Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Fort«, sagte Jamie. Er hockte sich ebenfalls hin und legte der Ziege eine Hand auf den Kopf. »Ruhig, a bailach. Ist ja schon gut. Seas, mo charaid.«
Ich konnte keine offene Wunde am Körper der Ziege ertasten, aber ich konnte eindeutig Blut riechen; ein scharfer, metallischer Geruch, der den reinen Nachtgeruch des Waldes störte. Die Pferde rochen es auch; sie kollerten vor sich hin und bewegten sich unruhig in der Dunkelheit.
»Bist du ganz sicher, dass sie fort ist?«, fragte ich und versuchte das Gefühl zu ignorieren, dass ein Augenpaar auf meinen Nacken gerichtet war. »Ich rieche Blut.«
»Aye. Die Katze hat eine der Ziegen gerissen«, unterrichtete Jamie mich. Er kniete sich neben mich und legte seine große Hand auf den Hals des Widders.
»Mrs. Beardsley hat den tapferen, kleinen Kerl hier losgemacht, und der hat sich schnurstracks auf die Katze gestürzt. Ich habe nicht alles sehen können, aber ich glaube, das Biest hat mit der Pranke nach ihm geschlagen; ich habe gehört, wie es geschrien hat und etwas zersplittert ist, und genau da hat der Bock auch geschrien. Ich glaube, sein Bein ist gebrochen.«
So war es auch. Mit diesem Hinweis fand ich den Bruch ganz leicht, unten an der Speiche des rechten Vorderbeins. Die Haut war unverletzt, aber der Knochen war durchgebrochen; ich konnte die leichte Verschiebung der Knochenenden spüren. Der Ziegenbock wand sich und hieb mit den Hörnern nach meinem Arm, als ich die Stelle berührte. Er rollte wild mit den Augen, die seltsamen, eckigen Pupillen waren im Mondschein sichtbar, aber farblos.
»Kannst du ihn heilen, Sassenach?«, fragte Jamie.
»Ich weiß es nicht.« Die Ziege kämpfte immer noch, aber ihre anfallshaften Bewegungen wurden spürbar schwächer, als sich jetzt der Schock bemerkbar machte. Ich biss mir auf die Lippe und tastete in der Falte zwischen Bein und Körper nach dem Puls. Die Verletzung selbst war wahrscheinlich heilbar, aber der Schock bildete eine große Gefahr; ich hatte schon viele Tiere – und auch Menschen – unmittelbar nach traumatischen Unfällen sterben sehen, obwohl ihre Verletzungen an und für sich nicht tödlich waren.
»Ich weiß es nicht«, wiederholte ich. Meine Finger hatten endlich den Puls gefunden; er raste wie ein Presslufthammer und war sehr schwach. Ich versuchte, mir die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten auszumalen, die allesamt sehr rudimentär waren. »Es kann gut sein, dass er stirbt, Jamie, selbst wenn ich das Bein richten kann. Meinst du nicht, dass wir ihn vielleicht schlachten sollten? Als Fleisch wäre er sehr viel einfacher zu transportieren.«
Jamie streichelte der Ziege sanft den Hals.
»Es wäre eine große Schande, wo er doch so ein tapferer Kerl ist.«
Darüber lachte Mrs. Beardsley, und ein leises, nervöses Kichern wie das eines jungen Mädchens erklang hinter Jamie in der Dunkelheit.
»Sein Name ifft Hiram«, sagte sie. »Er ifft ein guter Junge.«
»Hiram«, wiederholte Jamie und streichelte ihn weiter. »Nun denn, Hiram. Courage, mon brave. Du machst das schon. Was brauchst du, Sassenach?«
Die Entscheidung war offensichtlich gefallen; er war schon im Begriff, sich zu erheben.
»Na gut«, sagte ich und atmete flach. Hirams Moschusdrüsen machten Überstunden. Selbst der harsche Eisengeruch des Blutes verblasste dagegen. Ich strich mir das Haar mit dem Rücken meines Handgelenkes zurück. »Such mir ein paar gerade Stöcke, etwa dreißig Zentimeter lang, keine Queräste, und ein Stück Seil aus den Satteltaschen. Dann kannst du mir hier helfen«, fügte ich hinzu, während ich versuchte, meinen widerspenstigen Patienten fest in den Griff zu bekommen. »Hiram scheint dich zu mögen. Bestimmt erkennt er in dir einen Gleichgesinnten.«
Jamie lachte, ein leises, beruhigendes Geräusch an meiner Seite. Er kratzte Hiram ein letztes Mal die Ohren, stand auf, ging raschelnd davon und kehrte innerhalb weniger Minuten mit den benötigten Gegenständen zurück.
»Gut«, sagte ich und löste eine Hand von Hirams Hals, um nach den Stöcken zu tasten. »Ich werde es schienen. Wir werden ihn tragen müssen, aber die Schiene wird ihn daran hindern, das Bein zu beugen und noch mehr Schaden anzurichten. Hilf mir, ihn auf die Seite zu legen.« Ob aus Männerstolz oder Bockigkeit – vorausgesetzt, dass es dazwischen einen Unterschied gab – versuchte Hiram trotz seines gebrochenen Beins immer wieder aufzustehen. Doch sein Kopf wackelte alarmierend, da seine Halsmuskeln allmählich schwächer wurden, und sein Körper schlingerte von rechts nach links. Er scharrte schwach auf dem Boden, dann hielt er heftig keuchend inne.
Mrs. Beardsley stand über mir, das Zicklein nach wie vor fest auf dem Arm. Es gab ein leises Blöken von sich, als sei es plötzlich aus einem Alptraum erwacht, und Hiram antwortete ihm mit einem laut widerhallenden »Mähh!«.
»Keine schlechte Idee«, murmelte Jamie. Er stand unvermittelt auf und nahm Mrs. Beardsley das Zicklein ab. Dann kniete er sich wieder hin und schob das kleine Tier dicht an Hirams Seite. Der Ziegenbock hörte sofort auf, sich zu wehren, und verdrehte den Kopf, um seinen Nachwuchs zu beschnüffeln. Das Zicklein jammerte auf und drückte seine Nase an die Seite der großen Ziege, und eine lange, schleimige Zunge schlängelte sich heraus und beschlabberte meine Hand, während sie den Kopf des Zickleins suchte.
»Beeil dich, Sassenach«, riet Jamie mir.
Er brauchte mich gar nicht anzutreiben, und innerhalb weniger Minuten hatte ich das Bein stabilisiert und die Schienen mit einem der zahlreichen Schultertücher abgepolstert, die Mrs. Beardsleys Garderobe darzustellen schienen. Hiram hatte sich beruhigt. Er gab nur noch gelegentliche Grunz- oder Blöklaute von sich, doch das Zicklein meckerte immer noch laut.
»Wo ist denn seine Mutter?«, fragte ich, obwohl ich die Antwort gar nicht zu hören brauchte. Ich wusste nicht besonders viel über Ziegen, aber ich wusste genug über Mütter und Babys, um zu begreifen, dass nur der Tod eine Mutter von einem Kind fernhalten konnte, das unablässig einen solchen Lärm machte. Die anderen Ziegen waren zurückgekommen, aus Neugier, Angst vor der Dunkelheit oder dem schlichten Bedürfnis nach Gesellschaft, doch die Mutter zeigte sich nicht.
»Arme Becky«, sagte Mrs. Beardsley traurig. »Sie war so eine liebe Ziege.«
Dunkle Gestalten umdrängten uns schubsend; ein heißer Lufthauch traf mein Ohr, als eine der Ziegen an meinem Haar knabberte, eine andere trat mir auf den Unterschenkel, und ich japste auf, als ihre scharfen, kleinen Hufe über meine Haut kratzten. Doch ich machte keinen Versuch, sie fortzuscheuchen; die Anwesenheit seines Harems schien für Hiram Wunder zu wirken.
Ich hatte die Beinknochen wieder an ihren Platz gerückt und die Schiene fest darum gebunden. Ich hatte einen guten Pulspunkt am Ohransatz des Ziegenbocks gefunden und war gerade dabei zu zählen, Hirams Kopf auf dem Schoß. Als sich die anderen Ziegen an ihn drängten, an ihm schnüffelten und klagende Laute von sich gaben, hob er plötzlich den Kopf und richtete sich auf seine Brust auf. Das gebrochene Bein stand samt Verband nach vorn ab.
Im ersten Moment schwankte er hin und her wie ein Betrunkener, dann gab er ein lautes, unwilliges »MÄÄÄÄÄHHH« von sich und erhob sich taumelnd auf die Beine. Er fiel prompt wieder hin, aber der Versuch erfreute alle Anwesenden. Selbst Mrs. Beardsley gab bei diesem Anblick ein schwaches, vergnügtes Trillern von sich.
»Nun gut.« Jamie stand auf und fuhr sich seufzend mit den Fingern durch das Haar. »Also dann.«
»Also dann was?«, fragte ich.
»Jetzt entscheide ich, was wir machen«, sagte er mit einem gewissen, gereizten Unterton.
»Gehen wir nicht weiter nach Brownsville?«
»Das könnten wir tun«, sagte er. »Falls Mrs. Beardsley zufälligerweise den Weg so gut kennt, dass sie ihn bei Sternenschein wiederfindet?« Er drehte sich ihr erwartungsvoll zu, doch ich konnte ihre negative Kopfbewegung trotz der Dunkelheit sehen.
Mir dämmerte, dass wir uns in der Tat nicht mehr auf dem Weg befanden – der sowieso nicht mehr als ein schmaler Wildwechsel war, der sich durch den Wald wand.