Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Im Osten wie im Westen sah das Land gleich aus, soweit Perrin blicken konnte — welliges Grasland und hier und dort etwas Unterholz. Nichts bewegte sich. Die Wölfe befanden sich mehr als eine Meile voraus außer Sichtweite; auf diese Entfernung konnte er sie kaum fühlen. Sie hatten nichts gesehen, als sie diesen Fleck erkundeten. Wonach sucht er? Es gibt hier nichts.
»Wir verschwenden unsere Zeit«, sagte er und wollte sich aufrichten, da brach aus den Bäumen unten ein ganzer Schwarm Raben hervor, fünfzig, hundert schwarze Vögel, und kreiste zum Himmel empor. Er erstarrte zusammengekauert, als sie über die Bäume flatterten. Die Augen des Dunklen Königs. Haben sie mich gesehen? Schweiß lief ihm übers Gesicht.
Als ob ein einziger Gedanke gleichzeitig hundert winzige Hirne erfaßt hätte, so flogen alle Raben in die gleiche Richtung los: Süden. Der Schwarm verschwand hinter der nächsten Erhebung, wobei er sich bereits wieder dem Boden entgegensenkte. Im Osten spie ein anderes Dickicht weitere Raben aus. Die schwarze Masse kreiste zweimal und flog dann nach Süden weiter.
Zitternd ließ er sich wieder am Boden nieder. Er versuchte zu sprechen, doch sein Mund war ausgetrocknet. Nach einer Minute brachte er wieder ein wenig Speichel hervor. »War es das, wovor du Angst hattest? Warum hast du nichts gesagt? Wieso haben die Wölfe sie nicht gesehen?«
»Wölfe schauen nicht oft in die Bäume hinauf«, grollte Elyas. »Und nein, danach habe ich nicht gesucht. Ich habe dir bereits gesagt, ich wußte nicht, was... « Weit weg im Westen erhob sich eine schwarze Wolke über einem anderen Hain und schwang sich Richtung Süden durch die Luft. Sie waren zu weit weg, um einzelne Vögel ausmachen zu können. »Dem Licht sei Dank, daß es noch nicht so viele sind. Sie wissen nichts. Selbst nach dem... « Er drehte sich um und blickte zurück, woher sie gekommen waren.
Perrin schluckte. Selbst nach diesem Traum, hatte Elyas sagen wollen. »Nicht viele?« sagte er. »Zu Hause sehen wir so viele Raben nicht einmal in einem ganzen Jahr.«
Elyas schüttelte den Kopf. »In den Grenzlanden habe ich Schwärme gesehen, das waren bestimmt tausend Raben auf einmal. Nicht zu oft — es gibt dort Raben im Überfluß -, aber es kam vor.« Er blickte immer noch nach Norden. »Ruhig jetzt!«
Perrin fühlte es jetzt: das Bemühen, Kontakt mit den entfernten Wölfen aufzunehmen. Elyas wollte, daß Scheckie und ihre Begleiter aufhörten, das Land voraus auszukundschaften; statt dessen sollten sie zurückkommen und ihre Spur nach hinten absichern. Bei der Anstrengung wurde sein sowieso schon hageres Gesicht noch schmaler und spannte sich an. Die Wölfe waren so weit entfernt, daß Perrin sie nicht einmal fühlen konnte. Beeilt euch. Beobachtet den Himmel. Schnell.
Schwach empfing Perrin eine Antwort von weit weg aus dem Süden. Wir kommen. Ein Bild huschte durch seinen Verstand — rennende Wölfe, die Schnauze in den Wind gestreckt, als sei ein Steppenfeuer hinter ihnen her, rennen, rennen — blitzte auf und war einen Augenblick später wieder verschwunden.
Elyas sank in sich zusammen und atmete tief ein. Mit gerunzelter Stirn spähte er über den Hügelkamm hinweg und dann wieder nach Norden. Er murmelte etwas in seinen Bart.
»Glaubst du, daß hinter uns noch mehr Raben sind?« fragte Perrin.
»Könnte sein«, antwortete Elyas unbestimmt. »Manchmal machen sie es so. Ich kenne einen Ort, den sollten wir bis zur Dunkelheit erreichen. Wir müssen sowieso bis tief in die Nacht weitergehen, auch wenn wir den Ort nicht erreichen, aber wir kommen nicht so schnell vorwärts, wie ich es gern hätte. Wir können es nicht riskieren, den Raben vor uns zu nahe zu kommen. Aber wenn sie auch hinter uns sind... «
»Warum bei Nacht?« fragte Perrin. »Was für ein Ort? Irgendwo, wo wir vor den Raben sicher sind?«
»In Sicherheit vor den Raben«, sagte Elyas, »aber zu viele Menschen kennen... Die Raben lassen sich die Nacht über nieder. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, daß sie uns in der Dunkelheit finden könnten. Das Licht wolle, daß wir uns nur über Raben den Kopf zerbrechen müssen.« Nach einem weiteren Blick über den Hügelkamm erhob er sich und winkte Egwene zu, sie solle Bela hochbringen. »Aber es ist noch lange nicht dunkel. Wir müssen weiter.« Er begann, den Abhang vor ihnen mit langen Schritten hinunterzurennen. Jeder Schritt ließ ihn beinahe stürzen. »Bewegt euch, Licht noch mal!«
Perrin kam ihm, halb rennend, halb rutschend, hinterher. Egwene überquerte den Hügelkamm hinter ihnen. Sie ließ Bela die Fersen spüren, und die Stute trabte hinunter. Ein Lächeln der Erleichterung überzog ihr Gesicht, als sie sie sah. »Was ist los?« rief sie ihnen zu, wobei sie die zerzauste Stute vorwärtstrieb, um aufzuholen. »Als ihr so plötzlich verschwunden seid, dachte ich... Was ist geschehen?«
Perrin ersparte sich die Antwort, bis sie bei ihnen war. Er erzählte ihr von den Raben und Elyas' sicherem Versteck, aber es war eine unzusammenhängende Erzählung. Nach einem erstickten »Raben!« unterbrach sie ihn ständig mit Fragen, auf die er genauso oft keine Antwort wußte. So beendete er das Gespräch nicht, bevor sie den nächsten Hügelkamm erreicht hatten.
Normalerweise — wenn auf dieser Reise irgend etwas normal genannt werden konnte — hätten sie diesen Hügel umrundet, anstatt ihn zu überqueren, aber Elyas bestand darauf, in jedem Fall zunächst das Terrain zu erkunden.
»Willst du mitten unter denen landen, Junge?« war sein mürrischer Kommentar.
Egwene sah den Hügelkamm an und leckte sich die Lippen, als wolle sie diesmal mit Elyas gehen und gleichzeitig lieber dort bleiben, wo sie war. Elyas war der einzige unter ihnen, der nicht zögerte.
Perrin fragte sich, ob die Raben je zur Sicherheit noch einmal zurückflögen. Das wäre eine schöne Bescherung, wenn sie den Kamm zur gleichen Zeit erreichten wie ein Schwarm Raben.
Oben hob er ganz vorsichtig den Kopf, bis er gerade hinüberblicken konnte, und ein Seufzer der Erleichterung entrang sich ihm. Alles, was er sah, war eine Baumgruppe ein wenig westlich von ihnen. Es waren keine Raben zu sehen. Plötzlich brach ein Fuchs aus der Baumgruppe hervor und rannte weg, so schnell er konnte.
Raben erhoben sich von den Ästen und folgten ihm. Ihr Flügelschlagen erstickte fast das ängstliche Winseln des Fuchses. Ein schwarzer Wirbelwind tauchte ab und schwärmte um ihn herum. Das Gebiß des Fuchses schnappte nach ihnen, aber sie stießen zu und waren pfeilschnell wieder weg, ohne daß er sie auch nur berühren konnte. Ihre schwarzen Schnäbel glänzten feucht. Der Fuchs wandte sich wieder der Baumgruppe zu und suchte nach der Sicherheit seines Baus. Er rannte nun plump und mit gesenktem Kopf, das Fell dunkel und blutig, und die Raben umflatterten ihn in immer größerer Zahl. Die flatternde Masse verdichtete sich, bis sie den Fuchs vollkommen verbarg. So schnell, wie sie sich über ihn gesenkt hatten, erhoben sie sich nun, kreisten und verschwanden über die nächste Bodenwelle im Süden. Ein verzerrter Klumpen zerrissenen Fells war alles, was von dem Fuchs übriggeblieben war.
Perrin schluckte schwer. Licht! Das könnten sie auch uns antun. Hundert Raben. Sie könnten... »Bewegt Euch!« brummte Elyas, der dabei aufsprang. Er winkte Egwene zu mitzukommen, und ohne zu warten setzte er sich in Trab auf die Bäume zu. »Macht schon, Licht noch mal!« rief er über die Schulter zurück. »Los!«
Egwene ließ Bela über die Anhöhe galoppieren und holte sie ein, bevor sie die Talsohle erreicht hatten. Es gab keine Zeit für Erklärungen, aber ihre Augen erspähten den Fuchs sofort. Ihr Gesicht wurde weiß wie Schnee.
Elyas erreichte die Bäume und drehte sich dort am Rand des Wäldchens um. Er winkte ihnen lebhaft zu, sie sollten sich beeilen. Perrin versuchte, schneller zu rennen, und stolperte. Mit wild rudernden Armen fing er sich gerade noch, bevor er auf der Nase lag. Blut und Asche! Ich renne doch schon, so schnell ich kann!