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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich hörte ihm fasziniert zu. »Und wo war Ellen die ganze Zeit?«

Alec lachte, und es klang wie eine ächzende Stalltür.

»Auf und davon. Aber das hat man erst nach einer Weile herausgefunden. Wir haben kehrtgemacht und sind schleunigst nach Hause. Ellen war nach wie vor verschwunden, und Colum stand leichenblass auf Angus Mhor gestützt im Hof.«

Es folgte weitere Verwirrung, denn bei so vielen Gästen waren nicht nur die Zimmer der Burg voll, sondern auch die Heuböden und Nischen, die Küchen und die Besenkammern. Es schien hoffnungslos, festzustellen, wer von den vielen Menschen in der Burg sonst noch zu fehlen schien, doch Colum ging hartnäckig mit allen Dienstboten die Gästelisten durch und fragte, wer am Abend zuvor gesehen worden war und wo und wann. Schließlich stöberte er tatsächlich eine Küchenmagd auf, die sich erinnerte, einen Mann in einem Nebengang gesehen zu haben, kurz bevor das Abendessen aufgetragen wurde.

Er war ihr nur deshalb aufgefallen, weil er so gut aussah; hochgewachsen und kräftig, sagte sie, mit Haaren wie ein schwarzes Silkie und Augen wie eine Katze. Sie hatte ihm bewundernd nachgeblickt und beobachtet, wie er sich an der Tür mit jemandem traf – einer Frau, die von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet und in einen Kapuzenumhang gehüllt war.

»Was ist denn ein Silkie?«, fragte ich.

Alecs Auge richtete sich auf mich, und in seinem Augenwinkel erschienen kleine Fältchen.

»Übersetzt heißt es Seehund. Auch als die Wahrheit längst herausgekommen war, haben sich die Leute im Dorf noch lange erzählt, Ellen MacKenzie lebte jetzt bei den Seehunden im Meer. Wusstest du, dass die Silkies ihren Pelz ablegen, wenn sie an Land gehen, und dann aufrecht gehen? Und wenn man den Pelz eines Silkies findet und ihn versteckt, kann es nicht zurück ins Meer und muss bei dem Finder an Land bleiben. Es heißt, es ist gut, sich eine solche Seefrau zu nehmen, weil sie gute Köchinnen und hingebungsvolle Mütter sind.«

Dann besann er sich wieder auf die Wirklichkeit. »Aber Colum glaubte selbstverständlich nicht, dass seine Schwester mit einem Seehund verschwunden war, und das sagte er auch. Also hat er einen Gast nach dem anderen zu sich gerufen und sie alle gefragt, wer einen Mann kannte, auf den diese Beschreibung zutraf. Letztlich haben sie herausbekommen, dass er Brian hieß, doch niemand kannte seinen Clan oder seinen Zunamen; er hatte an den Wettkämpfen teilgenommen, aber dort hatte man ihn nur Brian Dhu genannt.«

Das schien es erst einmal zu sein, denn die Suchtrupps hatten ja keine Ahnung, welche Richtung sie einschlagen sollten. Doch selbst der beste Jäger muss hin und wieder an einem Bauernhaus halten und um eine Handvoll Salz oder einen Schluck Milch bitten. Und schließlich berichtete jemand in Leoch von dem Paar, denn Ellen MacKenzie war ja alles andere als eine gewöhnliche Erscheinung.

»Haare wie Feuer«, sagte Alec verträumt und genoss die Wärme des Öls auf seinem Rücken, »und Augen wie Colum – grau, mit dunklen Wimpern, sehr hübsch, aber sie konnten einen durchbohren wie ein Pfeil. Eine hochgewachsene Frau, sogar noch größer als du. Und so hellhäutig, dass es beinahe schmerzte, sie anzusehen. Ich habe später gehört, sie wären sich beim Gathering begegnet, hätten sich nur einen kurzen Moment in die Augen gesehen und auf der Stelle beschlossen, dass sie füreinander bestimmt waren. Also haben sie einen Plan ausgeheckt und sich davongestohlen, direkt vor Colums Nase und vor dreihundert Gästen.«

Er lachte unvermittelt. »Dougal hat nicht aufgegeben und sie irgendwann gefunden. Sie lebten in einer Kate am Rand des Fraser-Gebiets. Sie waren zu dem Schluss gekommen, dass es nur einen Weg gab, nämlich sich zu verstecken, bis Ellen schwanger war und es außer Frage stand, wer der Vater war. Dann würde Colum der Hochzeit seinen Segen geben müssen, ob es ihm gefiel oder nicht – und es hat ihm nicht gefallen.«

Alec grinste. »Ist dir unterwegs vielleicht eine Narbe aufgefallen, die sich über Dougals Brust zieht?«

Ja, eine dünne weiße Linie, die ihm von der Schulter zu den Rippen quer über das Herz lief.

»Ist Brian das gewesen?«, fragte ich.

»Nein, Ellen«, sagte er und grinste über meine Miene. »Um ihn davon abzuhalten, Brian die Kehle durchzuschneiden, denn das hätte er fast getan. Ich an deiner Stelle würde Dougal nicht darauf ansprechen.«

»Nein, das lasse ich wohl lieber.«

Zum Glück hatte der Plan funktioniert, und Ellen war im fünften Monat, als Dougal sie fand.

»Es gab große Aufregung über die ganze Sache, und zwischen Leoch und Beauly wurden viele böse Briefe gewechselt. Aber am Ende sind sie zu einer Abmachung gekommen, und Ellen und Brian sind eine Woche vor der Geburt nach Lallybroch gezogen. Sie haben vor der Haustür geheiratet«, fügte er noch hinzu, »damit er sie das erste Mal als seine Frau über die Schwelle tragen konnte. Hinterher hat er gesagt, er hätte sich dabei beinahe einen Bruch gehoben.«

»Das klingt ja, als hättest du die beiden gut gekannt«, sagte ich. Ich beendete meine Massage und wischte mir das schlüpfrige Öl an einem Handtuch ab.

»Oh, ein bisschen«, erwiderte Alec, der jetzt von der Wärme schläfrig wurde. Allmählich fiel ihm das Auge zu, und sein Gesicht entspannte sich so weit, dass der Ausdruck leisen Unwohlseins verschwand, der ihn sonst so unnahbar aussehen ließ.

»Ellen kannte ich natürlich gut. Brian bin ich Jahre später begegnet, als er den Jungen hergebracht hat – wir haben uns bestens verstanden. Er konnte gut mit Pferden umgehen.« Damit verstummte er, und das Auge fiel ihm zu.

Ich zog eine Decke über den Körper des alten Mannes und entfernte mich auf Zehenspitzen, um ihn am Feuer seinen Träumen zu überlassen.

Nachdem ich Alec schlafend zurückgelassen hatte, war ich hinauf in unser Zimmer gegangen und hatte Jamie dort im gleichen Zustand vorgefunden. Es gibt nur eine begrenzte Art von Möglichkeiten, sich an einem dunklen Regentag im Haus zu vergnügen, und da ich Jamie weder wecken noch ihm in der Bewusstlosigkeit Gesellschaft leisten wollte, schienen nur Lesen oder Handarbeiten übrig zu bleiben. Meine Handarbeitskünste waren weniger als mittelprächtig, daher beschloss ich, mir ein Buch aus Colums Bibliothek zu leihen.

Passend zu den merkwürdigen architektonischen Prinzipien, nach denen man Leoch errichtet hatte – basierend auf einer generellen Ablehnung jeder Geradlinigkeit –, bog die Treppe, die zu Colums Wohnräumen führte, zweimal im rechten Winkel ab. Jeder Knick zeichnete sich durch einen kleinen Treppenabsatz aus. Normalerweise stand immer ein Dienstbote auf dem zweiten Treppenabsatz, um Botengänge für seinen Herrn zu erledigen oder diesem hilfreich zur Seite zu stehen, doch heute war er nicht auf seinem Posten. Oben konnte ich Männerstimmen hören; vielleicht war der Dienstbote ja bei Colum. Ich blieb vor der Tür stehen, unsicher, ob ich stören sollte.

»Ich habe ja immer schon gewusst, dass du ein Narr bist, Dougal, aber für einen solchen Idioten habe ich dich dann doch nicht gehalten.« Da Colum seit seiner Jugend von Hauslehrern umgeben gewesen war und er es – anders als sein Bruder – nicht gewohnt war, sich unter den Kriegern oder den Dorfbewohnern zu bewegen, war seine Stimme normalerweise frei von dem breiten schottischen Akzent, der Dougals Sprechweise kennzeichnete. Doch jetzt war ihm der kultivierte Akzent ein wenig entglitten, und die beiden vor Wut belegten Stimmen waren kaum noch zu unterscheiden. »So etwas hätte ich von dir erwartet, als du zwanzig warst, aber zum Kuckuck, Mann, du bist fünfundvierzig!«

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