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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Aes Sedai betrachtete einen Moment lang die Tischfläche, bevor sie die Augen zu denen Nynaeves erhob, und als sie das tat, schreckte Nynaeve vor dem zornigen Leuchten in ihnen zurück. Dann versteifte sich ihr Rücken, und auch in ihr wuchs der Zorn, doch bevor sie ein Wort herausbringen konnte, sagte die Aes Sedai kalt: »Ich hoffe, auch Egwene lebendig und gesund zu finden. Ich gebe nicht leicht junge Frauen auf, die solche Fähigkeiten besitzen, wenn ich sie einmal gefunden habe. Aber es wird sein, wie das Rad es webt.«

Nynaeve fühlte einen kalten Klumpen in ihrem Magen. Bin ich eine dieser jungen Frauen, die du nicht aufgeben wirst? Das werden wir ja sehen, Aes Sedai. Das Licht verbrenne dich, aber wir werden ja sehen!

Sie beendeten ihr Mahl schweigend, und es waren drei schweigende Menschen, die durch das Tor hinaus und die Straße nach Caemlyn hinunterritten. Moiraines Blicke suchten den Horizont im Nordosten ab. Hinter ihnen kauerte die rußgeschwärzte Stadt Weißbrücke.

29

Gnadenlose Augen

Elyas ließ sie über die braune Grasebene hetzen, als wolle er die Zeit wieder aufholen, die sie beim Fahrenden Volk verbracht hatten. Sein Tempo Richtung Süden war so stramm, daß selbst Bela dankbar schient wenn sie beim Einbruch der Dämmerung anhielten. Trotz der angestrebten Eile traf er jedoch Vorsichtsmaßnahmen, die er zuvor nicht getroffen hatte. Nachts entzündeten sie nur dann ein Feuer, wenn genug trockenes Holz am Boden lag. Er ließ sie nicht einmal ein winziges Zweiglein von einem Baum abbrechen. Seine Lagerfeuer waren klein und immer in einer Kuhle verborgen, die er sorgfältig grub, nachdem er ein Stück Grasnarbe herausgeschnitten hatte. Sobald ihre Mahlzeit fertig war, vergrub er die Kohlen und schloß die Kuhle wieder mit dem Stück Grasnarbe. Bevor sie in der ersten Dämmerung aufbrachen, untersuchte er jeden Fingerbreit ihres Lagerplatzes, um sicherzugehen, daß es kein Anzeichen dafür gab, daß sich hier jemand aufgehalten hatte. Er richtete sogar umgetretene Stein wieder auf und glättete heruntergedrückte Halme. Das erledigte er schnell — er brauchte nie mehr als ein paar Minuten -, aber sie brachen erst auf, wenn er zufriedengestellt war.

Perrin glaubte nicht, daß diese Vorsichtsmaßnahmen gegen Träume helfen würden, aber wenn er darüber nachdachte, wogegen sie schützen sollten, dann wünschte er, sie würden nur der Träume wegen getroffen. Beim ersten Mal fragte Egwene ängstlich, ob die Trollocs zurückgekehrt seien, aber Elyas schüttelte den Kopf und trieb sie weiter voran. Perrin sagte nichts. Er wußte, daß keine Trollocs in der Nähe waren; die Wölfe witterten nur Gras und Bäume und Kleintiere. Es war nicht die Angst vor Trollocs, die Elyas so eilig vorwärtstrieb, sondern dieses andere Gefühl, dessen sich sogar Elyas nicht ganz sicher war. Die Wölfe wußten nichts darüber, aber sie fühlten Elyas' drängende Vorsicht, und deshalb erkundeten sie alles so genau, als klebe ihnen die Gefahr an den Füßen oder als warte hinter dem nächsten Hügel ein Hinterhalt.

Niedrige Landwellen, nicht hoch genug, um Hügel genannt zu werden, erhoben sich vor ihnen. Darüber breitete sich ein Teppich zähen Grases aus, noch wintergelb und mit wucherndem Unkraut durchsetzt. Es wogte unter einem Wind, der hundert Meilen weit auf kein Hindernis stieß. Die Baumgruppen wurden seltener. Die Sonne ging zögernd auf und verbreitete keine Wärme.

Zwischen diesen geduckten Höhenzügen folgte Elyas den Konturen des Landes so weit wie möglich. Er vermied es nach Möglichkeit, die Erhebungen direkt zu überschreiten. Er sprach selten, und wenn, dann...

»Wißt ihr überhaupt, wieviel Zeit uns das kostet, jeden verdammten kleinen Hügel einzeln zu umgehen? Blut und Asche! Ich werde bis zum Sommer brauchen, bis ich euch endlich los bin. Nein, wir können nicht einfach geradeaus laufen! Wie oft muß ich euch das noch sagen? Habt ihr eine blasse Ahnung, wie sehr sich ein Mensch abhebt, wenn er in einer solchen Landschaft auf einem Hügelkamm steht? Seng mich, aber wir marschieren genausoweit seitwärts und zurück wie vorwärts! Kriechen wie eine Schlange! Ich könnte mich noch mit zusammengebundenen Füßen schneller bewegen. Also was ist, wollt ihr mich angaffen oder weitergehen?«

Perrin wechselte einen schnellen Blick mit Egwene. Sie streckte die Zunge nach Elyas' Rücken aus. Keiner von beiden sagte etwas. Beim ersten Mal, als Egwene protestiert hatte, daß es ja Elyas sei, der um die Hügel herumlaufen wolle, und er sie nicht dafür verantwortlich machen solle, hatte sie eine Lektion darüber erhalten, wie weit man sie hören könne, und das in einem grollenden Ton, den man bestimmt eine Meile weit hören konnte. Er belehrte sie über die Schulter weg und lief nicht einmal langsamer dabei.

Ob er nun gerade redete oder schwieg, immer suchten Elyas' Augen die Umgebung ab. Manchmal blickte er so eindringlich auf etwas, als gebe es außer dem groben Gras wie unter ihren Füßen noch etwas zu sehen. Falls er etwas sah, konnte ihm Perrin nicht folgen, und auch die Wölfe sahen nichts. Auf Elyas Stirn bildeten sich noch ein paar Runzeln mehr, aber er gab keine Erklärung ab, weder warum sie es so eilig hatten, noch vor wessen Verfolgung er sich so sehr fürchtete.

Manchmal erstreckte sich ein noch längerer Höhenzug als sonst quer über ihren Weg und verlief meilenweit nach Westen und nach Osten. Dann mußte ihnen sogar Elyas zugestehen, daß es ein zu großer Umweg sei, ihn zu umgehen. Aber er ließ sie auch nicht einfach darübersteigen. Er verließ sie am unteren Ende des Abhangs, kroch auf dem Bauch bis zum Kamm hinauf und spähte so vorsichtig hinüber, als hätten die Wölfe nicht zehn Minuten zuvor hier alles abgesucht. Als sie so auf der Talsohle unten warteten, vergingen ihnen die Minuten so zäh wie Stunden, und die Ungewißheit drückte sie nieder. Egwene kaute auf der Lippe herum und klickte unbewußt ständig mit den Perlen, die ihr Aram gegeben hatte. Perrin wartete hartnäckig. Sein Magen war wie zu einem Knoten verschnürt, aber er brachte es fertig, das Gesicht nicht zu verziehen und den Aufruhr im Inneren zu verbergen.

Die Wölfe werden uns warnen, wenn eine Gefahr auftaucht. Es wäre wunderbar, wenn sie einfach wegliefen, wenn sie verschwänden, aber jetzt in diesem Augenblick... jetzt würden sie uns warnen. Wonach sucht er bloß? Wonach?

Nach langer Suche, während der er nur die Augen über den Hügelkamm erhob, bedeutete Elyas ihnen für gewöhnlich, nachzukommen. Jedesmal war der Weg nach vorn frei — bis zur nächsten Erhebung, die sie nicht umgehen konnten. Als das zum dritten Mal geschah, verkrampfte sich Perrins Magen vollkommen. Er stieß sauer auf und wußte, wenn er auch nur fünf Minuten lang warten mußte, würde er sich übergeben. »Ich... « Er schluckte. »Ich komme auch.«

»Duck dich«, war alles, was Elyas sagte.

Während er sprach, sprang Egwene von Belas Rücken.

Der in Felle gehüllte Mann schob seinen runden Hut nach vorn und spähte unter dem Rand hervor nach ihr. »Erwartest du, daß die Stute auf dem Bauch kriechen kann?« fragte er trocken.

Ihr Mund bewegte sich, doch sie brachte keinen Laut hervor. Schließlich zuckte sie die Achseln, und Elyas wandte sich wortlos ab und machte sich daran, den sanften Abhang zu erklimmen. Perrin eilte ihm nach.

Ein gutes Stück vor Erreichen des Hügelkammes machte Elyas eine Bewegung nach unten, und einen Augenblick später lag er schon flach am Boden und wand sich die letzten paar Schritte vorwärts. Perrin ließ sich auf den Bauch fallen.

Oben angekommen, nahm Elyas seinen Hut ab, bevor er den Kopf ganz langsam hob. Perrin lugte durch ein Dornengestrüpp hindurch, sah aber nur die gleiche wellige Ebene, wie sie hinter ihnen lag. Der Abhang auf der ihnen abgewandten Seite war kahl; nur unten an seinem Fuß stand eine kleine Baumgruppe — vielleicht hundert Schritte im Durchmesser — etwa eine halbe Meile südlich des Kammes. Die Wölfe waren bereits hier durchgekommen und hatten keine Witterung von Trollocs oder Myrddraal aufgenommen.

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