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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Also werde ich den Würfel jetzt zur Seite legen. Das nächste Mal erzähle ich dir vielleicht, wie wir das Grabmal des Kaisers der Erhabenen freilegten und feststellten, daß er noch lebte und nur scheintot war. Oder wie wir den verborgenen Schatz der Erhabenen fanden, Uran im Werte von fünfzig Milliarden Krediteinheiten. An einem langweiligen Abend sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Morgen kommt endlich der Augenblick der Wahrheit. Und jetzt hinein in die Kälte und Finsternis. Ende.

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23. August 2375

Higby V

Also begannen wir zu graben, und dabei stießen wir geradewegs auf diesen glatten und massiven Plutonium-Sarkophag mit dem Knopf aus Platin an der Seite, und Dr. Horkkk betätigte diesen Knopf, und der Sargdeckel sprang auf, und im Innern entdeckten wir den Kaiser der Erhabenen, der aus der Starre des Scheintods erwachte, sich aufrichtete und laut und deutlich sagte: „Gruß euch, o Geschöpfe der fernen Zukunft!“

Also begannen wir diesem schmalen und gewundenen Tunnel durch den Hügel zu folgen, und Kelly bohrte sich in einen Seitengang, wo wir auf diese Gruft aus blauem Schmelzglas stießen, und auf das Kommando „Sesam, öffne dich!“ schwang die Grufttür auf, und wir sahen die säuberlich aufgestapelten Uranbarren, bei denen es sich um den kaiserlichen Schatz der Erhabenen handeln mußte, der mindestens fünfzig Milliarden Krediteinheiten wert war.

Also begannen wir…

Nun, in Wirklichkeit geschah nichts dergleichen. Und es ist auch ziemlich unwahrscheinlich, daß so etwas geschieht. Aber ich dachte mir, es sei eine nette Idee, diesen Hörbrief mit einem Knall zu beginnen. Wahr ist aber, daß unsere Ausgrabungen bereits einige Tage andauern und daß die Fundstelle einen vielversprechenden Eindruck macht.

Dies ist die dreiundzwanzigste Fundstelle von Erhabenen-Artefakten, die bisher entdeckt wurde. Wahrscheinlich weißt du, daß der erste Fundort vor gut zehn Jahren in der Syrtis-Major-Region auf dem Mars ausfindig gemacht und zunächst irrtümlich für die Überbleibsel einer uralten marsianischen Zivilisation gehalten wurde. Doch während auf dem Mars darüber hinaus nichts weiter gefunden werden konnte, sind mehr als ein Dutzend sehr ähnliche Lagerstätten auf weit voneinander entfernten Planeten ans Tageslicht gebracht worden, und diese Welten befinden sich in einer Raumkugel mit einem Radius von rund hundert Lichtjahren. Daraus schließen wir, daß die Geschöpfe, die diese Depots hinterließen, einem galaktischen Volk angehört haben müssen, das sich auf seinen Reisen über ein weites Gebiet ausbreitete. Zu Beginn der ganzen Sache wurden diese Wesen von Holo-Reportern „Erhabene“ genannt, und dieser Name hat sich eingebürgert. Selbst wir Archäologen benutzen ihn. Er ist nicht sehr wissenschaftlich, aber irgendwie scheint er angemessen.

Bisher weisen die ganzen Fundstätten von Erhabenen-Artefakten die gleichen allgemeinen Muster auf. Das bedeutet folgendes: Sie stellen eher einen Vorposten als eine dauerhafte Ansiedlung dar, als hätten die Erhabenen Spähtruppen von Forschern über die ganze Galaxis verstreut und als hätten diese Forscher auf den jeweiligen Planeten nur einen Zwischenaufenthalt von zwanzig oder dreißig oder fünfzig Jahren eingelegt, bevor sie weitergezogen waren. Bei jedem Fundort haben die Archäologen ganz typische Artefakte der Erhabenen freigelegt — komplizierte, seltsame Objekte, die für gewöhnlich gut erhalten sind, deren Zweck aber ein völliges Rätsel darstellt. Die Kunstfertigkeit ist hervorragend. Im allgemeinen verwendeten sie goldfarbene Kunststoffe mit metallartigen Eigenschaften als Ausgangsmaterialien, und manche der Artefakte sehen aus, als seien sie gerade hergestellt worden.

Das sind sie nicht. Sie kommen aus einer Vergangenheit zu uns, die eine Milliarde Jahre zurückliegt.

Wir verfügen über recht zuverlässige Methoden zur Datierung alter Fundstellen, und wir wissen, daß die Erhabenen vor etwa einer Milliarde Jahren auf dem Mars lebten, mit einer möglichen Fehlerquote von zehn Millionen Jahren oder einem Prozent. Die Datierungen der anderen Fundorte liegen an verschiedenen Punkten zwischen 1100000000 und 850000000 Jahren. Eine Tatsache, aus der sich für uns zwei wichtige Schlußfolgerungen ergeben:

1. Die Erhabenen haben bereits zu einer Zeit eine galaktische Zivilisation entwickelt, als die Erde noch keine komplexeren Lebensformen als Krabben und Schnecken hervorgebracht hatte.

2. Über eine Zeitspanne von einer Viertelmilliarde Jahre hinweg wies die Kultur der Erhabenen keine bedeutenden Veränderungen auf. Das deutet auf eine starre, konservative und völlig ausgereifte Zivilisation hin, die eine Zeitspanne überdauerte, bei deren Vorstellung allein mir schwindelig wird. Wir betrachten die alten Ägypter als eine stabile Gemeinschaft, weil sich ihre Kultur über dreitausend Jahre hinweg im großen und ganzen nicht veränderte. Ha! Was sind dreitausend Jahre gegenüber 250 Millionen?

Die Erhabenen haben uns einen ganzen Schwung Rätsel hinterlassen. Wie etwa die Frage nach ihrem Ursprung. Jenseits der Hundert-Lichtjahre-Grenze haben wir bisher keine Außenposten der Erhabenen entdeckt. Allerdings haben wir jenseits dieses Radius auch keine gründlichen Untersuchungen durchgeführt, auch wenn sich einige von unseren Raumschiffen sogar achthundert Lichtjahre von der Erde entfernt befinden. Aber das völlige Fehlen von Spuren der Erhabenen auf allen bisher untersuchten weiter entfernten Welten ist seltsam.

Eine Theorie behauptet, die Erhabenen seien in unserer Galaxis beheimatet gewesen und hätten sich auf einem Planeten innerhalb der Hundert-Lichtjahre-Zone entwickelt. Der Umstand, daß wir bisher auf nichts gestoßen sind, das als eine Art Großstadt der Erhabenen interpretiert werden kann, ist unbedeutend: Früher oder später werden wir den Planeten finden, von dem all ihre Forschungsgruppen gestartet sind. Dr. Horkkk ist der führende Vertreter dieser Theorie. In unserer Gruppe wird er von Leroy Chang unterstützt.

Die andere Vorstellung geht davon aus, daß die Erhabenen von irgendeinem weit entfernten Ort kamen — möglicherweise aus einer Entfernung von hunderttausend Lichtjahren, vom anderen Ende der Galaxis — und die meisten dazwischen liegenden Sterne einfach übersprangen, um unseren kleinen Winkel des Universums gründlich und in aller Ruhe zu erforschen. Vielleicht sind sie sogar von extragalaktischer Herkunft und stammen, sagen wir, von den Magellanschen Wolken, zweihunderttausend Lichtjahre entfernt. Vielleicht kamen sie von dort aus zu uns und verbrachten einige hundert Millionen Jahre mit der Erforschung unserer Galaxis. Dr. Schein ist von der Theorie der extragalaktischen Herkunft überzeugt. Ebenso Saul Shahmoon.

Dr. Schein und Dr. Horkkk kreuzen natürlich niemals in aller Öffentlichkeit die Klingen über ihre Meinungsverschiedenheiten. Das schickt sich einfach nicht. Wenn zwei hochangesehene Wissenschaftler nicht übereinstimmen, dann kommt das in den Seiten der wissenschaftlichen Fachjournale zum Ausdruck, mit Girlanden von Fußnoten und einer sorgfältig abgewogenen antiseptischen Prosa, die auf einen Nenner gebracht und erheblich gekürzt lautet: „Mein geehrter Opponent in dieser Diskussion ist ein blöder Ignorant.“ Wenn der Zufall es will, daß sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, erst recht aber, wenn sie sich beim gleichen Expeditionsunternehmen treffen, dann bleiben sie ganz höflich und erwähnen die Streitfrage nicht einmal — auch wenn sie hinter ihrer Stirn immer wieder den gleichen Gedanken haben: „Mein geschätzter Kollege hier ist ein blöder Ignorant.“

Wir anderen werden nicht mit einbezogen in den verschlüsselten Schlagabtausch, der während des Höhepunkts eines Krieges der Theorien zwischen den jeweiligen Widersachern stattfindet. Deshalb gingen wir selbst in Stellung und streiten uns heftig über unsere Auffassungen — nur aus Spaß an der Freud’ und nichts weiter als reinem Sportsgeist, da wir keine ausreichenden Kenntnisse besitzen, auf die wir uns hätten stützen können.

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