Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Wenn es nur einen Weg gäbe, diese Frau loszuwerden! Lan wäre allein auch eher zu ertragen — sie fühlte, wie sie bei dem Gedanken errötete, und nur aus diesem Grund sagte sie sich hastig, daß ein Behüter ja schließlich mit allen Schwierigkeiten fertigwerden müsse.
Und doch machte Lan sie noch wütender als Moiraine. Sie verstand nicht, wie sie sich so leicht von ihm aus dem Gleichgewicht bringen lassen konnte. Er sagte selten etwas — manchmal kein Dutzend Worte an einem ganzen Tag -, und er mischte sich nie in die... Diskussionen mit Moiraine ein. Er war oft weg, erkundete das Land, aber selbst wenn er da war, hielt er sich meist ein wenig entfernt von ihnen, als beobachte er ein Duell. Nynaeve wünschte, er würde damit aufhören. Falls es ein Duell war, dann hatte sie noch keinen einzigen Treffer erzielt, und Moiraine schien noch nicht einmal zu bemerken, daß sie sich in einem Kampf befand. Nynaeve hätte sich ohne seine kühlen blauen Augen und ohne einen schweigenden Zuschauer wohler gefühlt.
So war ihre Reise zum großen Teil verlaufen. Ruhig, außer zu Zeiten, da ihr Temperament mit ihr durchging, und manchmal, wenn sie herumschrie, klang ihre Stimme in der Stille wie berstendes Glas. Das Land selbst war ruhig, als hielte die Welt den Atem an. Der Wind ächzte in den Bäumen, doch sonst war alles still. Auch der Wind schien irgendwie fern, selbst wenn er durch den Umhang auf ihrem Rücken schnitt.
Zuerst war die. Stille erholsam, nach alledem, was geschehen war. Es schien, als hätte sie seit der Zeit vor der Winternacht keinen Augenblick Ruhe mehr gehabt. Am Ende ihres ersten Tages allein mit der Aes Sedai und dem Behüter blickte sie jedoch ständig nach hinten und rutschte im Sattel umher, als fühle sie ein Jucken am Rücken und könne den Fleck nicht erreichen. Die Stille erschien ihr wie ein Kristall, der zum Zerspringen verdammt war, und auf den ersten Riß zu warten, machte sie rasend.
Auch Moiraine und Lan litten darunter, selbst wenn sie nach außen hin so unerschütterlich erschienen. Sie erkannte bald, daß die beiden sich unter der ruhigen Oberfläche von Stunde zu Stunde mehr spannten, wie die Feder einer Uhr, die bis zum Zerspringen aufgezogen wird.
Moiraine schien nach Geräuschen zu lauschen, die gar nicht vorhanden waren, und was sie hörte, ließ Runzeln auf ihrer Stirn erscheinen. Lan beobachtete den Wald und den Fluß, als ob er aus den kahlen Bäumen und dem breiten, langsam fließenden Wasser Anzeichen für Fallen und Hinterhalte vor ihnen herauslesen könne.
Etwas in ihr war froh, daß sie nicht die einzige war, die dieses Am-Rand-der-Welt-Angekommensein fühlte; wenn es auch die anderen beeinflußte, dann war es wohl Wirklichkeit, obwohl ein Teil ihres Bewußtseins nichts sehnlicher wünschte, als daß all dies ihrer Einbildung entsprungen sei. Etwas davon kitzelte sie am äußersten Rand ihres Bewußtseins, genauso, wie sie es fühlte, wenn sie dem Wind lauschte, aber mittlerweile wußte sie: Das hatte mit der Einen Macht zu tun. So brachte sie es nicht fertig, diese Wellen an der Grenze des Bewußten freudig zu begrüßen.
»Es ist nichts«, sagte Lan ruhig, als sie ihn danach fragte. Er sah sie nicht an, während er mit ihr sprach; seine Augen hörten nie auf, die Umgebung abzusuchen. Dann fügte er im Widerspruch zu dem vorher Gesagten hinzu: »Ihr solltet zu Euren Zwei Flüssen zurückkehren, wenn wir Weißbrücke und die Straße nach Caemlyn erreichen. Es ist hier zu gefährlich. Aber nichts wird Euch davon abhalten, zurückzukehren.« Das war die längste Rede, die er an diesem Tag gehalten hatte.
»Sie ist ein Teil des Musters, Lan«, sagte Moiraine scheltend. Auch ihr Blick ruhte irgendwo anders. »Es ist der Dunkle König, Nynaeve. Der Sturm ist vorüber -jedenfalls für eine Weile.« Sie erhob eine Hand, als wolle sie die Luft prüfen, und dann wischte sie sie an ihrem Kleid ab, als habe sie Schmutz berührt. »Er beobachtet alles aber immer noch« — sie seufzte — »und sein Blick ist stärker geworden. Er ruht nicht nur auf uns, sondern auf der ganzen Welt. Wie lange wird es noch dauern, bis er stark genug ist, um... «
Nynaeve zog die Schultern ein; plötzlich konnte sie beinahe fühlen, wie sie jemand von hinten anstarrte. Sie hätte diese Erklärung lieber nicht von der Aes Sedai gehört.
Lan erkundete ihren Weg den Fluß hinunter, doch während er zuvor bestimmt hatte, welchen Weg sie wählten, war es nun Moiraine, die sie so sicher anführte, als folge sie unsichtbaren Spuren, Fußspuren in der Luft, dem Duft der Erinnerung. Lan überprüfte lediglich den von ihr erwählten Weg, um zu sehen, ob er sicher genug sei. Nynaeve hatte das Gefühl, daß Moiraine auch dann darauf bestanden hätte, wenn er gesagt hätte, der Weg sei nicht sicher. Und er würde ihr folgen, das war klar. Geradewegs den Fluß hinunter nach...
Nynaeve schrak auf und riß sich von ihren Gedanken los. Sie befanden sich am Fuß der Weißen Brücke. Der blasse Bogen leuchtete im Sonnenschein, ein milchiges Gespinst von Spinnweben, das sich über den Arinelle spannte, scheinbar zu zerbrechlich, um überhaupt stehen bleiben zu können. Das Gewicht eines Mannes würde sie schon einstürzen lassen, geschweige denn das eines Pferdes. Sicher mußte sie jede Minute unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
Lan und Moiraine ritten unbeeindruckt voran, die weiß schimmernde Rampe hinauf und auf die Brücke. Die Hufschläge erklangen nicht wie Stahl auf Glas, sondern wie Stahl auf Stahl. Die Oberfläche der Brücke sah sicherlich genauso glatt aus wie Glas, nasses Glas, bot aber den Hufen der Pferde einen festen und sicheren Halt. Nynaeve zwang sich dazu, ihnen zu folgen, aber vom ersten Schritt an wartete sie halb darauf, daß der gesamte Bau unter ihnen zerspringen werde. Wenn Spitzen aus Glas gefertigt würden, dachte sie, würde es wie das hier aussehen.
Erst als sie schon beinahe den ganzen Weg über die Brücke zurückgelegt hatten, bemerkte sie den teerigen Geruch von Ruß, der die Luft schwängerte. Einen Moment später sah sie den Grund.
Um das Ende der Weißen Brücke herum lagen geschwärzte Balken, aus denen noch Rauchfäden emporstiegen, die Reste eines halben Dutzends Häuser. Männer in schlecht sitzenden roten Uniformen und angerosteten Brustpanzern patrouillierten durch die Straßen, aber sie marschierten schnell, als hätten sie Angst davor, etwas zu finden, und sie sahen sich beim Marschieren ständig um. Die Stadtbewohner — es waren nicht viele da — rannten fast, die Schultern eingezogen, als ob sie von etwas verfolgt würden.
Lan blickte grimmig drein, noch grimmiger als sonst, und die Leute machten den dreien Platz; sogar die Soldaten. Der Behüter schnupperte in die Luft und verzog das Gesicht. Er grollte leise vor sich hin. Nynaeve wunderte das nicht — bei dem starken Gestank nach Feuer.
»Das Rad webt, wie das Rad es will«, murmelte Moiraine. »Kein Auge kann das Muster erkennen, bis es gewoben ist.«
Im nächsten Augenblick war sie von Aldieb abgesprungen und sprach mit Stadtbewohnern. Sie stellte keine Frage, zeigte aber ihr Mitgefühl, und zu Nynaeves Überraschung schien es echt zu sein. Menschen, die Lan auswichen und gewillt erschienen, vor jedem Fremden davonzulaufen, blieben stehen und sprachen mit Moiraine. Sie schienen von sich selbst überrascht zu sein, aber sie tauten auf gewisse Weise unter Moiraines klarem Blick und ihrer beruhigenden Stimme auf. Die Augen der Aes Sedai schienen den Schmerz der Menschen zu teilen, ihre Verwirrung zu fühlen, und ihre Zungen lösten sich.
Sie logen aber trotzdem. Die meisten von ihnen. Einige stritten ab, daß es überhaupt Unruhen gegeben hatte. Gar nichts. Moiraine erwähnte die brennenden Gebäude, die den Platz umgaben. Alles war bestens, behaupteten sie beharrlich, und blickten an dem vorbei, was sie nicht sehen wollten.