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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Elrysjar«, flüsterte Arane. Ihre Augen waren glänzend geworden. »Wie hat dieser neue König den Elfen die Krone wohl stehlen können?«

»Wahrscheinlich mit einem Trick«, murmelte Scapa. »Ich würde nicht zuviel auf all das geben. Wenn es wirklich einen König gibt, der über alle Stämme der Moorelfen herrscht, hören wir bestimmt noch früh genug von ihm.«

Arane nickte, doch sie war noch immer ganz versunken in die Geschichte.

»Lass uns weitergehen«, sagte Scapa. »Ich glaube, da vorne hab ich ein Puppentheater gesehen.«

Sie drängten sich an den Zuhörern vorbei und verließen den Kundschafter. Etwas weiter ab war eine Prügelei zwischen Elfen und Menschen entbrannt – wie so oft.

»Hier, du Dreckfresser!« Der glatzköpfige Mann von vorhin schlug einem Moorelf die Faust ins Gesicht. »Beutet unsere schöne Stadt aus, ja? Geht zurück in euren Sumpf, von wo ihr angekrochen seid!«

Der Elf schrie furchtbar in der schnellen, sprudelnden Sprache seines Volkes.

»Hä?«, äffte der Mann ihn nach. »Wäblawäblawäbla, was zum Teufel kreischst du, Schlammratte?!«

Er schlug wieder zu, woraufhin ihn ein breites Holzbrett, am Kopf traf, das ein neu dazugekommener Elf geschwungen hatte.

Scapa und Arane wandten sich von der Prügelei ab und hielten nach dem Puppentheater Ausschau. Bald entdeckten sie es.

Und was für ein Glück – die Vorstellung fing gerade an! Scapa und Arane ergatterten einen Stehplatz in der ersten Reihe. Doch während Arane begeistert zusah, lösten sich Scapas Gedanken bald wieder von der Geschichte. Er musste an Vio Torron denken, an ihren Kampf und wie sie sich die nötigen Waffen dafür besorgen konnten. Immer wieder hielt er in alle Richtungen Ausschau, ob nicht einer von Torrons Männern in der Nähe war. Wenn er einen entdeckte, mussten sie rennen, und zwar so schnell ihre Füße sie tragen konnten. Ihr Leben war verwirkt, wenn sie Torron in die Hände fielen, bewaffnet mit nur einem Dolch und der Klinge in Aranes Schuh.

Aranes Aufmerksamkeit war ganz dem Spiel zugewandt. Aber das Theaterstück war heute kein besonderes. Es ging um drei Hasen, die von einem bösen Wolf heimgesucht wurden. Immer neue Pläne überlegte sich der Wolf – mit tiefer, grummelnder Stimme –, um die Hasen zu fressen. Damit er ins Haus des letzten Hasen gelangen konnte, fiel ihm eine neue Idee ein:

»Ich wollt ihn fressen, ich wollt’s so gern!

Ich kann ihn riechen, er ist nicht fern.

Nur die dünne Wand hier trennt den Abendschmaus von mir.

Da kommt mir, grad gelegen, eine List, wie man Hasenfleisch am besten frisst.

Zu ihm ins Haus muss ich hinein, hinein, hinein

... durch den Schornstein!«

Arane verengte die Augen. Eine vage Idee formte sich in ihren Gedanken ... Inständig hoffte sie, dass der Wolf den Hasen diesmal schnappte.

Der Plan

Scapa entdeckte ihn erst zu spät. Die Menge hatte ihn vor seinen Augen verborgen, bis er unmittelbar vor ihnen auftauchte. Scapas Herz zog sich zusammen.

»Fesco!«

Arane drehte sich um und erblickte den Jungen zwischen den Vorbeigehenden, als er ihnen zuwinkte. Scapa war schon auf ihn zugelaufen.

»Fesco, zum Glück!«

»Scapa!« Der Junge schrie fast, öffnete die schlaksigen Arme und schloss Scapa so fest in seine Umarmung, dass der einen Augenblick keine Luft bekam. Als Arane neben ihnen angekommen war, zog Fesco sich die zerlöcherte Mütze vom Kopf und deutete eine Verneigung an.

»Och, Tag, Arane«, murmelte er. Er fürchtete sich ein bisschen vor dem schweigsamen Mädchen, das hinter Scapa wachte wie ein zweites Augenpaar.

»Bei allen Göttern, ich dachte schon, sie hätten dich gestern erwischt!« Scapa musterte den Jungen von oben bis unten. Fesco war ein schmaler Hering mit einem unruhigen, spitzen Mausegesicht und Beinen und Armen, die immer ein wenig hilflos am Körper herabbaumelten. Aber wenn es ums Zulangen ging, konnte er ganz flink sein. Er hatte sich inzwischen wieder die Mütze auf die strubbeligen roten Locken gesetzt, was ihn sogleich viel größer erscheinen ließ. Dabei überragte er Scapa schon mindestens um einen Kopf, obwohl auch Scapa für sein Alter nicht klein war.

»Beim Henker«, murmelte Fesco und rieb sich mit der Hand die Nase, »ich dachte gestern Nacht wirklich, jetzt schnappen die mich. Durch die halbe Stadt haben die mich gehetzt, diese Soldatenschweine! Zuletzt hab ich mich in einem Korb versteckt.« Er atmete hörbar aus und blickte in alle Richtungen. »Ich sag’s dir, lieber würde ich mich nackt in den Fuchsbau schleichen als in einem muffigen Kerker zu krepieren!«

Scapa grinste – und das war die höchste Ehrbezeugung, die jemand von ihm erwarten konnte.

»Und?«, fuhr Fesco fort. »Was macht ihr beide heute noch so? Gibt’s schon einen neuen Plan?« Scapas Gesicht verfinsterte sich. Er kniff die Augen zusammen, als er in die sonnenüberflutete Menge blickte. »Nein, ich habe mir noch nicht überlegt, wie’s weitergeht. Wir müssen uns etwas viel Besseres ausdenken als diese sinnlosen Einbrüche. Das mit den Waffen ist ...« Plötzlich brach er mitten im Satz ab. Mit zitternden Fingern packte er Fesco am Arm, den Blick noch immer in die Menge gerichtet.

»Fesco – ist dir jemand gefolgt?«

»Was? Mir? Nein, ich, äh –«

»Da vorne ist Gregov!«, keuchte Scapa.

Fesco drehte sich erschrocken um, Arane duckte sich wie eine Katze, bereit davon zu springen. In der Menge tauchte das breite Gesicht eines Mannes auf.

Der Backenbart und die blaue Tätowierung, die sich fast über seine ganze Glatze zog, machten ihn unverkennbar: Es war Gregov, der Mann, der an Torrons Seite klebte wie eine Schmeißfliege an faulem Obst.

Hinter ihm marschierte eine Hand voll weiterer Männer mit vor Anstrengung roten Köpfen. Sie mussten gerannt sein.

»Abhauen!«, zischte Scapa.

Fesco hielt sich die Hand auf den Kopf, damit er die Mütze nicht verlor. Eine Sekunde später waren sie davongeflitzt.

Aber zu spät. Rufe schwollen hinter ihnen an. Fesco duckte sich, damit sein Krauskopf nicht aus der Menge ragte, und holte so weit mit seinen langen Beinen aus wie ein galoppierendes Pferd. Scapa rannte hinter Arane. Links und rechts verschwamm alles um ihn, nur noch die tanzenden Locken wiesen ihm den Weg. Ein geflochtener Binsenkorb streifte seine Schulter. Hinter ihm brach heilloser Lärm aus, als der Korb umfiel; der Inhalt, Körner oder Nüsse, verstreute sich auf dem Boden.

Arane bog in eine schmale Gasse ab. Das Sonnenlicht war auf einmal wie verschluckt, es dauerte einige Momente, ehe Scapa etwas in der grauen Dunkelheit erkannte: fleckige Mauern, niedrige Dächer, Wäscheleinen. Sie hatten das Ende der Gasse erreicht, da hallten die schweren Schritte von Torrons Männern schon hinter ihnen von Hauswand zu Hauswand.

Scapa keuchte und rannte noch schneller. Die acht Kupfermünzen, die vom Tauschgeschäft heute Morgen übrig geblieben waren, klirrten in seiner Hosentasche. Eine fiel durch ein Loch im Stoff und schlug klappernd auf den Boden. Noch eine Münze fiel.

Dann noch eine.

»Verflucht!« Scapa schloss die Hand um seine Hosentasche und rannte weiter.

Wieder bog Arane ab, Fesco war jetzt ganz vorne.

Er lief geradewegs in eine Sackgasse. Arane stolperte ihm in den Rücken, dann stieß Scapa gegen die beiden.

»Verdammt, was – wieso rennst du hier rein, du Trottel?«, fauchte Arane. Vom Rennen hatten ihre Wangen rote Flecken bekommen.

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