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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Das kann ich gut verstehen.« Auch ich sah mich beklommen um, obwohl es nichts zu sehen gab; das Haus stand still und leer da. »Ich kann es gar nicht abwarten, von hier fortzukommen.«

Die Sonne war hinter die Bäume gesunken, und ein kühler, blauer Schatten hatte sich über die Mulde gebreitet, in der das Farmhaus stand. Die Hühner waren schon lange schlafen gegangen. Die frische Erde auf Beardsleys Grab hob sich dunkel und feucht von ihrer Umgebung ab, ein flacher Hügel unter dem kahlen Geäst der Esche. Man konnte es nicht ansehen, ohne an das Gewicht der feuchten Erde und an die Unbeweglichkeit zu denken, an Fäulnis und Verderben.

Ihr werdet verwesen und dann sterben, hatte Jamie zu ihm gesagt. Ich hoffte, dass die Umkehrung der beiden Vorgänge sich für Beardsley als Wohltat erwiesen hatte – für mich war sie jedenfalls keine. Ich zog mir das Schultertuch stramm um die Schultern und atmete fest aus, dann tief wieder ein und hoffte, dass der kühle, klare Duft der Kiefern den Phantomgeruch nach totem Fleisch vertreiben würde, der mir an Händen und Kleidern und in der Nase zu haften schien.

Die Pferde waren unruhig. Sie stampften mit den Hufen, schüttelten die Mähnen und warteten ungeduldig auf den Aufbruch. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Allerdings drängte es mich, mich noch einmal umzusehen. Ein desolaterer Anblick war kaum vorstellbar. Noch schwieriger vorstellbar war der Gedanke, allein hier zu bleiben.

Offensichtlich hatte Mrs. Beardsley sich das vorgestellt und war zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen. Jetzt trat sie aus der Scheune, das Zicklein auf dem Arm, und verkündete, dass sie mit uns kommen würde. Dasselbe galt allem Anschein nach für die Ziegen. Sie reichte mir das Zicklein und verschwand wieder in der Scheune.

Das Zicklein war schwer und verschlafen, die biegsamen, kleinen Gelenke zu einem gemütlichen Bündel gefaltet. Es pustete mir warme Luft über die Hand und knabberte sanft daran, um zu sehen, was für ein Mensch ich war, dann gab es ein leises, zufriedenes »Mäh« von sich und lehnte sich entspannt und friedlich gegen meine Rippen. Ein lauteres »Mäh!« und ein Stups an meinem Oberschenkel verkündeten die Gegenwart der Ziegenmutter, die ein wachsames Auge auf ihren Nachwuchs hatte.

»Nun, sie kann sie ja wohl kaum hierlassen«, murmelte ich Jamie zu, der hinter mir in der Dämmerung mürrische Geräusche von sich gab. »Sie müssen schließlich gemolken werden. Außerdem ist es doch nicht sehr weit, oder?«

»Hast du eine Ahnung, wie schnell eine Ziege ist, Sassenach?«

»Ich habe noch nie mit der Uhr daneben gestanden«, sagte ich ziemlich gereizt und verlagerte das Gewicht meiner kleinen, haarigen Bürde. »Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie im Dunkeln sehr viel langsamer sind als die Pferde.«

Er antwortete mit einem schottischen Kehllaut, der durch den Schleim in seinem Hals noch ausdrucksvoller als sonst ausfiel. Er hustete.

»Du hörst dich furchtbar an«, sagte ich. »Wenn wir an unserem Ziel anlangen, rücke ich dir mit dem Mentholschmalz zu Leibe, mein Herz.«

Er äußerte keinen Einwand gegen diesen Vorschlag, was mich sehr alarmierte, da es anzeigte, dass seine Vitalität ernsthaft angegriffen war. Doch bevor ich mich weiter nach seinem Gesundheitszustand erkundigen konnte, wurde ich dadurch unterbrochen, dass Mrs. Beardsley aus der Scheune kam, gefolgt von sechs Ziegen, die zusammengebunden waren wie eine Bande angenehm betrunkener Verbrecher.

Jamie warf der Prozession einen skeptischen Blick zu, seufzte resigniert und widmete sich der Erörterung der logistischen Probleme, mit denen wir jetzt konfrontiert waren. Mrs. Beardsley auf Gideon, den Menschenfresser, zu setzen, kam nicht in Frage. Jamie blickte von mir auf Mrs. Beardsleys kräftige Figur, dann auf die kleine Gestalt meiner Stute, die kaum größer war als ein Pony, und hustete.

Nach einiger Überlegung ließ er Mrs. Beardsley auf Mrs. Piggy steigen und das schlafende Zicklein vor sich balancieren. Ich würde mit ihm reiten, und zwar auf Gideons Widerrist, womit theoretisch jeder Versuch des Tiers unterbunden war, mich von seiner Kruppe ins Unterholz zu schleudern. Er band dem Ziegenbock ein Seil um den Hals und befestigte es lose am Sattel der Stute, doch die Weibchen ließ er frei laufen.

»Die Mutter wird bei dem Jungen bleiben, und die anderen werden dem Bock folgen«, sagte er zu mir. »Ziegen sind Herdentiere; sie haben kein Bedürfnis, sich allein herumzutreiben. Schon gar nicht bei Nacht. Kusch«, brummte er und schob eine neugierige Nase von sich, die sich seinem Gesicht näherte, als er sich hin hockte, um den Sattelgurt zu überprüfen. »Schweine wären sicher schlimmer. Sie gehen ihre eigenen Wege.« Er stand auf und tätschelte geistesabwesend ein haariges Köpfchen.

»Falls etwas passiert, macht ihn sofort los«, sagte er zu Mrs. Beardsley und zeigte ihr die Halbschleife, die er unter ihrer Hand am Sattel befestigt hatte. »Falls das Pferd mit Euch durchgeht, wird der Kleine sonst stranguliert.«

Sie nickte, ein zusammengesunkenes Häufchen auf dem Pferd, dann hob sie den Kopf und sah das Haus an.

»Wir sollten gehen, bevor der Mond aufgeht«, sagte sie leise. »Dann kommt sie heraus.«

Mir lief ein eisiger Schauer über den Rücken, und Jamie zuckte zusammen. Sein Kopf fuhr herum, um auf das verdunkelte Haus zu blicken. Das Feuer war ausgegangen, und niemand hatte daran gedacht, die Tür zu schließen; sie klaffte offen wie eine leere Augenhöhle.

»Wer, sie?«, fragte Jamie hörbar gereizt.

»Mary Ann«, antwortete Mrs. Beardsley. »Sie war die letffte.« Ihre Stimme war vollkommen tonlos; sie hörte sich an wie eine Schlafwandlerin.

»Die letzte was?«, fragte ich.

»Seine letffte Frau«, erwiderte sie und nahm die Zügel auf. »Sie ffteht bei Mondaufgang unter der Eberesche.«

Jamie drehte mir den Kopf zu. Es war zu dunkel, um seinen Gesichtsausdruck zu sehen, aber das brauchte ich auch gar nicht. Ich räusperte mich.

»Sollten wir nicht … die Tür schließen?«, schlug ich vor. Mr. Beardsleys Geist hatte inzwischen wahrscheinlich begriffen, was gemeint war, und ob Mrs. Beardsley nun ein Interesse an dem Haus hatte oder nicht, es schien nicht recht, es den marodierenden Waschbären und Eichhörnchen zu überlassen, ganz zu schweigen von größeren Tieren, die womöglich durch den Geruch von Mr. Beardsleys Abgang angezogen wurden. Andererseits drängte es mich nicht im Geringsten, mich dem leeren Haus zu nähern.

»Steig auf das Pferd, Sassenach.«

Jamie schritt über den Hof, knallte die Tür etwas fester zu als unbedingt nötig, kam dann – energischen Schrittes – zurück und schwang sich hinter mir in den Sattel.

»Ab!«, sagte er scharf, und wir waren unterwegs. Das Leuchten des aufgehenden Halbmondes erschien gerade eben über den Bäumen.

Es war ungefähr eine Viertelmeile bis zur Mündung des Weges, und der Boden stieg aus der Mulde an, in der das Farmhaus der Beardsleys stand. Wegen der Ziegen bewegten wir uns langsam, und ich beobachtete die Gräser und Stauden, die wir streiften, und fragte mich, ob sie mir nur deshalb sichtbarer vorkamen, weil meine Augen sich jetzt an die Dunkelheit gewöhnten – oder weil der Mond aufgegangen war.

Ich fühlte mich vollkommen sicher mit dem kraftvollen Rumpf des Pferdes unter mir, dem geselligen Meckern der Ziegen ringsum und Jamies ebenso beruhigender Gegenwart in meinem Rücken. Andererseits wusste ich nicht, ob ich mich sicher genug fühlen sollte, um mich noch einmal umzudrehen und zurückzublicken. Gleichzeitig war der Drang, einen Blick zu riskieren, so heftig, dass er beinahe stärker war als die Angst, die das Haus mir einflößte. Beinahe.

»Es ist doch gar keine Eberesche, oder?«, erklang Jamies Stimme leise hinter mir.

»Nein«, sagte ich und sein Arm, den er fest um mich gelegt hatte, flößte mir Mut ein. »Es ist eine Bergesche. Sie sind sich aber sehr ähnlich.« Ich hatte schon viele Bergeschen gesehen; die Highlandschotten pflanzten sie oft neben ihre Blockhütten oder Häuser, weil die Büschel orangefarbener Beeren und die gefiederten Blätter in der Tat wie die Eberesche Schottlands aussahen – ein naher botanischer Verwandter. Mir war jedoch klar, dass Jamies Bemerkung keine taxonomische Haarspalterei war, sondern dem Zweifel entsprang, ob die Esche dieselben abweisenden Fähigkeiten gegen das Böse und die Zauberei besaß. Er hatte sich die Stelle unter diesem Baum weder aus ästhetischen noch aus praktischen Gründen für Beardsleys Grabstätte ausgesucht.

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