Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, das ist ja auch nichts, womit du dich übermäßig auskennst, oder?«, tönte Dougal voll böswilliger Verachtung.
»Nein«, kam Colums schneidende Antwort. »Und ich habe zwar nur selten Grund, dem Herrn zu danken, aber vielleicht hat er es ja doch besser mit mir gemeint, als ich dachte. Ich habe schon oft gehört, dass das Gehirn eines Mannes den Dienst einstellt, wenn er einen Ständer hat, und jetzt bin ich geneigt, das zu glauben.« Es scharrte laut, denn Stuhlbeine schabten über den Boden. »Wenn es so ist, dass die MacKenzie-Brüder zusammen nur einen Schwanz und einen Kopf haben, bin ich froh über die Hälfte, die ich abbekommen habe!«
Ich kam zu dem Schluss, dass ein dritter Teilnehmer bei diesem Gespräch mit Sicherheit nicht willkommen sein würde, und trat leise von der Tür zurück, um wieder nach unten zu gehen.
Das Geräusch raschelnder Röcke auf dem ersten Treppenabsatz ließ mich innehalten. Ich wollte nicht dabei ertappt werden, dass ich vor dem Studierzimmer des Burgherrn lauschte, und wandte mich wieder zur Tür. Hier war der Treppenabsatz breit, und die eine Wand war von der Decke bis zum Boden fast vollständig durch einen Wandteppich verhängt. Meine Füße würden zwar hervorlugen, aber ich konnte es nicht ändern.
Während ich hinter dem Wandbehang lauerte wie eine Ratte, hörte ich die Schritte von unten langsamer werden und am anderen Ende des Absatzes haltmachen, als die unsichtbare Besucherin offenbar genau wie ich zuvor die private Natur der Unterhaltung zwischen den Brüdern begriff.
»Nein«, sagte Colum gerade, etwas ruhiger jetzt. »Nein, natürlich nicht. Die Frau ist eine Hexe – oder das, was dem am nächsten kommt.«
»Aye, aber …« Dougals Erwiderung wurde durch die ungeduldigen Worte seines Bruders unterbrochen.
»Ich habe gesagt, ich kümmere mich darum, Mann. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, Brüderchen; ich sorge dafür, dass ihr recht geschieht.« Ein Unterton der widerstrebenden Zuneigung hatte sich in Colums Stimme geschlichen.
»Ich sag’s dir, Mann. Ich habe dem Herzog geschrieben, dass er die Erlaubnis bekommt, in der Gegend von Erlick zu jagen – er brennt darauf, sich dort an einem Hirsch zu versuchen. Ich habe vor, Jamie mit ihm auf die Jagd zu schicken; vielleicht hat er ja immer noch etwas für den Jungen übrig …«
Dougal unterbrach ihn auf Gälisch und sagte offensichtlich eine Grobheit, denn Colum erwiderte lachend: »Nein, ich gehe davon aus, dass Jamie selbst auf sich aufpassen kann. Aber wenn der Herzog bereit ist, sich bei Seiner Königlichen Majestät für ihn einzusetzen, ist das Jamies beste Chance auf eine Begnadigung. Wenn du willst, sage ich Seiner Durchlaucht, dass du ihn ebenfalls begleitest. Dann kannst du Jamie helfen, wenn du willst, und du bist nicht im Weg, während ich die Dinge hier regele.«
Auf der anderen Seite des Absatzes pochte es leise, und ich riskierte einen Blick. Es war Laoghaire, kreidebleich wie die verputzte Wand in ihrem Rücken. Sie trug ein Tablett mit einer Karaffe; ein Zinnbecher war vom Tablett auf den Teppich gefallen, daher das Geräusch, das ich gehört hatte.
»Was war das?«, erklang Colums Stimme plötzlich scharf aus dem Zimmer.
Laoghaire stellte das Tablett so hastig auf den Tisch neben der Tür, dass sie beinahe die Karaffe umgeworfen hätte, machte kehrt und stürzte davon.
Ich konnte Dougals Schritte zur Tür kommen hören und wusste, dass ich es niemals unentdeckt die Treppe hinunter schaffen würde. Mir blieb kaum Zeit, mich aus meinem Versteck zu winden und den heruntergefallenen Becher aufzuheben, als sich die Tür auch schon öffnete.
»Oh, du bist es.« Dougal klang etwas überrascht. »Ist das das Mittel, das Mrs. Fitz Colum für seine Halsschmerzen schickt?«
»Ja«, sagte ich. »Sie hofft, es geht ihm bald besser damit.«
»Bestimmt.« Colum, der sich langsamer bewegte, kam jetzt ebenfalls an der offenen Tür in Sicht. Er lächelte mich an. »Richtet Mrs. Fitz meinen Dank aus. Euch danke ich auch, meine Liebe, dass Ihr es mir gebracht habt. Möchtet Ihr Euch einen Moment setzen, während ich es trinke?«
Im Lauf des Gesprächs, das ich mit angehört hatte, hatte ich meine ursprüngliche Absicht fast vergessen, doch jetzt fiel mir wieder ein, dass ich mir ja ein Buch leihen wollte. Dougal entschuldigte sich, und ich folgte Colum in die Bibliothek, wo er mir die freie Auswahl ließ.
Colums Gesicht war immer noch ein wenig rot, und er hatte eindeutig noch den Streit mit seinem Bruder im Kopf. Doch er beantwortete mir meine Fragen zu den Büchern mit einer überzeugenden Imitation seiner üblichen Selbstsicherheit. Nur das Leuchten in seinen Augen und eine gewisse Anspannung in seiner Körperhaltung verrieten seine Gedanken.
Ich fand ein oder zwei Kräuterkundebücher, die einen interessanten Eindruck machten, legte sie beiseite und blätterte dann in einem Roman.
Colum trat an den Vogelkäfig, wohl um sich wie so oft zu beruhigen, indem er die hübschen, selbstvergessenen Tierchen dabei beobachtete, wie sie von Ast zu Ast hüpften, ein jedes in seiner eigenen Welt.
Rufe im Freien erregten meine Aufmerksamkeit. Aus dieser Höhe konnte man die Felder hinter der Burg bis hin zum See überblicken. Eine kleine Gruppe von Reitern galoppierte unter begeistertem Geschrei um das Ende des Sees herum, vorangepeitscht durch den heftigen Regen.
Als sie näher kamen, konnte ich erkennen, dass es Jungen waren, zum Großteil Jugendliche, hier und da aber auch ein Kind auf einem Pony, das sich aus Leibeskräften bemühte, mit den Älteren Schritt zu halten. Ich fragte mich, ob Hamish dabei war, und fand den auffälligen hellen Haarfleck, der mitten in der Gruppe wild auf Cobhars Rücken aufglänzte.
Die ganze Bande raste jetzt auf die Burg zu und näherte sich einem der zahllosen Steinmäuerchen, die ein Feld vom anderen trennten. Eins, zwei, drei, vier hüpften die älteren Jungen auf ihren Pferden mit erprobter Leichtigkeit über das Hindernis.
Es war gewiss meine Einbildung, die den Braunen eine Sekunde stocken zu lassen schien, denn Cobhar folgte den anderen Pferden mit sichtlicher Freude. Er steuerte das Mäuerchen an, sprang ab und flog.
Er schien es genau wie die anderen zu machen, und doch geschah etwas. Vielleicht ein Zögern seines Reiters, eine zu feste Zügelhand oder ein nicht ganz sicherer Sitz. Denn die Vorderhufe trafen das Mäuerchen, und Pferd und Reiter flogen in der spektakulärsten Schreckensparabel hinüber, die ich je gesehen hatte.
»Oh!«
Auf meinen Ausruf hin wandte Colum den Kopf genau in dem Moment zum Fenster, als Cobhar mit voller Wucht auf der Seite landete und Hamishs kleine Gestalt unter sich begrub. Trotz seiner verkrüppelten Beine bewegte sich Colum blitzschnell. Er stand neben mir und klammerte sich an die Fensterbank, noch ehe das Pferd begonnen hatte, sich wieder hochzukämpfen.
Der Wind trieb den Regen zu uns herein und durchnässte Colums Samtrock. Während ich ihm nervös über die Schulter blickte, beobachtete ich die Jungen, die sich umeinander drängten und sich gegenseitig beiseiteschubsten, weil jeder helfen wollte. Es kam uns endlos lange vor, bis sich die Gruppe teilte und wir die kleine, kräftige Gestalt hervorstolpern sahen, die Hände vor den Bauch gepresst. Er lehnte jede angebotene Hilfe kopfschüttelnd ab und schwankte zielstrebig auf das Mäuerchen zu, lehnte sich hinüber und übergab sich heftig. Dann ließ er sich an der Mauer zu Boden gleiten, setzte sich mit gespreizten Beinen ins nasse Gras und hielt das Gesicht in den Regen. Als ich sah, wie er die Zunge herausstreckte, um die fallenden Tropfen zu fangen, legte ich Colum beruhigend die Hand auf die Schulter.
»Ihm fehlt nichts«, sagte ich. »Es hat ihm nur den Atem verschlagen.«
Colum schloss die Augen, atmete auf, und sein Körper sackte zusammen, als sich seine Anspannung löste. Ich betrachtete ihn voller Mitgefühl.
»Ihr liebt ihn, als ob er der Eure wäre, nicht wahr?«, fragte ich.
Seine grauen Augen flammten mir plötzlich alarmiert entgegen. Im ersten Moment war es im Studierzimmer still bis auf das Ticken der Glasuhr auf dem Wandbord. Dann rollte ihm eine dicke Träne über die Nase und blieb glitzernd an der Spitze hängen. Ich streckte unwillkürlich die Hand aus, um ihn mit meinem Taschentuch abzutupfen, und die Anspannung in seinem Gesicht verschwand.