Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ein fetter Bursche sprach mit einer hohlen Herzlichkeit, doch seine Wange zuckte bei jedem Geräusch hinter ihm. Mit einem Grinsen, das von Zeit zu Zeit versagte, behauptete er, eine umgestoßene Lampe habe ein Feuer verursacht, das der Wind verbreitete, bevor man irgend etwas dagegen hatte unternehmen können. Ein Blick genügte Nynaeve, um zu erkennen, daß kein verbranntes Gebäude direkt neben einem anderen stand.
Man hörte beinahe so viele unterschiedliche Geschichten, wie es hier Menschen gab. Mehrere Frauen senkten verschwörerisch die Stimmen. In Wirklichkeit gebe es hier im Ort einen Mann, der mit der Einen Macht experimentiere. Es sei an der Zeit, eine Aes Sedai herbeizurufen, ihrer Meinung nach sogar höchste Zeit, was die Männer auch über Tar Valon sagen mochten. Laßt die Roten Ajah die Dinge wieder in Ordnung bringen.
Ein Mann behauptete, Banditen hätten sie überfallen, und ein anderer machte Ausschreitungen von Schattenfreunden verantwortlich. »Diejenigen, wißt Ihr, die weg wollen, um den falschen Drachen zu sehen«, vertraute er ihnen mit düsterer Miene an. »Sie sind überall. Alles Schattenfreunde.«
Wieder andere erzählten, der Ärger — sie waren recht vage, was die Natur dieses Ärgers betraf — habe mit einem Schiff begonnen, das den Fluß heruntergekommen war.
»Wir haben's ihnen gezeigt«, äußerte ein Mann mit schmalem Gesicht, der sich andauernd nervös die Hände rieb. »Laßt sie solche Sachen in den Grenzlanden machen, wo sie hingehören. Wir sind hinunter zu den Anlegebrücken gegangen und... « Er brach so unvermittelt ab, daß seine Zähne gegeneinanderschlugen. Ohne ein weiteres Wort hastete er fort, wobei er sie über die Schulter hinweg anblickte, als fürchte er, sie wollten ihn verfolgen.
Das Schiff war entkommen — soviel bekamen sie schließlich von anderen heraus -, man hatte die Taue gekappt und war erst gestern im letzten Moment flußabwärts geflohen, während der Mob bereits die Landestege erreichte. Nynaeve fragte sich, ob Egwene und die Jungen an Bord gewesen waren. Eine Frau meinte, ein Gaukler habe sich an Bord befunden. Falls das Thom Merrilin gewesen war...
Sie erzählte Moiraine von ihrer Vermutung, daß einige der Emondsfelder mit dem Schiff geflohen sein könnten. Die Aes Sedai hörte geduldig zu und nickte, bis sie ausgeredet hatte.
»Vielleicht«, sagte Moiraine dann, doch sie klang nicht überzeugt.
Am Platz stand immer noch eine Schenke, deren Schankraum durch eine schulterhohe Mauer in zwei Teile unterteilt war. Moiraine blieb einen Moment stehen, als sie in die Schenke eintrat. Sie fühlte mit der Hand nach der Luft. Sie lächelte, was immer sie auch dabei fühlen mochte, aber sie sagte ihnen zu der Zeit nichts darüber.
Sie aßen stumm, aber nicht nur an ihrem Tisch herrschte Schweigen, sondern im gesamten Schankraum. Die Handvoll Menschen, die hier aßen, konzentrierten sich auf ihre eigenen Teller und ihre eigenen Gedanken. Der Wirt, der mit dem Schürzenzipfel Tische abwischte, führte andauernd Selbstgespräche, aber immer zu leise, als daß sie etwas davon hätten verstehen können. Nynaeve fand, es sei nicht gerade angenehm, hier übernachten zu müssen; selbst die Luft war von Angst geschwängert.
Ungefähr zu der Zeit, als sie ihre Teller wegschoben, nachdem sie sie mit den letzten Brotresten saubergewischt hatten, erschien einer der rot uniformierten Soldaten in der Tür. Nynaeve kam er prachtvoll vor, mit seinem Pikenhelm und dem polierten Brustpanzer, bis er sich innerhalb des Eingangs zurechtstellte, eine Hand auf dem Knauf seines Schwertes und mit strengem Blick, und sich mit einem Finger in den zu engen Kragen fuhr. Das erinnerte sie an Cenn Buie, wenn er versuchte, sich wie ein richtiger Gemeinderat zu benehmen.
Lan warf einen Blick auf ihn und schnaubte: »Miliz. Unbrauchbar.«
Der Soldat ließ den Blick durch den Raum schweifen. Seine Augen ruhten schließlich auf ihnen. Er zögerte und atmete dann tief durch, bevor er herüberstampfte und hastig zu wissen verlangte, wer sie seien, was sie in Weißbrücke wollten und wie lange sie zu bleiben gedachten. »Wir reisen ab, sobald ich mein Bier ausgetrunken habe«, sagte Lan. Er nahm einen weiteren langen Schluck, bevor er zu dem Soldaten aufblickte. »Das Licht beschütze die gute Königin Morgase.«
Der rot uniformierte Mann öffnete den Mund, sah Lans Augen an und trat zurück. Er fing sich sofort wieder, nach einem Blick auf Moiraine und sie. Sie glaubte einen Augenblick lang, er werde irgend etwas Närrisches tun, um nicht vor den beiden Frauen als Feigling dazustehen. Ihrer Erfahrung nach benahmen sich Männer in solchen Situationen oft wie Idioten. Aber in Weißbrücke war schon zuviel geschehen, zuviel Unsicherheit steig aus den Tiefen des Bewußtseins dieser Männer hoch. Der Milizsoldat blickte noch einmal zu Lan zurück und überlegte. Das kantige Gesicht des Behüters war ausdruckslos, aber da waren diese kalten blauen Augen. So kalt.
Der Milizsoldat entschied sich schließlich für ein zackiges Nicken. »Seht, daß Ihr weiterkommt. Es sind heutzutage zu viele Fremde hier, um für den Frieden der Königin gut zu sein.« Er drehte sich auf dem Fuß um und stampfte wieder hinaus, wobei er unterwegs seinen strengen Blick ausprobierte. Keiner der Gäste in der Schenke schien davon Notiz zu nehmen.
»Wohin gehen wir?« wollte Nynaeve von dem Behüter wissen. Im Raum herrschte eine Atmosphäre, die sie die Stimme senken ließ, aber sie sprach trotzdem energisch genug. »Dem Schiff nach?«
Lan sah Moiraine an, die aber andeutungsweise den Kopf schüttelte, und sagte: »Zuerst muß ich den finden, bei dem ich sicher bin, daß ich ihn tatsächlich finde, und im Moment hält er sich irgendwo nördlich von uns auf. Ich glaube außerdem sowieso nicht, daß die anderen beiden mit dem Schiff gefahren sind.« Ein leichtes, befriedigtes Lächeln umspielte ihre Lippen. »Sie waren hier in diesem Raum, vielleicht vor einem Tag, höchstens aber vor zweien. Sie hatten Angst, aber sie entkamen lebend. Die Spur hätte sich ohne diese starken Gefühlsregungen nicht gehalten.«
»Welche beiden?« Nynaeve beugte sich gespannt über den Tisch. »Wißt Ihr das?« Die Aes Sedai schüttelte den Kopf, nur eine ganz leichte Bewegung, und Nynaeve sank zurück. »Wenn sie uns nur einen oder zwei Tage voraus sind, warum folgen wir ihnen dann nicht zuerst?«
»Ich weiß, daß sie hier waren«, sagte Moiraine in diesem unerträglich ruhigen Tonfall, »aber abgesehen davon kann ich nicht sagen, ob sie sich nach Osten oder Norden oder Süden wandten. Ich hoffe, sie sind schlau genug, in Richtung Caemlyn zu gehen, nach Osten, aber ich weiß es nicht, und da sie ihre Zeichen nicht mehr haben, werde ich es auch nicht wissen, bis ich vielleicht auf eine halbe Meile an sie herankomme. In zwei Tagen könnten sie in jeder Richtung zwanzig Meilen zurückgelegt haben oder auch vierzig, falls die Angst sie treibt, und als sie hier wegliefen, hatten sie ganz sicher Angst.«
»Aber... «
»Seherin, wie verängstigt sie auch gewesen sein mochten, in welche Richtung sie auch rannten, sie werden sich schließlich an Caemlyn erinnern, und dort werde ich sie finden. Aber zuerst werde ich dem helfen, den ich jetzt finden kann.«
Nynaeve öffnete den Mund wieder, aber Lan unterbrach sie sofort mit sanfter Stimme. »Sie hatten allen Grund, sich zu fürchten.« Er blickte sich um und senkte dann die Stimme. »Es war ein Halbmensch hier.« Er verzog das Gesicht so wie draußen auf dem Platz. »Ich kann ihn immer noch überall riechen.«
Moiraine seufzte. »Ich werde weiter hoffen, bis ich sicher weiß, daß es vergebens ist. Ich weigere mich, daran zu glauben, daß der Dunkle König so leicht gewinnen kann. Ich werde alle drei lebendig und gesund finden. Ich muß daran glauben.«
»Ich will die Jungen auch finden«, sagte Nynaeve, »aber was ist mit Egwene? Ihr erwähnt sie niemals, und wenn ich frage, dann beachtet Ihr mich nicht. Ich dachte, Ihr wolltet sie« — sie blickte zu den anderen Tischen hinüber und senkte die Stimme ebenfalls noch mehr -»nach Tar Valon mitnehmen.«