Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
Fesco zitterte am ganzen Leib, er konnte kaum antworten. »Hier rein«, japste er und stieg durch einen schmalen Hauseingang. In dem Raum saß eine Familie beim Mittagessen.
Mehrere Männer und Frauen und ein Dutzend Kinder umringten dampfende Schüsseln und Töpfe. Fragend blickten sie auf, als die drei ins Haus stürmten.
»Äh – ahm«, stammelte Fesco. »Kommt!«
Er hechtete an den Leuten vorbei und eine schmale Treppe hinauf. Arane und Scapa beeilten sich, ihm zu folgen. Sogleich erhob sich ein schimpfender Mann und wollte ihnen nach.
Im oberen Stockwerk lagen drei kleine Zimmer nebeneinander, Fesco rannte in eines hinein und beugte sich weit aus dem schmalen Fenster. Hinter ihnen hörten sie das Poltern des Mannes, der die Treppe hinaufkam. Unter dem Fenster waren gerade Gregov und Torrons Männer angekommen. Suchend sahen sie sich in der Sackgasse um.
Fesco wiederholte wie eine Beschwörung immer dasselbe Schimpfwort und klang jedes Mal verzweifelter. Unschlüssig trat er vom Fenster zurück, bis die Tür aufschlug und der Mann von unten hereinpolterte. »Wer seid ihr? Was macht ihr Rotzbengel in meinem Haus? Ich rufe die Soldaten!«
»Nun zieh dir mal den Zeigestock aus dem Hintern!«
Fesco schaffte es sogar noch, eine Fratze zu schneiden, dann war er mit einem Satz auf dem Fenstersims, griff nach oben und zog sich zum Dach hoch. Scapa und Arane beschlossen ihm schleunigst zu folgen.
Gleichzeitig standen sie auf dem schmalen Fensterbrett, unter ihnen schrien Torrons Männer, die sie bereits entdeckt hatten. Der Hausbesitzer hatte sich inzwischen einen Besen geschnappt, um damit nach ihnen zu stochern.
Arane sprang in die Höhe und zog sich am Dach hinauf. Scapa schob von unten nach und stemmte die Hände gegen ihre Füße. Dann schwang er sich selbst hoch. Arane und Fesco packten ihn beide an einer Hand und zogen. Einen kurzen Moment schwankten seine Füße noch vor dem Fenster und bekamen einen Besenstoß ab, dann rollte sich Scapa auf den Bauch und sprang auf.
Die drei stolperten über die Dachziegel. Lärm schwoll hinter ihnen an. Als Scapa sich umdrehte, hing Gregovs rotes Gesicht am Dachrand und starrte ihnen wutverzerrt nach.
Sie erreichten die Dachrinne und ließen sich so schnell am Regenablauf hinuntergleiten, dass ihre Handflächen brannten. Taumelnd landeten sie auf der Straße. Von links hallte zorniges Gebrüll durch die Gassen, über ihnen kam das Poltern auf dem Dach immer näher.
Sie flitzten rechts die Straße hinauf, schlitterten um eine Ecke, rannten, rannten, ungeachtet des Seitenstechens. Schließlich sprangen sie über einen Haufen Schutt und Steine hinweg, der eine Lücke zwischen zwei Häusern versperrte, und krochen bis in die tiefsten Schatten. Eine Weile später stürzten mehrere Männer an ihnen vorbei, ohne sie zu entdecken.
Nach Luft ringend und dicht an die Mauern gepresst, verharrten sie eine lange Zeit. Hitze stieg ihnen in die geröteten Gesichter. »Das – war verdammt knapp!«, stieß Fesco hervor.
Scapa lauschte nach verdächtigen Geräuschen.
Aber nur der gewöhnliche Stadtlärm umgab sie jetzt.
Die Gefahr war vorbei. Seufzend lehnte er den Kopf gegen die Hauswand. Sie mussten Torron besiegen, alleine schon, damit diese ständigen Hetzjagden aufhörten!
Fesco zog sich die Mütze vom Kopf und klopfte den Staub ab. »Wenigstens haben wir den dämlichen Gregov ein bisschen zum Schwitzen gebracht.«
Arane richtete sich auf. Würdevoll strich sie eine Haarsträhne aus der Stirn. »Heute Abend treffen wir uns. Und zwar alle, die dazugehören. Scapa und ich haben einen Plan.«
Scapa sah sie überrascht an – davon hatte er noch nichts gewusst.
An diesem Abend zündete Arane alle drei Öllampen an, die sie besaßen. Sie stellte sie rings im Zimmer auf, damit sie so viel Licht wie nur möglich hatten.
Die Schlafmatten waren so weit über den Fußboden ausgebreitet, dass die meisten Besucher dieser Nacht einen Platz darauf finden würden. Scapa saß grübelnd da und verschränkte die Arme über den Knien, während Arane die Schlafmatten noch hin und her zog, um die bestmögliche Position für sie zu finden.
»Und du meinst, das klappt?«, fragte er leise.
»Natürlich. Das heißt, wenn wir die richtigen Leute zusammen kriegen. Wenn sie denn auch kämpfen können. Und wenn wir nicht zu früh entdeckt werden.«
»Hm.« Scapa faltete die Hände. Dann löste er sie ungeduldig wieder und knackte mit einem Fingerknöchel nach dem anderen. Als sie von draußen Schritte vernahmen, sprang er auf und schlich mit dem Dolch in der Hand zum dunkelroten Vorhang.
»Scapa?«, flüsterte jemand.
»Komm rein.«
Fesco trat durch den Vorhang. In seinem Schlepptau waren vier weitere Jungen. Leise grüßten sie und schenkten Arane scheue Blicke. Auf eine Geste von ihr hin ließen sich die Jungen sofort auf den Bodenmatten nieder und nahmen die Mützen ab.
Bald tauchten noch mehr Besucher auf. In kleinen Trauben kamen sie angeschlichen, zu fünft, zu sechst, manchmal nur zu dritt. Schließlich war der Raum voll. Es mussten mindestens fünfundzwanzig Leute sein. Für die meisten war Platz zum Sitzen, die anderen standen dicht an die Wand gedrängt. Es waren fast nur Jungen, aber hier und da saß auch ein Mädchen unter ihnen, sonnengebräunt und mit struppigen Haaren. Leises Murmeln erfüllte den Raum, doch niemand hob die Stimme lauter als nötig. Die Angst, von Torrons Männern entdeckt zu werden, war ihnen bis hierher gefolgt.
Arane saß auf dem einzigen Stuhl, den sie besaßen, und hatte die Hände gefaltet. Ruhig beobachtete sie die Menge, bis Scapa neben sie auf den Tisch kletterte. Alle verstummten. »Danke, dass ihr gekommen seid«, begann Scapa.
»Leider ist der Einbruch in der Soldatenwache gestern nicht so erfolgreich gewesen, wie wir gehofft hatten. Ich bin froh, viele von letzter Nacht wieder zu sehen. Andere, um die ich gefürchtet habe, sehe ich leider nicht.« Sein Blick streifte durch die Reihen der Anwesenden. Der Lampenschein flackerte auf ihren dunklen oder blassen, mageren oder runden Gesichtern. »Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg, den Fuchsbau endgültig zu erobern und Torron zu besiegen. Wir haben einen Plan.« Er spürte die Spannung um sich herum und versuchte seine Gefährten einzuschätzen: Die meisten wirkten noch immer fest entschlossen.
Schließlich sprach Scapa die Idee aus, auf der ihre ganze irrsinnige Hoffung beruhte, er sagte es schnell und schmerzlos: »Wir holen uns Torrons Waffen.«
»Was?«, rief ein älterer Junge namens Cev und sprang auf. »Was soll das denn heißen?«
»Es heißt genau das, was ich gesagt habe«, erwiderte Scapa. »Bitte, hört mir erst zu.«
Allmählich verebbte das verwirrte Raunen.
»Es gibt einen Weg, in den Fuchsbau zu gelangen, ohne von Torrons Männern entdeckt zu werden. Wisst ihr, wie der Wolf ins Haus des Hasen kam? Er konnte die Tür nicht aufbrechen, deshalb kletterte er durch den Schornstein ... Denkt nach.« Niemand sagte etwas. Kurz sah Scapa zu Arane herab. Sie erwiderte seinen Blick eindringlich.
»Die Kanalisation«, flüsterte er. Dann blickte er wieder auf: »Die Kanalisationsschächte! Selbst der Fuchsbau muss alte Schächte haben, die bis in sein Inneres führen! Durch sie werden wir unbemerkt in Torrons Festung kommen!« Das große Staunen beflügelte Scapa. Er schloss die Hand zur Faust.
»Wenn wir erst mal drin sind, finden wir die Waffenkammern. Von dort nehmen wir uns alles, was wir tragen können und greifen von innen heraus an! Torron und seine Männer werden überrumpelt sein. Wenn sie zu ihren Waffen greifen wollen, sind sie nicht mehr da. So lösen wir nicht nur das Problem, an Speere, Schwerter und Knüppel zu kommen, wir verhindern auch, dass Torrons Männer uns als gewappnete Feinde begegnen. Nur so können wir tatsächlich gewinnen!«
»Das heißt, wir dringen vollkommen unbewaffnet in den Fuchsbau ein?«, fragte Cev ungläubig.
»Ja. Wir brauchen Hacken und Schaufeln, falls die unterirdischen Wege zugebaut sind. Dann sind wir auf uns gestellt, bis wir die Waffenkammern erreichen.«