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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Meint Ihr, Ihr werdet dorthin zurückgehen?«, fragte ich.

»Zurück?« Sie klang ein wenig verblüfft. »Oh. Daran … daran habe ich noch gar nicht gedacht …«

»Nicht?« Ich suchte mir einen Baumstamm als Rückenlehne und reckte mich ein wenig, um meinen Rücken zu entspannen. »Ihr müsst doch gesehen haben, dass Euer … dass Mr. Beardsley im Sterben lag. Hattet Ihr denn gar keinen Plan?« Abgesehen davon, ihn spaßeshalber zu Tode zu foltern, natürlich. Mir kam der Gedanke, dass ich viel zu viel Vertrauen zu dieser Frau gefasst hatte, mit der ich im Dunklen mit den Ziegen allein war. Möglich, dass sie wirklich Beardsleys Opfer gewesen war – möglich aber auch, dass sie das jetzt nur sagte, um sich unserer Hilfe zu versichern. Besser, wenn ich Beardsleys verbrannte Zehen und den widerwärtigen Zustand des Dachbodens nicht vergaß. Ich setzte mich ein wenig gerader hin und tastete nach dem kleinen Messer, das ich am Gürtel trug – nur für alle Fälle.

»Nein.« Sie klang ein wenig benommen – was ja vermutlich auch kein Wunder war. Auch mir war mehr als nur ein wenig benommen zumute, emotional ausgelaugt und erschöpft, wie ich war. So sehr, dass ich beinahe überhört hätte, was sie als Nächstes sagte.

»Was habt Ihr gesagt?«

»Ich sagte … Mary Ann hat mir nicht gesagt, was ich tun sollte … danach.«

»Mary-Ann«, sagte ich vorsichtig. »Ja, und das ist … die erste Mrs. Beardsley, ja?«

Sie lachte, und meine Nackenhaare sträubten sich unangenehm.

»O nein. Mary-Ann war die vierte.«

»Die … vierte«, sagte ich schwach.

»Sie ifft es, die unter der Esche begraben ifft«, teilte sie mir mit. »Das war ein Fehler. Die anderen sind im Wald. Er ifft träge geworden, nehme ich an; er wollte nicht so weit laufen.«

»Oh«, sagte ich, denn eine bessere Antwort fiel mir nicht ein.

»Ich habe es Euch doch gesagt – sie ffteht unter der Esche, wenn der Mond aufgeht. Als ich sie das erffte Mal dort gesehen habe, dachte ich, sie wäre lebendig. Ich hatte Angfft vor dem, was er tun würde, wenn er sie allein dort sah – also habe ich mich aus dem Haus gefftohlen, um sie zu warnen.«

»Verstehe.« Irgendetwas in meiner Stimme muss alles andere als überzeugt geklungen haben, denn sie wandte mir abrupt den Kopf zu. Ich packte das Messer fester an.

»Glaubt Ihr mir nicht?«

»Natürlich glaube ich Euch!«, versicherte ich ihr und versuchte, Hirams Kopf von meinem Schoß zu schieben. Mein linkes Bein war von seinem Gewicht eingeschlafen, und mein Fuß war gefühllos.

»Ich kann es Euch zeigen«, sagte sie, und ihre Stimme war ruhig und sicher. »Mary-Ann hat mir gesagt, wo sie sind – die anderen –, und ich habe sie gefunden. Ich kann Euch ihre Gräber zeigen.«

»Das ist wirklich nicht nötig«, sagte ich und spannte meine Zehen an, um die Blutzirkulation wieder herzustellen. Wenn sie auf mich losging, so beschloss ich, würde ich ihr die Ziege in den Weg schieben, mich zur Seite rollen, mich so schnell wie möglich davonmachen und nach Jamie rufen. Wo zum Teufel war Jamie überhaupt?

»Also … äh … Mary-Ann. Ihr sagt also, Mr. Beardsley –« Mir fiel auf, dass ich seinen Namen auch nicht kannte, aber angesichts der Umstände hielt ich es für besser, auf förmlichem Abstand zu bleiben. »Euer Ehemann hat vier Frauen umgebracht? Und niemand hat es gemerkt?« Nicht, dass es unbedingt jemand hätte merken müssen, begriff ich. Der Hof der Beardsleys lag sehr isoliert, und es war an der Tagesordnung, dass Frauen starben – durch Unfälle, Geburten oder schlichte Überarbeitung. Vielleicht wusste ja irgendjemand, dass Beardsley vier Frauen verloren hatte – aber es war absolut denkbar, dass niemand sich dafür interessierte, wie.

»Ja.« Sie klang ruhig, dachte ich; also war sie mir nicht unmittelbar gefährlich. »Er hätte mich auch umgebracht – aber Mary-Ann hat ihn daran gehindert.«

»Wie hat sie das gemacht?«

Sie holte tief Luft, seufzte und machte es sich auf dem Boden bequemer. Auf ihrem Schoß ertönte ein schwaches, schläfriges Blöken, und ich erkannte, dass sie das Zicklein wieder wiegte. Ich löste meine Finger von dem Messer; mit der Ziege auf dem Schoß konnte sie mich wohl kaum angreifen.

Sie war, so erzählte sie, immer hinausgegangen, um mit Mary-Ann zu sprechen, wenn der Mond hoch am Himmel stand; die Geisterfrau erschien nur bei zu- und abnehmendem Halbmond unter dem Baum – nicht bei Neu- oder Vollmond.

»Wie merkwürdig«, murmelte ich, aber sie bemerkte es nicht, denn sie war zu sehr in ihrer Geschichte versunken.

Dies war einige Monate so gegangen. Mary-Ann hatte Fanny Beardsley erzählt, wer sie war, sie über das Schicksal ihrer Vorgängerinnen und über ihren eigenen Tod unterrichtet.

»Er hat sie erwürgt«, vertraute Fanny mir an. »Ich konnte die Abdrücke seiner Hände an ihrem Hals sehen. Sie hat mich gewarnt, daff es mir eines Tages genauso ergehen würde.«

Ein paar Wochen später war sich Fanny eines Abends sicher gewesen, dass der Zeitpunkt gekommen war.

»Er war furchtbar betrunken«, erklärte sie. »Es war am schlimmsten, wenn er Alkohol getrunken hatte, und dieffmal …«

Sie war so nervös gewesen, dass sie das Brettchen mit seinem Abendessen fallen gelassen und ihn mit Essen bekleckert hatte. Er war mit einem Aufschrei aufgesprungen und hatte einen Satz in ihre Richtung gemacht, und sie hatte kehrt gemacht und die Flucht ergriffen.

»Er war zwischen mir und der Tür«, sagte sie. »Also habe ich auf den Ffpeicher zugehalten. Ich hoffte, dass er zu betrunken sein würde, um es die Leiter hinaufzuschaffen, und so war es auch.«

Beardsley war taumelnd gestolpert und hatte die Leiter mit einem Krach umgestürzt. Während er sich knurrend und fluchend bemühte, sie wieder zurückzustellen, hatte es an der Tür geklopft.

Beardsley hatte laut gefragt, wer dort war, doch es war keine Antwort gekommen, nur erneutes Klopfen. Fanny war an die Kante des Dachbodens gekrochen und hatte gesehen, wie sein rotes Gesicht funkelnd zu ihr heraufsah. Es hatte ein drittes Mal geklopft. Seine Zunge war zu belegt vom Alkohol, als dass er zusammenhängend hätte sprechen können; er hatte sie nur angegrollt und ihr warnend den Finger entgegen gehalten, dann hatte er sich umgedreht und war zur Tür getorkelt. Er hatte sie aufgerissen, hinausgeschaut – und aufgeschrien.

»So etwas habe ich noch nie gehört«, sagte sie ganz leise. »Niemals.«

Beardsley hatte sich umgedreht und war losgelaufen, war über einen Hocker gestolpert und der Länge nach hingefallen, hatte sich mühsam wieder auf die Beine gekämpft, war zum Fuß der Leiter geschwankt und hinauf geklettert, wobei er ständig die Sprossen verfehlte, nach Halt suchte und laut brüllte und schrie.

»Er hat mich immer wieder angeschrien, ich sollte ihm helfen, ihm helfen.« Ein seltsamer Unterton lag in ihrer Stimme; vielleicht nur Erstaunen, dass ein solcher Mann sie um Hilfe anrief – doch mit einer beunruhigenden Note, von der ich glaubte, dass sie ein tiefes, geheimes Vergnügen an dieser Erinnerung verriet.

Beardsley hatte das Ende der Leiter erreicht, es aber nicht geschafft, den letzten Schritt auf den Dachboden zu tun. Stattdessen hatte sich sein rotes Gesicht plötzlich weiß verfärbt, seine Augen hatten sich verdreht, und dann war er besinnungslos mit dem Gesicht auf die oberen Dielen gestürzt, während seine Beine absurd vom Dachboden baumelten.

»Ich bekam ihn nicht hinunter; alles, was ich tun konnte, war, ihn auf den Speicher zu ziehen.« Sie seufzte. »Und den Refft … wifft Ihr ja.«

»Nicht ganz.« Jamies Stimme erklang hinter mir in der Dunkelheit, und ich fuhr zusammen. Hiram grunzte entrüstet, weil ich ihn wach gerüttelt hatte.

»Wie lange bist du denn schon hier?«, fragte ich.

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