Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie holte tief Luft, bereit, sich in die Schlacht zu stürzen, doch dann überlegte sie es sich anders. Sie konnte den Gedanken an das endlose Hin und Her nicht ertragen, das folgen würde, wenn sie sich mit ihnen als Gruppe auseinandersetzte. Teile und erobere, das war der einzige Weg.
»Ich schreibe gerade«, erklärte sie stattdessen und blickte mit zusammengekniffenen Augen von einem Gesicht zum nächsten. »Es ist wichtig.« Mrs. Aberfeldy machte ein beeindrucktes Gesicht; Mrs. Chisholm ein beleidigtes, Mrs. Bug ein erstauntes.
Sie nickte den Frauen nacheinander kühl zu.
»Ich unterhalte mich später einzeln mit Euch darüber. Aye?«
Sie öffnete die Tür, trat ein und schloss sie ganz leise vor den drei weit aufgerissenen Augenpaaren, dann presste sie ihren Rücken dagegen, schloss die Augen und atmete die Luft aus, die sie angehalten hatte.
Es folgte Schweigen vor der Tür, dann ein deutliches »Hmp!«, das sich nach Mrs. Chisholms Stimme anhörte, und das Geräusch sich entfernender Schritte – ein Paar die Treppe hinauf, eines auf die Küche zu und ein lauteres in das Sprechzimmer gegenüber auf dem Flur. Ein Schwall kleiner Schritte zur Haustür hinaus verkündete, dass Tony und Toby die Flucht ergriffen hatten.
Jemmy hörte auf zu jammern, als er sie sah, und begann, am Daumen zu lutschen.
»Ich hoffe, Mrs. Chisholm versteht nichts von Kräutern«, sagte sie flüsternd zu ihm. »Oma bewahrt bestimmt auch Gift dort auf.« Gut, dass ihre Mutter wenigstens die Truhe mit den Sägen und Skalpellen mitgenommen hatte.
Sie stand eine Minute still und lauschte. Keine Geräusche von zerbrechendem Glas. Möglicherweise war Mrs. Chisholm ja nur in das Sprechzimmer gegangen, um Mrs. Aberfeldy und Mrs. Bug aus dem Weg zu gehen. Brianna ließ sich auf den Stuhl vor dem kleinen Tisch sinken, der ihrem Vater als Schreibtisch diente. Oder vielleicht hatte sich Mrs. Chisholm ja auf die Lauer gelegt, um Brianna dazu zu bewegen, sich ihre Beschwerden anzuhören, sobald ihr die anderen nicht mehr im Weg waren.
Jemmy lag jetzt mit den Beinchen in der Luft auf dem Rücken und zermatschte fröhlich ein Stück Zwieback, das er irgendwo gefunden hatte. Ihr Tagebuch war zu Boden gefallen. Da sie Mrs. Chisholm aus dem Sprechzimmer kommen hörte, hob sie rasch den Federkiel und nahm mit der anderen Hand eines der Kontobücher von dem Stapel auf dem Schreibtisch.
Die Tür öffnete sich ein oder zwei Zentimeter. Sekundenlang herrschte Schweigen, und sie beugte den Kopf stirnrunzelnd in übertriebener Konzentration über die Seite, die vor ihr lag, und kratzte mit leerem Federkiel darauf herum. Die Tür schloss sich wieder.
»Blöde Kuh«, murmelte sie vor sich hin. Jemmy machte ein fragendes Geräusch und sie blickte zu ihm hinunter. »Das hast du nicht gehört, klar?«
Jemmy blubberte zustimmend und stopfte sich den matschigen Überrest seines Toaststückchens in das linke Nasenloch. Sie setzte sich instinktiv in Bewegung, um es ihm abzunehmen, dann bremste sie sich. Sie war heute Morgen nicht in der Stimmung für weitere Konflikte. Das galt auch für den Nachmittag.
Sie klopfte nachdenklich mit dem Federkiel auf die Buchseite. Sie würde etwas unternehmen müssen, und zwar schnell. Womöglich hatte Mrs. Chisholm die Tollkirschen gefunden, und sie wusste, dass Mrs. Bug ein Hackbeil hatte.
An Gewicht, Größe und Reichweite war Mrs. Chisholm zwar im Vorteil, aber Brianna hätte ihr Geld auf Mrs. Bug verwettet, was List und Tücke anging. Was die arme, kleine Mrs. Aberfeldy anging, so würde sie ins Kreuzfeuer geraten und mit verbalen Geschossen bombardiert werden. Und Klein-Ruthie würde wahrscheinlich so kahl sein wie ein Ei, bevor die Woche verstrichen war.
Ihr Vater hätte sie durch den vereinten Einsatz von Charme und männlicher Autorität in null Komma nichts in ihre Schranken verwiesen. Sie prustete bei dieser Vorstellung belustigt auf. Komm, würde er zu der einen sagen, und sie würde sich schnurrend wie Adso, der Kater, zu seinen Füßen zusammenrollen. Geh, würde er zu einer anderen sagen, und sie würde prompt in die Küche wandern und ihm einen Teller Buttermuffins backen.
Ihre Mutter hätte die erste Gelegenheit ergriffen, aus dem Haus zu flüchten – um sich um einen abgelegenen Patienten zu kümmern oder Heilkräuter zu sammeln – und die Frauen ihren Streit selbst ausfechten zu lassen, und sie wäre erst dann zurückgekehrt, wenn ein Zustand bewaffneter Neutralität wiederhergestellt war. Brianna war der Ausdruck der Erleichterung im Gesicht ihrer Mutter nicht entgangen, als sie sich in den Sattel ihrer Stute schwang – genauso wenig wie der etwas entschuldigende Blick, den sie ihrer Tochter zuwarf. Dennoch kam für sie keine dieser Strategien in Frage – wenn auch das Bedürfnis, sich Jemmy zu packen und das Weite zu suchen, sehr stark war.
Zum hundertsten Mal seit dem Aufbruch der Männer wünschte sie, sie hätte mit ihnen reiten können. Sie konnte sich die Bewegungen eines Pferdes unter ihr vorstellen, die klare, kalte Luft in ihren Lungen, und Roger, der an ihrer Seite ritt, die Sonne in seinem dunklen Haar, gemeinsam unterwegs zu unbekannten Abenteuern.
Sie vermisste ihn so sehr, dass es schmerzte wie ein Bluterguss auf einem Knochen. Wie lange mochte er wohl fortbleiben, wenn es wirklich zu Kampfhandlungen kam? Sie verdrängte den Gedanken, denn sie wollte sich nicht mit dem Gedanken befassen, der danach kam; dem Gedanken, dass dann auch die Möglichkeit bestand – so klein sie auch war –, dass er krank oder verletzt zurückkam – oder dass er gar nicht zurückkam.
»Dazu wird es nicht kommen«, sagte sie laut und überzeugt. »In ein oder zwei Wochen sind sie wieder da.«
Lautes Prasseln erklang, denn ein Windstoß wehte Eisregen gegen das Fenster. Das Wetter wurde kalt; bei Anbruch der Nacht würde es schneien. Sie erschauerte, zog sich das Schultertuch um die Schultern und warf einen Blick auf Jemmy, um sich zu vergewissern, dass er nicht fror. Sein Kittelchen war hochgerutscht, seine Windel eindeutig nass, er hatte einen Strumpf verloren, und sein kleiner, rosiger Fuß war nackt. Er schien es nicht zu merken, da er ganz darin vertieft war, seinen nackten Zehen, die sich in der Luft bewegten, ein Lied vorzusingen.
Sie sah ihn skeptisch an, doch er machte einen ganz zufriedenen Eindruck – und das Kohlebecken in der Ecke verbreitete schließlich einige Wärme.
»Okay«, sagte sie und seufzte. Sie hatte Jemmy, und damit basta. Und da es nun einmal so war, bestand das Problem darin, einen Weg zu finden, mit den drei Furien fertig zu werden, bevor sie sie zum Wahnsinn trieben oder sich gegenseitig mit dem Nudelholz oder ihren Stricknadeln umbrachten.
»Logik«, sagte sie zu Jemmy. Sie setzte sich gerade auf den Stuhl und zeigte mit dem Federkiel auf ihn. »Es muss einen logischen Weg geben. Es ist wie dieses Rätsel, in dem man einen Kannibalen, einen Missionar und eine Ziege in einem Kanu über einen Fluss befördern muss. Lass mich darüber nachdenken.«
Jemmy versuchte jetzt, sich den Fuß in seinen mit Krümeln verklebten Mund zu stecken, obwohl diese Tätigkeit eindeutig nichts Logisches an sich hatte.
»Das musst du von Papa haben«, sagte sie geduldig zu ihm. Sie stellte den Federkiel in das Gefäß zurück und war schon im Begriff, das Buch zu schließen, als sie inne hielt, fasziniert von den Einträgen, die sich über die Seite breiteten. Der Anblick von Jamies typisch unordentlicher Handschrift war immer noch etwas Aufregendes für sie und erinnerte sie daran, wie sie sie zum ersten Mal gesehen hatte – auf einem uralten Erbvertrag, dessen Tinte vom Alter hellbraun geworden war.
Diese Tinte hier war zwar anfangs auch hellbraun gewesen, jetzt jedoch dunkler geworden, da die Mischung aus Eisen und Galle nach einem Tag an der Luft ihre typische, blauschwarze Färbung annahm.
Es war weniger ein Rechnungsbuch, so sah sie, als vielmehr ein Logbuch, in dem die täglichen Aktivitäten auf der Farm festgehalten waren.
16. Juli – Sechs entwöhnte Ferkel von Pastor Gottfried erhalten, im Austausch für zwei Flaschen Muskatellerwein und eine Axtklinge. Habe sie im Stall untergebracht, bis sie groß genug sind, um sich im Wald selbst zu ernähren.