüsterte er. »Bleibt dicht zusammen. Und kein Geräusch mehr!«

In einem langen Zug schlichen sie dem schwachen Leuchten entgegen. Mit bebenden Fingern zog Scapa seinen Dolch. Er umschloss den feuchten Griff so fest, dass das Wasser aus dem Leder sickerte.

Das war der Kampf seines Lebens. Die Nacht, in der sich alles entscheiden würde. Der Augenblick, in dem er dem Schicksal ins Gesicht sehen konnte.

Er wiederholte diese Gedanken wie eine Beschwörung immer wieder, bis sie das Licht erreichten und durch eine runde Öffnung in der Mauer treten konnten. Vor ihnen standen schwere, hölzerne Weinfässer. Dahinter lag ein schmaler Gang.

Einen Augenblick blieb Scapa hinter den Fässern stehen. Welche Richtung sollten sie nehmen? Er versuchte angestrengt zu lauschen. Waren da nicht Stimmen? Nein, nur das Rauschen des Regens drang durch die dicken Steine.

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