Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Trink lieber auch selbst einen Schluck, Kleine«, riet er mir. »Das wird anstrengend.«
Er stöhnte halb schmerzerfüllt, halb genüsslich auf, als ich mich fest auf seine linke Schulter stützte, um sie zu lockern, sie dann von unten anhob und seinen halben Oberkörper rotieren ließ.
»Früher hat mir meine Frau den Rücken gewalkt«, sagte er. »Gegen den Hexenschuss. Aber das hier ist viel besser. Du hast schöne kräftige Hände, Kleine. Du würdest einen guten Stalljungen abgeben.«
»Ich nehme an, das ist ein Kompliment«, sagte ich trocken und goss mir noch etwas von der erwärmten Mischung aus Öl und Talg auf die Hand, um ihm den gesamten weißen Rücken damit einzureiben. Eine scharfe Demarkationslinie trennte die verwitterte, von der Sonne gefleckte Haut seiner Arme von dem Punkt, wo seine aufgekrempelten Ärmel endeten und die milchweiße Haut seiner Schultern und seines Rückens begann.
»Du bist ja wirklich einmal ein hübscher Junge gewesen«, stellte ich fest. »Die Haut auf deinem Rücken ist so weiß wie meine.«
Ein tiefes Glucksen schüttelte die Haut unter meinen Händen.
»Das würde man gar nicht vermuten, nicht wahr? Aye, Ellen MacKenzie hat mich einmal dabei gesehen, wie ich ohne Hemd ein Fohlen zur Welt brachte, und sie meinte, es sähe so aus, als hätte der Herrgott mir den falschen Kopf auf den Körper gesetzt – eigentlich würde ein Beutel Milchpudding auf meine Schultern gehören, kein Gesicht aus dem Chorgestühl.«
Ich vermutete, dass sie das Chorgestühl in der Kapelle meinte, das eine Reihe extrem unattraktiver Dämonen bei der Folterung von Sündern zeigte.
»Das klingt so, als hätte Ellen MacKenzie kein Blatt vor den Mund genommen«, sagte ich. Ich war mehr als nur ein bisschen neugierig, was Jamies Mutter betraf. Die Kleinigkeiten, die er mir hin und wieder erzählte, hatten mir zumindest ansatzweise eine Vorstellung von seinem Vater Brian vermittelt. Seine Mutter hatte er jedoch kaum erwähnt, und ich wusste nichts über sie, außer dass sie jung im Kindbett gestorben war.
»Oh, Ellen hatte eine scharfe Zunge und den passenden Verstand dazu.« Ich öffnete die Knieverschlüsse seiner Beinkleider und schob sie hoch, um mir seine muskulösen Waden vorzunehmen. »Aber genug Charme dazu, so dass es niemanden sehr gestört hat, außer ihre Brüder. Und sie hat sich nie viel aus Colums oder Dougals Meinung gemacht.«
»Mm. Das kam mir auch schon zu Ohren. Ist sie nicht irgendwann durchgebrannt?« Ich grub die Daumen in die Sehnen an der Rückseite seines Knies, und er stieß ein Geräusch aus, das bei einem weniger würdevollen Menschen ein Quietschen gewesen wäre.
»Oh, aye. Ellen war die Älteste der sechs MacKenzie-Geschwister, ein oder zwei Jahre älter als Colum – und Jacobs Augapfel. Das war der Grund, weshalb sie so lange unverheiratet geblieben ist; sie wollte nichts von John Cameron oder Malcolm Grant wissen oder von den anderen, die für sie in Frage kamen, und ihr Vater wollte sie nicht zwingen.«
Doch der alte Jacob starb, und Colum hatte weniger Geduld mit den Launen seiner Schwester. Als Teil seiner verzweifelten Bemühungen, seine prekäre Position an der Spitze des Clans zu festigen, hätte er gern die Munros im Norden oder die Grants im Süden als Verbündete gewonnen. Beide Clans hatten junge Anführer, die nützliche Schwäger abgegeben hätten. Die fünfzehnjährige Jocasta hatte gehorsam in John Camerons Brautwerbung eingewilligt und war nach Norden gezogen. Ellen, die mit zweiundzwanzig schon fast eine alte Jungfer war, hatte sich deutlich weniger kooperativ gezeigt.
»Ich vermute, sie hat Malcolm Grant mit großer Entschlossenheit zurückgewiesen, so, wie er sich uns gegenüber neulich verhalten hat«, sagte ich.
Alec lachte, und das Lachen verwandelte sich in ein zufriedenes Stöhnen, als ich fester zudrückte.
»Aye. Ich weiß nicht, was genau sie zu ihm gesagt hat, aber ich denke, es hat ihm überhaupt nicht gefallen. Sie sind damals beim großen Gathering zusammengetroffen. Eines Abends sind sie in den Rosengarten gegangen, und alle haben gespannt gewartet, ob sie ihn nehmen würde oder nicht. Und es wurde dunkel, und sie warteten immer noch. Und noch dunkler, und die Laternen wurden angezündet, und immer noch keine Spur von Ellen oder Malcolm Grant.«
»Du liebe Güte. Das muss ja eine Unterhaltung gewesen sein.« Ich goss ihm noch einen Schluck Massageöl zwischen die Schulterblätter, und die angenehme Wärme ließ ihn ächzen.
»So sah es aus. Aber die Zeit verging, und sie kamen nicht zurück, und Colum bekam es mit der Angst zu tun, dass Grant mit ihr durchgebrannt wäre, sie entführt hätte. Und genau den Anschein hatte es, denn der Rosengarten war leer, als sie endlich nachgesehen haben. Dann hat er mich aus dem Stall holen lassen – und ich habe ihm mitgeteilt, dass Grants Männer ihre Pferde geholt hatten und der ganze Haufen ohne ein Abschiedswort davongeritten war.«
Außer sich vor Wut war der achtzehnjährige Dougal aufs Pferd gestiegen und hatte sich an Malcolm Grants Fersen geheftet, ohne zu warten, bis ihn jemand begleiten konnte, und ohne sich mit Colum zu beratschlagen.
»Als Colum gehört hat, dass Dougal sich an die Verfolgung gemacht hatte, hat er mich mit ein paar anderen holterdiepolter hinterhergeschickt. Colum kannte ja Dougals Wutausbrüche und wollte seinen neuen Schwager nicht tot auf der Straße finden, ehe auch nur das Aufgebot bestellt werden konnte. Er ist davon ausgegangen, dass Malcolm Grant Ellen nicht zur Hochzeit überreden konnte und sie deshalb entführt hatte, um sich an ihr zu vergehen und sie so zur Heirat zu zwingen.«
Alec hielt inne und dachte nach. »Dougal konnte natürlich nicht mehr darin sehen als den Affront. Aber um die Wahrheit zu sagen, glaube ich nicht, dass Colum besonders bestürzt war, Affront oder nicht. Es hätte schließlich sein Problem gelöst – und Grant hätte Ellen vermutlich ohne ihre Mitgift nehmen und Colum sogar noch eine Wiedergutmachung bezahlen müssen.«
Alec prustete zynisch. »Colum würde ja nie eine gute Gelegenheit ungenutzt lassen. Er handelt schnell und rücksichtslos.« Er schielte mich über die Schulter hinweg mit seinem blauen Auge an. »Das solltest du besser nie vergessen, Kleine.«
»Das ist unwahrscheinlich«, versicherte ich ihm grimmig. Ich erinnerte mich an Jamies Erzählung von seiner Bestrafung auf Colums Befehl und fragte mich, inwieweit das wohl Rache für die Rebellion seiner Mutter gewesen war.
Doch Colum hatte keine Gelegenheit bekommen, seine Schwester mit dem Oberhaupt der Grants zu verheiraten. Gegen Tagesanbruch hatte Dougal Malcolm Grant in sein Plaid gehüllt unter einem Ginsterbusch am Straßenrand gefunden, wo er mit seinen Gefolgsmännern schlief.
Und als Alec und die anderen etwas später angerast gekommen waren, hatte sich ihnen ein verblüffender Anblick geboten: Dougal MacKenzie und Malcolm Grant schwankten und stolperten bis zur Taille entblößt und vom Kampf gezeichnet auf der Straße umher und tauschten immer noch einzelne Hiebe aus, wenn sie in Reichweite des anderen kamen. Grants Gefolgsmänner hockten an der Straße wie die Eulen und wandten die Köpfe nach rechts und links, während der ersterbende Kampf in der nassen Morgendämmerung vor sich hin mäanderte.
»Sie keuchten beide wie überanstrengte Pferde, und in der kühlen Luft stieg ihnen der Dampf von den Körpern auf. Grants Nase war auf die doppelte Größe angeschwollen, Dougal konnte kaum noch aus den Augen sehen, und beiden lief das Blut über den Körper und trocknete ihnen auf der Brust.«
Beim Erscheinen von Colums Männern waren Grants Leute mit den Händen an den Schwertern aufgesprungen, und das Zusammentreffen wäre vermutlich in ernsthaftes Blutvergießen ausgeartet, wäre nicht einem Adlerauge unter den MacKenzies die nicht ganz unwichtige Tatsache aufgefallen, dass Ellen MacKenzie nirgendwo bei den Grants zu sehen war.
»Nun, nachdem sie Malcom Grant mit Wasser überschüttet und zur Besinnung gebracht hatten, konnte er ihnen sagen, was Dougal nicht hatte hören wollen – dass Ellen gerade einmal eine Viertelstunde mit ihm im Rosengarten verbracht hatte. Er hat sich geweigert zu verraten, was zwischen ihnen vorgegangen war, doch was immer es war, es hatte ihn so gekränkt, dass er sofort hatte gehen wollen, ohne sein Gesicht in Colums Halle zu zeigen. Er hatte Ellen im Garten stehen gelassen und sie nie mehr zu Gesicht bekommen. Er wünschte, den Namen Ellen MacKenzie in seiner Gegenwart nie wieder zu hören. Und damit ist er – zwar noch etwas wackelig, aber immerhin – aufs Pferd gestiegen und davongeritten. Und ist dem Clan MacKenzie seitdem alles andere als wohlgesinnt.«