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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Nicht nur Gefahr, Hass und der allgegenwärtige Tod, der in Torrons Geschäftsbranche reich bedient war, sondern auch der Wein hatten ihn altern lassen.

Torron kippte seinen Kelch und spülte das vom Inhalt die Kehle hinunter, was ihm nicht an den Mundwinkeln wieder hinaus rann. Ein Rülpser brachte ihm den versäuerten Geschmack des Hammelfleisches in den Mund zurück. Torron zog sein Messer und stocherte sich damit die Essensreste aus den Zahnlücken. Dabei beobachtete er die Tänzerinnen auf den Tischen und spürte, wie sich der angenehme, ermüdende Rausch des Weins in seine Glieder schlich.

Es war auch eine Elfe unter den Tänzerinnen. Sie stach unter den anderen Frauen hervor wie ein dunkler Opal unter Kieseln: Sie war wesentlich größer als die Menschenfrauen, gertenschlank und hatte grauschimmernde Haut. Ihr glattes, dunkles Haar – wie schwarzes Wasser schimmerte es im Fackelschein – war nach Elfenart frisiert.

Torron mochte keine Elfen, ob nun männlich oder weiblich, Tänzerin oder Hehler. Sie waren ihm unheimlich, doch seine Ablehnung ihnen gegenüber speiste sich vor allem aus dem Reichtum, den viele von ihnen angehäuft hatten – und auf den die Menschen schon immer ein neidisches Auge geworfen hatten. Waren sie einmal aus ihren schmuddeligen Stämmen verstoßen, so schien es, erwachten sie zu hartherzigen, ehrgeizigen und listigen Geschäftemachern.

Aber wenn seine Männer Spaß daran hatten, überlegte Torron und ließ sich von einer dicklichen Tänzerin neuen Wein einschenken, sollten sie doch so viele Elfen einladen, wie sie wollten. Solange er nur nicht ihre schnelle Sprache hören musste, die er an diesem Volk am meisten verabscheute.

Torron lehnte sich zurück und ließ sich tiefer in seinen throngleichen Stuhl sinken. Seine Arme ruhten gebieterisch und schlaff auf den Lehnen. Sein Kopf nickte ihm auf die Brust. Er war nun soweit, unter der klimpernden Musik und dem grölenden Gelächter seiner Banditen einzuschlummern. So wie jede Nacht.

Im Kerker

Es war wie ein wilder Alptraum. Die Musik der Rasseln, Flöten und Handtrommeln erstarb in einem abrupten Ton. Schreie erklangen, die Tänzerinnen sprangen vom Tisch und stoben davon. Torrons Männer schnellten von den Stühlen hoch und zogen ihre Messer und Dolche – doch angesichts der Krieger, die rings um die Halle in jeder Türöffnung erschienen waren, hielten sie verblüfft inne.

Die Jungen und Mädchen brüllten. Waffen schwingend stürzten sich die Horden auf Torron und seine Männer, und die Speisehalle verwandelte sich in ein wüstes Schlachtfeld.

Kampfgebrüll und das Klirren der Schwerter ließen die Deckengemäuer erzittern. Betrunkene Männer sanken vornüber und zogen rote Spuren über die Teller.

Auch Straßenkinder fielen im Handgemenge zu Boden.

Scapa schlug um sich, ohne etwas zu spüren. Die brüllenden Männer verblassten um ihn. »Torron«, sagte er zu sich selbst. »Torron gehört mir.«

Inzwischen stürmten immer mehr Jungen und Mädchen in die Halle. Manche von ihnen genossen sichtlich die Rache an ihren einstigen Peinigern. An einer Stelle standen mehrere Jungen um einen Banditen und hieben immer wieder mit den stumpfen Enden ihrer Speere auf ihn ein. Torrons Gesicht tauchte aus der flimmernden Menge auf. Scapa näherte sich langsam, das Schwert fest mit seinen Fingern umschlossen. Er hatte den Bandenführer noch nie so nah gesehen wie jetzt.

Normalerweise zeigte sich Torron nur im schwarzen Mantel, mit seinem großen Krempenhut über dem halben Gesicht und umringt von treuen Bewachern. Er war Scapa stets wie ein unheilvoller Geist erschienen. Aber jetzt sah er ihn richtig. Und sein wahres Gesicht war nicht weniger Furcht erregend als das dunkle Gespenst im Mantel.

Torron war älter, als Scapa gedacht hatte. Aber auch in seinen jungen Jahren konnte der Bandit nicht schön gewesen sein. Seine Nase war lang und von einem Bruch gebuckelt. Eng standen die schwarzen, kleinen Augen beieinander, eng und bösartig. Grausträhnige Locken klebten ihm fettig um den schmalen Kopf und fielen zu den Schultern herab. Auf dem vorstehenden Kinn, über den schmalen Lippen und den hohlen Wangen wucherten Bartstoppeln. Seine Züge waren zur Grimasse verzerrt, während er mit Faust und Messer um sich stieß, sodass ein Junge nach dem anderen zusammensackte.

Scapa war beinahe vor ihm angekommen. Rings um ihn war der Kampf fast zu Ende gebracht, siegreiche Straßenkinder traten über die Männer hinweg, die sich nicht mehr regten, und trieben Gefangene zusammen. Scapa hob sein Schwert, als Torron ihn entdeckte. Ein abscheuliches Grinsen machte sich auf Torrons Lippen breit; vielleicht verzerrten sie sich aber auch bloß vor Hass. Als er sich für Scapas Angriff bereit machte, schlug ihm von hinten ein Knüppel auf den Kopf. Torrons Haarsträhnen flogen durch die Luft. Er fiel auf die Knie.

»Hör auf!«, schrie Scapa.

Der Junge mit dem Knüppel hielt inne. Scapa ließ das Schwert fallen, packte die Armbrust und zielte auf Torron, der wie betäubt vor ihm kniete. Einen Moment wartete Scapa ab, ob Torron das Bewusstsein verlieren würde. Doch dann richtete sich der Blick des Mannes flackernd auf ihn.

»Ich kenn’ dich. Du bis’ Scaret, oder?«

Scapa hielt die Armbrust in bebenden Händen.

»Der Name«, sagte er, »der deinen Untergang bedeutet, lautet Scapa.«

Torron lachte keuchend, doch seine Augen glühten so hasserfüllt, dass sich Scapas Herz zusammenzog.

Immer lauter wurde sein heiseres Lachen, bis Scapa merkte, dass es in der Halle ganz still geworden war.

»Ich war mal nich’ viel anders als du.« Torron grinste zu Scapa auf. Die vielen Silberringe in seinen Ohren und seiner Unterlippe klirrten, als er den Kopf vor Lachen schüttelte. »Aber natürlich war ich nich’ so ‘n scheiß Hosenscheißer.«

Scapas Augen verengten sich. »Was sagst du, alter Mann?«

»Na los«, brüllte Torron. Die Adern traten an seinem schmutzigen Hals vor. »Bring’s hinter dich. Drück ab. Schau dir die dummen Jungs an, die hier um uns liegen. Ich hab nich’ gezögert, ihnen die Hälse zu verdrehn. Na, aus Rache – du schuldest es deinen kleinen Freunden, mich zu töten. Das willst du doch!« Er warf den Kopf in den Nacken und lachte irr. »Töte mich! Töte Vio Torron, den mächtigsten Mann von Kesselstadt! Dann gehört die Stadt ‘nem kleinen Hosenscheißer!«

»Fesselt ihm die Hände!«, schrie Scapa. »Fesselt ihn!« Die Straßenkinder traten zögernd näher und taten, was Scapa befahl. »Und jetzt bringen wir ihn in den Keller. Hier gibt es doch Kerker, oder, Torron? Ich hoffe, die hast du genauso schön eingerichtet wie den Rest von meinem Fuchsbau.«

Jetzt sagte Torron nichts mehr. Während sie die Halle verließen, die Jungen und Mädchen ihn voran stießen, die Gänge entlang und die Treppen hinunter, fixierten seine Augen unablässig Scapa.

Hinter dem Weinfasslager der Kellergewölbe befanden sich niedrige Zellen, in denen die Banditen ihre Gefangenen zu halten pflegten. In einen der Kerker stießen sie Torron hinein. Scapa selbst schloss den Riegel ab.

Die Armbrust sank ihm aus den Armen, er lehnte sich gegen die Steinwand und atmete tief durch.

Dann befahl er den anderen: »Durchsucht den ganzen Fuchsbau nach Torrons Männern. Und seht nach, ob es Verwundete gibt.«

Als die jungen Krieger sich auf den Weg machten, rief Scapa zwei von ihnen zurück – sie sollten Torrons Kerker bewachen.

»Geht nicht zu nah an die Tür!«, rief Scapa ihnen noch zu. Dann lief er los, begann zu rennen. Er stieß gegen die Weinfässer und stolperte durch den Riss in der Wand.

»Arane!«

Sie hatte gegen die feuchten Steine gelehnt und betend auf dem Boden gekauert. Nun erhob sie sich langsam. Im Schein der fast erloschenen Laterne schien sie geisterhafter denn je.

»Oh ihr Götter«, wisperte Arane. »Oh Götter ... Scapa!«

Fassungslos vor Erleichterung fielen sie sich in die Arme.

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