Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wie in aller Welt kommst du denn auf Letitia?«, fragte Jamie neugierig. »Ich habe ein ganzes Jahr hier gelebt, und soweit ich mich erinnere, hat sie nur ein einziges Mal mit mir gesprochen – nämlich um mir die Leviten zu lesen, weil wir beim Shinty durch ihren Rosengarten gelaufen sind.«
Ich erzählte ihm, was Geillis gesagt hatte, und er brach in schallendes Gelächter aus. Sein Atem stieg in kleinen Wölkchen in die kühle Regenluft.
»Gott«, sagte er, »als ob ich mich das getraut hätte!«
»Und es könnte auch nicht sein, dass Colum so etwas vermutet hat, oder?«, fragte ich.
Er schüttelte entschlossen den Kopf.
»Nein, Sassenach. Wenn er so etwas auch nur im Ansatz geglaubt hätte, hätte ich meinen siebzehnten Geburtstag nicht erlebt, ganz zu schweigen davon, das stattliche Alter von zweiundzwanzig zu erreichen.«
Das entsprach mehr oder weniger dem Eindruck, den ich von Colum hatte, aber ich war dennoch erleichtert. Jamies Miene war nachdenklich geworden, und der Ausdruck seiner blauen Augen schien mit einem Mal abwesend.
»Wenn ich es aber bedenke, bin ich mir gar nicht sicher, ob Colum weiß, warum ich damals so plötzlich gegangen bin. Und wenn Geillis Duncan hier solche Gerüchte verbreitet … Die Frau stiftet nichts als Unruhe, Sassenach; sie ist ein launisches Klatschweib, wenn es nicht sogar stimmt, was die Leute sagen, und sie eine Hexe ist. Nun ja, jedenfalls sorge ich besser dafür, dass er es erfährt.«
Er richtete den Blick auf den Wasservorhang, der sich von den Traufen ergoss.
»Vielleicht gehen wir besser nach unten, Sassenach. Langsam wird es hier feucht.«
Wir nahmen einen anderen Weg nach unten, am Dach entlang zu einer Außentreppe, die in den Küchengarten führte, wo ich gern noch etwas Borretsch gepflückt hätte – sollte es der Wolkenbruch zulassen. Wir stellten uns an der Burgmauer unter einen Fenstersims, der den Regen über uns ableitete.
»Was macht man mit Borretsch, Sassenach?«, fragte Jamie wissbegierig, während er seinen Blick über die vom Regen zu Boden gedrückten Pflanzen wandern ließ.
»Nichts, solange er grün ist. Nach dem Pflücken trocknet man ihn, und dann …«
Ich wurde von lautem Gebell und Geschrei unterbrochen, das von der anderen Seite der Gartenmauer kam. Ich rannte durch den Regen zur Mauer, während mir Jamie humpelnd folgte.
Vater Bain, der Dorfpriester, kam den Pfad emporgerannt, dass die Pfützen unter seinen Füßen nur so explodierten. Ein Rudel kläffender Hunde war ihm dicht auf den Fersen. Weil ihm seine voluminöse Soutane im Weg war, stolperte er und fiel hin, so dass er Wasser und Schlamm verspritzte. Im nächsten Moment fielen die Hunde knurrend und schnappend über ihn her.
Nur verschwommen nahm ich wahr, wie ein Plaid neben mir über die Mauer flog und Jamie sich auf die Hunde stürzte. Er schlug mit seinem Stock um sich und stimmte mit gälischem Gebrüll in den allgemeinen Lärm ein. Die Schreie und Flüche zeigten zwar nur wenig Wirkung, der Stock jedoch schon eher. Wo immer er auf ein Stück Fell traf, erklang abgehacktes Jaulen, und allmählich zog sich das Rudel zurück, bis es schließlich kehrtmachte und in die Richtung des Dorfes zurückgaloppierte.
Jamie wischte sich keuchend die Haare aus den Augen.
»So schlimm wie Wölfe«, sagte er. »Ich habe Colum schon von dem Rudel erzählt; sie waren es, die Cobhar vorgestern in den See gejagt haben. Er sollte sie lieber erschießen lassen, ehe sie noch jemanden umbringen.« Ich kniete neben dem Priester am Boden, um ihn zu begutachten. Der Regen lief mir von den Haarspitzen, und ich konnte fühlen, wie sich mein Schultertuch mit Nässe vollsaugte.
»Ihn haben sie jedenfalls nicht umgebracht«, sagte ich. »Bis auf ein paar Bissspuren fehlt ihm nicht viel.«
Vater Bains Soutane war an einer Seite aufgerissen, sein unbehaarter weißer Oberschenkel wies eine unschöne Risswunde und mehrere Bisse auf, aus denen Blut zu sickern begann. Der Priester war zwar kreidebleich vor Schreck, doch er begann, sich hochzurappeln; allzu schlimm schienen seine Verletzungen nicht zu sein.
»Wenn Ihr mich in mein Sprechzimmer begleitet, Vater, reinige ich die Wunden für Euch«, bot ich ihm an und verkniff mir ein Lächeln angesichts des spektakulären Anblicks, den der Priester mit seiner flatternden Soutane und seinen gemusterten Socken bot.
Vater Bains Gesicht ähnelte schon zu normalen Zeiten einer geballten Faust. Diese Ähnlichkeit wurde jetzt durch die roten Streifen an seinem Kinn vergrößert, die die senkrechten Falten zwischen seinen Wangen und seinem Mund zusätzlich betonten. Er sah mich an, als hätte ich ihm vorgeschlagen, sich öffentlich zu versündigen.
Anscheinend hatte ich genau das getan, denn seine nächsten Worte waren: »Was?! Ein Mann Gottes soll sich vor einer Frau entblößen? Nun, ich sage Euch, Madam, ich weiß ja nicht, welches unmoralische Tun in Euren Kreisen üblich ist, aber ich lasse Euch wissen, dass so etwas hier nicht geduldet wird – nicht, solange ich die Sorge für die Seelen dieser Gemeinde trage!« Damit machte er kehrt und stapfte davon. Er humpelte heftig und versuchte erfolglos, die zerrissene Seite seiner Robe hochzuhalten.
»Wie Ihr wollt«, rief ich ihm nach. »Aber wenn ich es nicht reinige, wird es eitern!«
Statt einer Antwort zuckte der Priester mit den Schultern und hievte sich Schritt für Schritt die Gartentreppe hoch – wie ein Pinguin, der von einer Eisscholle zur nächsten hüpft.
»Der Mann hat nicht besonders viel für Frauen übrig, oder?«, sagte ich zu Jamie.
»Angesichts seines Berufs ist das vermutlich auch gut so«, erwiderte er. »Lass uns essen gehen.«
Nach dem Mittagessen schickte ich meinen Patienten wieder ins Bett – diesmal allein, trotz seiner Proteste – und ging hinunter in das Sprechzimmer. Der heftige Regen schien alles zum Erliegen zu bringen; die Leute blieben lieber drinnen in Sicherheit, statt sich mit Pflugscharen über die Füße zu fahren oder vom Dach zu fallen.
Die freie Zeit verbrachte ich mit der angenehmen Beschäftigung, die Aufzeichnungen in Davie Beatons Buch auf den jüngsten Stand zu bringen. Ich war gerade fertig, da verdunkelte ein Besucher meine Tür.
Er verdunkelte sie buchstäblich, denn er füllte sie von einer Seite zur anderen aus. Blinzelnd erkannte ich Alec MacMahon, der in eine außergewöhnliche Aufmachung aus Jacken, Schultertüchern und Resten alter Pferdedecken gehüllt war.
Er kam mit einer Langsamkeit näher, die mich an Colum bei unserem ersten gemeinsamen Besuch im Sprechzimmer erinnerte, und verriet mir damit, was sein Problem war.
»Rheuma, hm?«, fragte ich mitfühlend, als er sich mit einem erstickten Stöhnlaut auf meinen einzigen Stuhl setzte.
»Aye. Die Feuchtigkeit kriecht mir in die Knochen«, sagte er. »Kann man dagegen etwas tun?« Er legte seine großen, knotigen Hände auf den Tisch, und seine Finger entspannten sich. Die Hände öffneten sich langsam wie eine Blume, die in der Nacht erblüht, und seine schwieligen Handflächen kamen zum Vorschein. Ich ergriff eine davon, drehte sie vorsichtig hin und her, streckte die Finger und massierte die verdickte Handfläche. Im ersten Moment verzerrte sich das vom Alter gezeichnete Gesicht, entspannte sich dann aber, als der erste Schmerz vorüberging.
»Wie Holz«, sagte ich. »Ein anständiger Schluck Whisky und eine gute Massage sind das Beste, was ich empfehlen kann. Rainfarntee hilft auch nicht besser.«
Er lachte, und die Tücher glitten ihm von der Schulter.
»Whisky, ja? Ich hatte ja meine Zweifel, Kleine, aber ich sehe, dass du das Zeug zu einer guten Heilerin hast.«
Ich griff an die Rückseite meines Arzneischranks und holte die anonyme braune Flasche hervor, die meinen Vorrat aus der Burgdestillerie enthielt. Zusammen mit einem Hornbecher stellte ich sie vor ihn auf den Tisch.
»Trink das«, sagte ich, »dann zieh dich so weit aus, wie du es für schicklich hältst, und leg dich auf den Tisch. Ich mache Feuer, damit es warm genug ist.«
Sein blaues Auge warf einen wohlwollenden Blick auf die Flasche, und seine gekrümmte Hand griff langsam nach dem Hals.